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1.9.19

Meine Heimat

In den letzten Wochen sah ich aus dem Augenwinkel immer wieder und mehr als sonst so ein Nölen über „die unsozialen Medien“ allgemein. Und über Twitter im Besonderen. Eigentlich ignoriere ich das ja. Zumal es mir auch nicht leicht fällt, vor allem Twitter zu verteidigen (Facebook ist da egal für mich, da bin ich seit einiger Zeit gar nicht mehr. So mit ganz echt und ganz und gar gelöschtem Account und so). Denn etliches, was auf Twitter seinen Ausgang nimmt, ist grauenvoll.

Aber.

„Mein“ Twitter ist nicht grauenvoll. Sondern ganz im Gegenteil, ganz wundervoll. So wundervoll, dass ich diesen Sommer gar nicht gebloggt habe, weil Gedanken und Inspiration auf und um Twitter passierten. Seit ich vor etwa dreieinhalb Jahren angefangen habe, Dinge und Leute, die mir nicht gut tun, konsequent zu blocken, ist Twitter für mich nach einer kurzen seelisch ungesunden Phase wieder der Heimatraum, der es schon immer war. Da mich viele Dinge interessieren – beispielsweise Kommunikation, Religion, Politik, Islandpferde, Kunst –, ist „mein“ Twitter sehr divers und das Gegenteil einer sich selbst immer wieder bestätigenden homogenen Gruppe. Ich ziehe sehr viele Hinweise auf andere und überraschende und (für mich) ärgerliche Texte und Gedanken aus Twitter. Und sehr viel Inspiration tatsächlich.

Das, was „mein“ Twitter auszeichnet, ist, bei aller Verschiedenheit der Menschen, denen ich folge, eine gemeinsame überwiegende Haltung hermeneutischen Wohlwollens. Und dem, was im englischen Sprachraum „decency“ genannt wird. Eine Art intellektuelle Redlichkeit. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass ich gut fahre, wenn das mein Filter ist (von ein paar unterhaltsamen Ausnahmen abgesehen).

Ich entfolge konsequent die, die mich nerven. Oder runterziehen. Und ich folge neu Menschen, die mir über den Weg gespült werden. Ich habe das seit Jahren so gemacht und halte ebenso seit Jahren die Zahl stabil zwischen 500 und 600. Ich lese nicht nachträglich, sondern nur aktuell. Verpasse viel. Und bekomme irre viel mit.

Wer mich gut kennt, weiß, wie sie mich per Direktnachricht erreichen kann. Wer mir folgt, wird immer wieder enttäuscht, weil ich kein inhaltliches Konzept habe. Aber ich beantworte Fragen, wenn ich welchen begegne. Und ich frage, wenn ich etwas wissen will. Und das irre tolle ist, dass ich fast immer Antworten bekomme. Von Menschen, die ich kenne, und von anderen. Wie gerade dieses Wochenende rund um Schnelladestationen für Elektroautos. Echt.

In meinem Heimatraum mache ich „Living Out Loud“, die persönliche Variante von Working Out Loud. Und das ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Weshalb ich diesen Heimat- und Lebensraum aktiv schütze.

Sagte ich schon, dass ich Twitter liebe?

18.12.13

Netzwerk-Reset

Vielleicht liegt es ja doch am Jahresende. Oder daran, dass ich dabei bin, die Ausblicke auf 2014 zu schreiben. Oder den Jahresbrief der Familie. Dass ich also gerade gucke, was mir gefallen hat, was mich nervte, was sich änderte. Und gestern schrieb Nico etwas, das mir zwar anders geht, aber vom Prinzip her ähnlich. Wo Nicos Twitterblase kaputt ist, ist es meine bei Facebook, merke ich immer wieder und immer mehr. Dauernd schreiben Vollspacken irgendwelchen merkbefreiten Kram, auf den  dann andere Schwachköpfe antworten. Sorry for being so rude. Ist doch aber so.

Zeit, sich das einmal genauer anzusehen und erste Konsequenzen zu ziehen. Zumal ich es auch zukunftsfähig halten will und die massiven Veränderungen in Nutzung und bei den Nutzerinnen der letzten Monate in allen Netzwerken mich ohnehin zu Veränderungen zwingen. Privat und beruflich. Zu letzterem mehr, wenn die Ausblicke oder Trends für 2014 kommen, die ich sehe.

Das, was private und berufliche (professionell-kommunikative) Nutzung speziell von Facebook aber gemeinsam haben, hängt damit zusammen, dass das Netzwerk zunehmend dysfuktional geworden ist - wenn wir es als Ort für Gespräche betrachten wollen.

Naja.

