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    "der Haltungsturner"
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    30.7.10

    Gone Fishin' 

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    Ok, Kinners, macht kein Scheiß hier, ich bin mal weg. Ich mach Echofon aus, die FB App ebenso, deaktiviere Email, nehme zwei Bücher mit und eine Kiste voller Spiele, alle Kinder, Frau und Hund - und ab. *winke-winke*

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    der Haltungsturner, (0) comments

    28.7.10

    Hach. Seufz. Schnief. 

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    wunder-, wunder-, wunderschön. No more words. Take a look.

    via snoopsmaus, via DerScholz.



    der Haltungsturner, (0) comments

    19.7.10

    Beust hat die richtigen Gründe, das verdient Respekt 

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    Ich bin nun wirklich kein großer Freund von Ole von Beust, noch nie gewesen, weder als er mir im Scherz einen Job anbot, noch als er mit mir flirtete, was ich aber erst merkte, als mir das jemand sagte, in solchen Sachen bin ich etwas taub, ist auch beides schon sehr, sehr lange her, er war damals Fraktionschef in der Bürgerschaft. Aber ich kann seinen Rückzug jetzt verstehen und finde die Begründung überzeugend.

    Was ich weniger verstehe, sind die Kommentare in den Medien ("Das tut man nicht", "zu viel Köhler" etc) und teilweise auf Twitter & Co. Denn erstens hat jeder das Recht, aufzuhören, wann er es will. Zweitens ist es wirklich ein guter Zeitpunkt. Und drittens finde ich es mal ganz deutlich gesagt zum Kotzen, dass immer und überall niedere Motive unterstellt werden. Kann es nicht sein, dass es wirklich stimmt, was Beust gesagt hat? Dass er wirklich keine weitere hidden agenda hat? Call me naive. (Dass er nur einen so schrägen Nachfolger aufgebaut hat, ärgert mich, aber das ist ja nicht meine Partei...)

    Hinterlässt er einen Scherbenhaufen, wie nun überall zu lesen ist? Ich weiß nicht. Ja, das Kernstück der Schulreform ist leider gescheitert, obwohl es glücklicherweise dennoch zu dem Modernisierungsschub kommen wird, den vor allem die Gymnasien so dringend brauchen (was eine der großen Ironien ist am Ergebnis des Volksentscheids, dass ausgerechnet bei den Schulen, an denen sich nach dem Willen der Gegner nicht ändern sollte, gerade dadurch, dass jetzt auch die Klassen fünf und sechs weiterhin dort sein werden, besonders viel, immerhin zum Besseren, ändern wird. Aber diese Art von Treppenwitzen mag die Geschichte ja gerne). Ja, Elbphilharmonie und HSH sind ein Desaster. Aber alle drei Punkte - denen eine große Anzahl positiver Entwicklungen zur Seite stehen - hängen nicht allein an Beust.

    Interessant wird sein, ob und vor allem wie schwarz-grün (von dem ich schon länger ein Anhänger bin) ohne Beust sein wird. Denn das Personal der SPD - ich sag nur: Olaf Scholz - ist auch nicht überzeugender. Und die Positionen schon gar nicht. Insofern: Wieso Neuwahlen?

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    der Haltungsturner, (6) comments

    16.7.10

    Es wird Zeit zu gehen, Maria Jepsen 

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    Update 17:56
    Meine Bischöfin ist zurückgetreten, wovor ich großen Respekt habe, wie ihr seht, wenn ihr meine Mail von heute früh an sie lest (hier unten). Hier ist ihre Rücktrittserklärung, die ich etwas schwach finde übrigens, hier die Erklärung der Kirchenleitung zu ihrem Rücktritt. Ich wünsche ihr Gottes Segen für die Zeit, die vor ihr liegt. Und ich hoffe und bete, dass alles getan wird, um diejenigen, die Verbrechen an Kindern und jungen Menschen begangen haben, dafür zur Verantwortung zu ziehen. Und dass diejenigen, die das Leid damals hätten beenden können, ihre Konsequenzen ziehen und sich zu ihrer Schuld bekennen.

    Update 15.44 Uhr
    dpa und mehrere andere Medien melden, Maria Jepsen werde gleich von ihrem Amt zurück treten. Das finde ich gut und es ist wichtig, dass es noch vor dem Wochenende und vor dem nächsten großen Spiegel-Artikel passiert. Ich bin dankbar, dass sie sich hat beraten lassen offenbar. Ich hoffe, sie wird stellvertretend für andere die Schuld auf sich nehmen, die nicht getilgt werden kann. Und ich hoffe noch mehr, dass ihr Beispiel anderen eine Warnung sien wird, sensibler mit Worten umzugehen - und Formulierungen wie
    Zuständigkeiten oder Verhältnis in solchen Zusammenhängen zu vermeiden. Vor allem für Frau Emse und Pastor H. wird es noch lange nicht vorbei sein, das ist auch gut so. Und für die Opfer ist es auch lange noch nicht vorbei, ihre zerstörten Leben können nie ganz geheilt werden.


    Liebe Maria Jepsen,

    Sie waren nie unumstritten in Ihrer Amtsführung, auch nicht bei Ihrer Wahl. Ich habe Sie immer unterstützt, für Sie geworben, Sie gewählt, in meiner Zeit beim Radio Ihnen oft und gerne eine Plattform gegeben. Sie haben viel für unsere Kirche getan, auch wenn ich wirklich nicht immer Ihrer Meinung war.

    Aber nun schließt sich langsam das Zeitfenster, das Ihnen erlauben würde, Ihre Würde und die des Amtes zu wahren. Denn wenn der Spiegel am Wochenende den Ahrensburger Skandal auf die nächste Stufe hebt, ist es zu spät. Sie haben einen guten Sprecher, den ich seit dem Studium sehr schätze, der wird Ihnen erklären können, was ich meine - und wieso Sie ab Montag nur noch die Getriebene sein werden.

    Ihre Wortwahl im Konflikt und die Ihres Kollegen Ulrich, der vor "Vorverurteilungen" warnt, wirken auf mich wie ein kommunikativer Amoklauf.

    Entweder Sie werfen dem Opfer, dessen Schwester eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat, nun vor zu lügen. Oder Sie müssen sich an Ihren eigenen Worten im Zickenkrieg mit der damaligen Pröpstin Emse messen lassen, was heißt, dass Sie - nicht so schlimm wie diese aber doch - versagt haben damals.

    Mit den Untersuchungen gegen H. ist das Verbrechen nun auch noch in Ihrem näheren Umfeld angekommen, ich bin erschüttert und leide mit seiner Frau, die ja auch zu Ihrem engsten Kreis gehörte.

    Emse und H. sind nicht mehr im Amt. Ihr Bischofskollege war damals weit weg. Zwingen Sie doch diejenigen, die nichts dafür können, nicht weiter zu diesen Verrenkungen - und übernehmen Sie für Ihr Verhalten und das Ihrer Pröpstin und Pastoren die stellvertretende Verantwortung.

    Bis Sonntag, wenn der Spiegel erscheint, haben Sie noch selbst das Heft in der Hand, können die Erinnerung der Menschen an Sie mitgestalten. Ich hoffe und bete, dass Sie die Kraft finden, das Richtige zu tun. Anders als damals Frau Emse. Anders als in den letzten Tagen, als Ihre Wortwahl weitere Verletzungen angerichtet hat.

    Sie stehen wie kaum eine andere für die gute Tradition unserer Kirche, Buße zu tun und Verantwortung zu übernehmen. Noch nie mussten Sie das für etwas tun, was Ihnen so nahe war wie die Menschen, die sich hier so schlimm fehlverhalten haben (Emse und H.) oder Vebrechen begangen haben (K. und möglicherweise auch H.). Ich wünsche Ihnen die Kraft dazu.



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    14.7.10

    Die Bischöfin muss zurücktreten 

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    Es sind in der letzten Zeit Bischöfinnen geringerer Vergehen wegen zurückgetreten. Aber jenseits der reißerischen Überschrift muss ich länger ausholen, weil ich wirklich zornig und traurig bin.

    Hintergrund ist ein systematischer und - nach allem, was man zurzeit weiß - wohl jahrzehntelanger (mindestens in den 70er und 80er Jahren) Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Pastor in Ahrensburg, Luftlinie 700m von meinem Haus, in meinem Kirchenkreis. Den Pastor kenne ich nicht, wohl aber seinen damaligen Kollegen im gleichen Stadtteil von Ahrensburg und die anderen Beteiligten (also seine Vorgesetzten). 1999 kam das Verbrechen zur Sprache (noch ist mir unklar, wie weit es wem damals bekannt wurde), dieses Jahr haben sich zwei der Hauptopfer dieses Verbrechers im Talar (eines davon einer seiner Stiefsöhne) an die Öffentlichkeit gewandt. 1999 wurde der Pastor aus der Gemeinde versetzt, bis 2003 war er aber wohl noch als Religionslehrer am örtlichen Gymnasium tätig.

    In dieser Woche ist nun ein angesichts des Verbrechens absurder Streit entbrannt, wer wen wann worüber informiert hat. Im Mittelpunkt stehen die Kirchenverwaltung, die Bischöfin für Hamburg (Maria Jepsen) und die damalige Pröpstin, die daneben auch noch Pastorin in derselben Kirchengemeinde und Stadt wie der Kindermissbraucher* war. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass irgendwer in der Kirche angemessen reagiert hat.

    Was ich meiner Bischöfin abnehme, ist, dass es sie wirklich erschüttert. Auch dass sie sich nicht sofort daran erinnern konnte, von dem Fall schon 1999 gehört zu haben, ist glaubwürdig und keine Lüge oder so was. Und ihr sehr emotionales und für sie typisches Interview mit dem Hamburger Abendblatt heute erklärt schon einiges. Vielleicht hat sie nicht an sich einen Fehler gemacht. Aber wütend - war ich übrigens schon, bevor ich das Interview las - machen mich diese Passagen am Ende, als sie sagt:
    Bei dem Vorgang haben wir ganz klare Zuständigkeiten, ich kann mich als Bischöfin nicht in den Fall einmischen. ... Ja, ich bin hilflos. Aber ich lüge nicht und ich kneife nicht und ich halte auch durch. ... [D]a ist Traurigkeit und Schmerz, Unverständnis und Wut bei mir. Und zudem habe ich den Eindruck, dass die behauptete Vertuschung viel schlimmer bewertet wird als die Tat. Manchmal komme ich mir wie eine Kriminelle vor, obwohl ich in diesem Punkt ein reines Gewissen habe.
    -- Maria Jepsen heute im Abendblatt, hier die Google-Suche auf das Abendblatt-Interview mit ihr (der Artikel liegt sonst hinter einer Bezahlschranke, kann so aber aufgerufen werden)
    Das kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wie kann sie ein "reines Gewissen" haben? Mindestens ein schlechtes Gewissen, damals nicht genauer hingesehen und nachgefragt zu haben, wäre doch wohl nötig. Zumal sie laut Protokollnotizen durchaus im Kirchenamt nachgefragt hat, ob der Kindermissbraucher Beziehungen zu sehr jungen Frauen habe (was, wenn nicht dies, hätte denn weitere Alarmglocken schrillen lassen müssen?). Ich habe lange mit Menschen gesprochen, die die damalige Pröpstin und die Strukturen der Kirchenverwaltung besser kennen als ich. Ich verstehe, wie es kommt, dass die Bischöfin wenig bis nichts wusste. Aber sie muss die Konsequenzen dieses Versagens der Strukturen und ihres Nicht-Nachfragens tragen. Ich denke wirklich, dass sie stellvertretend für "die Kirche" die Buße übernehmen muss und zurücktreten sollte.

