7.9.06

we blog because...

Endlich mal eine Begründung fürs Bloggen, die überzeugend ist, in Wired News: The Ultimate Blog Post:
we blog because we weren't very popular in high school and we're trying to gain respect and admiration without actually having to be around people.
Dort sind dann auch die wirklich wichtigen Hinweise darauf, wie in den großen Blogs ein typischer Eintrag aussieht. Hübsch.

via Steve

6.9.06

Hamburger Meister

Toll! Wirklich! Und herzlichen Glückwunsch! Nur aus der Ferne, weil ich heute in Frankfurt bin, bekomme ich mit, dass mein Großer heute Hamburger Meister im 1.000 m Lauf geworden ist in einer Rekordzeit für ihn. Es war der Endlauf der Schulen, und wenn ich es richtig verstanden habe, war er der jüngste Starter.

Aber das ist einfach seine Strecke, ich bin soooo stolz auf dich....

Und irgendwie liegt es in der Familie, denn einer seiner gleichalten Onkel ist letztes Jahr Hessischer Meister über die 1.000 m geworden....

Hysterie

Wenn die allgemeine Sicherheitshysterie, die schon im Großen so nervtötend ist und eine echte Gefahr für unsere Demokratie darstellt, auch noch in den privaten Bereich hineinsickert, platzt mir der Kragen. Mit Kindern in verschiedenen Schulen und Kindergarten lernt man ja sehr unterschiedliche Menschen und die absonderlichsten Ängste kennen. So wie aktuell bei den Vorbereitungen der Klassenreise unseres Großen.

Das alles, das muss noch mal betont werden, vor dem Hintergrund seit Jahren zurückgehender Gewaltkriminalität gegen Kinder, die nur stärker im Medienfokus ist. Jedenfalls schiebt ein Vater vor der Klassenreise Panik, dass das Sicherheitskonzept des Schullandheims nicht angemessen sei, sein Kind zu schützen. Dass die Lehrer nicht bereit sind, auf dem Gelände die gesamte Nacht Wache zu schieben und wach zu sein, führt dazu, dass er sie massiv angreift und sogar mit Anwälten auf sie losgeht und sein Kind möglicherweise nicht mit auf die Reise schicken will.

Was mich besonders bedrückt (abgesehen davon, dass sein Kind das einzig leidtragende sein wird, weil es so gleich zu Beginn der Schulzeit zum Außenseiter gestempelt wird), ist, dass er sein gesamtes Wissen aus der merkwürdigen privaten Website des Berliners Wolfgang Kammerer zieht. So schrecklich die einzelnen Fälle sein mögen - so merkwürdig ist die Seite und die Tonalität. Weiß jemand von euch mehr darüber?

Jedes Jahr kommen auf Klassenreisen mehrere Kinder um, wenn sie Schwimmen gehen oder vom Pferd fallen. Da würde ich ein Sicherheitskonzept verstehen. Aber mit der Forderung, die Kinder einzuschließen, kann ich nicht leben - das ist nicht das Leben, das ich für meinen Sohn will. Ich kann ihn nicht vor dem Leben schützen. Dann darf ich mein Kind nicht auf die Regelschule schicken. Oder gar nicht erst eines bekommen...

5.9.06

Monitoring

Dass Combots in Blogs eher kritisch gesehen wird ("in Grund und Boden geredet", wie es in den Kommentaren bei Robert Basic heißt), überrascht nicht. Ich denke, wir werden auch nicht so die Zielgruppe sein. Spannender finde ich, dass die Aufmerksamkeit für das, was Blogs über die PK in Berlin schreiben, ungewöhnlich hoch ist. Die Combots AG ist ja seit 2000 an der Börse - und sowohl Analysten als auch Combots selbst sind über Blogsuchmaschinen in den Blogs unterwegs, die über Unternehmen oder Produkt schreiben.