Meine These, dass das Silo Facebook von einer Vielzahl von sinnvollen Netzwerken und Plattformen abgelöst wird, ist ja auch nicht nur so daher gesagt. Wo immer ich mit anderen Menschen spreche, erzählen sie es auch: dass sich die Nutzung verändert (hat).

Für mich ist im ablaufenden Jahr beispielsweise Instagram immer wichtiger geworden und ein Ort, an dem ich Kontakte und Inspiration finde. Und Twitter hat wieder an Bedeutung zugenommen. Facebook war nett, um Geburtstagsgrüße zu bekommen. Und treibt einigen Traffic hier ins Blog. Aber das war es auch schon.

Mein "Netzwerk-Setup" ändert sich darum:

  • Wichtigster Ort für Gespräche, Blödeleien, Links und Inspiration bleibt Twitter. Es ist und bleibt mein wichtigster digitaler Raum, in dem ich mich wohlfühle, in dem ich die für mich richtigen Leute kenne, die mir helfen, das Wichtige und Relevante zu finden.
  • Instagram ist mein wichtigster privater Raum. Privat im Sinne von "Wolfgang die Privatperson", nicht im Sinne von "nicht öffentlich". Immer häufiger ist der erste Griff morgens der zur Instagram-App.
  • Für berufliche Kontakte werde ich ab sofort nur noch LinkedIn nutzen. Ich merke, dass ich einfach keine Lust habe auf die völlig unbrauchbare und dazu auch noch völlig an der Struktur meiner Kontakte vorbei ausgerichteten "Weiterentwicklung" von Xing. Erster Schritt war die Kündigung meiner Premiummitgliedschaft, im Laufe der nächsten Monate werde ich meinen Account dort löschen.
  • Ich werde Facebook anders nutzen als bisher. Abmelden kann und will ich mich nicht, weil ich dort einige interessante Gruppen habe und es beruflich brauche. Aber ich werde bei den Kontakten aufräumen (sprich: massiv reduzieren), ich habe die Inhalte unsichtbarer gemacht, ich werde dort nur noch posten, um Traffic zu holen und meine Ideen unters Volk zu bringen. Facebook ist aus meiner Sicht kein Raum für Gespräche und kein Social Media.
  • Weiterhin werde ich hin und wieder auf Medium schreiben. Nur auf Englisch. Und nur sporadisch, wenn es um Nachdenken geht. Aber ich liebe dieses Netzwerk sehr und finde es extrem gut und spannend. Einer der Entwürfe, wie ich mir das Internet vorstelle.
Anderes wird sich ändern, wird weiter gehen, wird aufhören. Auf meiner Homepage werde ich weiterhin das zusammenführen, was ich teilenswert finde. Aber grob gesagt scheint mir dies ein sinnvolles Reset meiner Netzwerknutzung zu sein. Ich bin gespannt, ob damit der Nervfaktor zurückgeht und die Inspiration bleibt. Mitsamt den Gesprächen.

12.12.13

Medienerziehung

Früher hätten wir einen Brief oder eine Postkarte an die Plattenfirma geschrieben und einige Wochen später wäre etwa die gleiche Antwort mitsamt drei Autogrammkarten gekommen, wenn wir Glück hatten. Heute fragen wir mal eben nach.

Und so kommt es, dass Chris de Burgh mit Tertius einen netten Dialog hatte. Denn dessen Musiklehrer hatte die (wie ich finde: sehr gute) Idee, dass die Kinder Referate über die Lieblingssängerin oder die Lieblingsband ihrer Eltern halten. Und weil Sigur Rós ihm zu schräg und anstrengend war (dabei, hey, wäre er damit echt voll cool gewesen), nahm er meinen Lieblingssänger seit ewigen Zeiten (seit ich zur Konfirmation meine erste Platte von ihm geschenkt bekam). Positiver Nebeneffekt: Ich höre seit Tagen wieder diese Musik, die mir gute Laune und mich vor allem, wie ich immer wieder verwundert feststelle, glücklich macht.
Vor allem aber dachten wir irgendwann, dass er ja mal neben Wikipedia, YouTube und dem Plattenschrank noch weitere Quellen konsultieren könnte. Und Chris hat auch zügig geantwortet.

Chris de Burgh sent a tweet to my son for his school presentation about him

Verwundert rieb ich mir erst die Augen heute früh. Und auch Tertius freute sich sehr. Und erst später wurde mir bewusst, dass dies ja recht eigentlich Medienerziehung für mein Kind war. Embedded sozusagen.

Mich fasziniert, wie einfach das Einüben neuer Kommunikation im Alltag sein kann. Und wie bereitwillig die Kinder etwas mit mir ausprobieren. Da muss ich ihnen gar nichts überstülpen.