    Was mich aber noch mehr erschüttert: Wenn der Kindermissbraucher jahrelang Orgien mit Schülern des örtlichen Gymnasiums im Pastorat gefeiert hat, von denen sein Stiefsohn berichtet, wenn dort Alkohol in Massen floss und Kinder missbraucht wurden - wie soll das in so einer kleinen Stadt wie Ahrensburg wirklich niemand mitbekommen haben? Wie sollen die anderen Pastoren (zu denen auch die Pröpstin gehörte) das erklären?

    Kann es wirklich sein, dass die Konsequenz für diesen Kindermissbraucher die gleiche war, wie sie auch für Pastoren gezogen wird, die fremdgehen und eine Beziehung mit einer erwachsenen Frau neben der Ehe haben? Mit welchem Maß wird hier gemessen?

    Ja, das übliche Vorgehen ist, die Bischöfin mündlich zu informieren (auch, wenn sie das im Interview quasi anders darstellt, was aber falsch ist), den "Fall" also mündlich zu eskalieren. Aber ich kann einfach nicht glauben und finde es ungeheuerlich, dass die Kollegin und Vorgesetzte des Verbrechers entweder nicht gewusst hat, dass es um Kinder geht, die hier Opfer waren (immerhin hat damals 1999 der "Fall" einer Frau die Versetzung ausgelöst, die 16 war, als er eine "Beziehung" mit ihr begann), oder die Augen davor verschlossen hatte. Wenn es stimmt, dass sich die Pröpstin eines Amtsvergehens schuldig gemacht hätte, hätte sie so reagiert, wie die Bischöfin es sich heute im Interview im Zuge des Schuld nach unten Weiterleitens gewünscht hätte (nämlich den Kindermissbraucher damals anzuzeigen), dann stimmt etwas nicht am System.

    Wie auch immer: Die damalige Pröpstin und die Bischöfin haben damals versagt und führen heute einen absurden Zickenkrieg über die Medien. Beides macht mich wütend und verzweifelt. Beide Frauen schätze ich sehr, beide habe ich in ihre Ämter mitgewählt und unterstützt und für sie argumentiert, als sie zur Wahl standen. Mit beiden verbindet mich eine Geschichte. Beide haben mich sehr, sehr enttäuscht.

    * Ich schreibe dieses sperrige und auf mich erstmal etwas euphemistisch klingende Wort nun doch, weil ich mich habe überzeugen lassen, dass das an sich drastischere Wort Kinderficker zu kurz greift: es geht nicht nur um die Vergewaltigung von Kindern, sondern auch um anderen Missbrauch.

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    der Haltungsturner, (2) comments

    30.6.10

    Geht's noch? 

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    Stellen wir uns mal ganz dumm.
    Nehmen wir mal an, wir wären die Elite des Politikjournalismus.
    Stopp, nur einmal, ganz kurz, des Spaßes wegen. OK. Also.
    Nehmen wir weiter an, es stünde ein politisches Großereignis bevor. Vielleicht eine Bundespräsidentenwahl, um irgendein abwegiges Szenario zu stricken.
    Nehmen wir außerdem an, es hätte etwas vergleichbares schon mal so etwa ein Jahr vorher gegeben und da sei es - okok - durch ein Missverständnis oder so vorgekommen, dass einer aus der Bundesversammlung das Wahlergebnis vorzeitig über Twitter vermeldet hätte.

    Was würden wir tun?

    Wahrscheinlich, denn wir sind Elitejournalisten, würden wir es machen wie die FAZ:
    (screenshot durch @hhebig)

    Oder?

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: "Nach unbestätigten Gerüchten im Internet" Geile Quellenlage, my ass. FAZ!

    Merken die noch was?

    Oder die Superbloggerin Franziskript in der Rheinischen Post: "Twitter verbreitet Falschmeldungen"

    Hä? Und "das Internet" ist eine Quelle oder wie?

    Mal ehrlich, FAZ: Ich bin ja nun wirklich kein Journalist mehr und hab auch nur Boulevard gemacht damals in den 90ern. Aber selbst ich wäre in der Lage, ein gutes halbes Dutzend Mitglieder der Bundesversammlung zu benennen, die twittern und vertrauenswürdig sind. Selbst ich wüsste, dass es heute wahrscheinlich 729 Spaßvögel auf Twitter geben wird, die so tun, als hätten sie Ahnung und irgendwelche Gerüchte in die Welt setzen.

    Und dann kommen sie wieder, die sinn- und merkbefreiten Schlagzeilen a la RP: Twitter ist Schuld. Oder das pöse Interdings. Aber bestimmt nicht schlampig arbeitende Elitejournalisten, die Humor nicht von Journalismus unterscheiden können. Ich bin so was von wütend auf euch!

    Liebe FAZ-Redaktion, ihr könnt es wieder gut machen und zurück in den Journalismus kehren: Schreibt doch mal auf, wie das passiert ist, warum, wie der Druck auf das arme Würstchen so war, das diese Fehlleistung dann rausgepustet hat, warum ihr es dann schnell wieder offline nehmt und so. DAS wäre doch wirklich ein Stück Journalismus, das sich morgen, wenn sich alle wieder beruhigt haben, in der Bahn oder im Flieger oder auf dem Klo (auf jeden Fall auf Papier) zu lesen lohnt.

    Naja, wir schreiben hier ja im Irrealis. Oder Irrsinnalis oder so.

    Update:
    Auch der Bild ist nichts blöd genug, um nicht ein Skandälchen draus zu inszenieren, das online schon lange aufgelöst war - der Twitterdings in Frage ist ein Fake. Ach nee. Kommt mal runter, menno.

    Update 2:
    *Seufz* Ach, FAZ. Und wieder eine Chance verpasst. Und *plonk*

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    der Haltungsturner, (2) comments

    Die logische Fortschreibung ins mobile Internetz 

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    Ob das Web hinter Apps verschwindet oder nicht, ist mir ja fast egal. Sowohl als Konsument als auch als Kommunikationsberater ist mir etwas anderes wichtig: Ist das, was ein Unternehmen für das mobile Web anbietet, logisch, intuitiv - und im Rahmen der Businesslogik oder Markenführung stringent. Denn eine App um der App willen (um dann doch auf das Thema zu gehen), finde ich latent albern. Das ist so wie bloggen oder twittern um des Bloggens oder Twitterns willen.

    Und darum frage ich in Beratungsprozessen, was jemand eigentlich erreichen will. Und als Konsument, ob eine Anwendung mir etwas bringt (oder Spaß macht).

    Drei Beispiele aus den Apps, die ich auf dem iPhone nutze, empfinde ich als in diesem Sinne besonders gelungen:

    Payback
    Ja, ich weiß, über Payback als Service kann man trefflich streiten. Stellen wir das aber einmal zurück, dann hat Payback eine schlaue und hilfreiche App geschaffen, die ich unter denen, die ich bisher kenne, zu den allerbesten zähle - vom Nutzungserlebnis und der Businesslogik.

    Denn die App überträgt das Couponing-System von Payback (ich bekomme Rabattmarken und sammle Punkte) auf intelligente Weise auf mobile Internetgeräte, die GPS können. Mir werden, basierend auf meinem Standort, Coupons angeboten, die ich in der App aktivieren kann - und die Extrapunkte, die sie mir versprechen, werden im Hintergrund für mich aktiviert. Ich brauche also nicht mehr die Papiergutscheine mitzunehmen, die ich eh immer vergesse - und ich bekomme Hinweise (wenn ich will auch aktiv gepusht), welche Läden in meiner Umgebung gerade einen Coupon anbieten.


    Was ich überzeugend finde (neben der Tatsache, dass ich als Payback-Nutzer (schlagt mich, jaja) tatsächlich damit umgehe und die App nutze), ist, dass die Anwendung komplett in der bestehenden Logik des Systems bleibt, und die Lokalisierung, die auch in Papierform über die Adresse passiert ist, radikalisiert.

    Smiley's
    OK, die App des Pizzalieferanten Smiley's ist nicht bahnbrechend, bietet im Grunde auch keinen besonderen Mehrwert gegenüber der Website. ABER: sie funktioniert, meine Lieferdaten etc. sind fest hinterlegt, die Zusammenstellung der Pizza ist einfach und schnell gemacht, ich kann hin- und herspringen. Und die Pizza kommt mit mir gemeinsam an der Haustür an, wenn ich aus der U-Bahn heraus bestelle für die gesamte Familie. Und da ich Pizza ohnehin immer online bestelle und nie am Telefon, weiß ich schon länger zu schätzen, was die schriftliche Interaktion bringt: Vermeidung von Missverständnissen, kein genuscheltes Antworten sprachohnmächtiger Pizzaboten, immer das aktuelle Angebot vor Augen, denn das kann ich mir eh nicht merken (ebenso wenig wie das, was ich schon bestellt hab - hey, wir sind normalerweise sieben Leute, die was haben wollen).


    Was ich überzeugend finde: Die App ist exakt das, was sie sein soll, nicht mehr und nicht weniger. Einigermaßen schnell, im Alltag bewährt - und ändert wiederum für das Unternehmen keine Prozesse, denn einen Onlinebestellprozess gibt es schon.

    Call a Bike
    Oder, hier in Hamburg: StadtRad. Und das ist nun wirklich mal dicht an einer Killerapplikation. Ohne Ironie. Seit ich mich durchgerungen habe, mich bei Call a Bike anzumelden und die App installiert habe, nutze ich StadtRad intensiv, vor allem für kleine Fahrten in Büroumgebung oder in der City. Das Prinzip von StadtRad: ich leihe ein Rad an einer Station aus, stelle es an einer anderen wieder ab - und die ersten 30 min sind kostenfrei, was innerhalb des Ringes, in dem die Stationen hier stehen, fast immer für eine einfache Fahrt reicht. Ich habe insgesamt 18 Cent bisher ausgegeben an Zusatzkosten.

