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Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan -
Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866-1918 Bd II -
DIE ZEIT -
brand eins
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John Katzenbach: Das Rätsel -
Charlotte Thomas: Die Madonna von Murano -
John Grisham: The Associate -
Jane Austen: Emma -
Cornelia Funke: Tintentod -
Wolfgang Schorlau: Die blaue Liste -
Cornelia Funke: Tintenblut -
Arto Paasilinna: Das Jahr des Hasen -
Arto Paasilinna: Die Rache des glücklichen Mannes -
Cornelia Funke: Tintenherz -
Christopher Paolini: Eragon 3 -
Henry James: Die Aspern-Schriften -
Per Olov Enquist: Der Besuch des Leibarztes -
Philip Kerr: Dark Matter -
Charlotte Thomas: Die Lagune des Löwen -
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Donna Leon: Wie durch ein dunkles Glas -
Walter Moers: Der Schrecksenmeister -
Max Kruse: Urmel im Vulkan -
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Max Kruse: Urmels toller Traum -
Dan Brown: Digital Fortress -
John Katzenbach: Der Patient -
Stella Blomkvist: Mord in Thingvellir -
Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht -
Max Kruse: Urmel aus dem Eis -
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Aake Edwardson: Zimmer Nr. 10 -
Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz -
Leena Lehtolainen: Im dunklen See -
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Jane Austen: Die Liebe der Anne Elliot -
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Astrid Lindgren: Karlsson vom Dach -
Robert Harris: Pompeji -
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Christopher Paolini: Eragon 2 -
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Chris Anderson: The Long Tail -
Thomas Schmid: 33 Bazi- Geschichten -
Astrid Lindgren: Wir Kinder aus Bullerbü -
Christopher Paolini: Eragon 1 -
Petra Oelker: Mit dem Teufel im Bunde -
Astrid Lindgren: Karlsson vom Dach -
Dan Brown: Angels and Demons -
Rick Levine et al.: Das Cluetrain Manifest -
Dan Brown: The Da Vinci Code -
Tanja Kinkel: Die Schatten von La Rochelle -
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John Grisham: The Rainmaker -
John Grisham: The Runaway Jury -
Philip Kerr: Der Tag X -
John Grisham: The Testament -
Robert Bolt: Oblong Fitz Oblong -
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Tanja Kinkel: Venuswurf -
Ingrid Kampaas: Fein gesponnen ist die Lüge -
Hakan Nesser: Schwalbe, Katze, Tod -
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Henning Mankell: Mittsommermord -
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Karl May: Winnetou I -
Minette Walters: Das Echo -
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Jane Austen: Emma -
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Martha Grimes: Gewagtes Spiel -
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"der Haltungsturner"
(Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach)
arbeitet bei Edelman.
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"der Haltungsturner"
(Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach)
works at Edelman.
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Ich habe ja schon häufiger für die aktuelle Hamburger Schulpolitik geschrieben. Als jemand, der mit bisher einem eigenen Kind erlebt hat, dass es nach der vierten Klasse zu schwer ist, eine verantwortliche Entscheidung zur Schullaufbahn zu treffen (weshalb wir Secundus im Laufe der sechsten Klasse die Schule und Schulform haben wechseln lassen). Dass den meisten Gymnasien darüber hinaus die Zumutungen der Schulreform pädagogisch gut tun werden, ist meine Überzeugung nicht nur aus dem Erleben als Vater und Elternfunktionär, denn von allen aktuellen Schulformen ist das Gymnasium zwar die am meisten von Familien angewählte aber auch die rückständigste und pädagogisch und organisatorisch absurdeste.
Darum unterstütze ich den Hamburger Aufruf: Unser Schulwesen, wie es derzeit organisiert ist, verlangt Eltern von Viertklässlern eine Entscheidung darüber ab, welche weiterführende Schulform ihr Kind besuchen soll. Diese Trennung von Zehnjährigen ist äußerst fragwürdig, denn es gibt keine zuverlässigen Kriterien für eine solch frühe Aufteilung. In diesem Alter können weder Lehrer noch Eltern die Entwicklungsmöglichkeiten des einzelnen Kindes angemessen einschätzen. Diese frühe Entscheidung hat zur Folge, dass Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern eher nicht fürs Gymnasium angemeldet werden, auch wenn ihre Leistungen in der Grundschule nicht schlechter sind als die anderer. Hier werden für viele die Weichen falsch gestellt: Spätentwickler und potenzielle Talente werden hier leichtfertig aufgegeben. Unsere Kinder sind unsere Zukunft – das darf kein hohles Schlagwort bleiben! Unsere Kinder sind die Leistungsträger von morgen, darum ist es unsere Aufgabe heute, ein modernes Schulwesen zu entwickeln, das dem Rechnung trägt. Andere europäische und außereuropäische Länder machen es uns vor: längeres gemeinsames Lernen führt zu einer besseren Förderung aller – der Leistungsstärkeren und der Leistungsschwächeren. Die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen führen es uns regelmäßig vor Augen. Hamburg bereitet jetzt eine Schulreform vor, diePrimarschule, die uns erstmals die Möglichkeit bietet, in Sachen Bildung Anschluss an die internationale Entwicklung zu finden. Es besteht nun die Chance, allen Schülerinnen und Schülern mehr gemeinsame Lernzeit einzuräumen. Unsere Kinder können hier ohne Vorauslese individuell gefördert und gefordert werden, um ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Die so genannte Primarschule verbindet die Kompetenzen der Grundschule mit den Anforderungen der ersten Jahrgänge der weiterführenden Schulen. Alle Kinder bekommen hier deutlich bessere Startchancen für den weiteren Bildungsweg, unser Bildungssystem wird gerechter und mehr Kinder schaffen einen Schulabschluss. Diese Schulreform verlangt von uns Veränderungen von Strukturen und Denkgewohnheiten, mit denen wir jahrzehntelang gelebt haben – das kann Verunsicherung und Ängste auslösen. Solche Gefühle dürfen uns allerdings aber nicht daran hindern, ein überaltertes, ungerechtes Schulsystem zu modernisieren. Unverantwortlich ist es, diese Verunsicherungen und Ängste zu schüren, um zu erreichen, dass alles bleibt, wie es ist. Das kann sich eine weltoffene Stadt wie Hamburg nicht leisten. Deshalb haben sich nun Hamburger Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen, um öffentlich dafür einzutreten, der Primarschule zum Wohle unserer Kinder und aller Hamburger zum Erfolg zu verhelfen.
Helfen auch Sie mit Ihrer Unterschrift.
Ich unterstütze die sechsjährige Primarschule als einen sinnvollen ersten Schritt hin zum längeren gemeinsamen Lernen, bei dem alle Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden.
Update 7.7.: Wer den Aufruf auch unterschreiben mag, schicke eine Email an Sabine Boeddinghaus. Ja, ich weiß, kompliziert, aber macht das mal trotzdem....