Und ich merke, wie anders ich sie begleiten kann in ihre Wissenswelt, wenn ich selbst ihre Netzwerke nutze. Denn auf Twitter war Tertius ja schon etwas länger...

18.6.13

Das nächste große Ding

Das, was nach Facebook kommt, wisst ihr, das kenne ich auch nicht. Aber das macht nichts. Denn ich bin überzeugt, dass es gar nicht "das nächste große Ding" geben wird. Jedenfalls nicht so bald. Sondern dass sich Menschen in ihrer Nutzung der Onlinedingsens ausdifferenzieren werden.

Was ich aber weiß, ist, wie sich das Onlineleben bei Jugendlichen zurzeit verändert. Daraus lassen sich schon einige Rückschlüsse ziehen. Einige erste Gedanken hatte ich letzten Monat schon einmal auf englisch aufgeschrieben und zur Diskussion gestellt. Und letzte Woche spontan daraus einen Vortrag auf der Fachtagung Social Media der depak gehalten. Lustigerweise als Ersatz für einen Facebook-Vortrag. Aber abgesehen davon waren dieses hier die Folien, die ich dafür zusammengestöpselt habe:


Mit Jugendlichen beschäftige ich mich ja sowohl beruflich als auch privat intensiv. Habe selbst drei sehr unterschiedliche zu Hause (plus ein Kind). Und bin in einigen Projekten involviert, bei denen wir Jugendliche kommunikativ erreichen und in einen Dialog, in eine Aktivierung bringen wollen.

Auch wenn ich weiß, dass aus dem Verhalten von Jugendlichen heute nicht auf ihre Verhalten in fünf oder zehn Jahren geschlossen werden kann, sind doch die Dinge, denen sie sich entziehen, die sie nicht machen ,spannend. Ebenso wie die Dinge, die sie für sich anders nutzen oder entdecken.

Twitter beispielsweise. Seit Beginn dieses Jahres mit enormen Zuwachsraten unter Jugendlichen, aber mit einer von meiner Nutzung sehr deutlich abweichenden Verwendung. Die nahbaren Stars dieser Generation, beispielsweise von YouTube, haben Followerzahlen, die "uns" Erwachsene mit den Ohren schlackern lassen. 50.000 junge Leute unter 16 Jahren sind da keine seltene Followschaft.

Oder dass sie vor den Vollhonks und vor dem Mobbing aus Facebook fliehen. Also Facebook anders nutzen als wir. Und sich in Räume zurück ziehen, in denen die Codes gleich sind unter denen, die da sind. In denen sie sich verstehen, ohne jedes Mal erklären zu müssen, was gemeint ist und wie es gemeint ist.

Oder dass sie mit verschiedenen ihrer Gruppen unterschiedliche Chat-Apps nutzen. Oder ganz WhatsApp lassen, weil sie auch gemerkt haben, dass ihre Eltern das schon kennen und sehen, wann sie zuletzt online waren. Beispielsweise Dienstag um 2.34 Uhr, direkt vor dieser wichtigen Matheklausur.

Das nächste große Ding ist aus meiner Sicht dieses Ende des Silos. Und das Zerfallen der Kommunikationsräume. Mehr Text bei Medium. Das ich ohnehin für eines der spannendsten Dings zurzeit halte. Mehr Bilder bei Instagram. Das weiterhin sehr wächst unter Jugendlichen und unter Erwachsenen. Starkes Ausdifferenzieren von Verhaltenweisen auf Twitter. Das damit mehr und mehr wirklich zur Infrastruktur wird und sich wegentwickelt von allem, was daran mal communityartig gewesen wäre.

Meine Drohung: Ich bleibe an diesem Thema dran. Denn ich merke, wie sehr es für viele andere noch neu ist. So wie für den Teilnehmer an der Tagung letzte Woche, der verzweifelt auf mich zu kam, weil einige Tage vorher gerade seine große Jugendkampagne gestartet war. Auf Facebook. Und mit SMS.

Ceterum censeo: Wer glaubt, mit Facebook Jugendliche zu erreichen, schreibt denen wohl auch noch SMS

30.8.11

Facebook wird sterben

Noch nicht heute, auch nicht morgen oder übermorgen. Aber es wird sterben. Und bevor das eine Binsenweisheit wird, etwas konkreter: Während Twitter und Google+ überleben werden, wird Facebook das nicht.

I.
Die drei größeren Stream-Services nicht nicht vergleichbar. Sie haben völlig verschiedene Konzepte des Nachrichtenstroms und der Öffentlichkeit. Aber sie bilden eine wichtige neue Infrastrukturidee ab - neben dem lokalen Betriebssystem, dem mobilen und dem Browser. Und bereits heute kann man drei große Blöcke sehen, die mehr und mehr integriert werden (also nicht miteinander sondern jeweils ihre Elemente).

