31.1.05

Sauna

Wir sind am Sonntag mal wieder mit der ganzen Familie schwimmen gewesen. An sich hat das auch Spaß gemacht, wenn es nicht zu einer aufziehenden Migräne geführt hätte.
Und wir mal wieder gedacht hätten, um wie viel netter es wäre, ein eigenes Schwimmbad zu haben. OK, dafür fehlen uns ein paar wenige Euro. Aber nett wäre es doch...

Und wieder einmal hat die Sauna am Abend Wunder gewirkt. Mir geht ja ohnehin so, dass ich bei beginnender Erkältung und auch bei beginnendem Fieber liebend gerne sauniere - und meist ist es dann weg, ansonsten richtig da, was auch gut ist. Die Sauna im Haus ist so ziemlich das Beste, was passieren kann. Wir nutzen sie ein bis zweimal die Woche und es tut einfach nur gut.

Kein Wunder, dass in Finnland die Sauna der wichtigste Ort für wichtige geschäftliche Verhandlungen ist (wobei wir die Saunawurst, das Bier und den Wodka normalerweise weglassen).

Kishon

Als ich heute morgen las, dass Kishon tot ist, war ich vor allem deshalb überrascht, weil ich nicht wusste, dass er noch lebte. Obwohl mir nach etwas Nachdenken einfiel, dass ich es wohl mitbekommen hätte, wenn er gestorben wäre.

Für mich jedenfalls der Anlass, doch noch mal Torbergs Tante Jolesch in die Hand zu nehmen - geht doch das Gerücht, dass Kishon in Deutschland allein deshalb so erfolgreich war (und nirgendwo ja so erfolgreich wie hier im Übrigen), weil Torberg seine Satiren genial übersetzt und lektoriert habe. Nicht umsonst habe Kishon nach dessen Tod nichts Bahnbrechendes mehr veröffentlicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich fand ihn faszinierend, als ich ihn das erste Mal traf. Damals machte ich gerade ein Schülerpraktikum an den Hamburger Kammerspielen. (Ida Ehre lebte noch und die Kammerspiele waren ein Puschentheater mit unausgegorenem Profil - Boulevard irgendwo zwischen Anspruch und Klamauk. Jedenfalls wurden gleichzeitig Kishons Es war die Lerche und Williams Katze geprobt. Aber mir fiel im Aufenthaltsraum des Hinterhauses erstmals ein Exemplar von Tempo in die Hände, ich weiß noch, wie irre ich das fand.) Elegant, witzig, interessiert, gar nicht arrogant. Es hat an den ersten Sprechproben teilgenommen und mit den Schauspielern (an den Mann kann ich mich nicht erinnern, die Frau war Grit Böttcher) geübt, gelacht und gegessen.

Beim zweiten Mal, fast zehn Jahre später, musste ich ein Interview mit ihm führen. Und obwohl mit seinem Management klar abgesprochen war, worum es gehen würde (wir hatten eine Sendereihe unter dem Titel Die Gretchenfrage, in der wir uns mit Prominenten über Religion unterhielten), war er total Jürgen-Fliege-mäßig arrogant und abweisend. Ein richtiges Arschloch. Merkwürdig. Aber ok, er war auch gerade unterwegs, um kein gutes Buch vorzustellen, und wollte eigentlich nur darüber reden. Oder er mochte keine Journalisten? Mühsam wars jedenfalls. Dabei moche ich seine Satiren und bin mit ihnen aufgewachsen.

28.1.05

Mein Sohn bloggt

Nicht nur, weil er heute sein erstes Noten-Zeugnis bekommen hat (obwohl das der Anlass war, weil wir doch nicht bis zu seinem Geburtstag warten wollten), sondern auch, weil wir den Eindruck hatten, dass er durchaus neben der Schule und dem Sport noch eine Anregung vertragen kann, habe ich heute meinem Großen ein eigenes Blog gebaut. Er will über Fußball, sein Spielen, seinen HSV und alles drum herum berichten. Und wenn der Service des Presseportal, mit dem ich hier eigentlich auch die jeweils aktuellen Meldungen der Zeit eingebunden habe, wieder funktioniert, gibt es in seinem Blog als Gimmick die Pressemitteilungen des HSV zu sehen...