Nein, nicht unsere sehr - äh - ungewöhnliche Kirsch-Banane-Marmelade, die wir gestern entwickelt haben und die irgendwie latent an die 80er erinnert, als jeweils der- oder diejenige, die dran war mit fahren, Kiba im Sweetwater oder im Irrlicht trinken musste, die aber trotzdem erstaunlich gut schmeckt (also die Marmelade jetzt). Nein auch nicht das Baden im Großensee nach dem Reiten.
Sondern - ich gestehe, ich bin Mainstream - das hier:
Vor einigen Wochen hab ich es durch Zufall im Radio gehört (denn eigentlich höre ich ja gar kein Radio, wie und wann auch), dann fing Quarta an, den Refrain immer vor sich hin zu singen: Ich hab zwanzig Kinder, meine Frau ist schön. Dann bin ich also auf die Suche gegangen.
Und weil aus einem mir nicht bekannten Grund mein iPod den US-itunes-Laden voreingestellt hat, hab ich es erstmal nicht gefunden, so dass ich Quarta das Video direkt auf YouTube vorspielen musste, als ich sie gestern ins Bett brachte. Wie gut, dass mein iPod genau das kann. Puh.
Nun also seit einer Stunde im Dauerloop. Ist irgendwie klasse. Mein Sommerhit. (so lange, bis wir falls es im Urlaub in Henne an der Nordsee regnen sollte, alle Folgen Gilmore Girls erneut sehen werden, das ist fest eingeplant und würde dann diesen Hit ablösen. Ich glaub ja kaum, dass ich das zugebe und auch noch ankündige.)
Während mein Kollege und Freund Steve Rubel sich gerade intensiv Gedanken macht, wie er seine Onlineauftritte zusammenfasst und wo er was wie darstellt, bin ich weiterhin am experimentieren. Das Konzept des Lifestreams, der Zusammenfassung der Online-Lebensäußerungen, mag ich - und nutze zurzeit dafür Storytlr, einen Service, der von vier Jungs aus Belgien gebaut wird (und auch, wenn es immer wieder zu Schwierigkeiten kommt, ist es bisher der mich am meisten überzeugende Weg, Dinge in einem Zeitstrahl zusammen zu führen). Dorthin habe ich auch eine meiner Domains umgeleitet.
Ich mag es, dezentral mal hier und mal da kurze Updates zu schreiben und längere Stücke hier im Blog. Ich mag es, dass meine Bilder bei meinen Bildern sind, aber irgendwie dann doch zusammen laufen mit dem Rest. Und meine Bookmarks und so weiter. Mein Lifestream ist meine Visitenkarte, die ich jeden Tag fortschreibe (deshalb macht es mich auch immer wieder so ungeduldig, wenn storytlr nicht so funktioniert, wie es soll, aber das war mit Jaiku auch so, dem ersten Lifestreamservice, den ich genutzt habe damals, kurz bevor Google die gekauft hat).
Was mir bisher nicht wirklich einleuchtet, ist, warum ich einen dieser E-Identitätsservices brauche. Ok, my-name-is-e hat lustige Möglichkeiten wie dieses kleine Ding hier, das ich in einen Post oder in mein Blog oder so einbauen kann:
Aber sonst? Brauche ich das? Oder soll ich Menschen weiterhin lieber auf meinen Social Madia Tag hinweisen (luebue) oder auffordern, meinen Namen in eine Suchmaschine einzugeben?
Mehr noch als das Grillen (ja, das ist auch wichtig im Gartensommer) ist es das Obst, das den Sommer im Garten so schön sein lässt. Heute nun ist endlich der erste Tag, an dem unsere Kirsche geerntet werden können - zumindest die ersten, die schon dunkelrot sind. Und nachdem heute früh die Kinder im Baum waren, habe ich einen Eimer voll gemacht...
Die Walderdbeeren an der Seite sind schon aufgegessen, die paar Himbeeren, die wir dieses Jahr haben, auch. Die Stachelbeeren mag kaum einer, da bleiben also noch welche für mich. Und die Johannesbeeren sind alt, die tragen nicht mehr viel. Gespannt bin ich auf die ebenfalls uralte Pflaume. Eigentlich müsste die dieses Jahr noch mal wieder ein bisschen was für uns haben....
Bis zu den Äpfeln ist es noch weit. Aber wenn es mit den Kirschen losgeht, immer am letzten Juniwochenende, ist für mich der Sommer da. Egal wie das Wetter dann ist.
Ich kann diejenigen verstehen, die mehr als enttäuscht sind, wie sich insbesondere die SPD-Abgeordneten und auch die 15 Grünen, die sich enthalten haben, in der Frage der Einführung von Zensur unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Kinderpornographie verhalten haben. Obwohl ich mit der professionellen Brille des PR-Menschen den Schachzug brillant finde (allerdings nicht sicher bin, ob er vom BKA oder vom Ministerium ausgeheckt wurde), den Zensurwunsch mit dem Kampf gegen Kinderpornographie zu verbrämen, ist dies auch aus meiner Sicht einer der größten Skandale meiner bewusst erlebten politischen Zeit - vielleicht nur noch übertroffen von den seinerzeitigen Petersberger Beschlüssen der SPD unter Engholm.
Ich kann diejenigen verstehen, die sich nun auf die Suche nach einer Alternative machen und die Piratenpartei für sich entdecken.
Ich kann das verstehen und halte es für falsch.
Das hängt mit zwei wesentlichen Punkten zusammen:
Ich bin skeptisch bei monothematischen Parteien. Das Leben und die Themen sind vielfältiger. Die Grundgefahr monothematischer Gruppen zeigt sich bei einem Blick in die Kommunalpolitik, die oft von solchen bunten und heterogenen Gruppen geprägt ist, die über ein Thema - sei es die Umgehungsstraße oder die Müllverbrennungsanlage - in die Gemeinderäte kommen und an allen anderen Themen scheitern oder populistischen Müll produzieren. Ein Thema ist mir zu dünn. Faktisch sind die Piraten meiner Meinung nach unpolitisch.
Ich halte es für falsch, das freiheitliche Lager zu spalten und damit weiter zu schwächen. Es ist schon kompliziert genug, dass es nicht mehr nur rechts und links gibt, sondern quer dazu auch noch gemeinschafts- und freiheitsorientierte Parteien. Dass sich politische Richtungen im zweidimensionalen Feld bewegen und nicht mehr nur an einer Linie (auch wenn das neue Koalitionsoptionen öffnet).
Darum kämpfe ich innerhalb der Grünen um das Thema. Darum kann ich sogar verstehen, falls Sozis in der Partei bleiben oder sie wählen (auch wenn für mich da die Schmerzgrenze erreicht wäre). Das mag mühsam sein, das mag auch nicht überall erfolgreich sein, aber es lohnt sich, wenn es mir wirklich um die Sache geht und nicht nur um das Prizip der weißen Weste. Es ist eine Frage der Reife und der politischen Erwachsenseins, so empfinde ich es.
Was mich unsicher macht, ist, dass ich in den 80ern und frühen 90ern so auch über die Grünen gedacht habe.
Nur immer frisch verboten, nur immer konfisziert! Und ging' es auch nach Noten, ihr weckt doch nicht die Toten, das Leben triumphiert!