Da ist Microsoft, das noch den Markt der lokalen Betriebssysteme dominiert, das dabei ist, mit Nokia einen Hersteller für sein mobiles Betriebssystem zu kaufen, und das eine strategische Partnerschaft mit Facebook hat.

Da ist Apple, das selbst mobile und stationär bedient, beides immer mehr zusammenwachsen lässt - und Twitter immer tiefer integrieren wird, ich denke, auch irgendwann kauft.

Und da ist Google, das gerade mindestens ein großes Patentportfolio rund um mobiles Internet gekauft hat, das ein anderes Betriebssystemkonzept verfolgt und mit Google+ nun einen Stream-Service rausgebracht hat, der tief in sein Ökosystem integriert ist.

II.
Wir werden also in den nächsten Jahren einen Dreikampf im Konsumentenmarkt erleben. Microsoft mit Facebook gegen Apple mit Twitter gegen Google. Noch - und sicher noch für längere Zeit - werden die Stream-Services Brücken zwischen diesen Welten bilden. Aber nicht für immer. Und bereits jetzt zeichnet sich eine sehr interessante Parallelität der Entwicklungen der Stream-Services und ihrer Häfen ab.

Twitter war immer (und wird immer sein) ein Service, der vor allem von einer digitalen Elite genutzt wird und von denen, die sich im Medienzirkus tummeln. Interessanterweise zu einem großen Teil die Gruppen, die Apple (jenseits des Massenmarktes Musik, den Google aber nun auch angreift) gezielt anspricht. Itunes und Twitter sind offen für andere Systeme, aber im Grund zielt all dies auf ein geschlossenes System von Multiplikatoren. Apple ist kein Massenmarkt, trotz iPhone und Co.

Facebook ist Mainstream. Und nahezu unbedienbar. Beides hat es (man denke nur an die Screenshots vom neuen Dateiexplorer von Windows 8) mit Microsoft gemeinsam. Und beiden gemeinsam ist, dass sie den de-facto Standard definieren. Noch. Denn Facebook wird - obwohl zurzeit noch mit einer etwas höheren Anpassungsfähigkeit ausgestattet - gemeinsam mit Microsoft untergehen.

Google kam als Parasit, nistete sich erst auf dem Wirt Microsoft ein und breitete sich von dort aus, bis es allein lebensfähig wurde. Nicht umsonst wird es von Microsoft heute als der wichtigste Konkurrent gesehen. Anders als Apple zielt Google immer auf den Massenmarkt. Und dort - wenn man sich beispielsweise mobile Betriebssysteme ansieht - auch auf den unteren Rand. Es ist ja durchaus ein spannendes Phänomen, dass es Google zurzeit gelingt, einen Teil der digitalen Elite (vor allem den mit technischem Verständnis) anzusprechen und den Massenmarkt. Ich denke, dass das nicht ewig so sein wird, aber im Massenmarkt wird es Microsoft massiv und immer massiver gefährlich. Auch Google+ zielt meines Erachtens (ich habe es neulich geschrieben) auf den Massenmarkt, auch wenn zurzeit noch die digitalen Vorreiter es bevölkern.

III.
Während Google+ tief in das Gesamtsystem Google integriert ist und Twitter mehr und mehr in Apples System verankert wird, geht es Microsoft wie immer: Sie haben Schwierigkeiten, ihre Teile sinnvoll zu verzahnen. Das ist schon mit der Xbox so gewesen, das wird mit Facebook so sein, auch mit Nokia und Windows Mobile. Dazu kommt, dass Facebook und Microsoft die größten Bruchkanten rund um Sicherheit und Privacy haben, wo sie zurzeit noch sehr unterschiedlich agieren. Es ist, wie schon bei der Allianz mit Nokia, also ein Zusammenschluss von trudelnden, schlecht integrierten Teilen.

Und darum bin ich überzeugt, dass Facebook ebenso wenig wie Microsoft überleben wird in diesem Dreikampf. Es ist noch für einige Zeit Platz für alle drei. Aber nicht ewig.

Facebook wird mit Microsoft untergehen, wenn der de-facto Standard Windows zu Ende geht. Google wird den Massenmarkt bedienen und einsammeln, das bereiten sie über Google+ und damit über massenhaft zunehmende Google-Konten vor. Die dann am Ende komplett ins Ökosystem zu ziehen, wird die leichtere der Übungen, die anstehen. Und Apple wird das dominierende Ökosystem einer jenseits von Smalltalk intensiv kommunizierenden Elite sein, die sich dann nicht nur gesellschaftlich sondern auch im Web weitgehend von der Masse abkapselt - und sie majorisiert über die Meinungsmacht und Publizistik und Unterhaltungsindustrie.