Er war gleich ganz begeistert und hat losgelegt. Ich bin gespannt, ob das anhält. Es ist ein Experiment, ob ein so kleines Kind Lust hat und damit umgehen kann. Obwohl erst in der dritten Klasse, hat ihn sein Lehrer auch schon die ersten Schritte im Internet machen lassen bei Recherchen und so weiter. Insofern kann es gehen.

Blogs als Gedächtnis

Über Christiane bin ich auf ein wunderbares Beispiel gestoßen für das, was ich an Blogs so liebe: Dass Gespräche, Gerüchte, Kommentare verfügbar bleiben; dass Blogs ein wunderbare Gedächtnis des word of mouth sind.

Da schreibt einer über die Probleme, die eine saudumme Behandlung eines Gehörlosen durch Germanwings ausgelöst hat, Christiane findet das, schickt es an einen gehörlosen Freund, der es unter anderen Gehörlosen bekannt macht - und der Fluggast, um den der Wirbel entstand, konnte in den Kommentaren seinen Teil der Geschichte erzählen.

So wurde es rund, so lernen sich Zufallsbegegnungen kennen (oder sprechen zumindest miteinander). So bleibt es erinnert.

Pervers

Neulich gerade noch habe ich den vielleicht zweitunbeliebtesten Chefredakteur Deutschlands gelobt, da schreibt Stefan Baron doch wieder einen Kommentar, der erwartbar war: Nach einer peinlichen Selbstbeweihräucherung angesichts der Tatsache, dass er so wichtig sei, dass er schon immer in Davos dabei gewesen sei, kommt er auf den Punkt.
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, diesem entweder kleinmütigen oder verlogenen Schauspiel beizuwohnen, diesem Ja-aber-Kapitalismus die Ehre zu geben, der überall Einzug zu halten droht: Ja zu Privateigentum und Marktwirtschaft, aber nur mit den Adjektiven "zivilisiert" oder "gezähmt" oder "sozial verantwortlich" ? als handelte es sich dabei um atavistische, unsoziale oder unmoralische Dinge.(Baron)

Schon klar. Und dann formuliert er eine Reihe von Wünschen, die erfüllt werden sollten, bevor er wieder hinfahre und schließt:
Ich fahre erst wieder nach Davos, wenn ich dort nicht mehr gut verdienende Unternehmensführer laut darüber nachdenken höre, wie sie "etwas an die Gesellschaft zurückgeben" können. So als hätten sie dieser mit ihrer Arbeit etwas gestohlen.(Baron)

Abgesehen davon, dass die Teilnehmer in Davos nun sicher wahnsinnig geknickt sein werden, dass der Baron da fehlt (wie schaffen sie es überhaupt, noch in die Kameras zu lächeln ob dieser Schmach?), ist ja auch wirklich verwerflich und schade, dass nun so unwichtige Dinge stattfinden, über die heute die taz schreibt:
Am ersten vollen Konferenztag gestern stand Afrika im Mittelpunkt - auch dies eine Neuerung. Die Präsidenten Südafrikas und Nigerias gesellten sich zu Prominenten wie Bill Gates und Bill Clinton, um gemeinsam für mehr internationale Aufmerksamkeit für Afrikas Probleme zu werben. "Wenn das, was in Afrika geschieht, während wir sprechen, irgendwo anders auf der Welt geschehen würde, gäbe es einen solchen Aufschrei, dass die Regierungen sich gegenseitig überbieten würden, um etwas zu tun", meint der britische Premierminister Tony Blair. (taz)

Den Hinweis auf den Artikel der taz hab ich aus Picking.de

Endlich

Nun hat es also geklappt: Gestern Abend - klar: Es hat länger gedauert als gedacht und geplant - haben wir unser WLAN zum Laufen bekommen, sogar mit Internetzugang. Und so wie es aussieht, bekommen wir sogar in allen Etagen hinreichendes Netz, trotz Monsterstahlbetondecken. Garten auszuprobieren, schenke ich mir, so lange es so kalt ist.

Fein jedenfalls. Und mal wieder typisch: Den Mac habe ich sofort und ohne Probleme anmelden können, den Rechner mit dem bekloppten XP drauf erstmal nicht. Wieso kann das nicht auch so einfach und für einen DAU benutzbar sein?

Jedenfalls kann B jetzt, wie sie es schon lange wollte, den Laptop in der Küche haben. Ist schließlich der zentrale Raum des Hauses.

