31.8.04

naja

Wenn ein Juso-Chef einem "Neoliberalismus" vorwirft, ist das ja beinahe ein Kompliment, oder? Im Tagesspiegel wird er jedenfalls heute gegenüber den Grünen so zitiert.

Im Grunde ist es wohl eine Verrohung der Sitten, wenn liberale Positionen, denen Freiheit und Verantwortung wichtig sind (und die gleichzeitig Werte neu justieren, anstatt sie faktisch aufzugeben wie bei vielen Sozis zurzeit), als neoliberal diffamiert werden. Tststs. Die jungen Leute wieder...

Freiheit vs. DRM

Cory Doctorow hat sein erstes Buch damals bereits direkt als freies eBook veröffentlicht - und es so mit dem gedruckten Buch als neuer Autor ganz nach oben geschafft. Sehr, sehr spannend - und ein Impuls bei mir, immer noch oder schon wieder? über so ein Vertriebskonzept für Bücher nachzudenken. Bei Janko Röttgers nun ein Link auf die deutsche Übersetzung eines Vortrags über DRM (genauer: gegen DRM), den Doctorow bei Microsoft gehalten hat. Hier liegt er als pdf. Lesen! Gerade auch der historischen Ausflüge wegen...

via Janko Röttgers

27.8.04

Spaß

Es ist schon lustig. Ich selbst konnte mich nie entscheiden, ob Mathe (vor allem Logik), Sprache oder Musik das sein soll, was ich vertiefen und wo ich einer Begabung folgen soll. Nun erlebe ich bei meinen Söhnen, wie offenbar diese drei Punkte hübsch auf sie aufgeteilt sind: Der Große rechnet schneller als sein Lehrer, der Mittlere ist ein phantasievoller Sprachakrobat, der Jüngste singt für sein Alter wunderbar und lernt superschnell Melodien und Lieder.

Obwohl mir klar ist, dass ich das nur in sie reinschaue und der Blick auf den eigenen Nachwuchs ja immer mehr als getrübt wird durch Stolz und Rührung, bleibt es spannend, das zu beobachten...

Schmidt

Wahrscheinlich steht mir meine Herkunft aus dem links-kirchlichen Protestmilieu der 70er, in dem ich meine Kindheit verbracht habe, im Weg - aber jedes Mal, wenn ich mich durch einen der länglichen Artikel von Helmut Schmidt kämpfe, bekomme ich Pickel.

Und das liegt, scheint mir, nicht nur, aber ganz wesentlich auch daran, dass Schmidt seine Artikel nicht redigieren oder wenigstens sprachlich glätten lässt. Fragen Sie mal einen Zeit-Redakteur nach Schmidt. Hihi.

Diese Woche auch wieder: Schon die Überschrift sagt alles - Was der Osten wirklich braucht... Dennoch eine spannende und mir neue Information, die ich gleich unter "noch zu gebrauchen" abgespeichert habe: So wie die USA vier Prozent des Sozialproduktes in ihre Hochrüstung und ins Militär stecken, stecken wir Deutschen vier Prozent in den Geldtransfer von West nach Ost. Das ist wirklich beachtlich und auch Schmidts Hinweis, dass das der ostdeutsche Rentner mal würdigen solle, dalli dalli, ist richtig.

Erhellender zum selben Thema aber wieder mal Matthias Geis, zwei Seiten weiter, wenn er über die so genannten Montagsdemonstranten schreibt. Wobei mir jedoch auffällt, dass ich die jungen Kolleginnen aus dem "Osten" (lustigerweise vor allem wirklcih Frauen) eigentlich nur noch daran erkennen kann, dass sie jünger sind, wenn sie bereits erwachsen wirken und mit dem Studium fertig sind. Dann wiederum mache ich mir eher Sorgen um "unsere" Mittzwanziger, die noch so gemütlich vor sich hin dümpeln...

26.8.04

Haltung

Sehr gefreut habe ich mich über die gelungene Überschrift einer Ethikdebatte in der Vorspeisenplatte.

Ja!

Genau, Frau Kaltmamsell: Haltungsschäden, über die ich mich krank ärgere. Jeden Tag. Deshalb biete ich ja auch Haltungsturnen an, wenn auch etwas dilettierend.