IV.
All das kann auch ganz anders kommen, klar. Aber es scheint mir als Szenario plausibel zu sein. Es passt zu den letzten Schritten, die die drei großen gegangen sind. Einer fehlt hier, das ist klar: Amazon. Der de-facto Standard für E-Commerce im Konsumentenmarkt.

V.
Und noch ein kleiner Nebenaspekt. Denn irgendwo wird ja die nächste Disruption herkommen. Ich denke, dass derjenige sowohl der Niedergang von Facebook und Microsoft beschleunigen als auch die nächste Infrastrukturidee über die bestehenden drei Systeme legen wird, der es als erstes oder als bestes, massentauglichstes schafft, einen Meta-Reputationslayer über die Streams zu legen. Also die relevanten Beziehungsmuster zu erkennen und für mich handhabbar zu machen. Dem traue ich eine ähnliche wirtschaftliche Disruptionskraft zu wie dem Auslagern der Rubrikenanzeigen auf spezielle Services Mitte der 90er.

Denn auffällig ist, dass die beiden überlebenden Stream-Services ja keine "Freundschaften", also gegenseitigen Beziehungen kennen, sondern sich darin ähneln, dass der individuelle Stream eher durch einseitiges "abonnieren" denn durch gemeinsames Einverständnis entsteht. Was im Übrigen ein weiterer, diesmal inhaltlicher Grund ist, warum Facebook sterben wird.

7.6.11

Kurz zu @DB_Bahn

Die Bahn startet also nun morgen eine Art Twitter-Call-Center-Kundendialog-Dingens. Und eigentlich hat Olaf Kolbrück alles gesagt. Denn genau so ist es: Ein Unternehmen, das Kundenkontakt professionell organisiert, KANN Twitter. Punkt. Und dann schreibt er:
Twitter, als Baustein in einem Prozess verstanden, macht es möglich auf Fragen, Probleme und eine Vielzahl von Eventualitäten vorbereitet zu sein, weil für etliche Fragestellungen und Situationen gerade bei Großunternehmen reihenweise Prozesse (in noch weitaus dickeren Handbüchern) niedergeschrieben sind. Diese Prozesse müssen lediglich für Social Media adaptiert und mit gesundem Menschenverstand verbunden werden. Dann klappt es bei Twitter genauso wie am Telefon.
Aber weil ich nun auch schon mal einen Blick drauf werfen durfte, gebe ich an zwei kleinen Punkten meinen Senf dazu:
  • Die große Chance sehe ich darin, dass es der Bahn - ähnlich wie der Telekom - recht leicht fallen dürfte, Erwartungen zu übertreffen. Dazu müssen sie mir nur einmal eine brauchbare Antwort geben.
    Zugleich ist das auch die Fallhöhe: Kommunikation ist immer nur der Darmausgang der Probleme, die ein komplexes System nun mal hat. Weshalb ja auch die Worte von PR-Desastern so fehl gehen, das Desaster ist ja dann schon geschehen.
    Ein bisschen die inneren Abläufe von Konzernen kennend, bin ich darum durchaus gespannt, wie es funktioniert. Wie. Nicht ob.

  • Schlimm und falsch finde ich die Auftaktkommunikation. Das Team bei der Bahn hat einen Echtstart verdient, aber kein Spießrutenlaufen. Gerade weil Olaf recht hat (siehe oben), hätte ich zu einem Start ohne Getöse geraten - oder wenigstens zu einem, bei dem relevante Multiplikatoren und nicht in erster Linie die Beraterblase die Hintergrundinfos bekommen. So wie es mit echten Bahnfahrern getestet wurde, was ich sehr gut und schlau finde.
  • Daniel Backhaus und seinem Team wünsche ich einen guten Start morgen. Und gleich gehe ich mal zum Hintergrundgespräch und lasse mir die Dinge erklären, die ich noch nicht weiß. :)

    (disclosure: Ich kenne und schätze die Leute bei der Bahn, die seit Monaten das Projekt vorbereitet haben, ebenso den Berater und die Agentur, die da mit drinhängen [nein, das ist nicht Talkabout, auch wenn das so klingt in manchen Berichten, die machen nur die von mir hier kritisierte PR zum Start des Kanals], und ich war frühzeitig in einige Dinge eingeweiht. Unter anderem, weil ich selbst ja gemeinsam mit meiner Agentur (achtung!) auch Kommunikation für die Bahn mache und dort ebenfalls an Social-Media-Dingens arbeite. An diesem Projekt war ich allerdings nicht beteiligt. Ich habe eine BahnCard 100 und mag die Bahn als Verkehrsmittel schon lange und schon länger als ich für sie arbeite.)