Ihr traurigen Kapuzen, ihr aller Wahrheit Feind, ihr wollt den Adler stutzen, die Sonne wollt ihr putzen, weil sie zu hell euch scheint?!
Umsonst! Ihr könnt nicht hindern, auch nicht das kleinste Wort! Ihr könnt den Haß nicht mindern, ihr könnt die Glut nicht lindern, die grimmig euch verdorrt!
Gebt acht, die Stunden schleichen, die Morgensonne strahlt: Gebt acht, ich seh' ein Zeichen, da werden noch mit Streichen die Striche euch bezahlt!
So nährt ihr selbst die Flamme, die selber euch verzehrt: Schon knistert es am Stamme - O daß euch Gott verdamme! Ihr seid kein Mitleid wert.
Wieder einmal. Schon am 9.11.2007 waren es Sozialdemokraten, die uns (da bei der Vorratsdatenspeicherung) verraten haben. Immerhin sind sie aber nicht so glatt gebügelt, dass sie einfach nur den kommunikativ brillanten Coup mit der Kinderpornographie landen, um das durchzusetzen, was sie wirklich wollen. Ja, ich denke auch, dass die CDU wenig erfreut sein wird, dass Wiefelspütz wieder einmal nicht die Klappe halten kann. Aber wer auch nur entfernt mit dem Gedanken gespielt haben sollte, morgen oder im September die SPD zu wählen, sollte sich dessen Äußerungen gegenüber der Berliner Zeitung einmal ansehen. Und wird dann sicher Ralf Bendrath zustimmen:
Wir sollen auch umstrittene Inhalte im Netz nicht mehr zur Kenntnis nehmen dürfen, weil unsere geliebte Bundesregierung besser weiss, was ihre Bürger lesen und worüber sie sich eine eigene Meinung bilden dürfen.
Die einzige Schlussfolgerung kann sein: Jegliche Zensur ist vollständig abzulehnen.
Nur eines stimmt nicht: Das ist nicht die einzige Schlussfolderung. Die andere ist: Wenn die SPD ihrem Innenexperten nicht aus- und nachdrücklich widerspricht, ist sie nicht wählbar. Egal, was sie ansonsten an guten Ideen haben möge.
Im Grunde aber bin ich Wiefelspütz dankbar. Denn in den letzten Wochen bin ich bei Freunden und Verwandten aus dem sozialdemokratischen Umfeld oft auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen, wenn ich in der Debatte um Netzsperren auf den Einstieg in die Zensur hingewiesen habe. Das wurde oft als Panikmache und Übertreibung angesehen. Damit dürfte nun Schluss sein.
Mehr oder weniger durch Zufall bin ich zum ersten Mal seit Jahren wieder bei Jörg Kantel im Blog gewesen und auf diese großartige Visualisierung eines der faszinierendsten Stücke der Musikgeschichte gestoßen:
Un dabei ist mir angesichts der Überschrift wieder aufgefallen, dass ich Gödel, Escher, Bach immer noch nicht gelesen habe, ja es noch nicht mal besitze....
Wie der eine oder die andere weiß, stamme ich ja aus der Bewegung. Also meine Eltern hatten damals einen der ersten Dritte-Welt-Läden (hieß damals so) gegründet, ich bin quasi mit den Demos gegen Gorleben und Pershings und Perschau groß geworden. Und zu den beglückenden Erlebnissen meiner Kindheit und Jugend gehören die friedens- und umweltbewegten Happenings in der Bramfelder Osterkirche oder dem Haus am Schüberg in Hoisbüttel (vor allem, als ich da zu Füßen des großen Erich Fried gesessen und seinem für das Friedensfest in Hoisbüttel live vor Ort gedichteten Werks lauschte. Oder als wir das riesige Friedensnetz knüpften, das dann in der achteckigen Kirche in Bramfeld unter die Empore gezogen wurde. Oder die Erzählungen von den Überlebenden des Hamburger Kessels und der Brokdorfdemos. Oder oder oder).
Aus dieser Zeit mag ich den Sozialpädagogenjargon nicht, aber das ist eine andere Geschichte.
Aber was ich aus dem eff-eff gelernt hab, das sind die Methoden der Kreativität und der Moderation und der offenen Diskussionen und der Metaplandingensarbeit. Alter Hut, dachte ich, als ich in die Agentur kam. Und gaaanz alter Hut, als ich erstmals von Open Spaces hörte.
Jedenfalls, und darum geht es ja eigentlich, bin ich immer wieder überrascht, wie diese historischen Methoden auf fruchtbaren Boden fallen bei Menschen (jungen Menschen und solchen in meinem Alter, die aber nicht so asynchron sozialisiert wurden), die sie nicht aus der guten alten Zeit kennen. Inklusive dem Piep-Piep-Piep, Wirhamunsallelieb, Jargon (siehe oben).
Es ist wie Heimkommen. Irgendwie. Fühlt sich so wohlig an. Irgendwie. Kuschelig. Und trotzdem effektiv (manchmal jedenfalls). Wenn die nur wüssten, woher das alles kommt, aber das werde ich ihnen nicht erzählen...
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.
Langsam steigen auch Medien ein. Und das ist gut so. Dennoch ist die Debatte um den Einstieg in die Internetzensur über das Vehikel, vorgeblich etwas gegen Kinderpornographie tun zu wollen, noch zu unsichtbar. Darum haben in den letzten Stunden, ausgehend vom Blog netzpolitik.org, eine Reihe von Leuten begonnen, ihre Freunde und Kontakte anzuschreiben, um noch einmal auf das Thema aufmerksam zu machen. Mich hat vor allem Djures Mail sehr beeindruckt, die ich darum auch selbst, nur leicht ergänzt, an eine Anzahl meiner Kontakte weitergeleitet habe. Er schreibt (und ich schließe mich an):
Vielleicht mag ja der eine oder andere meinem Beispiel noch folgen und seinen Adressbuchkontakten etwas Ähnliches zumuten, wie ich heute. Der Text meiner Mail, die gerne in Teilen oder ganz übernommen werden darf, lautet wie folgt.
am Ende dieser Mail werde ich auf eine Petition beim Deutschen Bundestag verlinken, die sich gegen ein aktuelles Gesetzesvorhaben der Bundesregierung richtet - und um deren Mitunterzeichnung ich bitte.
Das Gesetzesvorhaben hat zum Ziel, die Verbreitung von Kinderpornographie in Deutschland einzudämmen. Das Vorhaben wurde von drei(!) Ministerien (von der Leyen, Zypries, zu Guttenberg) erarbeitet und wird von einer breiten Mehrheit des Bundestages getragen. Ein Gesetz also, an dem eigentlich nichts grundlegend falsch sein kann.
Und dennoch werde ich am Ende dieser Mail darum bitten, Euch mit Euren vollen Namen unter der Petition gegen dieses Gesetzesvorhaben einzusetzen.
Eine ziemliche Zumutung. Aber ich halte das Anliegen für so wichtig, dass ich niemandem diese Zumutung ersparen möchte.