    Was wirklich genial an der App ist: Der gesamte Prozess wird in der App abgebildet, ich brauche nicht mehr an die Automaten zu gehen. Ich verlasse das Büro, gucke in der App nach, an welcher der beiden Stationen ein Rad frei ist, reserviere es auf dem Weg dahin, gebe den Code am Rad ein, den mir die App vorgibt, fahre los, lasse mir von der App zeigen, wo am Zielort ein freier Platz an einer Station ist, schließe das Rad an und gebe in der App den Rückgabecode ein, den das Rad mir sagt. Das ist alles (ok, wenn ich mich einmal online angemeldet habe, das sei zugegeben).


    Was ich überzeugend finde: Alle Funktionen, die mobiles Internet in einer App bietet, werden eingesetzt: Lokalisierung, Navigation, Abfrage der Radverfügbarkeit in Echtzeit etc. Einfach gut umgesetzt.

    Es gibt eine Reihe weiterer Apps, die ich liebe und viel nutze (von Geocaching über Twitter und Facebook bis hin zum Gastankstellenfinder). Aber an diesen drei Anwendungen kann ich sehen, dass sie überlegt sind und in die Gesamtstrategie des Services oder Unternehmens passen. Und das ist am Ende doch das wichtigste Kriterium, als Berater gesprochen...

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    18.6.10

    Ein großer Mann 

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    english summary below

    Ich hatte vor zwei Jahren die große Freude, ihn auch persönlich zu treffen und bei ihm zu Hause eingeladen zu sein: Dan Edelman, den "Erfinder" moderner PR und Gründer der Firma, in der ich einige Jahre arbeiten durfte. Er wird nun 90, er ist alt, ja - aber immer noch beeindruckend. Seine Vision, dass PR nicht am Katzentisch sitzen sollte, sondern eine zentrale beratende Funktion habe, hat er auf seine Firma übertragen - und sie wird von seinem Sohn Richard, mit dem ich auch direkt zusammen arbeiten durfte, weitergetragen.

    Gerade mit dem Blick auf die neuen massenhaften Medien (Social Media) teile ich diese Haltung. Und das Wissen um und die Erfahrung mit kritikfestem Einzueins-Dialog, der ausstrahlt (sei es mit Journalisten, Meinnungsführern oder mit Kunden, wenn er in der Öffentlichkeit stattfindet), machen die Verwurzelung in der PR auch für andere Kommunikationsdisziplinen hilfreich.

    AdAge hat ein persönliches Interview mit Dan geführt:



    Dan Edelman ist ein großer Mann, der Generationen von Kommunikatoren inspiriert und geformt hat. Und er ist ein feiner Mensch, so wie ich ihn kennengelernt habe. 90 ist ein stolzes Alter. Herzlichen Glückwunsch, Dan.

    Two years ago I had the pleasure to not only meet him but to be invited to his appartment in Chicago. Dan Edelman, founder of modern PR in a way and of a firm I was happy to work with for some years.

    I still love his vision of PR being in the driver's seat - his son Richard with whom I worked and his firm share this vision and so do I. Firm roots in PR and being able to so real dialogues that stand critics are a good thing not only in social media but in all communications disciplines, I believe.

    I regard Dan Edelman as a great man that inspired and formed generations of pr professionals. And he is a nice guy as far as I got to know him. He now turns 90. Happy Birthday, Dan.

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    11.6.10

    Irgendwie ist Fußball dann doch nicht egal 

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    Ich war nie ein Fan. Jedenfalls kein richtiger. Als kleiner Junge war ich Rudi Kargus, aber auch nur, weil ich nur im Tor mitspielen durfte, wenn die sportlichen Jungs Fußball spielten. Und dann wurde ich - mit sieben - Bayern-Fan, weil der Typ in meiner Klasse, der echt Ahnung von Fußball hatte, Bayern-Fan war. Und HSV ging damals gar nicht. Trotz Kevin Keegan. Trotz Rudi Kargus. Und dann, ich war acht, war 1978. Ich kann mich an keines der Spiele erinnern, nur an die runden Karikaturen auf den Hörzuaufklebern und den Spruch "Rudi halt den Kasten sauber".



    Meine erste WM war 1982. Wir waren im Schwarzwald und mein Vater und ich sind abends in die Dorfkneipe gegangen (und bei den großen Spielen ins Dorfgemeinschaftshaus in Bernau). Ich fand Uli Stielike gut. Ich sah den Betrug mit Österreich. Ich kotze über Rambo Schumacher. Ich fand Dino Zoff toll. Und habe mich irgendwie trotzdem gelangweilt.

    Später war ich dann quasi St. Pauli Fan oder so. Denn HSV ging immer noch gar nicht. Die Jungs bei uns draußen in den Jeanskutten waren voll die Nazis, fanden wir. Zur WM 1986 gab es dann einen Farbfernseher bei uns zu Hause.

    Von 1990 erinnere ich eigentlich fast nur das Fahnenmeer in Frankfurt. Komisch eigentlich. Aber ich war ja auch nie für Schland. Nicht dass ich Antideutsch war, aber es war mir egal. Und die haben einfach nicht gut gespielt. Ich war immer für die Dänen. Vor allem, als die Europameister wurden.

    2006 war ich in Berlin, vor dem Brandenburger Tor, denn meine kleine Wohnung war fast direkt am Potsdamer Platz. Und ich war mit meinen beiden Großen in Hamburg im Stadion. Und ich war ganz sicher, dass ich das ganze nicht interessant finde. Und hab dann zum ersten Mal richtig oft Fußball geguckt. (OK, 2002, da war ich bei news aktuell, das sind die mit dem fußballverrückten Chef, da haben wir die asiatische WM immer im Büro geguckt und ich hab beim Tippspiel war gewonnen, aber andere Erinnerungen hab ich nicht daran.) War toll. Außerdem war ich da ja auch schon lange HSV-Fan. Ging inzwischen. Und Primus war schon Mitglied im HSV Kid's Club. Und es war Sommer. Und irgendwie toll. Wirklich. Viel besser als ich dachte. Da hab ich auch schon gebloggt, gibt es also Artikel zu im Archiv, muss ich mal wieder lesen.

    Hab ich jetzt Lust auf die WM? Weiß nicht. Kein Twitteravater mit irgendwas für mich jedenfalls, kein Bekenntnis. Und - ganz ehrlich - finde ich es auch ok, dass Spanien Weltmeister wird und Schland spätestens im Viertelfinale ausscheidet.




    Oder so. Macht nix. Aber ich guck ein paar Spiele mit meinen Jungs. Und darauf freu ich mich schon. Und auf den Spaß.

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    28.5.10

    Ich bin heute bedroht worden. Oder: Wer Geistes Kind die Contras der Schulreform sind 

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    Ich finde es zunehmend interessant und beängstigend. Entweder die Gegner der Schulreform in Hamburg sind verzweifelt - oder sie sind wirklich sehr aggressiv. Damals im Herbst bin ich ja schon einmal von zwei Unterschriftensammlerinnen auf dem Isemarkt körperlich bedroht worden. Und nur durch Flucht konnte ich verhindern, dass sie mich verprügeln. Und jetzt schickt eine der treibenden Kräfte im Elternrat einer der Schulen, auf die meine Kinder gehen, aus Versehen die E-Mail an mich, die sie ihrem Mitstreiter schreiben wollte:
    Hallo M.,

    Herr Haltungsturner hat geantwortet.
    Ich habe dem Herrn lediglich freundlich zurück geschrieben, dass ich die Mail erhalten habe und dass ich sie weiterleiten werde. Ich glaube, der hat da was gründlich missverstanden. Daher werden wir ihm sicherlich antworten müssen.
    Aber der ist ideologisch so verbohrt, dass ihm nicht zu helfen ist. Aber eigentlich auch nicht schlecht, da ist sein Gemüt etwas beruhigter und wir können richtig in die Vollen gehen. Der wird sich noch wundern. Alles sehr interessant.
    Schönen Abend noch
    LG A.
    Ich habe die Namen rausgenommen, werde sie erst öffentlich machen, falls sie ihren Drohungen Taten folgen lassen sollte.

    Vorausgegangen war ein Schreiben des Elternrates einer der Schulen, die am meisten von der Reform profitieren (weil sie dadurch gerettet wird), indem die Eltern vehement auffordern, gegen die Schulreform zu stimmen. Dabei, übrigens über die Klassenlehrerinnen an alle Eltern verteilt, das Propagandapapier von WWL ("Wir wollen lernen"), von dem der Elternrat schreibt, er habe mal zusammengestellt, wie die Eltern von der Behörde und den Unterstützern der Schulreform desinformiert würden.

    Dagegen hatte ich protestiert, zugleich aber angeboten, dass ich für eine Diskussion in der Schule über die Schulreform zur Verfügung stehe. Die Reaktion ist sehr interessant, oder? Erinnert sehr an die "fiesen" Mitschnitte von Panorama damals, als sich wild gewordene Nienstedtener Mütter um Kopf und Kragen redeten. Meine eigene Position ist, dass Elternräte sich neutral verhalten sollten. Ich habe in "meinem" genau dafür plädiert, obwohl ich die Schulreform unterstütze. Interessanterweise hat übrigens die aggresssive Art, in der wir von M. aufgefordert wurden, uns der Ablehnung anzuschließen, dazu geführt, dass unser Elternrat neutral wurde, sogar die Schulreformgegner fanden das offenbar nicht wirklich gut. Naja.

    Ich finde es schade, dass sich Eltern in den Schulkrieg reinziehen lassen, anstatt sich sachlich und inhaltlich zu beteiligen. Die scheinbare Sachlichkeit, die aus dem Tonfall des ursprünglichen Briefes sprach, wird durch die nicht für mich gedachte Mail ja sehr gut entlarvt.

    Ich bin gespannt. Das, was die Frau B. in der Mail an Herrn V. (den ich kenne und sehr mag) schreibt, ist - so empfinde ich es - eine handfeste Drohung. Und ich mache sie hier öffentlich, vor allem, um mich und meine Familie zu schützen. Denn in den letzten Monaten ist es allzu oft passiert, dass Unterstützer der Schulreform massiv bedroht und eingeschüchtert wurden. Meine Süße und meine vier Kinder dieser Gefahr auszusetzen, hatte ich nicht gedacht - und auch nicht damit gerechnet, weil ich dachte, dass auch andere und nicht nur V. in diesem Elternrat zivilisiert sind.

    Ich habe aus dem Elternrat heraus durchaus inzwischen gehört, dass einige dort ein sehr - hmm - anstrengendes Sozialverhalten haben, das hat mich erschreckt. Und ich hoffe, dass mich das Veröffentlichen dieser Drohnung schützt.

