Dies erschüttert mich in der Causa Spahn besonders als Vater, Großvater und vor allem als Kommunikator, der darauf spezialisiert ist, Strategie in Emotion zu verwandeln: wie er da unmittelbar vor Beginn der Sommerpause reinstolpert.
Zumindest gehe ich nicht davon aus, dass dies alles einem großen Plan folgt, auch wenn das mein allererster Impuls war.
Aber so ein Neugeborenes hat ja ein bisschen “Vorlauf”. Selbst wenn ich nicht am Beginn der Schwangerschaft (oder hier am Beginn der konkreten Planung) mit Menschen darüber rede, kann ich dann, also etwa vor einem Jahr, beginnen, zu überlegen, wie ich damit kommunikativ umgehe.
Wie viele Monate, welch eine Chance! So lange Zeit, um in erst kleinem Kreis und dann vielleicht im politischen Feuilleton darüber laut nachzudenken, was moderne Elternschaft für ein schwules Paar bedeutet. Die Position zu Leihmutterschaft zu überdenken oder zumindest eine Diskussion anzustoßen, auf dem Höhepunkt der eigenen Macht das eigene Leben in die Waagschale zu werfen. Mit dem Parteivorsitzenden ein Gespräch zu führen. Die irre Chance des Parteitags im Februar mit exakt diesem Thema zu nutzen.
Was für ein Versagen aller Menschen mit Kommunikationshintergrund in Spahns engem Kreis. Oder - horribile dictu - was für ein Vertrauensentzug, falls sie es nicht wussten. Was für eine Instinktlosigkeit, politisch, menschlich, ethisch, kommunikativ.
Das soll der letzte echte Machtpolitiker der CDU gewesen sein? Der, der Merz hätte stürzen können? Der Stratege hinter einer rechten Mehrheit? Wie armselig, was für ein Desaster für die Partei, wenn das so war.
Meine Erlebnisse mit CDU-Menschen vor Ort und anderswo lassen mich ja schon lange überzeugt sein, dass sie es verdient hat, sich selbst zu zerlegen. Aber so ein armseliges Versagen überrascht selbst mich.
Und falls es nicht Dummheit und Mutlosigkeit war, was Spahn so ganz ohne Vorbereitung und Plan dastehen lässt, so bleibt wahrscheinlich nur die Lähmung, die so viele Männer immer wieder erfasst, wenn sie in eine Situation geraten, die entwaffnende Ehrlichkeit erforderte. Und das kindlich-magische Denken und Fühlen, dass die Gefahr weg ist, wenn ich die Augen schließe. Oder der (politische) Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Either way keine Alternativen, die Mut machen für die Zukunftsfähigkeit und Standfestigkeit konservativer Politik. Dabei würden wir beides in der aktuellen Situation so sehr brauchen.
Man kann es sich als "normaler" Mensch, glaube ich, einfach nicht vorstellen, wie abgehoben Spahn (aka manche Politiker) tatsächlich sind, dass ihnen einfach nicht klar ist, dass sie nicht mehr Rechte haben als andere. Er hat das ja schon bei der Covid-Party bewiesen, wo er völlig erstaunt war, dass für ihn auch dieselben Regeln gelten sollten.
AntwortenLöschenDanke dafür es so klar auf den Punkt zu bringen. Denn genau das hab ich mich auch gefragt, hat er da mit niemanden in seinem engeren politischen Umfeld darüber geredet im letzten Jahr? Der Kanzler wusste es ja anscheinend nicht lang im voraus, aber Freunde sind die halt auch nicht. Aber so im direkten Kreis, langjährige Wegfährten*innen (wobei vermutlich ehe alles Männer), Mitarbeiter*innen... haben die das alle nicht gewusst? Und wenn doch, hat da niemand mal gesagt, schau zu dass du das ordentlich kommuniziert bekommst? Hat er es nicht hören wollen? Oder hat er wirklihc niemanden, der ihn da mal zur Seite nimmt? Was für ein armseliges Leben dann. Oder hat er sich über jeden guten Rat hinwegsetzt, weil er es sowieso alles besser weiß? Es sollte mich vermutlich nicht überraschen, dass Spahn es so gar nicht gecheckt hat in seinem Ich-AG-Sein, aber es überrascht dann doch.
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