Vorweg: Die Herstellung, die Verbreitung und auch der Konsum von Kinderpornographie sind ekelhafte Verbrechen. Staat uns Gesellschaft sind verpflichtet, dagegen mit allen geeigneten Mitteln des Rechtsstaates vorzugehen.
Leider ist es alles andere als trivial, gegen Kinderpornographie wirksam vorzugehen. Dieses Verbrechen findet überwiegend in einem dem gesunden Menschenverstand kaum zugänglichen Milieu und allzu häufig im unmittelbaren familiären Umfeld statt. Den Austausch von Bildern und Filmen organisiert man über schwer aufzufindende Wege, teilweise auch über das Internet.
In diese Mechanismen einzudringen und sie zu unterbinden erfordert akribische und teure Polizeiarbeit. Obwohl das seit Jahren bekannt ist, wird vergleichsweise wenig in diese Arbeit investiert. Insbesondere gibt es viel zu wenige Polizisten mit ausreichenden Kenntnissen über das Internet.
Unterstützt werden könnte die Polizei zudem von einer aufgeklärten und aufmerksamen Bürgerschaft, die sich nicht scheut, das Thema Kinderpornographie offen zu diskutieren und auf Verdachtsfälle hinzuweisen.
Das nun zur Beratung vorliegende Gesetz beruht vor allem auf der Initiative von Ursula von der Leyen. Ich schätze Frau von der Leyen für manche ihrer Initiativen zum Thema Familienpolitik. Beim Thema Kinderpornographie hat sie sich allerdings völlig vergaloppiert.
Das vorgelegte Gesetz - da sind sich alle einig, die sich mit dem Internet auskennen - ist in der Sache weitgehend wirkungslos. Gleichzeitig stellt es einen massiven Eingriff in bewährte Verfassungsprinzipien - bspw. das der Gewaltenteilung - dar.
Internetexperten weisen über alle Parteigrenzen hinweg seit Beginn der Diskussion über die geplanten so genannten Internetsperren auf die Probleme hin. Die klassischen Medien haben die Kritik lange Zeit ignoriert und seitens der Minister wird immer wieder der schwerwiegende Verdacht geäußert, alle Kritiker nähmen das Leid der Kinder auf die leichte Schulter oder würden gar die Kinderpornographie wissentlich unterstützen.
Damit wurde ein Klima geschaffen, das eine offene Diskussion der Netzsperren nicht eben angenehm macht.
Viele Kritiker sind dennoch bei der Stange geblieben und inzwischen wurde ein Hebel gefunden, das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Beim deutschen Bundestag ist eine Petition anhängig, die innerhalb weniger Tage das erforderliche Quorum von 50.000 namentlichen Unterzeichner erreicht hat. Damit hat es die Kritik in die Tagesschau geschafft und wird zumindest von den Medien langsam ernst genommen. Inzwischen gibt es sogar über 90.000 Mitzeichner.
Auf die verantwortlichen Minister macht das leider bislang keinen Eindruck. Im Gegenteil, sie diskreditieren die Kritiker weiter öffentlich, indem sie ihnen mittelbare Unterstützung beim Missbrauch von Kindern vorwerfen.
Ich halte es daher wie erwähnt für angemessen, Euch die Auseinandersetzung mit dem Thema zuzumuten.
Aus meiner Sicht geht es bei dem Ausgang der Beratungen über das vorgelegte Gesetz um einen Wendepunkt im Umgang mit dem Thema Internet. Es geht um den Einstieg in eine mit einer freiheitlichen Grundordnung nicht zu vereinbarende Überwachung des Internets. Oder es setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass wir alle uns in dem "Lebensraum Internet" gleichermaßen engagieren müssen, wie wir es hoffentlich in der realen Welt schon tun.
Wer sich jetzt fragt, warum er mir in dieser Sache mehr Vertrauen entgegen bringen soll als drei Bundesministern und der Mehrheit des deutschen Bundestages, dem möchte eine flapsige Frage mit einem ernstem Kern stellen: "Wen werdet ihr beim nächsten Mal fragen, wenn Euer Internet mal wieder nicht geht? Eher eine Ministerin von der Leyen oder jemandem wie mich?"
Wer sich noch weitergehend informieren möchte, dem kann ich folgende Texte ans Herz legen:
Jens Scholz hat sehr nachvollziehbar begründet, warum es sich bei der Netzsperre gegen Kinderpornographie zwar nicht um materielle Zensur geht, warum es aber dennoch um Zensur geht. Ich habe diesen Text hier dokumentiert: http://www.haltungsturnen.de/2009/04/warum-es-um-zensur-geht.html
Ich bitte euch, macht mit, leitet die Mail weiter, ruft eure Freunde und Verwandten auf, mitzumachen. Dieses Thema ist zu wichtig, um weiterhin so behandelt zu werden, wie es zurzeit geschieht.
Ein paar Tage Kühlungsborn mit allen, ein paar Tage zu Hause und dann noch ein paar Tage nur ich mit den beiden kleinen Kindern in Neustadt. Fein. Morgen geht es zurück nach Hause.
Ich finde den Versuch gut, den das Team von evangelisch.de unternimmt (disclosure: ich hab das Team beraten). Die Bibel in 3.000 Abschnitte unterteilt und jeden Abschnitt twitterkompatibel zusammen gefasst. Hab ich auch mitgemacht:
Wer glaubt, wird gerettet. NUR wer glaubt. NIx mit Gesetz. So war es schon bei Abraham und so soll es auch für uns sein. 3459 #ebl Tweet
Nun müsst ihr nur noch raten, welche Stelle das ist...
Und nein, das ist nicht meine "Lieblingsstelle" - was ich ohnehin nicht habe, sondern "nur" zwei, drei Verse, die mich einen großen Teil meines Lebens begleitet haben, allen voran 2Tim1,7 -, sondern eine mehr oder weniger willkürliche aus dem (theologisch) wichtigsten Buch der Bibel und dort aus dem (längeren) zentralen Abschnitt....
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich die Schulreformen in Hamburg gut finde und unterstütze, dazu hab ich auch mehrfach das eine oder anderegeschrieben.
Und nun bin ich in der ungewöhnlichen Lage, dass ich ab heute meine vier Kinder und meine Frau in allen fünf Bildungseinrichtungen habe, die Hamburg zu bieten haben wird mit der Reform: Primus am Gymnasium, Secundus an der künftigen Stadtteilschule, Tertius an der künftigen Primarschule, Quarta im Kindergarten und meine Süße als Lehrerin in der Sonderschule (auch wenn die nicht überleben wird, also die Schule, nicht meine Süße).
Ich bin doppelt gespannt, wie es wird und wie meine Kinder die Veränderungen erleben. Und ich bin froh, dass es die verschiedenen Wege gibt, davon profitieren wir gerade sehr.
Irgendwie musste es heute sein, obwohl es viel kälter als die letzten Tage war.
Aber Secundus war ein Harter und ist reingegangen.
Und nach eineinhalb Zügen wieder rausgekommen.