Andererseits vielleicht auch wirklich kein Wunder - wenn ein Blog wie Techcrunch schon für seine Verhälnisse deutliche Kritik anklingen lässt. Mit über 1 Mio Unique Visitors/ Monat und mehr als 120.000 Abonnenten sind die wichtiger als manche Zeitschrift...

Combots ist das Jamba fürs IM

Hübscher und fieser Vergleich, den Thomas Cloer in den Kommentaren seines eigenen Beitrags "Combots must die" zieht:
Combots ist halt fürs IM, was Jamba fürs Handy ist. "Have it or hate it".
Ich nutze ja auch zunehmend IM*, wenn es um kurze Rückfragen, Gespräche, Link-Hinweise und so etwas geht. Mir hilft das sehr, die Mailbox halbwegs übersichtlich zu halten, denn im Büro bin ich zu Outlook gezwungen, das immer noch keine Fäden zusammen hält und mir viel zu unübersichtlich ist.

An geschlossenen Systemen reicht mir dabei Skype völlig, ansonsten nutze ich zurzeit mabber als Oberfläche, um icq, AIM, GTalk, yahoo und so was anzusteuern. Da brauche ich keine Software, sondern hab alles im Browser. Und bald gibt es auch einen besseren Client fürs Handy dafür...

Was ich bisher von Combots gehört und gesehen habe, finde ich also nicht überzeugend. Aber mich reizen ja auch Klingeltöne nicht.

* Instant Messenging, also Chat, "Echtzeit-Übermittlungen". Die erste Welle damals hab ihc verpasst. Diesmal nutze ich es zwar ziemlich viel und hab beides immer offen, wenn ich online bin, staune aber trotzdem immer noch, wie Kinder und Jugendliche damit umgehen. Faszinierend.

4.9.06

Mission und Web 2.0

Da ich in der nächsten Woche einen Vortrag vor TV-Leuten halten werden und wir auch für Kunden internsiv am Thema Video als Social Media arbeiten, verfolge ich Wellen auf den Videoplattformen etwas intensiver als sonst. Heute macht nun Thomas Knüwer auf einen spannenden Fall aufmerksam (mal abgesehen davon, dass sein ganzer Beitrag von TV-Leuten sicher unbedingt gelesen werden sollte), in dem ein hübsches kleines Mädchen aus ihrem Leben erzählt. Das besondere dabei ist, dass sie in einer Weise religiös ist, die selbst mich in dem Zusammenhang als liberal erscheinen lässt.

Mag es auch Zweifel an ihrer "Echtheit" geben - so ist doch das, was in den Videos zu sehen ist, superspannend unter dem Stichwort Mission.
Mal die Alarmglocken abgeschaltet, die der eine oder die andere bei diesem Wort hören wird: Mission ist ein Kernelement von Religion.
Und falls lonelygirl15 (übrigens genialer Name, wenn man so klassische Suchstrategien von Männern annimmt, die dringend einen religiösen Halt gebrauchen könnten) aus einem Missionskonzept stammen sollte, kann ich nur mein Haupt neigen vor dieser Idee. Sehr, sehr schön gemacht.

Nur mal eine kleine Zahl als Schnappschuss: Das Video von gestern hat heute Mittag CEST über 2.600 Abrufe und rund 750 Kommentare geerntet...

2.9.06

endlich uns



So, seit gestern gehört uns Frenja, auf der wir schon länger reiten. Bs Traum geht in Erfüllung und auch unser Zweiter reitet ja am liebsten auf "unserem Sofa"....

1.9.06

Endlich hört man mal was von Schaar

Es Ist Zum Wahnsinnig Werden.

Seit Tagen überbieten sich die durchgedrehten Flachdenk Innenexperten der Koalition mit Forderungen aus dem Gruselkabinett des totalitären Staates - und der Datenschutzbeauftragte, mein Parteifreund Schaar, war nicht vernehmbar. OK, teilweise hat er durchaus Stellungnahmen verfasst, die nur in der allgemeinen Hysterie nicht durchdrangen.

