6.3.05

Reizreaktion

Nicht verwundert hat nicht in den letzten Tagen, dass einige - auch gerade einige der von mir mit viel Spaß gelesenen - Blogger massiv und direkt auf das Thema mit dem Blog-Seminar eingestiegen sind. Einige der Aspekte, warum das so sein mag, hat Robert Basic im M-e-x-Blog zusammengetragen.
Ich selbst war zuerste eigentlich über einen Punkt am überraschtesten, auf den Andreas Rodenheber in den Kommentaren dort hinweist:
Ein zweiter Aspekt ist, dass die Berufsangabe "Boulevardjournalist" für Blogger nun mal wirklich ne Steilvorlage ist. (Comment)

Ich bin jedoch der Meinung, dass Blogs zu einem sehr, sehr großen Teil eben das sind: Journale auf dem Boulevard. Eine meiner Thesen ist, dass mit Blogs der Journalismus zu seinen Wurzeln zurück kommt, wobei das Problem der Druckerpresse weitgehend gelöst ist (und damit der Kapitaleinsatz geringer). Und erfolgreiche Blogs spielen gekonnt auf der Klaviatur des Boulevard. Vielleicht sehen das Blogger, die die Mechanismen des Boulevard-Journalismus nicht von innen kennen, nicht. Vielleicht ist es aber auch nur ein ähnliches Reiz-Reaktions-Schema wie damals, als so viele beim Blogger-Artikel in der SZ aufgequietscht haben, als dort die These von der Einsamkeit vertreten wurde...

Kommentare:

  1. ich las in den kommentaren meist neid und häme. das machte sich insbesondere an der preisdiskussion fest. meine güte, wo leben denn die leute, dass sie glauben zu wissen, was der korrekte preis für ein geschäftsseminar ist?

    aber vielleicht fühlten sie sich auch nur verraten. es ist ja ein unglaubliches phänomen,dass eine große zahl blogger glaubt, dass es eine form von privatheit im netz, in der "blogosphäre" (oder wie sich das dings schreibt), gibt. ein irrtum. viele sesselpubsende blogger, die es sich bequem gemacht haben in dieser mischung aus "hin und wieder mal einen blogger treffen, deswegen bin ich doch kein nerd" und von zu hause aus eine öffentliche kuschelgruppe zu haben, ahnen gar nicht, wie groß und offen das netz ist. genau diese menschen, können dann auch über andere herziehen, denn es fühlt sich für sie an, als würden sie am sicheren stammtisch sitzen.

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  2. Liebe Meike,
    ja klar. Ich hörte heute von einem PR-Menschen unter meinen Lesern den lustigen Vergleich mit (ab jetzt aus einer Mail zitiert) Kellermäuse(n), die da quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit rumgewuselt sind, und auf einmal geht die Tür auf und jemand knipst das Licht an. Und weil diese Mäuse ein ausgefeiltes Kommunikationssystem entwickeln haben, spricht sich auch sehr schnell rum, dass dieser Jemand ein Labor betreibt, in dem diese besondere Mäuseart seziert und der bösen (weil störenden) Welt erklärt werden soll.Wobei im Posting oben die Überraschung ob des Aufquietschens beim bösen Wort Boulevard ja nur geheuchelt war: Die sehr bewusste Provokation ist voll aufgegangen. Schon lustig, wie berechenbar viele der bekannten Blogger sind...

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  3. > ahnen gar nicht,
    > wie groß und offen das netz ist

    Da liegt viel Wahres drin! Ich merke das allein schon daran, wenn zu bestimmten Themen mal wieder ein Blog eröffnet wird, bei dem ich denke: "Verdammt, für dieses Thema wäre jetzt eine klassische Homepage oder ein Forum oder sonstwas viel besser gewesen!"

    Blogger (Menschen) neigen zu Automatismen. So, wie ich das mache, so muss das sein. Ich hab mir das Bloggen selbst beigebracht, das sollen die Newbies gefälligst auch. Ich verdiene damit kein Geld, wie kommen dann andere dazu, sich das zu unterstehen...

    Aber eins muss ich zugeben: bei der Berufsbezeichnung "Boulevardjournalist" haben sich bei mir schon ein wenig die Nackenhaare gesträubt. Ob er das auch an der Hotelrezeption als Beruf einträgt? ;-)

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  4. PS. Ich selbst hab übrigens früher an der Hotelrezeption statt "Werbetexter" immer "Journalist" geschrieben. Wahrscheinlich mache ich mir einfach zu viele Gedanken über sowas...

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  5. Hallo Andreas,
    nein, ich trage da meistens Verkäufer ein. Das ist ja auch mein aktueller Beruf.
    Aber in Vorträgen sage ich schon, dass ich Boulevard gelernt habe und liebe. :-)

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  6. Ach duuuu bist der Lünenbürger-Reidenbach?! *lol*
    Ich lese hier schon ne Weile sporadisch mit, bin aber noch nie auf die Idee gekommen, mal nach deinem Real Name zu schauen. Sachen gibt's!
    In der Seminar-Ankündigung stand nicht, dass du der Haltungsblogger bist, oder bin ich jetzt schon ganz senil?

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  7. Beim Seminar selbst nicht, aber beim Profil des Referenten. Aus der Pressemitteilung hat unsere PR-Abteilung meinen Blognamen und den Link rausredigiert. Entweder die wollten dies Blog nicht promoten - oder sie haben nicht gesehen, dass das eine gewisse Relevanz haben könnte.

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  8. Also ich glaube, die Reaktionen wären dann moderater gewesen. Beweisen kann ich's freilich nicht...

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