Die Angler in ihren Gummisachen haben nur gestaunt und sich die ganze lange Zeit, die er überlegte, ob er es wagen soll, gefragt, ob er wirklich so verrückt ist. Und ich bin irgendwie stolz auf ihn. Wo sie doch am Freitag das offizielle Anbaden am Neustädter Strand verpasst hatten der Radtour wegen.
Ich merke, dass ich selbst aus dem Alter raus bin, mich mit so was beweisen zu müssen. Das letzte Mal am ersten Maiwochenende war damals, 1995, als ich mit der Examensgruppe inBlåvand war und der eine Teil noch im Wintermantel durch die Dünen stapfte und ein paar von uns anderen wirklich schon in die Nordsee gingen.
Nun also Secundus. Auch gut. Und nass waren wir anderen auch, aber eher wegen des Regens...
Sonst sind wir ja meistens an der Ostsee bei den Eltern meiner Süßen. Heute waren wir mit einem Haufen Lehrerinnen an der Nordsee in St. Peter-Ording. Und es war wunderschön. Ich glaube, ich war zum ersten Mal überhaupt in dem Ort, was mich selbst mehr als erstaunt.
Höherpunkt aber war das Krebsessen am Abend. Nicht nur, dass Tertius und Quarta reingehauen haben, was mich ebenfalls erstaunt hat. Es war einfach klasse. Ein Riesenberg von direkt vom Klitmøller importieren Krebsscheren, vom Dänen am Tisch fachmännisch zubereitet und geknackt. Lecker....
Diesen großartigen Beitrag, den ich zu 100% unterschreibe, hat Jens Scholz am vergangenen Sonnabend geschrieben und in seinem Blog gepostet. Er bittet ausdrücklich darum, ihn weiterzuverbreiten, wenn er gefällt. Und da ich ihn für den bisher verständlichsten und richtigsten Beitrag zu diesem komplizierten Thema halte - und da ich bisher noch nicht darüber geschrieben habe, weil mir die richtigen Worte nicht einfielen -, tue ich genau das hiermit und schließe mich Kollegen wie René Walter (Nerdcore) oder Ralf Bendrath (Netzpolitik) an:
von Jens Scholz
Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post). Aber ich schweife schon wieder - wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist - ab. Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie. Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.
Technik Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden. Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen. Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist. Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder. Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.
Verwaltung Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen: 1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei. 2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert. 3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch "mittelbare" Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden. 4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein. Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).
Psychologie Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen. Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt). Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war - so sagt sie zumindest - sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.
Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel "Kampf der Kulturen" drüben bei netzpolitik.org durchlesen.
Das, was mich an den Spitzköpfen in der Debatte um die Hamburger Schulreform wirklich stört, ist, dass da nicht betroffene vor etwas Angst haben, das irreal ist. Oder so ähnlich. Glücklicherweise nicht so viele wie auf manchen Zeitungsbildern zu vermuten war, die gestern durch die Stadt geisterten, wie das Foto von Robert Schneider zeigt, der - anders als ich - vor Ort war, als über und über mit gelben FDP-Luftballons ausgestattete Akademiker aus den Speckgürteln (also so Leute wie ich) den Aufstand probten gegen die Weltuntergang.
Als Vater von vier Kindern, die die unterschiedlichsten Schul- und Bildungsformen in dieser Stadt besuchen, stört mich am meisten, wie faktenbefreit und angstbesetzt da teilweise argumentiert wird. Dabei ist die Vision, dass Kinder länger gemeinsam lernen - und darum geht es im Kern - eine, die niemandem Angst machen sollte. Den Schwächeren hilft das, den Stärkeren auch, für die Mittleren ändert sich wenig.
Ja, auch ich ärgere mich darüber, dass Latein den Bach runter geht - aber das ist beispielsweise an dem Gymnasium, auf das Primus geht, ohnehin schon so. Als zweite Fremdsprache ist es abgeschafft, als dritte kommt es nicht zustande. Toll - aber hat nichts mit der Schulreform zu tun.
Ich freue mich auf die Reform, denn sie wird die Schulen zwingen, sich zu ändern. Vielleicht ist es ja das, wovor diejenigen Angst haben, deren Kinder entweder zu den Gewinnern der aktuellen Situation gehören oder die sich daneben setzen können, wenn die Kinder an den Aufgaben verzweifeln und die rechte Hand im Kollegium nicht weiß, was die linke tut.
Zum ersten Mal seit Jahren wird eine Reform nicht nur gemacht, um Geld zu sparen oder einem vermeintlichen Trend zu gehorchen (wie die gescheiterte Verkürzung auf das Abitur nach 12 Jahren). Zum ersten Mal wird richtig Geld in die Schulen gepumpt und ebenso richtig in Fortbildung und Ausbildung investiert.
Wenn ich mir angucke, wie meine Süße arbeitet an einer Stadtteilschule mit besonderem Förderprofil - und das vergleiche mit dem, was ich an Gymnasien erlebe und was ich als Vision in den Papieren der Schulbehörde lese - wenn ich das mache, werde ich froh. Denn die Arbeit mit Kompetenzrastern und in Jahrgangsteams, um nur mal zwei Punkte zu nennen, ist ja nicht neu, sondern nur neu für die Schulen, die sich nicht geändert haben.
Lasst die nciht betroffenen, deren Kinder gar nicht in den Genuss der Reform gekommen sind, ruhig krakelen. Ihre Kinder waren bei der Demo eh nur Staffage und bald schon anders beschäftigt. Und das ist gut so.
* so beginnt das großartige Gedicht von Jakob van Hoddis: "Weltende", geschrieben 1911, sehr hellsichtig.
Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Und es war ein schöner Tag, was nach dem grauenvollen Gottesdienst am Morgen nicht zu erwarten war. Am faszinierendsten aber war doch, dass der Garten sich österlich verhalten hat. -
Nicht nur, dass die Kirsche heute im Laufe des Vormittags angefangen hat zu blühen und wir ihr beim Erblühen zugucken konnten, alle Bäume und Büsche sind gerade heute explodiert und hatten am Ende des Tages signifikant mehr Blätter als am Morgen.
Wie das neue Leben aus der Erde steigt, wenn der Winter zu Ende geht und diese merkwürdige Übergangszeit, in der die Natur im Wartestand ist (wer hat das neulich so schön im Blog geschrieben, ich hab diese Formulierung irgendwo gelesenEdit:Markus Siepmann wars, auf Twitter), das ist wie Ostern. Viel mehr als die Eier und das Suchen und sehr viel mehr als ein blutleerer und geistlich armer Gottesdienst.
... ist es, wenn das Laufrad gegen das Fahrrad getauscht wird. OK, die beiden Großen hatten noch kein Laufrad, gab es damals noch nicht (oder zumindest nicht in unserer Umgebung), aber Tertius und nun Quarta sind damit lange in der Gegend rumgepest. So sieht es jetzt auch aus...
Zeit, dass sie auf das Fahrrad umsteigt. Noch geht es nicht wirklich, noch ist die Angst größer als nötig, noch wollen die Füße nach ein paar Metern unbedingt auf den Boden. Aber das lange Osterwochende ist doch der richtige Zeitpunkt, mal ein paar Tage am Stück zu üben...