Heute nun endlich kommt er zumindest in der Netzeitung ausführlicher zu Wort. Immer noch windelweich, aber immerhin. Und er hat Recht. Wer eine Datenerfassung über die sehr, sehr weiten Zugeständnisse hinaus will, die Schaar macht, will einen anderen Staat und eine andere Gesellschaft. Und kommt mir jetzt nicht mit dem 50er-Jahre-Satz "Ich hab doch nix zu verbergen". Die Freiheit lässt sich nur in Freiheit "verteidigen". Und Angst kann man nicht mit vermeintlicher Sicherheit begegnen, sondern nur mit Zuversicht. Fragt mal eure Kinder....

Irgendwie ist das mit intelligenter Ironie so eine Sache

Ok, dass nur ein Teil meiner Leser Worte wie "Chief Blogging Officer" oder "Web 2.0 Evangelist" oder den "Toplisten"-Button mit dem ironischen Augenzwinkern wahrnehmen, ist klar und bewusst kalkuliert. Dass aber die geniale und an sich den Wahn des Bürgerjournali Handycam-Schnüfflertums ironisch aufzeigende Aktion des dpa-Chefredakteurs Wilm Herlyn nicht nur von der "Bild" nicht als solche verstanden wird (kann ich verstehen, dort ist man ja weitgehend humorbefreit), sondern auch noch gleich von zwei Thomassen (Mrazek und Knüwer) mit leicht bebender Empörung ernst genommen wird, zeigt mir man wieder, dass man offenbar wirklich Humor draufschreiben muss, wo er an sich offensichtlich wäre.

Mensch Jungs, ihr kennt doch den Herlyn wahrscheinlich auch, oder? Der ist so! Das ist es doch, was ihn so faszinierend macht...

Die Unsitte autorisierter Interviews

Mich würde ja wirklich mal interessieren, wann in Deutschland die Unsitte eingerissen ist, dass Journalisten sich von Menschen, die sie interviewen, die Aussagen, die sie dann schreiben, autorisieren lassen. Ich halte das nicht nur für eine Unsitte, sondern auch für einen der Gründe, warum Interviews in deutschen Medien oft so steril sind und blutleer wirken - zumal diese Schleife in anderen Ländern undenkbar wäre.

Als PR-Mann ist mir im Prinzip schon klar, was die Motivation der Interviewten und ihrer Sprecher und PR-Vertreter ist. Und wenn mir ein Journalist anbietet, mir einen Text mit Zitaten von mir oder einer von mir betreuten Person vorher zu zeigen oder er ihn sich gar von mir abnehmen lässt, greife ich auch zu. Aber eigentlich habe ich kein Verständnis dafür.

Wenn ich als Journalist unsicher war, ob ich es richtig widergegeben habe, was wir besprochen haben, dann habe ich konkret nachgefragt. Oder wenn ich mir über das Thema unsicherer war als es gesund ist in diesem Beruf, der so virtuos mit Halbwissen jonglieren muss. Aber nur in diesen Fällen. Für meinen Fachdienst habe ich damals jede Woche ein langes und fast immer kontroverses Interview geführt - und mir davon nicht eines abnehmen lassen. Klar hat es hin und wieder Beschwerden und Diskussionen gegeben, aber fast immer fühlten sich die Menschen hinreichend getroffen mit den Worten, die ich sie habe sagen lassen im Text.

Das Schreiben von Interviews gehört nach meinem Geschmack zu den schönsten und zugleich anspruchsvollsten journalistischen Formen, weil es ja nicht darum geht, wörtlich abzuschreiben, sondern den Sinn des Gesagten im Sprachduktus des Interviewten zu erfassen und zu formulieren.

Für Auswüchse der Interviewkorrekturen, wie sie nun aktuell im Portal Planet Interview der "Bravo"-Chefredakteur hat vornehmen lassen, habe ich kein Verständnis. Soll er halt nicht anworten. Charmante Lösung aber, die Fragen zu dokumetieren, deren Antworten Junkersdorf hat streichen lassen.

(via Linkliste des Bildblogs)