11.3.05

Terror

Für mich war es ein hartes Stück Arbeit, mich von dem radikalen Feminismus meiner Kommilitoninnen zu emzipieren. Undenkbar wäre gewesen, eine Frau zu heiraten, die zu Hause bei den Kindern bleiben will. Nix da, ich wollte den halben Himmel auch haben und ihr die halbe Maloche gönnen. Es ist anders gekommen.

Heute bin ich mir sicher, dass Vieles von dem, was zurzeit schief läuft in diesem Land, am Emanzipationsterror sozialdemokratischer Prägung liegt. Nicht sehr tief geschürft, aber doch fein zusammen gefasst hat das diese Woche Beate Clausnitzer in der Zeit. Lustig, dass ich gerade heute über verwandte Einträge bei der Kaltmamsell und bei Bernd ClüwerThomas Knüwer gestolpert bin. Ich bin jedoch anderer Meinung.

So lange, wie ich noch kein familienfreundliches Unternehmen erlebt habe, sondern von Chefs höre, die Müttern, die zurück kommen wollen, als leuchtendes Beispiel die eine Frau vorhalten, die nach knapp sechs Monaten wieder eingestiegen ist; so lange, wie in einigen Unternehmen des größten deutschen Medienkonzerns Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder teilweise weiter arbeiten wollen, recht systematisch rausgemobbt werden oder ihr Arbeitsbereich kurzerhand abgewickelt wird; so lange läuft etwas falsch.

Wer mit vermeintlicher Geichbehandlung Ungleichheit leugnet (und wir sind nun mal nicht gleich), muss sich über gar nichts wundern. Weder über mangelnde Motivation, noch über sinkende Geburtenzahlen bei Akademikerinnen.

Kommentare:

  1. Mir ist nicht klar, wo Deine Meinung abweicht. So, wie es im Moment dasteht, lese ich: Du willst NICHT, dass Frauen und Männer dieselben Wahlmöglichkeiten haben? Du willst NICHT, dass die Gesellschaft sich in eine Richtung entwickelt, die Frauen wie Männer den Weg in Machtpositionen freihalten? Du leitest aus der Tatsache, dass Frauen Kinder gebären können und Männer nicht, ab, dass Frauen nicht Machtpositionen innehaben sollten? Das kann ich mir nicht so recht vorstellen.

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  2. Nein, das nicht.
    Sondern ich will nicht, dass sich Wert oder Nicht-Wert in der Gesellschaft daran misst, ob und wie jemand erwerbstätig ist.
    Was mir einleuchtet: Viele Frauen haben verdammt große Opfer gebracht in den letzten Jahren (und viele empfinden Kinderlosigkeit anders als du als Opfer), ohne dass sie die "Hälfte des Himmels" bekommen hätten.
    Was ich absurd finde: Der doppelte Beschiss an Frauen, die erst keine Führungsposition bekommen, weil sie vielleicht schwanger werden könnten - und dann systematisch gemobbt werden, wenn sie denn schwanger werden.

    Zum anderen sehe ich genau die Wahlmöglichkeit heute für viele Frauen (und teilweise auch Männer) nicht. Ich kenne keinen Fall von einer Frau, die sich für die Familie als Beruf entschieden hat, der nicht von massiven Problemen und Vorwürfen sowohl durch den Ex-Arbeitgeber als auch im persönlichen Umfeld begleitet war. Ich kenne keinen Fall von einem Mann, der nach einer familienbedingten Auszeit oder Teilbeschäftigung wieder einen Karrierefuß auf den Boden bekommen hätte.
    Insofern: Ich empfinde viele Fragen von beiden Seiten als falsch gestellt. Und ich empfinde uns in unserer Entscheidung, wie wir Erwerbs- und Familienarbeit verteilen, massiv gesellschaftlich diskriminiert.

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  3. Wenn, dann ist es Deine Peer Group, die Dich diskriminiert, keineswegs die Gesellschaft. Dein Familienmodell (Kinder mit Mutter daheim und Vater auf Arbeit) ist statistisch immer noch das am weitesten verbreitete.
    Aber wir sind uns einig: Es fehlen die Voraussetzungen für die Wahlmöglichkeit, und die gehören dringend geschaffen.
    Wert in der Gesellschaft ist übrigens das eine, Machtpositionen ist das andere. Die Ideologie, Mutterschaft und weibliche private Entfaltung seien mindestens so wertvoll wie gesellschaftliches Engagement, wurde in der Vergangenheit erfolgreich dazu missbraucht, Frauen von der Macht ferngehalten.

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  4. Nun kenne ich da die Statistik nicht wirklich - aber unter Akademiker-Haushalten kann ich mir das nicht vorstellen. OK, auch unter Akademiker-Familien, die so viele Kinder haben wie wir ab dem Sommer (was aber ohnehin ja nicht viel vorkommt), kenne ich welche, die dieses Familienmodell leben.
    Ansonsten fast gar keine. Finde ich auch nicht schlimm. Schlimm finde ich Vorwürfe an Frauen, wenn sie schwanger werden. Schlimm finde ich Vorwürfe an Frauen, wenn sie nicht erwerbstätig sein wollen. Beides scheint mir zumindest unter liberalen Akademikerinnen und Akademikern viel vorzukommen.

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  5. Anonym14.3.05

    Hier gibt es feste Zahlen.
    http://www.oif.ac.at/aktuell/aktuell.asp?Rubrik=1
    Das Österreichische Institut für Familienforschung untersucht Familien und ihre Lebensformen in ganz Europa. Ich habe schon viele informative und vergnügliche Stunden beim Stöbern in ihren Berichten verbracht. Leider bin ich allergisch gegen Zahlen, so daß ich das gewonnene Wissen nie schlagkräftig einsetzen kann...

    Aber soweit ich weiß, ist Deutschland, gemeinsam mit Österreich, eines der Länder, in denen das stay at home mum Modell recht verbreitet ist.

    Das Problem bei dem Thema ist ja, daß man und frau sich ständig in der Defensive fühlt. Für jede Wahl gibt es ja das passende Vorurteil, Passendes bitte ankreuzen.

    A Ich bin verdummter Putzteufel ohne geistige Interessen, der seine Familie als Vorwand benutzt, nicht zu arbeiten.

    B.Ich bin neurotische kinderlose Karrierefrau und plane, im Alter anderleuts Kinder ordentlich auszuplündern.

    C. Ich bin Rabenmutter mit staubigem Schreibtisch und permanent schlechtem Gewissen.

    D. Ich bin keins von alledem, denn ich bin ein Mann und somit vollkommen.

    Gute Nacht... sagt die Lila, die zum Einloggen zu blöd ist.

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