    26.1.10

    Wie Ruuuud und Twitter meine Podcastaufnahme platzen ließen

    Da saß ich gemütlich in meinem Gästehauszimmer in Aachen und war dabei, mit Alex eine neue Folge für den Brouhaha-Podcast aufzunehmen (endlich!), als mich dieser Tweed Twitterdings meines Freundes KP völlig aus dem Konzept brachte:
    "Ruud van Nistelrooy zum HSV? http://bit.ly/6lB3xg"
    Der Link ging dann ja auf den Blogbeitrag von Dieter Matz (übrigens bei aller Schelte für das Abendblatt: das ist ein klasse Blog), den KP wenige Minuten nach Onlinegehen vertwittert hatte. Ich musste die Aufnahme abbrechen, man kann es im Mitschnitt hören, etwa ab Minute 37, ebenso dass Alex das sehr lustig fand:
    Download MP3 (39:01, 35,7 MB)






    Die Meldung von Matz machte dann sehr schnell die Runde, vor allem auf Twitter, logo - irritierend für fast alle, die noch wach waren, war dabei, dass niemand außer Matz was dazu sagte. Offenbar, das ist meine Interpretation, schliefen die um 23.00 Uhr schon. Und die Zeitungen waren schon im Druck. So war es also eine ganze Nacht und einen halben weiteren Tag nur dieses eine Blog, das nicht vermutete, sondern bestätigte, nur die #nurderhsv Twitterer, die es ventilierten. Eine tolle Nacht.

    ...ein paar Tage vorher haben wir übrigens live gepodcastet aus den Räumen unserer Agentur, ist inzwischen auch als Konserve online - Download MP3 (1:16:36, 35,1 MB)




    21.12.09

    Location and Gaming

    It's not that often that I think there is something really smart coming around that will be the next big thing. But when it comes to Foursquare I said this from the first day I saw it, some months back, long before they have been active in any city I am normally in. So I signed up pretending I was in Amsterdam. Then I moved virtually to Berlin - and some weeks ago it finally came to Hamburg and other cities I visit more often.

    Just to tell you: I am convinced that Foursquare will be the next big thing. There are some more localizing services like Gowalla - that e.g. some of my German friends like better than Foursquare - but imho 4sq (as its shorturl on twitter is) is today not only the by far best but in trend setting cities by far most popular service.

    Some things about 4sq in this interview with the founder:



    Why am I convinced it will fly - and why am I as a digital communications strategist so excited about it?

    Just because it's so damn easy to use and so much fun - and because they have a smart business model that is extremely attractive for a lot of businesses: You can target and offer special offers to people that are just around the corner of your shop, restaurant or any other venue.

    You can bring people to play and compete and to become "Mayor" (visit a place more often than anyone else) of your venue, the first shops have special discounts for Mayors or battles. Just see the battle that is going on between a colleague and me on who will be mayor of our office (I will beat her, b/c she is on holiday now, ha!). Think about what will be possible next year.

    One cute example from Germany - and I have to admit: chapeau for bringing the first client to forquare to the executing agency - is right now Vodafone. Take a look at the Hamburg example, they do this in some other cities as well.

    I would not call 4sq kind of "Twitter 2.0" - but a real smart social game and business tool that uses twitter (and other realtime web services) to get some speed. As I use to say: It's not about twitter as a company or service but as a new infrastructure for social interacting. Fourquare is just the first hot example of how to use this new layer of communications for something cool, that works.

    29.10.09

    Was die Welt nicht braucht

    Ich bin nicht gut im Ranting. Denn ich bin nett. Also im Prinzip und meistens. Obwohl... naja. Egal. Deshalb weiß ich auch nicht, ob das hier wirklich ein Rant wird. Dabei würde ich so gerne ranten, wenn ich mir angucke, wofür Leute GELD bezahlen: Eine Tweet Academy (hihi)

    Bitte? Geht's noch? Oder, wie mein Freund Loren Feldman sagen würde (vielmehr: sagte angesichts einer nicht 100% aber doch prinzipisch vergleichbaren Geldschneiderei im Sommer drüben):
    What kind of fucking moron do you have to be not to understand twitter?
    Mal im Ernst: Wer braucht so was? Was soll so was? Wer kann da ernsthaft etwas lernen, was du nicht lernen könntest, wenn du einfach mal twitterst und rumfragst und liest und zuhörst und ausprobierst?