27.1.05

Auschwitz

Auschwitz bleibt als Chiffre einer der entscheidenden Fixpunkte in der Geschichte unseres Landes. Auch und gerade in der Kulturgeschichte. Erst, als ich Ende der 80er das erste Mal in Prag war und wir Teresienstadt besuchten ("besuchten"?), wurde mir bewusst, dass ich als Kind und jüngerer Jugendlicher nie in einem KZ war - Neuengamme, sonst fester Bestandteil der antifaschistischen Erziehung in Hamburg, stand bei uns nicht auf dem Leerplan. Merkwürdig.

Für mich war das eigentlich aufwühlende Erlebnis damals übrigens der kurze Aufenthalt in Lidice, jenem Dorf, das brutalst von deutschen Einheiten (auch regulären) vernichtet wurde. Dort habe ich geheult und wirkliche Scham gespürt - auch für den Großvater, der immerhin mit uns über seine Zeit als Hitlerjunge sprach und über seine Faszination. (Anders als sein Schwager, mein Großonkel, nach dem mein Vater und auch ich benannt sind, und der als begeisterter SS-Mann schließlich am Ende "im Osten" fiel, war sein Erleben Thema. Das rechne ich ihm hoch an. Zumal er gestorben ist, bevor in den letzten Jahren die verständlichen und doch perversen Selbstmitleidsorgien meiner Großeltern-Generation einsetzten - "endlich dürfen wir mal über unser unsägliches Leid bei den Bomben auf Hamburg reden. Wird auch Zeit")

Nun hatte ich selbst das Glück, 68er als Eltern zu haben und immerhin einen Großvater, der als junger Mann bereits selbst gedacht hat und lange Haare trug. Dadurch war Auschwitz immer klar als Thema da und wir alle eindeutig dazu positioniert. Meine Zeit als Antifa-Aktivist hing auch damit zusammen (und dann war ich in den 80ern schließlich der Kontaktmensch des Juso-Kreisvorstandes zur Antifa-Arbeit und zu den Autonomen, bevor mein Interesse an dem Thema abebbte).

Sowohl im Studium als auch in der (theoretischen und praktischen) Auseinandersetzung mit Literatur und Musik stand dann Auschwitz wieder im Fokus. Obwohl heute theologisch eher konservativ, bin ich immer noch überzeugt, dass es nach Auschwitz nicht mehr möglich ist, von Gott zu sprechen wie vor Auschwitz. Das so genannte Theodizee-Problem - also die Frage, wie Gott so etwas zulassen kann, wie das schlechthin Böse in die Welt kommt - gab es schon immer. Aber billige Antworten sind seit 60 Jahren tabu. Dorothee Sölle hat mich mit ihrer radikalen Sicht auf den toten Gott und ihrer dennoch großen und tiefen Frömmigkeit da sehr geprägt. Und nicht umsonst hatte sie zwar eine Professur in den USA, wo sie auch akademisch akzeptiert ist, nicht aber in Deutschland.

Die Frage, wie nach Auschwitz Lyrik und Musik möglich ist und wie nach Auschwitz komponiert werden kann, habe ich noch während des Studiums intensiv mit Tobias Götting diskutiert, dem ich da viele Anregungen und Einsichten verdanke - klar, dass er am Wochenende in seiner Kirche einen besonderen Zugang zu dem Thema gefunden hat.

Für mich selbst ist das Thema unabgeschlossen geblieben und eine Herausforderung - gerade auch als Vater von Söhnen.

24.1.05

Bessergebärende

Hübsche Idee, die meine Bundesgeschäftsführerin da hatte. Nennt die Konkurrenz von der FDP die Partei der Bessergebärenden und schreibt in der Pressemitteilung von eben:
Wer wie Herr Bahr behauptet, dass in Deutschland "die Falschen Kinder kriegen" und dass wir mehr "Kinder von Frauen mit Hochschulabschluss als mit Hauptschulabschluss brauchen", hat ein grundverkehrtes Gesellschaftsbild. Hinter den dummdreisten Auslassungen von Daniel Bahr steckt das Bild einer Partei der Bessergebärenden, die gesellschaftliche Spaltung hinnimmt.

OK, wörtlich ist das, was der Kasper da von sich gibt, absurd und benackt (nachzulesen bei Bild-Online). Aber das Problem, das er anspricht, auf so dürftige Art und Weise polemisch abzubürsten, wie es Steffi Lembke da tut, ist armselig. Tut mir leid, aber zu leugnen, dass es gesellschaftlich problematisch ist, wenn besser ausgebildete Menschen noch weniger Kinder bekommen als der Durchschnitt, ist einfach saublöd. Das IST ein Problem, verdammt noch mal!
(Die Grünen-Seite ist zurzeit nicht erreichbar, darum ohne Links. Wird nachgeholt.)