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    18.5.10

    Vom Unsinn der profetischen Haltung, der Berg möge sich bitte bewegen 

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    Grundsätzlich habe ich für Profeten* etwas übrig. Kassandra von Christa Wolf ist und bleibt eines meiner Lieblingsbücher. Profeten haben ihren Sinn, auch historisch, in Krisensituationen. Sie sind vielleicht so etwas wie das alarmistische Gegenstück zum Hofnarr. Und damit sind wir beim Problem.

    Profeten rufen zur Umkehr. Profeten sehen die Bedrohung. Profeten scheitern fast immer am System. Lest mal die Bibel, sehr interessant das.

    Was Profeten nicht sind (und damit ähnlich den Hofnarren), sind Ratgeber. Sie haben einfach eine andere Funktion. Mal platt gesagt können Profeten auch keine Ratgeber sein, denn Ratgeber helfen den Herrschenden, Möglichkeiten in Handlungsoptionen zu übersetzen - und wenn sie Implementierer sind, dann Operationalisieren sie diese Optionen auch und handeln. Profeten sehen keine Handlungsmöglichkeiten jenseits des Umsturzes.

    Beides hat seinen Sinn und seine Zeit. Etwas holzschnittartig ist es die Frage nach Revolution oder Evolution. Und während Ratgeber fragen, wie die Herrschenden unter sich verändernden Rahmenbedingungen mit möglichst überschaubaren Änderungen ihre Ziele weiterhin erreichen können (Hallo ROI), weisen Profeten darauf hin, dass eben diese Herrschenden nicht überleben werden, da die Veränderungen so radikal sind, dass ihre Zeit vorbei ist. Profeten sprechen grundsätzlich, ihnen ist das System weitgehend egal. Ratgeber analysieren das System und suchen nach Wegen.

    Oder konkret: Mirko Lange schrieb heute früh (und auch, wenn 140 Zeichen etwas sehr zum Verkürzen neigen, zeigt es doch, was ich meine)
    Ich plädiere für die grundsätzliche Kommentierbarkeit von allem (!) Content im Web. Das ist einer der Unterschiede von 1.0 und 2.0. (Lange auf Twitter)
    Mich stört zunehmend die Grundsätzlichkeit. Jetzt nicht allein in diesem Fall oder festgemacht an diesem Autor. Sondern grundsätzlich (haha). Denn während so ein Satz wie da oben prinzipisch richtig ist, hat er doch mit der Beratungswirklichkeit nichts zu tun.

    Es ist Quark, denke ich, dass alles und jedes im Web kommentierbar sein muss, abgsehen davon, dass ich hier in meinem Blog alles und jedes kommentieren kann und damit prinzipisch alles und jedes mittelbar kommentierbar ist. Tja.

    Aber wieso bitteschön soll "grundsätzlich" aller (!) Content kommentierbar sein? Was soll der Sinn dahinter sein? Dass ich deutlich zeige, wie unwichtig ich bin, weil nie jemand kommentiert (beispielsweise bei Newsrooms)? Oder dass ich meinen Gegnern eine Plattform gebe, den Ort vollzuspammen, an dem ich einmal in Ruhe und ohne die Hektik einer Diskussion meine Position ausbreiten will (beispielsweise bei politischen Kampagnenseiten)?

    Diskussionen und Kommentare sind wichtig. Und oft plädiere ich beispielsweise auch dafür, einen Ort im eigenen "Grundbesitz" zu schaffen, an dem kommentiert werden kann, weil es nach allen Erfahrungen Kritik zivilisiert und wertvoll ist, das auf einer eigenen Plattform zu haben. Aber deshalb müssen noch lange nicht ALLE Orte Kommentare zulassen oder ermöglichen. Ein strategisches und nicht einfach nur profetisches Herangehen an das Thema wird immer fragen, welche Funktion innerhalb des Gesamtziels und der Gesamtstrategie ein Ort hat. Und, Wunder über Wunder, es gibt Funktionen, die nicht das Gespräch sind.

    Zugespitzt ist die Aussage oben eben gerade die eines Profeten. Nicht falsch, wahrscheinlich sogar wahr, aber unbrauchbar. Ein Ratgeber wird einen Weg suchen, wie in einer Arena, in der jeder seine Meinung hörbar machen kann, so zu agieren ist, dass die Ziele, die ich habe, erreicht werden können. Denn sonst...
    (aber das habe ich ja neulich unter dem Stichwort Hybris schon mal beschrieben, auch wenn es schrecklich selbstreferenziell ist, mich selbst zu verlinken.)


    Und Bernhard, ich lasse die Kommentare offen - denn, qed, prinzipisch und grundsätzlich stimmt es ja. Oder so.

    * Dass ich Profeten mit f schreibe, ist eine lebenslängliche Hommage an den großen Alttestamentler Klaus Koch, der der Meinung ist, dass ein einzelner Buchstabe im griechischen und hebräischen nicht mit zwei Buchstaben im deutschen transkribiert werden sollte. Als er emeritiert wurde, titelte unsere Fachschaftszeitung: "Er wird eine schwer zu phüllende Lücke hinterlassen"...

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    6.5.10

    Ich bin mir nicht sicher 

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    Ganz ehrlich: Mein erster Reflex war auch, dass das ja nicht sein dürfe, dass ein Berufsverbot aufgrund des Musikgeschmacks verboten gehört. Dass die Empörung, die leise durch mein Onlineumfeld grollt, berechtigt ist. Es wird immer dieser Beitrag der "Welt" verlinkt und kommentiert:
    Zu viel Gewalt & Porno: Death-Metal-Sänger darf nicht mehr unterrichten
    Thomas Gurrath war Referendar im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg. Weil er mit seiner Death-Metal-Band Debauchery über Gewalt singt und pornografische Videos dreht, darf er nicht mehr unterrichten.
    Und so weiter, lest es euch selbst durch. Ich kann mir zum konkreten Fall kein wirkliches Bild machen. Aber es bringt mich zum Nachdenken. Denn neben dem "liberalen" Reflex, dass den Staat als Arbeitgeber genau dieses nichts angehe, war sofort die Frage da, ob ich will, dass "so einer" meine Kinder unterrichtet. Nicht falsch verstehen: Meine Kinder haben genug schlechte Lehrer, die voll und genau dem bevorzugten Schema entsprechen, wie Lehrerinnen sein sollen in diesem Land. Und einer der drei wirklich guten Lehrer, die ich in der Schule hatte, war einer, der einen anderen Beruf gelernt hatte und ein abstruses Hobby pflegte. Mir geht es auch nicht um die (wie ich finde: in ihrere Revoluzzerattitüde sehr, sehr spießige) Musik. Oder die Texte. Und schon gar nicht um den im Welt-Artikel geschilderten auslösenden Vorfall, wenn er denn stimmt (Diskussion um Videospiele als Massenmordauslöser - da klingt es im Artikel so, als ob Gurrath sich so verhalten hat, wie ich es mir wünschen würde: offen und die Kinder zu Diskussionen ermutigend).

    Aber bei Pornografie und bei Gewalt (auch in der spießigen Kunst) hört für mich der Spaß auf. Oder wie meine Süße sagen würde: Toleranz endet mit z. Ja, ich kenne aus dem Familienumfeld die Spießer, die sich für Punker halten, die Metaler, die das alles für einen Spaß halten, und so weiter. Und ja, manche davon sind liebe, nette, große Kerle, die vielleicht die Schule vernachlässigen, aber gute Krankenpfleger oder Gastronomen werden. Es sind also nicht die Vorurteile, die mir im Weg stehen, hier vom "Schweinestaat" zu murmeln, der Geschmack über berufliche Zukunft entscheiden lasse.

    Es gibt eine Grenze. Das fängt imho bei Hasch an (und jeder, der sich auch nur ein winziges Bisschen mit dem Thema beschäftigt, weiß, dass das Problem nicht die Illegalität ist oder das Thema Drogen, sondern dass sich der Wirkstoff im Fett einlagert und in Stresssituationen freigesetzt wird, so dass in eben diesen Situationen auch ein Rausch entsteht, wenn jemand seit Jahren nichts mehr geraucht hat, anders als bei Alkohol, der abtransportiert wird), und endet sicher nicht bei Pornografie. Insofern kommt mir die im Artikel beschriebene Lösung gar nicht so absurd vor: Es wird offenbar ja gerade keine "nieundnimmer"-Position aufgebaut, sondern schon gesehen, dass sich Menschen ändern können.

    Schulen sind in diesem Land weltanschauungsneutral, aber nicht werteneutral. Die Werte kann ich in Frage stellen. Ich kann mein Kind ja auch beispielsweise in eine Waldorfschule stecken, die ganz andere Werte hat als die Gesellschaft.

    Ich bin mir nicht ganz sicher. Aber ich glaube, ich finde es gut, dass er nicht Lehrer wird erstmal.

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    20.4.10

    Mal jenseits des Fanboys-Jubelns: Warum Jeff Jarvis die richtigen Fragen stellt 

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    Ich bin keiner der Fanboys, die Jeff Jarvis allein deshalb zujubeln, weil er so entertaining ist. Denn ich hab lange genug mit Amerikanern gearbeitet und auch selbst Vorträge gehalten, um zu lernen, dass Zuhörer nun mal ein Recht drauf haben, unterhalten zu werden, wenn sie mir ihre Zeit schenken - und dass etwas nicht allein deshalb falsch ist, weil es unterhaltsam vorgetragen wurde (wie es oft in Deutschland gesehen zu werden scheint). Ich hab also durchaus noch meinen Verstand und sehe manche Vergleiche kritisch, die Jarvis anstellt. Aber ich kann wirklich nicht verstehen, wie in den letzten Tagen über ihn berichtet wurde, nur weil die Berichtenden seinen Sauna-Vergleich nicht verstanden haben (weder die Jubler noch die Zweifler, hab ich den Eindruck).