Mein Lebensweg (was für ein pathetisches Wort) war irgendwo zwischen sehr gerade und verschlungen bisher. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich Menschen wieder begegne, die meinen Weg schon einmal gekreuzt haben. Oder an Orte zurück kehre, die ich vor Jahren hinter mit gelassen zu haben glaubte:
In der Bibliothek, die im gleichen Gebäude ist wie die Redaktion, in der ich mehrere Jahre gearbeitet habe.
Der Studienfreund, mit dem ich fürs Examen gelernt habe - und der nun schon das zweite Mal von der anderen Straßenseite einer Kreuzung winkt.
Der entfernte Kollege aus dem Konzern, der auf einmal in ein Meeting platzt - und sich als einer meiner neuen Ansprechpartner dort herausstellt.
Der Lehrer und Freund, der mir als Vater die Beschwerde über eines meiner Kinder übermittelt.
Das sind nur einige der Kreuzungen, an denen ich in der letzten Zeit stand. Und die mich wieder nachdenken lassen, wo ich eigentlich abbiegen will und wohin.
Denn auch wenn es im Nachhinein so einfach aussieht und so gradlinig, wenn die 40-50% der Lebens, die mutmaßlich ja nun irgendwie hinter mir liegen, zu passen scheinen und viel geklappt hat - es waren ja schon einige Kurven dabei. Zum Glück.
Gerade die Begegnungen an den Kreuzungen machen mir deutlich, dass ich Recht hatte, wenn ich immer und immer wieder gesagt habe, dass es beim Studium, beim Berufseinstieg und auch bei anderen Entscheidungen doch mehr auf das ankommt, was ich will und was sich gut anfühlt (ohne dass das jetzt zu sozialpädagogisch klingen soll). Und dass es Quatsch ist, schon die Fächerwahl in der Schule an vermeintlichen Marktgegebenheiten auszurichten. Geschweige den Studienwunsch oder den ersten Beruf. All das ist ja nicht für immer. Und bleibt uns trotzdem.
Vielleicht sind es gerade die Kreuzungen, an denen ich schon gestanden habe, die mich immer und immer und immer wieder innehalten lassen, um zu gucken, ob es passt und wo es hingehen soll. Vielleicht eine kleine Portion Gottvertrauen und die Erfahrung, dass sich Fehlentscheidungen auch durch neue, bessere Entscheidungen aufheben lassen. Dass es zwei große Konstanten in meinem Leben gibt seit vielen Jahren - Gott und meine Liebste -, die alle Veränderungen überdauern.
Jedes Mal, wenn mich wieder eine Lebenslinie kreuzt, der ich schon einmal begegnet bin, löst das etwas aus. Eine Mischung aus Gut-so und Was-geht. Und dass ich mit einer großen Portion Neugier ausgestattet bin, die sich nicht verbraucht, sondern eher mehr wird, je mehr ich erlebe, macht mir das Herz weit, wenn ich denke, was noch alles kommen kann.
Ich ertappte mich vor einiger Zeit dabei, dass ich auf LOL in der gesprochenen Sprache meiner Söhne ähnlich reagierte wie meine Eltern damals auf das Wort geil (das heute ja schon zur Alltagssprache von uns alten Säcken gehört, also wohl nicht so schlimm war, oder?). Ich hab das dann länger reflektiert und am Ende dieses Prozesses die klare Ansage gemacht, dass ich LOL nicht hören will, wenn sie mit mir reden. (Ich mein, irgendwomit müssen sich die Jungs ja auch von mir abgrenzen können und mich schocken und so. Denn der Versuch mit dem Nietengürtel ist gründlich daneben gegangen, weil ich nicht entsetzt war.)
Insgesamt bin ich eher entspannt, wenn es um die pubertäre Parallelsprache geht, die unsere Kinder entwickeln, denn das war ja im Grunde immer schon so. Und solange sie lesen (also richtige Bücher jetzt), sollen sie doch im Messenger reden, wie sie wollen. Und außerdem: lieber HDL als HDS*. Echt. Dass ich, wenn ich mich schriftlich mit ihnen unterhalte, dann hin und wieder nachfragen muss, was das da jetzt heißen soll, nehme ich gerne in Kauf.
Aber dieser Song von Jasper trifft es trotzdem gut, oder? Ebenso wie der nachdenkliche Beitrag von Frau Antonmann zum gleichen Thema, über den ich das Video gefunden habe und der mich zu diesem Eintrag hier inspiriert hat, nachdem ich dort kommentierte...
* Was keine mir bekannt Bedeutung hat, sondern nur ein billiger Trick ist, um sinnlosen Quatsch zu quatschen, weil ich ADS nicht schreiben wollte, aber eigentlich meinte.
Und hilft mir heute beim Kochen, wo ich allein bin mit der Rasselbande. Dabei kommt es mir so vor, als ob es gestern war, als sie als hilfloses Baby in meinen Armen lag. Ach ja.
Es gibt keine Worte, die angemessen sind. Und vielleicht sollten Medien irgendwann auch einmal schweigen. Und die üblichen Verdächtigen nicht immer hyperventilierend durch die überflüssigen TV-Sondersendungen tingeln. Und nicht über die Geschmacklosigkeiten auf Twitter diskutieren, solange ich keine Zeitung aufschlagen kann ohne mich zu ekeln über die Berichterstattung. (Zum Twitterthema finde ich übrigens Michael Domsalla lesenswert, auch als fast einzigen, vielleicht von einem der vielen Beiträge des Herrn Niggemeier einmal abgesehen)
Eine einzige Ausnahme. Jochen Kalka, Chefredakteur des Branchenblattes w&v. Gestern schon das einzige, was ich persönlich als lesenswert empfunden habe. Und heute wieder. Er stellt sich aus der Nähe, der schrecklichen Nähe, die gleichen Fragen, die wir uns zu Hause auch stellen.
Weiterhin berichten die Medien nur über den Täter. Schuld seien die Lehrer, sagt etwa am Abend im ARD-Brennpunkt die Frau aus Mainz, die sich Psychologin nennt und forsch auf kompetent macht. Schuld seien die Computerspiele, thematisiert auch noch am heutigen Freitag bald jede Zeitung, zumal der Täter genau die Spiele zu Hause hat, mit denen fast jeder Schüler spielt.
Auch das mangelnde Waffengesetz wird thematisiert, nicht aber, warum der Vater eines geistig kranken Jungen, der in der Psychiatrie in Behandlung ist, zu Hause seine Waffen offen herumliegen lässt.
Und es wird auch nicht thematisiert, dass es hier jetzt 15 Familien gibt, bei der jeweils seit Mittwoch ein Mensch weniger am Tisch sitzt. Zum Beispiel bei dem frisch verheirateten Polizisten, der einer der ersten am Tatort war und seine eigene Frau, eine junge Lehrerin, dort tot vorfand.
Sie hatte sich vor die Kinder geworfen, um sie zu schützen.