Nichts destotrotz ist es genau so blöd, wie Bahr seine Aussage begründet:
Laut PISA-Studie hängt nämlich in Deutschland der Lernerfolg eines Kindes stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. Wir brauchen mehr Kinder von Frauen mit Hochschulabschluß als von jenen mit Hauptschulabschluß. Dann stehen wir künftig auch in der PISA-Studie wieder besser da.

DNA und Moral

Schon aus grundsätzlichen Gründen ist mir die DNA-Hysterie suspekt, die vom zufälligen Fahdungserfolg im Fall Mosheimer (zufällig deshalb, weil die Daten noch gespeichert waren) ausgeht. Spannend darum, dass Ralf Grötker heute in Telepolis ausgerechnet das Argument, das unter liberalen Gesichtspunkten zunächst meist im Vordergrund stand (informationelle Selbstbestimmung), als das schwächste der möglichen entlarvt.

Noch spannender aber sein Aspekt der Freiheit zur Moral, der zumindest für mich überraschend ist - und umso überzeugender. Denn, so die Überlegung, eine DNA-Datei führt zu einer höheren Aufklärungs- und damit auch Strafquote. Das aber sei vor allem bei Bagatelldelikten problematisch:
Die "Bestrafungsgesellschaft", in der bereits kleinste Vergehen sofort aufgespürt und geahndet werden, würde sozusagen der Corporate Identity unserer Gesellschaft strikt zuwiderlaufen. Denn die Idee, dass wir unrechte Handlungen nicht nur dann unterlassen, wenn wir davon ausgehen können, mit Sicherheit ertappt und bestraft zu werden, ist ein Kernelement unseres moralischen Selbstverständnisses. Man könnte hier von einem Argument der "Freiheit zur Moral" sprechen.

In der Tat: Wer schon mal Kinder erzogen hat oder Verantwortung in beruflichen Prozessen übernehmen durfte, kann bestätigen: Allein die Androhung von Strafe kann es nicht sein - sie ist ineffizient, moralisch fragwürdig und motivationstötend.

Grötker fährt deshalb fort:
Aus dieser Überlegung lässt sich ein überraschender Schluss ziehen. Es sind nicht nur etwaige "Nebenwirkungen", derentwegen wir den Umgang mit DNA-Analysen beschränken sollten. Es ist, im Gegenteil, die Hauptwirkung, die herbeizuführen - wie bei einer Medizin - nur in Maßen zuträglich ist. Der Traum einer Gesellschaft, wo jedes Vergehen aufgeklärt und geahndet wird, ist ein Albtraum, weil er eine Welt beschreibt, in der ein völlig instrumentalisiertes Verständnis von Moral und Gesetzestreue vorherrscht. Von daher haben wir einen Grund, bei der Aufklärung von Delikten den Rahmen des technisch Möglichkeiten nicht immer voll auszuschöpfen. Und es sieht so aus, als würden die technischen Möglichkeiten uns bereits heute mehr erlauben, als für eine freie Gesellschaft zuträglich ist.

Es wundert mich nicht sehr, dass dieses Argument kaum stattfindet. Ethik und Moral sind ja nun seit längerem aus dem politischen und ökonomischen Diskurs verbannt. Dass das nicht nur dumm ist, sondern auch kontraproduktiv, ist eine andere Geschichte. Allerdings bin ich davon wirklich überzeugt.

21.1.05

Vertrauen

Vielleicht weil ich selbst einige Jahre Radio gemacht hab? Jedenfalls bin ich jedesmal wieder überrascht, wenn bei Umfragen rauskommt, Radio sei das Medium, dem die Menschen noch am meisten vertrauen. Wie mag das kommen? Die Realität ist da ja anders: In keinem Medium ist es so leicht möglich zu lügen, keines wird mit so wenig Personal hergestellt, keines ist so flüchtig.

Ich mag Radio (auch wenn ich es kaum höre, aber ich sehe ja auch kaum fern und lese so gut wie nicht Tageszeitungen). Ich finde es auch wirklich großartig, es fordert Kreativität, es ist emotional. Aber glaubwürdig?