    Denn ich denke, Jarvis stellt genau die richtige Fragen:
  • Was halten wir (als Eltern, als Menschen, als Gesellschaft) für privat und was nicht - und wo soll oder darf ich entscheiden, etwas, das andere für privat halten, von mir selbst öffentlich zu machen?
  • Was sind die Opportunitätskosten der einen oder der anderen Entscheidung?
  • Warum soll es ok sein, dass andere mich kritisieren, wenn ich etwas von mir öffentlich machen, was sie von sich nicht öffentlich machen (wollen/ würden)?
  • Was gewinne ich und was verliere ich?
  • Ist die "default privat" Haltung, die bei Menschen über 35 in diesem Land mehrheitlich vorzuherrschen scheint, wirklich besser als die "default public" Haltung, die ein großer Teil der Jüngeren hat und die in anderen Kulturen schon länger gilt?
  • Und ist die kulturelle Kontingenz von Privatheit in der gesellschaftlichen Übereinkunft, die unbestreitbar ist (siehe nur Schweden, Deutschland, USA und ihre jeweiligen Konzepte dazu), ein unbedingt zu erhaltender Zustand?
  • Oder wird sich das Thema in dieser Form absehbar biologisch erledigen?
  • Ein unaufgeregtes Interview von dctp mit Jeff Jarvis über Privatsphäre im Internet-Zeitalter: Wenn der Penis schrumpft:



    Von mir noch zweieinhalb Ergänzungen aus der Erfahrung von siebeneinviertel Jahren Selbstentblößungdarstellung im Internetz:
  • Es ist definitiv ein Unterschied, ob ich entscheide, was ich von mir preisgebe, oder jemand anders das für mich tut, sei es der Staat oder Menschen, denen ich privat etwas erzählt habe. Wenn ich aber entscheide, etwas preiszugeben, dann werde ich auch damit leben (müssen), dass es preisgegeben ist - dass es also auffindbar ist. Den Punkt spricht Jarvis ja auch an im Interview.
  • Bevor ich die Entscheidung anderer über ihre Haltung zu Privatheit oder Öffentlichkeit kritisiere oder gar verdammt, sollte ich ihnen zuhören und sie fragen, ob sie wissen, was sie tun. (Denn ja, Menschen, vor allem junge und sehr junge Menschen, müssen davor geschützt werden, unwissentlich in die Öffentlichkeitsfalle zu tappen - aber sicher nciht, indem ich sie an Öffentlichkeit hindere, wie es zurzeit viele wollen, sondern eher, indem ich ihnen helfe, die Entscheidung für oder wider Öffentlichkeit bewusst zu treffen.)
  • Und als halben Punkt und quasi als ceterum censeo: Es gibt im Internetz immer noch keinen Lesezwang. Wenn mich also mein Neffe kritisiert, weil er nicht wissen will, wann ich in die Sauna gehe, dann ist seine Schlussfolgerung, ich soll nicht via Twitter sagen, dass ich in die Sauna gehe, absurd - denn er müsste ja nicht zuhören.
  • Ich bin mir sicher, dass wir zurzeit in einer Umbruchzeit leben, nicht nur, was die Kulturtechniken von Publizieren und Rezipieren, sondern auch, was die "default"-Einstellungen im Bereich privat/öffentlich angeht. Und entweder wir verabschieden uns aus dieser Diskussion, indem wir unsere eigenen Ideen für alle verbindlich machen wollen (die anderen aber mit den Füßen abstimmen und eben zu Facebook gehen, mal beispielsweise) - oder wir nehmen an ihr teil und versuchen, die neuen gesellschaftlichen Regeln mitauszuhandeln. Eine Mauer zu bauen, um noch einmal ein Bild von Jarvis aus dem Interview aufzunehmen, wird jedenfalls auf Dauer nicht helfen.

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    18.4.10

    Nun ist er groß 

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    Erste Konfirmation in da house. Irgendwie war ich am Ende gar nicht so aufgeregt, wie ich dachte. Früher sagte man ja, dann ist das Kind erwachsen, irgendwie stimmt das auch, wenn man sich die Bilder anguckt:



    Es war entspannt, erste Feier im neuen Haus, bei gutem Wetter, mit Grillen und Lasagne (was tut man nicht alles, um Wünsche zu erfüllen), mit der engsten Verwandtschaft und den Paten mit ihren Familien. Als wir das Abendmahl gestürmt haben, war es voll...

    Im Grunde ändert sich ja nichts so direkt durch dieses Fest. Aber trotzdem ist es ein Abschnitt und ein mir irgendwie wichtiger Teil des Erwachsenwerdens, das mit Glück nicht ganz noch mal 14 Jahre dauern wird. Und für uns das erste Mal, übernächstes Jahr geht es weiter.

    Primus, du bist so groß. Und manchmal schon so erwachsen. Glücklicherweise nicht immer. Aber - auch wenn ich dich latent peinlich mache, wenn ich das jetzt sage - ein richtig guter Kerl auf dem Weg.

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    11.4.10

    Eine Ära geht zu Ende 

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    Meine erste brand eins war die Finnland-Ausgabe, wisst ihr noch? Die hellblaue mit dem Rollerfahrer auf dem Cover. Seitdem habe ich sie abonniert. Und diese Woche habe ich das Abo beendet.




    Foto unter cc-Lizenz von Max Braun


    Das fiel mir schwer, denn ich mag die Zeitschrift weiterhin. Und ich hänge an ihr. Damals, als ich auch an ein Freiexemplar kommen konnte, habe ich sie bewusst für Geld bestellt, weil ich es so toll fand, was das Team um Gabriele Fischer gemacht hat. Und die zahlreichen Gespräche, die ich mit ihr führen konnte, gehörten immer zu den inspirierenden Momenten.

    Aber seit dem Sommer habe ich, das musste ich irgendwann zugeben, keine Ausgabe mehr gelesen - oder wenn, dann nur einige wenige Artikel. Und darum habe ich anlässlich des Umzugs und des Großreinemachens die überfällige Konsequenz gezogen. Die brand eins ist wichtig gewesen in meinem Leben. Und ich höre hin und wieder weiterhin den Schwerpunkt als Audiomagazin.

    Am Anfang war sie faszinierend, weil sie das Thema Wirtschaft anders anging. Gabriele war immer sauer, wenn ich meinte, ihr Baby sei so etwas wie die taz unter den Wirtschaftsmagazinen - was ich verstehen kann angesichts der wirtschaftlichen Implikationen, was ich weniger verstehen konnte angesichts des Stils und der Stilbrüche, die für mich die brand eins ausmachten.

    Dann hat die brand eins das Cluetrain Manifest entdeckt und diese große Strecke mit den Bildausschnitten nackter Menschen gemacht, auf die einzelne Thesen tätowiert waren. Diese Ausgabe hat - nicht nur bei mir - sehr viel in Gang gesetzt und vieles verändert. Ohne diese Ausgabe und ohne brand eins wäre ich heute nicht da, wo ich bin, und würde ich heute nicht das beruflich machen, was ich mache.

    Die Zeitschrift gründete eine E-Mail-Diskussionsliste rund um das Cluetrain Manifest, aus diese Liste sind viele Freundschaften entstanden, einige der wirklich guten Blogs dieses Landes und eigentlich alle Berater hervorgegangen, die heute gut und mit Erfahrung rund um Kommunikation in den Social Media unterwegs sind.

    Dafür bin ich bis heute dankbar. Und auch, wenn mich viele Schwerpunktintros von Wolf Lotter geärgert haben, auch, wenn mir zwischenzeitlich (es war eine Phase in der ersten Hälfter der 2000er) die bigotte rechtslastige Verachtung gestunken hat, die er hin und wieder an den Tag legte (manifestiert in seiner Nähe zu den Kapsern von der "Achse des Guten"), war das, was in der brand eins stand auch in dieser Phase für mich wichtig.

    Nun werde ich nun noch sporadisch lesen und hören, so wie schon die letzten Monate. Ich werde die brand eins weiter verfolgen. Aber sie kommt nicht mehr jeden Monat zu mir nach Haus.

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    8.4.10

    Wenn die Müdigkeit einsetzt 

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    Gibt es eigentlich diese legendäre Frühjahrsmüdigkeit wirklich? Frag ich mich gerade, wenn ich die Timeline bei Twitter ansehe, die ich verfolge - "tired" scheint eines der beliebtesten Worte zu sein. Dass ich müde bin, überrascht ja nicht, jetzt, wo langsam alles im neuen Haus an seinem Platz zu sein beginnt und das Tempo privat ein bisschen zurück gefahren werden kann (so weit das geht mit vier Kindern). Aber überall, wo ich hinsehe: Müdigkeit, Erschöpfung, frühes Insbettgehenwollen.

    Dabei kommen doch jetzt die langen Tage, auf die wir uns so gefreut haben. Ein bisschen Sonne. Die leichte Jacke. Das Rad.

    Oder liegt es an den vielen kurzen Wochen? Dass diese Zeit sich so zwischen Alltag und Freizeit anfühlt, der Körper und Geist nicht recht weiß, was Sache ist?

    ich glaub, ich muss mal wieder früher ins Bett. Denn ausschlafen ist nicht mit Kindern und einem jungen Hund. Obwohl das Morgenrot toll ist diese Tage und für das eine oder andere versöhnt...

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    1.4.10

    Der Blick von weit weg und ganz nah 

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    Letzte Woche hat eines der wundervollsten Blogs in Deutschland aufgehört. Ich hab lange überlegt, ob und was ich dazu sagen soll, denn ich kannte die Frau Antonmann ja gar nicht wirklich. Also nicht so, wie man früher "kennen" definiert hätte. Aber über die Jahre ist sie ein fester Bestandteil meines Lebens geworden, auch wenn das ein bisschen zu pathetisch klingt (und ich sollte auch nicht verschweigen, dass ich mit Kunden auch einmal mit ihr zusammen etwas gemacht habe, so als disclosure).

    Liebe Frau Antonmann,

    wir kennen uns nicht. Nicht wirklich zumindest. Aber irgendwie habe ich mich Ihnen immer nah gefühlt. Ich hatte den Eindruck, ich weiß über Sie und Ihre Familie mehr als über manche Freunde - und vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass Sie nun aufgehört haben zu bloggen (also jetzt hoffentlich nicht ich persönlich, aber diese Transparenz). Ich werde Ihr Blog vermissen. Nicht nur, weil Sie für mich immer so etwas wie der Mittelpunkt der (nicht wirklich existierenden) Szene der Familien, die bloggen, waren. Sondern vor allem, weil Sie mich haben teilhaben lassen an Ihrem Alltag.

    Denn den Alltag, also so den echten Alltag, bekommen wir bei anderen Familien ja oft gar nicht mit. Wenn wir Freunde besuchen, rüschen die ihr Haus auf und kämmen ihren Kindern die Haare. Unsere Kinder verziehen sich gemeinsam in eines der Zimmer und zerlegen das Haus oder den Garten. Der Stress am Frühstückstisch, der Streit unter den Geschwistern, all das, was den Alltag so anstrengend und erfüllt zugleich macht, wird für die Sondersituation "wir treffen uns mit Freunden" ein bisschen ausgeblendet.

    Durch Ihr Blog habe ich gesehen, dass es auch in anderen Familie so ist wie bei uns (nicht genau so, aber doch genau so wild und schön und doof und interessant und so). Dass Familien mit ähnlicher Altersstruktur und ähnlichen Berufstätigkeiten auch ähnlich ihr Leben meistern. Dass es auf und ab geht, aber immer weiter. Dass Sie auch in einer schweren Krise wieder Mut schöpfen.