23.8.04

Meins

Es hat geklappt. Das Telefon, das wir ausprobieren konnten, hat den Test bestanden - und wir nennen nun ein solches das Unsere. Allerdings nicht in Blau, das mag B. nicht, sondern in Antrazit. Ist auch schön:



Und weil wir mal da waren, haben wir gleich noch ein kleines schnurgebundenes mitgenommen und den wunderschönen Anrufbeantworter, auf den schon dieses Wort angewendet einer Beleidigung nahekommt:



Perfekt!

Ich kann mich ja schon für diese Sachen begeistern, seit ich als Kind in Hvide Sande am Ringkøbing-Fjord meine Nase am Schaufenster des dortigen Händlers platt gedrückt habe. Irgendwann hat mein Vater dann einen Beocenter 2200 gekauft, der nur 1983-86 gebaut wurde und eine der ersten Arbeiten von David Lewis für B&O war:



Dies Gerät lebt bei ihm noch heute und tut´s auch noch - ganz klassisch Plattenspieler, Kassette und Radio. Und irgendwie ist er auch noch immer schön, oder?

Merken

Rotwein zum üppigen Mittagessen und abends dann nur einen sehr sparsam ausgestatteter Empfang (dafür mit sehr gelungenen Petit Four - herrlich: eine Art klitzekleine Crème Brûlé) - das bekommt mir sehr gut und hat keinerlei Auswirkungen auf den Kreislauf.

Dafür muss ich mit dem Bratenthermometer noch üben. 81 Grad als Kerntemperatur ist für Rinderbraten definitiv zu hoch, auch wenn die Dauer überschlägig plausibel war: Noch nicht trocken, aber nicht mehr der richtige Rosaton.

22.8.04

Konzern

In einer Phase der Orientierungslosigkeit sagte mir ein Unternehmensberater einmal: "Sie sind einfach konzernuntauglich." Er wollte mir abraten, mich beim Neujustieren in einem Konzern wieder zu finden.

Wahrscheinlich hatte er auch Recht und das ist nicht der einzige Grund, warum ich an die Gespräche mit ihm immer noch denke. Zeitlebens bin ich in kleineren Unternehmen gewesen, oft in sehr kleinen, in denen ich etwas bewegen konnte und mir meine Nische suchen - auch wenn das etwas blöd klingt. Er selbst erzählte dann, was für ihn die Initialzündung war, aus einem Konzern auszusteigen und in die Selbstständgkeit zu gehen:

Als ein Jahr, nachdem die Projektgruppe die Idee als nicht praktikabel wieder in die Rundablage versenkt hatte, schließlich das go vom Vorstand kam...

So etwas will ich wirklich nicht erleben. Und deshalb liebäugele ich immer und immer noch damit, eines Tages etwas Eigenes zu machen.

20.8.04

Na toll...

HASH(0x8895110)
Which Personality Disorder Do You Have?
brought to you by Quizilla

Service

Von wegen Service-Wüste oder Geiz-Kultur. Man muss sich nur einmal mit Luxus beschäftigen...

Seit sie es rausgebracht haben, wollte ich dieses wunderschöne Telefon von Bang & Olufsen haben:


Nun stellt sich heraus, dass die erdbebensicheren Monsterstahlbetondecken unseres Hauses irgendwie dem alten Telefon in allzu vielen Räumen den Empfang verwehren. Und deshalb rief ich beim Händler meines Vertrauens an, bei dem ich auch die BeoLink-Verkabelung für unser neues Haus geplant hatte, und fragte ganz schüchtern, ob ich mir dieses BeoCom 4 einmal ausleihen könnte, um auszuprobieren, ob es mit dieser widrigen Situation besser umgehen kann.
"Klar, kein Problem, Herr L., kommen Sie einfach vorbei", sagte die Chefin.
Erst guckte ich nur den Telefonhörer an, dann hab ich meine Sachen gepackt und bin losgefahren ins AEZ, wo die sitzen.

Sie haben es aus der Ausstellung genommen, mit mir verabredet, dass ich es entweder SamstagSonnabend oder Montag zurück bringe, es in eine dieser schicken B&O-Plastiktüten gepackt und mich verabschiedet. Keine Unterschrift, kein Pfand, ich bin mir nicht mal sicher, dass die meine Adresse haben. Vertrauen gegen Vertrauen.

Ich finde so was toll. Vielleicht genieße ich es deshalb auch - anders als die Kaltmamsell -, wenn ich Stammkunde bin. So wie bei meinem Redgreen-Laden. Oder dem Bäcker.