6.6.05

Haltung: Was ist schon konservativ?

Erst heute auf der Fahrt ins Büro kam ich zum Feuilleton. Und habe den Aufmacher von Jens Jessen über Kulturhegemonie (so der bezeichnende Kurztitel im Link der Onlineausgabe - im Papier heißt es etwas sperriger Wer denkt für die CDU?) gleich zwei mal gelesen. Er hat wie immer Recht.

Vielleicht ist es die Tragik der CDU, dass sie eben gerade nicht mehr konservativ im klassischen Sinne ist? Und dass konservative Intellektuelle in ihr ob ihrer Antiintellektualität noch nie eine Heimat hatten? Ich bin ja vom Denken her vom Marxismus gekommen und über manche Franzosen und die Theologie, vor allem die Beschäftigung mit Luther und Tillich, in einen philisohpischen Konsevatismus gerutscht, aus dem mich am Ende nur John Rawls in eine beruhigte und politisch liberale Form gelenkt hat. Trotzdem oder deswegen finde ich meine konservativen Haltungen eher bei den Grünen repräsentiert als bei den klassischen Konservativen.

Das eigentliche Problem der konservativen Parteien SPD und CDU - verschärft sicher noch bei den konservativen Spießern von PDS und WASG - formuliert Jessen so:
Sie versucht nicht, was jeder Intellektuelle als seine Aufgabe betrachten würde: nämlich die widersprüchlichen Werte und Grundeinstellungen, die sich im Laufe der Zeit in der Partei sedimentieren, auf eine theoretische Linie zu bringen. "Flexibilisierung" und "Familie" kann man im Ernst nicht gleichzeitig politisch fördern wollen (weil der zu jedem Umzug bereite Arbeitnehmer jede Familie sprengen würde); aber die CDU schert sich darum genauso wenig wie die SPD, die im letzten Wahlkampf "Innovation und Gerechtigkeit" propagierte, als sei Veränderung ohne soziale Ungerechtigkeit zu haben. (Jens Jessen)

Und damit hat er Recht, scheint mir.

Kommentare:

  1. Mir nicht, aber dazu später.

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  2. So jetzt etwas präziser. Ich ärgere mich über den Begriff des "konservativen Spießers" im Zusammehang mit der PDS. Allein schon, weil ich den Begriff des Spießers nicht mag. Er war früher ein häufig benutzter Begriff, um sich unproduktiv absetzen zu könne und ist dies heute genauso. Die Spießer-Werbung der LBS (glaube ich) bringt das gut auf den Punkt. Spießer und Streber, undialektisch und unhistorisch sind allesamt ähnliche meist luftleere Begriffe, mit denen man sich etwas einfach machen will, was man nicht recht begreift.

    Was nun den Konservatismus angeht. Da liegt die Sache schon anders und schwerer. Prinzipiell stimme ich da Odo Marquard zu, der sagte, wer etwas verändern will, muss dies begründen. Solange die Begründung ausbleibt, ist eine Veränderung problematisch und nicht gedeckt. Bei ihm heißt das dann etwa: "Die Politiker haben die Welt nur verschieden verändert, es kommt drauf an, sie zu bewahren."

    Ähnlich aber ganz anders bei Günther Anders: Man müsse die Welt verändern, um sie zu bewahren. Sozusagen eine Form des revolutionären Konservatismus.

    Unsere Konservativen (CDU/SPD, FDP) sind ja nicht mehr konservativ in dem einen oder andern Sinne, sondern sind hilflos und postulieren Ehernes aus dem Nichts oder aus bloßer Beharrungstendenz, als unhinterfragbaren historischen Fakten. Eine Gesellschaft ist aber ein dynamisches Gebilde und lässt sich nur schwer definitiv verankern. Die auf diese Weise gesetzten Anker sind keine aus Einsicht sondern bloß aus Kathederpolitik heraus. Sie sind letzten Ende genauso demagogisch, wenn man sie nicht hinterfragt, wie jedes Diktat aus Politikschwäche heraus.

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