    Ihr Blog, liebe Frau Antonmann, werde ich vermissen, auch wenn ich nicht täglich dort war und nur hin und wieder kommentiert habe. Und dass Sie Ihr Leben weiter leben, ohne dass ich dabei zusehen kann, ist ein ulkiges Gefühl, an das ich mich noch gewöhnen muss.

    Alles das, was ich an Blogs mag und was ich - da ich ja mit diesem Thema auch beruflich zu tun habe - anderen Menschen nahezubringen versuche, habe ich in Ihrem Blog gefunden. Und wenn ich da mal kommentiert habe oder Sie mich mal verlinkt haben (einmal glaub ich, damals, als ich auf Ihren Eintrag "mit dem dritten sieht man besser" mit meinem Plädoyer für die vier Kinder geantwortet habe), hat es viele, viele Menschen in dieses Blog gespült - weit mehr als jedes vermeintliche A-Blog je.

    Ihnen alles Gute. Ihren Kindern und dbEva ebenso. Auch von meiner Frau, die ja eine Kollegin von Ihnen ist. Und sagen Sie Bescheid, wenn Sie mal wieder loslegen sollten? Wo Sie mich finden, wissen Sie, kommen Sie gerne mal vorbei. Virtuell oder in der Kohlenstoffwelt.

    Ihr Haltungsturner

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    31.3.10

    Da werden Sie geholfen 

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    Wer hätte das gedacht. OK, ich hatte es gehofft, als ich den Blogpost schrieb, in welcher Sackgasse ich bei der Deutschen Telekom gelandet war. Aber nicht wirklich damit gerechnet.

    Doch dann: Nur wenige Stunden nach dem Eintrag sah die Welt hoffnungsvoller aus, drei Werktage später scheint mein Problem gelöst. Der schale Nachgeschmack bleibt, was wohl wäre, wenn ich nicht in meinem Blog und via Twitter laut geworden wäre - aber die Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter der Telekom, mit denen ich seit Freitag zu tun hatte, haben mich positiv überrascht (und das ist, werden alle Marketer wissen, ein Schlüssel, um mich als Kunden emotional zurück zu gewinnen).
    Nach allem, was ich weiß, ist die Telekom dabei, den Kundenservice auf den Bereich Social Media (also vor allem wohl Blogs und Twitter) auszudehnen - und mein Blogpost und meine Tweets sind da bereits in eine Testphase reingerutscht. Es klingt so, als ob da übrigens noch mehr zu erwarten ist in nächster Zeit, was ich auch beruflich sehr spannend finde.
    So aber meldete sich eine sehr nette und ihre Nervosität zügig ablegende Frau T. (den Namen weiß ich, aber ich weiß nicht, ob es ihr Recht ist, dass ich ihn schreibe) bei mir, die mich den späten Freitag und den gesamten Sonnabend, teilweise offenbar sogar von außerhalb des Büros, begleitet hat. Mein Interimsinternet hab ich mir dann selbst abgeholt im AEZ, wo ich am Sonnabend ohnehin hin musste. Und im Laufe des Montag hat sie organisiert, dass am Dienstag, also gestern, tatsächlich ein Techniker raus zu und fährt, der die Leitung schaltet und auch das DSL aktiviert. Wer schon mal auf einen solchen Techniker gewartet hat, ahnt mit mir gemeinsam, was für eine Welle sie da intern wohl gemacht haben muss.

    Meine vorübergehende T-Online-Kennung konnte ich dann mit meiner existierenden Hardware (DSL-Modem und WLAN-Router) zum Laufen bringen.

    Ich bin gespannt, wie es mit den Kosten sein wird, die sich aus dem Interimsnetz und allem Ärger ergeben haben - eine unbürokratische Lösung ist mir versprochen. Und ich habe zurzeit keinen Anlass, das zu bezweifeln.

    Und weiter? Mal sehen, was mit dem kryptischen Brief gemeint sein mag, den ich parallel bekommen habe, dass mein Auftrag (welcher noch mal??) voraussichtlich im März 2011 ausgeführt werden könne. Mal sehen, ob und was die Telekom mit Social Media, Blogs, Twitter und Co noch vorhat. Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich so lange gewartet habe, bis ich laut gab - andererseits hatte ich so schon eine echte Leidensgeschichte. Habe also nicht einfach nur gequakt und gemeckert.

    Die nächsten Tage werden zeigen, wie nachhaltig die Kommunikation mit mir aus deren Sicht war. Aber Frau T. hat es geschafft, mich als Kunden wieder einzufangen, der schon ernsthaft zweifelte, ob es eine gute Entscheidung war, vom Regen in die Traufe zu wechseln. Immerhin war ich als "Family CIO" ja auch von zu Hause unter massivem Druck, denn es war meine Entscheidung, von Alice wegzugehen und der Telekom eine neue Chance zu geben. Und zwei Wochen maulende Jugendliche, eine verzweifelnde und nicht arbeitsfähige Frau und ein irritiertes Au Pair zu Hause sitzen zu haben, die Tag für Tag vertröstet werden müssen, weil weder Internetz noch Festnetztelefonie absehbar sind, ist kein Spaß.

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    der Haltungsturner, (2) comments

    26.3.10

    Ohne Verbindung 

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    Ein Brief an René Obermann, den Vorstandschef der Deutschen Telekom, den ich heute per E-Mail geschickt habe. Ich bin inzwischen ernsthaft verzweifelt.

    Sehr geehrter Herr Obermann,

    bitte entschuldigen Sie, dass ich mich direkt an Sie wende, aber nach eine mehrwöchigen Odyssee durch die Serviceabteilungen Ihres Unternehmens, die immer schwieriger wurde, weiß ich mir nicht mehr anders zu helfen.

    Ich wollte von Alice zur Telekom wechseln, als ich mein neues Haus gebaut und bezogen habe. Dass der Anschluss nicht wie zugesagt am 15.3. geschaltet werden konnte, kann ich verstehen, da durch das Wetter die Bauarbeiten an der Leitung zu spät fertig wurden. Leider wurde die Adresskorrektur (die Hausnummer wurde ursprünglich vom Bauherrenservice richtig aufgenommen und dann fehlerhaft korrigiert), die ich im T-Punkt und an der Hotline mehrfach vorgenommen hatte, nicht bei Ihnen ins System übernommen, so dass am Tag, der vorgesehen war, der Anschluss wieder nicht geschaltet werden konnte.

    Diesen Fehler wollte Ihr Team korrigieren, indem ich vorübergehend eine WLAN-Box, die mit einer UMTS-Karte betrieben wird (so genanntes Mifi) zur Verfügung gestellt bekomme. Zugleich wurde mir von einem stellvertretenden Teamleiter verbindlich zugesagt, dass ich gestern (Donnerstag) zurück gerufen werde, um einen verbindlichen Termin zu erfahren, zu dem die Leitung geschaltet werde.

    Leider war heute eine UMTS-Karte in der Post, aber kein Gerät, aus dem Anschreiben ist auch nicht ersichtlich, ob das Gerät, das nach Aktivierung kommen soll, das richtige ist. Zumal es also auch noch weitere mehrere Tage dauern wird, bis wir Internet haben.

    Der Rückruf erfolgte nicht.

    Als ich mich gestern und heute jeweils an die Hotline gewandt habe, wurde zweimal vom Berater aus mit den Worten "das Gespräch ist beendet" aufgelegt, als ich nach dem Namen des Beraters fragte, da er mich nicht mit seinem Vorgesetzten verbinden wollte.

    Vor allem, dass dieses nun zweimal passiert ist, lässt mich nicht mehr glauben, dass das ein Zufall ist. Ich finde es als Kunde unerträglich, dass ich so abgefertigt werde. Heute hat die Beraterin mir erklärt, dass "im Laufe der nächsten Woche" damit zu rechnen sei, dass ich etwas von der Telekom höre über meine Leitung. Als ich das nach der Vorgeschichte nicht akzeptieren wollte, bat ich darum, ihren Supervisor zu sprechen. Der könne mir auch nichts anderes sagen, hieß es - was mir aber Rcht wäre, ich wollte es nur von einem Vorgesetzten hören. Die Beraterin weigerte sich, mich zu verbinden, mir ihren Namen zu nennen - und legte auf.

    Können Sie sich dieses Verhalten erklären?
    Ich arbeite selbst im Dienstleistungsbereich und bin gerade mit Technologieunternehmen gut vernetzt - aber so etwas ist in meinem Umfeld noch nicht passiert.

    Bitte nehmen Sie sich dieses Falles an.
    (Meine Kundennummer habe ich mitgeschickt)

    UPDATE 29.3., mittags
    Ohne den Tag vor dem Abend loben zu wollen, doch ein kurzer Zwischenstand:
  • Ich bin inzwischen in Händen, denen ich zutraue, mein Problem zu lösen, und habe eine Terminzusage.
  • Mir wurde kurz nach der Mail und dem Blogpost endlich weiter geholfen, eine Interimslösung für Internetzugang ließ sich am Wochenende schaffen.
  • Das Büro von Herrn Obermann hat sich bei mir gemeldet und sich schlau gemacht und sich entschuldigt.
  • Wenn es vorbei ist, werde ich darüber noch einmal schreiben.
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    über Hybris 

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    Ich bin unverdächtig, bescheiden zu sein. Als am Ende meiner Schulzeit durchsickerte, dass ich Theologie studieren werde, wurde im Lehrerzimmer von jemandem ausgerufen: "Der? Der soll erstmal Demut lernen". Das hat mich damals amüsiert, heute weiß ich, dass es nicht ganz falsch war, wenn auch bei einem 18-jährigen vielleicht übertrieben. Demut habe ich gelernt durch das Leben, vor allem die Geburt meiner Kinder und die Krankheit und den Tod meiner Mutter.

    Ich werfe auch niemandem vor, wenn er oder sie stolz ist, arrogant oder überheblich. Das kann oft begründet sein und die Dummheit oder Langsamkeit, die einem in der Welt begegnet, ist ja auch zum Ausderhautfahren hin und wieder.

    Ich mag aber keine ὕβρις. Und gerade Hybris ist das, was ich in dem Feld, das ich beruflich vor allem beackere, dauernd erlebe. Und weil das ein ziemlich heftiger Vorwurf ist, schon klar, will ich ihn ein bisschen begründen, ok?

