15.8.04

Captain, my captain

Nach vielen, vielen Jahren endlich mal wieder den Club der toten Dichter gesehen. Ich weiß, dass viele ihn nicht mögen: schwülstig, platt vielleicht, nur in Andeutungen und dann vor allem mit Klischees, noch manches andere. Ich falle jedes Mal wieder in ihn hinein. Und am Schluss muss ich vor Wut und Freude heulen.

Ich kannte ihn noch nicht (war ich doch noch nie so ein großer Kinogänger), als ich auf meine erste Sommerakademie nach Molveno im Trentino fuhr. Dort war er eines der ganz großen Themen. Vielleicht, weil uns allen diese Grundatmosphäre der miefigen Eliteschule zwar nicht vertraut war, aber in gewisser Weise nachvollziehbar - hatten doch die Sommerakademien der Studienstiftung unter uns den spöttischen Ruf von gelebter positiver Eugenik: Lauter von anderen ernannte und teilweise heimlich dran glaubende Mitglieder der akademischen Elite dieses Landes. Und (auch wenn noch extremer auf den Tagungen für Doktoranten) die Paarbildung war nie nur ein ganz abseitiges Thema.

Für viele der Menschen, die ich dort im September traf - und diese Akademien gehören immer noch zu den prägenden Erlebnissen meines Erwachsenwerdens -, war der Film kurz vorher eine Art Offenbarung gewesen. Oder doch wenigstens ein bewegender Moment. Für mich lag er dann, sicher auch durch die ungeduldige Vorerwartung, irgendwo dazwischen. Und bis heute ist er für mich nicht allein durch sich selbst, sondern auch durch die Erinnerung an Molveno emotional besonders.

Und trotz aller Fehler, die der Film mit sich führt, rührt mich die Entwicklung des pummeligen Ethan Hawke (Todd). Carpe Diem ist nicht nur wahr, sondern untrennbar mit dieser Geschichte verbunden. Und wenn die Jungs am Ende auf ihren Pulten stehen und Captain mein Captain sagen, so gar nicht triumphal, sondern voller Skrupel, bin ich hinüber. So extrem geht es mir mit kaum einem Film. Außer vielleicht mit The Hours, wenn auch aus anderen Gründen ...

1 Kommentar:

  1. ... und dann auch noch einen Band Rühmkorf aus dem Bücherschrank gezogen (wie gut, dass wir so schnell mit dem Auspacken sind). Auch das ist eine Erinnerung an jenen Sommer - wie diese Barbershop-Stücke, der Grappa, die Brenta. Und all das ist nun schon einiges mehr als zehn Jahre her...

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