    Kinners, Twitter ist ein Tool, ein Dingens. Keine Wissenschaft. Es gibt kein richtig oder falsch, selbst wenn es immer wieder so genannte (und meistens selbst ernannte) Experten gibt, die mit irgendwelchen schwachsinnigen merkwürdigen Listen hausieren oder die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben vorgeben, die sie dann auskotzen absondern. Allein, dass sich jemand für einen Experten hält oder gar ein Buch (!) über Twitter (!!!!) schreibt, wäre schon ein Grund, den oder die niemals (in Worten: Niemals) mit irgendwas zu beauftragen. Man kann kein Experte für Twitter sein. Man kann twittern, man kann mit Twitter seine (Kommunikations-) Ziele erreichen oder auch nicht, man kann dank Twitter in Probleme kommen oder auch nicht. Aber man kann Twittern nicht lehren oder unterrichten oder konferenzen.

    Eine Tweetacademy nutzt genau einer Gruppe von Teilnehmern: denen, die von den Eintrittsgeldern etwas abbekommen. (Und ich hoffe nur, dass die Refernten wenigstens so schlau sind, richtig gute Honorare zu nehmen, das wäre der einzige Grund, nicht über sie zu lachen.)

    Ach, es ist langweilig, ich glaub, ich schreibe doch keinen Rant über so einen Kram wie ein Seminar über Twitter. Ich weise lieber auf ein Video von Loren hin, das er fünf Minuten, bevor wir zusammen essen gegangen sind, aufgenommen hat. Ihr könnt euch vorstellen, wie lustig das Essen danach war. Selbst ohne viele Guinness ;)

    22.5.09

    Bibeltwittern

    Ich finde den Versuch gut, den das Team von evangelisch.de unternimmt (disclosure: ich hab das Team beraten). Die Bibel in 3.000 Abschnitte unterteilt und jeden Abschnitt twitterkompatibel zusammen gefasst. Hab ich auch mitgemacht:

    Wer glaubt, wird gerettet. NUR wer glaubt. NIx mit Gesetz. So war es schon bei Abraham und so soll es auch für uns sein. 3459 #ebl Tweet
    Nun müsst ihr nur noch raten, welche Stelle das ist...

    Und nein, das ist nicht meine "Lieblingsstelle" - was ich ohnehin nicht habe, sondern "nur" zwei, drei Verse, die mich einen großen Teil meines Lebens begleitet haben, allen voran 2Tim1,7 -, sondern eine mehr oder weniger willkürliche aus dem (theologisch) wichtigsten Buch der Bibel und dort aus dem (längeren) zentralen Abschnitt....

    12.3.09

    Volkszählungsgegner auf Selbstentblößungstour

    OK, reißerische, medienartige Überschrift. Aber im Kern ist es dieses Paradox, das in Diskussionen mit etwas älteren Weggefährten der politischen Kämpfe der 80er so schwer zu vermitteln ist. Und wer hätte gedacht, dass ich je Sascha Lobo zustimmend zitieren würde. Nun ist es so weit. Er schreibt in einer wirklich lesenwerten Entgegnung auf den von mir jede Woche kichernd geliebten Martenstein (ich höre die Zeit ja regelmäßig als Audiomagazin auf dem Rad und dem Weg ins Büro), dass das Argument, mit der Offenheit in sozialen Netzwerken und Blogs und auf Twitter und so würde 1984 Einzug in die Realität halten, nicht zu halten sei. Es sei
    vor allem falsch, weil sie die selbstgesteuerte Vernetzung und das freiwillige Einstellen von Daten vergleicht mit Videokameras in Umkleidekabinen. Der Unterschied ist der gleiche wie zwischen “sich im Klo einschliessen” (toll, manchmal) und “im Klo eingeschlossen werden” (untoll, immer). Das Entscheidende ist die informationelle Selbstbestimmung, und zwar sowohl was die Veröffentlichung der eigenen Daten angeht wie auch deren Auswertung.

    Eine etwas längliche Entgegnung auf Harald Martenstein | saschalobo.com
    Sehr schön und mit einem guten Bild zusammen gefasst.

    17.1.09

    Glocal Surprise

    Claudia Sommer "folge" ich schon etwas länger auf Twitter. Vor allem, weil sie immer gute Links weitergibt. Und weil sie irgendwas mit Kommunikation bei Greenpeace macht, wodurch sie sozusagen quasi doppelte Vorschusslorbeeren bekommt bei mir oder so ähnlich.

    Heute hab ich dann aus dem Augenwinkel dem Streit ihrer Nachbarn zugehört. Eben auf Twitter. Bis ich einen Schreck bekommen habe.


    Denn auf einmal ein sehr vertrautes Wort so aus dem Off zu hören (#Duvenstedt), war in diesem Zusammenhang irgendwie verstörend. Ich hatte mir nicht mal Gedanken darüber gemacht, dass ich ja im Prinzip wusste, dass Claudia in oder um Hamburg lebt. Und auf einmal rückte das Gezwitscher ganz nah. Immerhin betrifft es niemanden, den ich persönlich kenne, was ja nach gut sechs Jahren recht intensivem Familien-, Kirchen- und Vereinsleben in dem Dorf durchaus hätte sein können.