    I. Ich bin der Nabel der Welt
    Ich weiß nicht, wie das kommt, aber unter Menschen, die in den Social Media ihr Innerstes nach Außen kehren, ist oft so eine Haltung zu beobachten, dass sie ihre Wünsche und Erfahrungen für absolut setzen. Ob jemand wie Sachar sagt, er wolle dies oder das nie wieder lesen, oder jemand wie Mirko erklärt, was er täte, wenn er Nestlé wäre (nur um mal zwei aktuelle und willkürliche Beispiele rauszugreifen), ist dabei fast unerheblich. Die Tonalität in vielen Blogs schwurbelt so merkwürdig zwischen Nabelschau und Kleinkariertheit, dass es eine Freude ist. Wenn denn dann wenigstens klare und streitbare Meinungen vertreten werden, wie es Nico oft macht! Merkwürdigerweise bin ich ja nicht Nestlé oder Bürgermeister. Huch.

    II. Ich weiß, dass sich alles ändern muss
    Vielleicht haben ja wirklich diejenigen Recht, die Social Media als den verschriftlichten Stammtisch beschreiben. Denn auch dort wissen ja die Teilnehmer mit ihren Schwänzen in der Größe von Erdnüssen (Quasi-Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme, ratet welchem) nicht nur, wie man die Welt retten könnte, dass die Erderwärmung nicht passieren wird, wie wir Weltmeister werden und was BMW bloggen sollte, sondern machen auch Witze über 13qm-Zellen-Bewohner. Vor allem aber ist alles immer ganz einfach, weil unterkomplex. Und man müsste nur dies und das tun und alles ändert sich. Kleine Schritte sind nie nötig und Begründungen schon gar nicht. Und so.

    III. Ich brauche mich um die Realität nicht zu kümmern
    Denn es ist ja klar: Die Zusammenhänge beispielsweise zwischen verschiedenen Abteilungen und Zielen in einem Unternehmen stören nur, wenn es um die Revolution geht, um das Großeganze. Und darum lese ich von den Social-Media-Profeten so oft, dass Social Media nicht in erster Linie eine neue Arena seien, in der Kommunikation stattfindet, sondern dass sie alles verändern, mindestens die Unternehmenskultur (und zwar sofort) und ganz bestimmt die Art und Weise, wie produziert wird. Und damit nähern wir uns dem eigentlichen Punkt der Hybris: dem Ganzodergarnicht, der Radikalität.

    IV. Was gut für mich ist, ist gut für alle
    Und von hier aus ist es nur ein ganz, ganz kleiner Schritt zur grotesken Auswirkung der Hybris - dem Realitätsverlust. Ungefähr ein Drittel der Menschen, die online sind, sind Mitglied in einem sozialen Netzwerk. Ungefähr ein Prozent führt ein Blog, ebenso viele twittern. Es ist Hybris, aus der gefühlten Bedeutung innerhalb eines geschlossenen Zirkels eine Kompetenz oder Bedeutung in der Kohlenstoffwelt abzuleiten. Das irre ist ja, dass für fast alle Dinge die Menschen, die in ihren Blogs und auf Twitter krakelen, real irrelevant sind. Nehmt nur mal einen Blogeintrag, über den ich mich diese Woche aufgeregt habe - bis jetzt (Freitag, 9.30 Uhr) 6016 Leserinnen und Leser. Und jetzt redet über Reichweite, Bedeutung, Meinungsführung.

    Aus dem Resonanzraum meines Dorfes auf mehr zu schließen als auf mein Dorf, ist Hybris. Sich für einen Vollchecker zu halten, ohne sich um die realen Rahmenbedingungen zu kümmern, ist Hybris. Zu schnell zu sein und die langsameren zu verspotten, ist Hybris. Und sagte ich schon, dass ich Hybris nicht mag?

    Oder um es mal anders zu sagen: Wer glaubt, dass Jack Wolfskin oder Jako auch nur eine Delle in ihren Imagewerten oder Umsätzen gespürt haben und Runde Tische brauchten, wer glaubt, dass Nestle jetzt erleichtert darauf verzichten wird, seine Einkaufspolitik zu verändern, der ist von Hybris befallen. Gute Besserung.

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    20.3.10

    Hallo, Haus 

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    Dass es hier so lange so sehr ruhig war, liegt einfach daran, dass die Schlussphase des Hausbaus so rund ist und wir die letzten zwei Wochen zwischen Kartons verbringen mussten.

    Nun aber sind wir drin und sagen Hallo, Haus, schön bist du geworden, wir fühlen uns jetzt schon wohl.




    Es ist unser Traumhaus mit Holz, wo immer ea geht, und oben ist unsere Sauna drin (wer mir auf Twitter folgt, wird das geahnt haben).

    Ein bisschen chaotisch ist es noch hier und da, aber heute werden wir die letzten zehnder 250 Kartons auspacken. Fein.




    Im leeren alten Haus zu sein, hinterlässt eine gewisse Wehmut, auch wenn es sehr gut so ist, wie es ist. Wir hatten dort immerhin fünf wunderbare Jahre und unsere Tochter ist in diesem Haus geboren worden, was wir immer in Erinnerung behalten werden.

    Jetzt ist aber erstmal Freude über den neuen Abschnitt in unserem Leben. Und die Gartenbauer sind auch schon da.





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    25.2.10

    Elternfortbildung, erster Aufschlag 

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    Gegen die politischen Zensur- und vermeintlichen Jugendschutzbegehren gegen das Internetz gibt es meiner Meinung nach nur ein Mittel (also neben der politischen Arbeit): Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Das war einer der Gründe, warum ich im Januar die Facebook-Gruppe und Initiative digital dads gegründet hatte. Nun habe ich die erste Elternfortbildung durchgeführt - an Primus' Schule bei uns draußen. Hier die Präsentation, mit der ich durch den Abend geführt habe:



    Mein erstes Fazit:

    Es war super spannend, mit anderen Eltern, die ganz überwiegend sehr anders mit dem Internet leben und umgehen als ich, über diese Fragen zu sprechen. Ich hatte mehr Protest dagegen erwartet, dass ich die Botschaft hatte, sich das einmal vorurteilsfrei anzusehen - und dass ich der Meinung bin, dass für unsere Kinder auch sehr vieles sehr viel besser wird durch die Art, wie sie das Internet nutzen. Dieser Protest ist vollständig ausgeblieben, sondern die über 150 Eltern waren ernsthaft interessiert und bereit, sich darauf einzulassen. Vielleicht sind nur bestimmte Eltern bereit, zu so einer Fortbildung zu kommen - aber die, die da waren, teilten meine Einschätzung, dass es nicht darum geht, die Kinder beispielsweise an SchuelerVZ oder Facebook zu hindern, sondern eher, ihnen Hilfestellung zu geben, wie sie es sinnvoll und gefahrloser nutzen können.

    Über zwei Punkte war ich überrascht, die ich etwas anders eingeschätzt hätte: Nur drei oder vier der Eltern, die dort waren, haben ein eigenes Facebook-Profil (oder es zumindest zugegeben). Aber bestimmt zwei Drittel haben in ihren Wohnungen oder Häusern WLAN.

    Mir hat es Spaß gemacht und es hat mich gefreut, dass ich auch positive Rückmeldung bekam von vielen Eltern, die dabei waren. Es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass ich diesen Vortrag und diese Diskussion geführt habe (und ich komme auch gerne woanders vorbei, Kontaktdaten sollten zu finden sein).

    Hier findet ihr übrigens die Facebookgruppe digital dads....

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    24.2.10

    Es geht nun mal nicht anders - zu Käßmanns Rücktritt 

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    Dass Margot Käßmann von ihren Ämtern zurück tritt und nun nur noch normale Pastorin sein wird, ist richtig und notwendig. Ich persönlich habe schon bei ihrer Trennung von ihrem Mann gesagt, dass sie als Bischöfin hätte zurück treten sollen, aber damit war ich recht allein. Den Anlass damals fand ich sehr viel dramatischer als jetzt die Wein-Fahrt.

    Aber es sagt einiges über den Zustand unserer Gesellschaft und unserer Medien, dass eine alkoholisierte Fahrt mehr Erregungspotenzial hat als eine Trennung, die an sich nach allen internen Regeln der Kirche das dramatischere und einschneidendere Ereignis gewesen ist.

    Ich mochte sie dennoch. Und weder meine Meinung damals noch jetzt ändern etwas an meiner Wertschätzung für sie, die aus den persönlichen Begegnungen kommt.

    Später mehr dazu, jetzt muss ich ins Flugzeug.

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    18.2.10

    Sieben Jahre 

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    Fast hätte ich es vergessen, dabei ist doch heute auch der Todestag Martin Luthers und der Geburtstag eines Freundes: Heute vor sieben Jahren habe ich die ersten unbeholfenen Sätze in dieses Blog geschrieben, damals auch schon bei blogger.com, damals auch schon unter dem Titel Haltungsturnen, aber noch anonym, um erstmal zu üben.

    Einige Monate vorher hatte ich zum ersten Mal ausführlicher von Blogs gehört und mich nach einem (kostenlosen) Service dafür umgeschaut, den ich als DAU bedienen könnte. Antville hat keine Leute mehr aufgenommen damals, blogger.de kam erst kurz später, blogg,de ebenfalls - und so bin ich beim "Urservice" Blogger.com gelandet, ich weiß gar nicht, ob der damals schon zu Google gehörte oder erst kurz danach gekauft wurde (was irgendwie fast allen Dingens passierte, die ich nach und nach ausprobierte). Flickr hatte ich schon genutzt, aber auch nicht lange.

    18. Februar 2003 - das ist verdammt lange her. Und es war eine schwierige Zeit für mich, persönlich (meine Mutter kam ins Heim) und beruflich (ich wollte innerhalb der Firma was anderes machen), da passte das Blog irgendwie rein, beides scheint auch immer noch durch bei den allerersten Posts (die einzigen Posts, die vor dem 18.2.2003 liegen im Archiv, kamen später dazu als Impressum und Übermichseite).

    Über sieben Jahre hat mich dieses Blog begleitet. Irgendwann, als ich verstanden hatte, wie das geht, habe ich es mit meiner haltungsturnen.de-Domain verknüpft. Aber ich bin nie umgezogen oder auf einen eigenen Server gewechselt oder so (und das, obwohl ich im richtigen Leben in der Zwischenzeit ja nicht nur drei Mal den Arbeitgeber gewechselt habe, sondern bald zum zweiten Mal umziehen werde), war erst nicht sicher, dass ich das könnte, dann zu faul - und inzwischen möchte ich auch nicht mehr, denn ich fühle mich irgendwie zu Hause hier.

    Haltungsturnen hab ich es damals übrigens genannt, weil ich überlegte, eine Art Wirtschafts-Ethik-Beratung aufzumachen und dafür Haltungsturnen der richtige Name gewesen wäre. Das Blog (und die URL) also sozusagen die Keimzelle dafür hätten werden können, ich hab sogar mal ein Manifest für eine Gruppe geschrieben, die "die Haltungsturner" heißen sollte.