Das sind wirkliche Fragen. Meine Frau ist Lehrerin und fragt sich, wie sie sich verhalten hätte. Ein Kunde lebt in der Nähe und hat Angst um die Kinder von Freunden. Meine kleineren Kinder fragen mich, was das da auf dem Titelbild der Zeitung ist. Die größeren lesen selbst, ein bisschen, und fragen sich und uns das gleiche.
Aber es gibt keine Worte, die das Leiden beschreiben. Trotzdem ist dieses Leiden das einzige, was ich eigentlich lesen möchte. Darum gehen mir Kalkas Reportagen so nah.
Ist dies ein Plädoyer für die Emotionalisierung des Journalismus? Vielleicht. Obwohl das, was ich in dicken Buchstaben und lautem Gekeife am Rande mitbekomme, noch emotionaler ist, denke ich. Und wenn - wie gestern in der Tagesschau (die ich nicht gesehen habe, da bin ich auf Erzählungen angewiesen) - abends ein abstruser Fehler der Polizei (dies Ding mit der Ankündigung im Internet, die nicht stattfand) wiedergekäut wird, der zu diesem Zeitpunkt schon mindestens sechs Stunden widerlegt war, hab ich überhaupt keine Lust mehr.
OK, reißerische, medienartige Überschrift. Aber im Kern ist es dieses Paradox, das in Diskussionen mit etwas älteren Weggefährten der politischen Kämpfe der 80er so schwer zu vermitteln ist. Und wer hätte gedacht, dass ich je Sascha Lobo zustimmend zitieren würde. Nun ist es so weit. Er schreibt in einer wirklich lesenwerten Entgegnung auf den von mir jede Woche kichernd geliebten Martenstein (ich höre die Zeit ja regelmäßig als Audiomagazin auf dem Rad und dem Weg ins Büro), dass das Argument, mit der Offenheit in sozialen Netzwerken und Blogs und auf Twitter und so würde 1984 Einzug in die Realität halten, nicht zu halten sei. Es sei
vor allem falsch, weil sie die selbstgesteuerte Vernetzung und das freiwillige Einstellen von Daten vergleicht mit Videokameras in Umkleidekabinen. Der Unterschied ist der gleiche wie zwischen “sich im Klo einschliessen” (toll, manchmal) und “im Klo eingeschlossen werden” (untoll, immer). Das Entscheidende ist die informationelle Selbstbestimmung, und zwar sowohl was die Veröffentlichung der eigenen Daten angeht wie auch deren Auswertung.
Ich hab damals, schon 1995 wahrscheinlich, Schlinks Vorleser gelesen. Ich erinnere mich kaum daran, wenn ich ehrlich bin, nur dass es bei uns Theologinnen eine Art Pflichtlektüre war, dass es mich seltsam unberührt gelassen hat. Rund um die Verfilmung lerne ich jetzt von einer Kontroverse um das Buch, die mir damals völlig entgangen war - die ich aber sehr interessant finde.
Thomas Assheuers Rezension des Films in der Zeit von letzter Woche hatte ich gehört und sie hat mich zum Nachdenken gebracht. Denn seine Punkte leuchten mir ein, ohne dass ich das Buch mehr als oberflächlich in Erinnerung habe:
Es ist die Behauptung, deutscher Geist und deutsche Kultur seien sauber geblieben und hätten mit dem Faschismus nichts zu schaffen. Hanna, die SS-Frau mit dem jüdischen Namen, konnte nicht lesen, sie war ein unbeschriebenes Blatt und hat dieses mit ihren Taten nicht befleckt. Das heißt: Mit einem scharfen Schnitt trennt der Vorleser den Nationalsozialismus von seiner geistigen Vorgeschichte ab. Die kulturelle, irgendwie griechisch-christliche Substanz der Deutschen ist unschuldig und nicht zu belangen. Vermutlich soll niemand auf falsche Gedanken kommen und fragen, warum »abendländische« Eliten dem Nationalsozialismus zur Macht verhalfen, warum Goethes Weimar Hitlers Buchenwald nicht verhindert hat. Und niemand soll fragen, warum eine Nation, die sich dem »Griechentum« am nächsten fühlte, einen historisch präzedenzlosen Massenmord begangen hat. (...)
Am Schluss fährt Michael zu einer überlebenden, natürlich sehr reichen, ganz in Weiß gekleideten Jüdin nach New York. Die Szene folgt dem Muster, das der Literaturwissenschaftler Matthias Lorenz bei Schlink (und Martin Walser) vielfach nachgewiesen hat: Das Leidensgedächtnis jüdischer Figuren wird abgespalten und zu einer Art Gruppenerinnerung erklärt, die Nichtjuden verschlossen bleibt, ja: kaum etwas angeht. Und prompt fällt der Satz, auf den im Film alles zuläuft. Die Deutschen, sagt die Überlebende, sollten endlich aufhören, ständig an die Lager zu denken. Kino: Stephen Daldry verfilmt »Der Vorleser«
Darüber bin ich in eine Diskussion gekommen, in der ich auf eine widersprechende Rezension im Deutschlandradio gestoßen wurde. Ich lese sie bis in die Wortwahl hinein als eine Erwiderung auf Assheuer, die überwiegend den Widerspruch nur postuliert, bis sie auf einen Punkt doch näher eingeht:
Die Debatte zeigt, dass wir uns immer noch schwer tun, die Geschichte des Holocaust anders als aus der Perspektive der Opfer zu erzählen. Aber um den Massenmord zu verstehen und in Zukunft zu verhindern, müssen wir auch etwas über die Täter wissen, müssen wir verstehen, wie oft ganz normale Bürger zu Mitläufern und Mördern werden. Und wir müssen verstehen, wie der Virus der Schuld sich von Generation zu Generation fortpflanzt. Es ist das Verdienst von Bernhard Schlink, den Finger in diese Wunden zu legen, zu zeigen, wie die Liebe eines unschuldigen Jungen zu einer Täterin das Leben des Jungen für immer verändert. Und es ist Schlinks Verdienst, zu zeigen, dass eine Täterin nicht als Monster geboren wird, sondern auch - aufgrund von Naivität, Dummheit oder eines Makels - sich nicht gegen die Verlockungen des Bösen wehren kann, sie aber zumindest bereit ist, im Prozess nicht - wie ihre Mitangeklagten - zu leugnen, sondern Schuld und Sühne als gerecht anzunehmen. Zum Wiederlesen empfohlen: Der Vorleser
Mir persönlich ist auf den ersten Blick Assheuers Bewertung plausibler. Vor allem das Argument, es werde (bewusst?) im Rahmen einer abstrus konstruierten Geschichte eine Täterin thematisiert, die eben nichts mit der deutschen Kultur zu tun hat, ist schwer zu widerlegen, scheint mir.
Dennoch bin und bleibe ich unsicher. Das beginnt schon mit dem Einschub, Hanna, die SS-Frau mit dem jüdischen Namen: Denn Hanna ist ja gar kein jüdischer Name, sondern ein biblischer, der in beiden Religionen, die die hebräische Bibel als heiliges Buch haben, sehr verbreitet ist - und erst von Antisemiten und dann vor allem den Nazis zu einem jüdischen Namen erklärt wurde.