    Ebenso wie ich twittert Claudia normalerweise oft auf englisch, so dass sie in meiner Wahrnehmung eher in die globale Ecke meines Twitterlebens gehörte. Das hat sich jetzt schockartig geändert.

    3.12.08

    Diskussionen, die abwandern

    Ich liebe Twitter, das hab ich, glaube ich, schon mal gesagt, oder? Darum ist es auch kein Zufall, dass es in meinem neuen Lifestream den größten Raum einnimmt. Es führt aber auch dazu, dass Gespräche über Gedanken, die ich hier oder in anderen Blogs formuliere, dorthin abwandern. An sich kein Problem, im Gegenteil: Es ist ja auch angenehmer, direkt zu antworten, direkt zu sprechen, in einer Gruppendiskussion sozusagen.

    Besonders aufgefallen war mir das beim Jane Austen Beitrag und bei Fu und Fara neulich. Jeweils ein längeres Gespräch mit Freunden, Bekannten und Fremden auf Twitter - und bei Fu und Fara hat es sich auch so verselbstständigt, dass es zu Menschen weiter getragen wurde, die ich nicht "verfolge", also nicht lese. Fein, das freut mich.

    Auf meinen Wunschzettel kommt dann nur, dass es toll wäre, diese Gespräche irgendwie an den Blogpost ranzuhängen. Ich weiß, das geht nicht, weil bei Twitter immer so viel nebeneinander gesprochen wird. Aber toll wäre es, oder?

    8.10.08

    Hallo

    Für alle, die gerade kommen, weil sie bei einem meiner beiden neuen Workshops auf den Link zu meinem Blog geklickt haben, hier ein paar weitere Hinweise:

  • Ich twittere mehr als ich blogge.
  • Alles, was ich so online mache, läuft in meinem Lifestream zusammen.
  • Über Kommunikationsthemen blogge ich viel häufiger als hier auf PR 2.0.
  • Dort und hier ist oben auch eine kleine Community integriert, richtig, ganz oben am Rand - herzlich Willkommen da.
  • International mache ich bei unserem globalen Blog Authenticities mit.
  • Die Website meines Arbeitgebers Edelman sei auch noch nachgetragen.
  • Und mein liebster Eintrag in der letzten Zeit war der über Relevanz. Jawoll.

  • Hier ist mein eher privates Blog, aber da mein Konzept für Kommunikation bedeutet, dass ich als Person auch im Beruf präsent bin, hat ja alles viel mit allem zu tun...

    20.5.08

    Das ist kalter Entzug

    Also Jungs - wenn ihr das bis zum Finale des Grand Prix nicht hinbekommt, dass Twitter wieder stabil läuft, dann bin ich bös traurig. Ich mein, wie kann das denn sein? Da fang ich gerade an, es mir mit ein paar anderen Spinnern, die wie ich mehr oder weniger allein vor der Röhre sitzen, mit Twitter gemütlich zu machen - da geht das mal wieder kaputt.

    Ich könnte heulen. Zu so absurden Dingen wie Estland, Irland und San Marino.

    (wie sagt meine Süße? "Das ist doch krank irgendwie, oder?")

    4.1.08

    Get A Life

    Sehr schöne Beschreibung dessen, was einem Geek passieren kann:
    Stoptwittering
    (unter einer cc-Lizenz veröffentlicht bei Geek And Poke)

    Ich denke ja eher, dass nur twittern kann, wer ein Leben hat. Oder ich lese zumindest nur Leute, die ein Leben haben. Denn über was wollen die sonst twittern?  Oder?

    Blogged with Flock

    15.12.07

    Sich gepflegt unterhalten

    Small talk? Gezwitscher? Sozialkontakte? Irgendwo dazwischen liegt das, was ich gestern abend mit Twitter gemacht hab. Anlass war die Weihnachtsfeier unseres Büros im wilden Osten mit Skifahren und Après Ski. Und als ein Kollege sich am Telefon von seiner Freundin verabschiedete mit Ich ruf dann wieder aus dem Krankenhaus an, war mir klar, was ich twittere. Und daraus hat sich in meiner Abwesenheit ein weiteres Gespräch entwickelt:



    Lustig war es, nicht nur dies Gespräch sondern auch das Skifahren. Und skurril hinterher der Teil der Party, bis unser Bus ging - Land ist ja schon anders. Osten ist nochmal ganz speziell. Und die Dauerwellendichte unter jungen Frauen erstaunlich.