    Alles kam anders und das ist gut so. Nur das Blog, das gibt es noch. Und wird es noch lange geben, da bin ich mir sicher. Und es ist und bleibt der Mittelpunkt meines Onlinelebens, auch wenn das inzwischen altmodisch und voll retro ist.

    Auf die nächsten sieben Jahre. Prost.

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    10.2.10

    Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein 

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    Christian Stöcker von Spiegel Online hat vorgestern einen großartigen, knackigen und allgemein verständlichen Vortrag gehalten, dessen 13 min sich jede und jeder einmal kurz antun sollte. No further comment. Full ACK.



    (via Carta, gefunden über buzz, ist es also doch zu was gut, dieses neue Googleding)

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    5.2.10

    Das ist miese Verantwortungsverweigerung / Mike's Fault! 

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    english summary below

    Vielleicht liege ich völlig falsch, glaube ich aber nicht nach dem, was bisher sichtbar ist. Ein minderjähriger Praktikant bei Techcrunch hat richtig Scheiße gebaut. Er schreibt darüber auch in seinem eigenen Blog. So weit so schlecht.

    Das, was Daniel gemacht hat, geht gar nicht. Egal ob er aktiv um eine Bestechung gebeten hat oder sie nur angenommen - Techrunch will Journalismus sein, also ist es nicht einfach nur "eine Linie überschritten", sondern - eben - Scheiße.

    Aber die eigentliche Scheiße haben hier andere gebaut: Mike, dass er den 17-jährigen in diesem - ja, das ist es für viele in meiner Umgebung - Leitmedium hat schreiben lassen, ohne dass es eine echte Qualitätskontrolle gab. Und diejenigen, die Daniel bestochen haben, denn wer in der Kommunikation arbeitet, weiß, dass das nicht geht. Und noch mal Mike, der sich seiner Verantwortung entzieht und wohlfeil und selbstgerecht reagiert. Ich kenne ihn nicht persönlich - aber das ist Arschlochverhalten.

    In Deutschland hatten wir gerade die Diskussion um den Umgang von PR mit Amateuren, angestoßen durch ein Geheimpapier eines Branchenverbandsorgandingens. Hier zeigt sich nun, was imho wirklich das Thema sein sollte:

    Wer dieses Kind bestochen hat, gehört gefeuert.

    Wir Profis - also PR-Leute oder Unternehmer - haben die verdammte Pflicht, die Amateure vor sich selbst zu schützen. Und das meine ich ernst. Wenn ein Amateur über mich oder eine Aktion, in der ich ihn einbinde, schreibt, ohne offenzulegen, wie wir zusammen gearbeitet haben, dann ist das mein Fehler. Punkt. Niemandes sonst. Das ist der eigentliche Skandal.

    Maybe I am wrong, but from what I see now in the Techcrunch brouhaha, not only an underage kid failed, as he says in his own blog as well, but more so did the adults around him.

    Not to be misunderstood: What Daniel did is more than bad and this is not just "crossing a line". This is something that must not happen in journalism.

    But I think some others really have failed: First of all Mike, who runs a piece of journalism that is lead media for a lot of people in my crowd, and lets a kid write in this blog without any (or at least enough) control and quality control. Bad. And the guys who bribed the kid. Anyone working in communications knows that this is not allowed and unethical. And Mike again, who skips his responsibility and writes a completely self righteous post. I don't know Mike personally - but this is the behavior of an asshole I would call it in Germany (I know in the US this might be difficult for legal reasons).

    Over here (in Germany) we had some strange discussions lately about how to behave as PR pros when working with bloggers etc. I think this case makes my point: Whoever bribed the kid has to be fired!

    We professionals are responsible for what amateurs are doing. And if an amateur does not disclose properly, it's our fault and we have to be blamed. That's it.

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    4.2.10

    So macht man das 

    3.2.10

    Ich verstoße jetzt mal gegen Gassner's Law 

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    Jaja, ich weiß: die größten Kritiker der Elche und so weiter. Und ja, ich weiß: Wer etwas für "typisch deutsch" erklärt, hat per se unrecht (das in etwa ist ja Gassner's Law). Trotzdem frage ich mich, warum es (1) quasi keine guten deutschen Rants gibt und (2) die Rantversuche solche Irritationen auslösen oder Menschen böse machen.

    Ob es wirklich nur daran liegt, was Sebastian Keil, der es immerhin hin und wieder mit handzahmen Rants versucht, vermutet?


    Mal ehrlich: Wenn man ein abgewogenes, zahmes Lüftchen wie das neulich von Nico Lumma über den Unsinn der ewig gleichen Diskussionen mit den ewig gleichen Diskutanten auf den ewig gleichen Klassentreffen als weit vorlehnen bezeichnet, was soll ich dann an Streitkultur erwarten?

    Mit Sicherheit gibt es auch in diesem Land und in dieser Sprache Leute, gegen die ich ranten kann und trotzdem mit ihnen befreundet bleiben. Mark Pohlmann ist so einer, mit dem es geht, das böse Streiten verbunden mit gegenseitigem Respekt und Zuneigung. Aber wenn ich ansonsten immer Angst haben müsste, nicht mehr zum Captain's Dinner eingeladen zu werden, ein zerschnittenes Tischtuch zu hinterlassen oder einen Besen zu brauchen - dann macht Ranten einfach auch nicht mehr so viel Spaß. Denn wir sind ja alle die Guten. Und lieb. Das ist echt zum gegen Gassner's Law verstoßen.

    Ja, Mimosen gibt es überall, auch in anderen Kulturen. Die haben eventuell Pech. Oder ich muss damit leben, dass sie mimotisch reagieren. Aber trotzdem würde ich mir manchmal - sagte ich ja schon öfter - ein lautes, beleidigendes, spaßiges, übertriebenes, karikierendes Ranten im Stil eines Loren Feldman wünschen. Und nicht immer nur diese Piep-piep-piep, was sind wir alle lieb Konsenskakke.

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    1.2.10

    Endlich aus dem Quark 

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    Manchmal war ich dicht am Verzweifeln, wenn ich sah, wie intensiv die Gegner der Schulreform in Hamburg sich organisierten, wie einfach es andererseits vor Ort in den Schulen meiner Kinder war, die Gegner der Reform zu isolieren oder zumindest argumentativ zu neutralisieren. Nur dass ich immer der einzige war, der das ausdrücken konnte, wofür ich dann von vielen, vielen anderen Eltern (übrigens auch am Gymnasium) positive Rückmeldungen und Unterstützung bekam.

    Auch in den (Online-) Gremien der Grünen war es komischerweise lange ein kleines bis unwichtiges Thema.

    Das hat sich geändert. Und mit Chancen für Alle hat sich endlich das Bündnis zusammen gefunden, das ich mir schon im Frühjahr letztes Jahr gewünscht hätte. So einen - professionellen - Film mag ich, weil er an einem kleinen Beispiel deutlich macht, warum die Schulreform so wichtig ist.



    Ich denke ja auch, dass die Gegner ihren Zenit überschritten haben. Denn mehr als die Unterstützung, die sie mit den Unterschriften hatten, kann ich nicht erkennen - und das ist weit weg von der Mehrheit. Darum bin ich auch weiter für die Verhandlungen des Senats mit den Contras: Jede Sitzung decouvriert die Gegner mehr, führt zu mehr negativer Presse der eigentlich so unterstützenden Regionalmedien, zeigt, dass es ihnen eben nicht um die Kinder und die Schule geht, sondern darum, die FDP an die Macht zu bringen.

    Drei kleine Erlebnisse von gestern dazu noch.
  • Wir waren Reiten mit unseren Freunden, er stammt aus Island, seine Schwester lebt in Belgien, er ist unverdächtig ein linker Aufständischer zu sein - und sagte fassungslos (sein Sohn steht zum Schulwechsel an im Sommer): "Das deutsche Schulsystem ist ja total antiquiert, das ist ja wie in der Kaiser- oder Nazizeit, das ist doch krank"
  • Unser früheres Au Pair, aus Südamerika, war gestern zu Besuch - und fragte fassungslos, ob es wirklich stimme, dass die Kinder mit zehn Jahren auf verschiedene Schulen sortiert würden. Das habe sie gerade gehört und es komme ihr so absurd vor, da sei ja ihr Dritte-Welt-Land weiter und besser.
  • Meine Großeltern waren - ebenfalls gestern - zum Kaffee bei uns. Und mein Opa, ganz klassisch aufrechter, rechter Sozi, gefühlt ganz unausgebeutet (was waren das für Diskussionen damals in meiner marxistischen Zeit, aber das ist eine andere Geschichte), schüttelte nur den Kopf und war sich mehr als sicher, dass die Gegner nie eine Abstimmung gewinnen könnten. "Die haben doch im Einkaufszentrum ganz gezielt so alte Knacker wie mich angesprochen mit der Frage, ob wir für gute Schulen wären." Er hat nicht unterschrieben, logo, er hat die professionellen Unterschriftensammler durchschaut. Aber war immer noch zorning darauf, wie die vorgegangen sind.
  • Ich bin auch aus inhaltlichen Gründen für die Reform und erlebe mit einem auf dem Gymnasium, einem auf der Gesamtschule und einem auf der Grundschule, wie sich Schule ändert (und wo - Gymnasium - leider noch zu wenig), wie sie sich weiter entwickelt. Und Tertius geht wieder gern zur Schule, seit er im Förderunterricht mithelfen darf, denen Sachen zu erklären, denen Lesen oder Rechnen nicht so leicht fällt.

    Hoffentlich kommt es nicht zu einem faulen Kompromiss, sondern entweder zur Reform jetzt oder zur Abstimmung, wo die Gegner mit fliegenden Fahnen untergehen werden, wenn sich die SPD durchgerungen haben wird, sich doch nicht vor den Karren von durchgedrehten Elbvorortlern spannen zu lassen. Nix gegen Elbvorortler übrigens, einige meiner besten Freunde sind welche....

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    27.1.10

    Arbeitsschuhe 

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    So ändern sich Zeiten. Traditionell hätte man ja wohl Schuhe, die bei diesem Wetter angemessen sind und Halt geben und so weiter, solche groben stiefelartigen Dings also als Arbeitsschuhe bezeichnet. Und für viele sind sie es such noch.




    Aber als ich heute nach 20 Minuten Rutschpartie über vereiste Wege und Straßen zu Fuß im Kindergaren ankam, krähte Quarta, wir seien sehr gerutscht und Papa sei ein paar Mal fast hingefallen. "Weil er heute seine Arbeitsschuhe anhat", verkündete sie.





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