Ich werde das Buch wieder lesen, denke ich, und es darauf einmal hellhörig beobachten. Oder auch den FIlm sehen?
Erst war ich nur neugierig, wer denn da hinter evangelisch_de twittert. Muss ja irgendwas mit meiner Kirche zu tun haben. Und dann hab ich mit ihr telefoniert und ein bisschen was erfahren, was da am Entstehen ist. Denn dass unter evangelisch.de etwas entsteht und es nicht dauerhaft auf die offizielle Kirchenseite umgeleitet werden wird, scheint klar.
Das finde ich gut - auch wenn es noch sehr - hmm - topline ist, was da in den Collagen zu sehen ist. Aber irgendwie ist es klasse, damit wenigstens ein bisschen aus der Ferne dabei zu sein, denn mich interessiert es ja doch immer noch sehr, was da im Dunstkreis der evangelischen Publizistik entsteht. Und nach und nach übernehmen jetzt auch Menschen Kommunikationsaufgaben, die selbst auch partizipativer denken und handeln.
Das ist etwas, das mich wirklich beeindruckt. Ja, ich weiß, es wäre toll gewesen, jemanden wie Tarek Al-Wazir, der zu den besten Leuten meiner Generation bei den Grünen gehört, in der Bundespolitik eine Führungsrolle übernehmen zu sehen.
Tarek Al-Wazir wird (...) nicht für den Bundestag kandidieren. (...) Neben bundes- und landespolitischen Erwägungen habe auch die Situation seiner Familie eine wichtige Rolle gespielt. Er habe sich die Frage gestellt, ob seiner Familie nach zwei Landtagswahlen ein dritter Wahlkampf mit anschließendem Umzug in die Hauptstadt zuzumuten sei. Der 38 Jahre alte, in Offenbach lebende Grünen-Politiker hat zwei kleine Kinder, darunter einen acht Monate alten Sohn. Al-Wazir bleibt in Wiesbaden - FAZ.NET
Schon letztes Jahr hat ein anderer Mann bei den Grünen aus den gleichen Gründen auf einen Karriereschritt verzichtet - Volker Ratzmann, der die Verantwortung für seine Familie übernehmen wollte, seiner Frau den Rücken freihält die Bundestagskandidatur ermöglicht und nicht für den Bundesvorsitz kandidierte:
Es gibt keine Entschuldigung für Antijudaismus und Antisemitismus
In meinem politischen und religiösen Umfeld gibt es - wie neulich schon beschrieben - die unselige Tendenz, aus falsch verstandener Toleranz* bei Einwanderern oder Anhängern anderer Religionen etwas zuzulassen, was im eigenen (soziologischen, kulturellen, religiösen) Milieu nicht geduldet würde. Krassestes Beispiel dafür ist und bleibt für mich der Antijudaismus unter muslimischen oder muslimisch geprägten Einwanderern. Ich hätte vor Zorn heulen können, als ich diese Woche den sehr berührenden Zeit-Artikellas hörte, der das soziale Jahr einer Berlinerin mit familiären Wurzeln in Palästina beschrieb, das sie in Israel verbringt. Bevor Lora nach Israel fuhr, hatte sie mit viel Unverständnis zu kämpfen (was an sich noch nicht zornig macht, denn die Angst, in ein von Terror und Krieg bedrohtes Land zu gehen, kann ich verstehen). Aber:
Lora musste den Satz sagen: »Juden sind doch ganz normale Menschen – mit denen du normal reden kannst.« Sie kennt dieses israelfeindliche Klima in den Straßen von Neukölln. Sie selbst hörte, wie sich Jugendliche auf Arabisch über die Israelis lustig machten, als sie in einem Gefangenenaustausch an der Grenze zum Libanon vier Hisbollah-Kämpfer freiließen und dafür zwei tote Soldaten zurückbekamen. »Du Jude!«, sagt Lora, sei in Neukölln ein gängiges Schimpfwort. Und das arabische Satellitenfernsehen hetzt auch in Loras Fernseher in Berlin gegen Israel.
Das ist etwas, das nicht toleriert werden darf. Rassismus und Antijudaismus gehören zu den Dingen, die bei uns nicht nur gesellschaftlich geächtet sind, sondern von denen ich denke, dass wir sie auch aktiv bekämpfen müssen. Ein erster Schritt muss eine klare und auch klar benannte Null-Toleranz-Haltung sein, wenn solche Sprüche öffentlich fallen. Und dazu gehört auch, dass es keine Toleranz für eine politische Verharmlosung des Problems geben darf, zu der in Sachen Menschenrechte und Einwanderung engagierte Menschen hin und wieder neigen.
Die Angst vor Beifall von der falschen Seite darf nicht dazu führen, blind zu werden. Niemals.
* denn wie meine Süße immer sagt: "Toleranz endet mit Z". Oder wie ich immer sage: "Toleranz an sich ist keine christliche Tugend". Ich mag das Konzept von Toleranz nicht so sehr, weil es ein indifferentes Desinteresse inkludiert, denke ich, wenn man es konsequent betrachtet. Was ganz und gar nicht gegen die historische Errungenschaft der (religiösen und politischen) Toleranz spricht, die aber in einen bestimmten historischen Kontext gehört imho.
Heute ist Aschermittwoch. Und auch wenn es wieder nicht geklappt hat, dass ich mir ein Aschekreuz abgeholt habe in einer katholischen Kirche, weil ich gleich morgens früh einen Kundentermin hatte (der es aber Wert war, aber das ist eine andere Geschichte), ist es doch traditionell der Beginn der Fastenzeit - was für uns Evangelen Sieben Wochen Ohne heißt. Fast von Anfang an bin ich dabei, mich hat es schon fasziniert, als es noch als kleine Aktion in Hamburg begann und ich zu Hause lebte und wir den Fastenbrief mit der Post bekamen und gemeinsam gelesen haben.
Am Anfang standen Fernsehen, dann bald Alkohol auf dem Verzichtsplan. Später dann ambitioniert nciht nur Süßigkeiten sondern auch Knabberkram, als ich merkte, dass ich das Süßigkeitenfasten mit Chips & Co umging. Es gab durchaus schmerzhafte Situationen: Der Besuch in Amsterdam mitsamt einer Besichtigung von Heinecken war nur so mittelgut in der Fastenzeit (und für meinen Freund, mit dem ich unterwegs war, auch nur so mittelverständlich). Der USA-Austausch fiel auch in eine Alkohol-Fastenzeit. Und die Altersuntergrenze von 21 war für die anderen, mit denen ich unterwegs war, nur eine theoretische, weshalb ich wieder die religiös motivierte Spaßbremse war.
Mit den Kindern zu fasten ist ja traditionell nicht mal erlaubt, wir stellen es ihnen frei, sie machen in der Regel nicht oder nicht lange mit, manchmal gelingt es in der Karwoche, immerhin.
Und dieses Jahr werde ich auf Süßigkeiten verzichten, was mir schwer fällt, schon heute schwerer als gedacht. Aber so soll es ja auch sein - damit es nicht nur ein gesundheitliches sondern auch ein spirituelles Erlebnis wird.