17.1.07

Da bin ich mal gespannt

Irgendwie gemein, dass Guillaume nicht mal mir sagen will, wo er hinzieht. Ich mein, ich könnte ja auch mitziehen, echt jetzt. Aber nein, er schreibt in The best place for a community :

it's crazy. I love it. The name will be revealed here in 2 weeks… Stay tuned…;o)


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16.1.07

Mal wieder: Wider das Mitleid

Ich hab ja eine klare Position zum leidigen Thema Mitleid. Und darum weise ich mal wieder darauf hin, dass gut gemeint nun mal nahezu IMMER das Gegenteil von gut ist: Christianes Eintrag über Stand-Up ist mehr als lesenswert.

Bei allen Widrigkeiten, die sie erlebt, seit sie von einem Monat nach London übergesiedelt ist (wo ich heute zu einem Meeting bin, sorry Christiane, die Zeit reicht dieses Mal nicht), kann ich sie verstehen, wie sie aufatmet angesichts des fehlenden ätzenden Mitleids. So erlebe ich es auch in Skandinavien immer, wo beispielsweise Menschen mit Downsyndrom ganz normal zum Stadt- und Dorfbild gehören und nicht peinlich gemacht werden. Oder, wie Christiane schreibt:
Können wir das in Deutschland vielleicht auch mal trainieren? Hilfsbereitschaft ohne Mitleid. Fände ich großartig! (Behindertenparkplatz)
Danke dafür!

Bunt

Was ich an London besonders mag: Dass es bunt ist. Also die Menschen. Darum fahre ich, wenn die Zeit reicht, gerne mit der Tube rein in die Stadt.

Eines aber ist immer gleich, auch hier: Am Zoll wurden alle Menschen rausgewunken, die so aussahen, als kommen sie nicht aus Europa. Gelebter Rassismus.

14.1.07

SpackoVZ, die Antwort auf notgeile Idioten

Sehr schöne Idee: SpackoVZ, das Verzeichnis aller Nervensägen und notgeilen Vollpfosten, die in "Sozialen" Netzwerken ihr Unwesen treiben. Diese Woche haben sie ihr Blog gestartet und schon hübsche Blüten zusammenbekommen.

Ich finds spannend und eine gute Idee, gerade weil ich mich zurzeit intensiver mit Fragen rund um den Aufbau von Social Networks beschäftige...

EDIT 15.1.:
Einen anderen Aspekt von Social Networks, der aber irgendwie mit dem hier zusammenhängt, hat meine Kollegin Leah ausprobiert. Ein neues Foto, das einen groß aufmerksamkeitsstarken Körperteil betont. Und schwupps lauter Kerle:
Oy, the emails from men. So far, sorry guys, nobody I could be interested in. But apparently, according to the guys, they are someone that a girl in that shirt would be interested in. And I think they are reacting to my profile. THEY AREN'T. They are responding to the shirt or what is in the shirt. (Leah Jones)
via OliverG

11.1.07

Corporate Guide To The Blogosphere

Und wo ich gerade mal dabei bin, Edelman-Kram zu bloggen: Unser Europa-Chef David Brain verlinkt unser neuestes White Paper über das Thema Blogs, in dem ein paar von uns Edelman-Bloggern jeweils eine Seite über ihr Land zusammengetragen haben. Die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten sind ganz spannend, finde ich...

UPDATE:
Sehr schön auch, dass es jetzt offiziell online ist, eine Reiher kleiner Tippfehler auch noch korrigiert. Und sehr cool finde ich ja die Darstellung als - ja, was eigentlich? - online epaper vielleicht.....

Disclosure:
Ich habe auch einen Abschnitt zu diesem "Guide" beigetragen.

Matzes Schuppen

Ich finde die Filme, die ich bisher gesehen habe, witzig. Meine Frankfurter Kollegen haben für Terzolin die Idee eines Oben Ohne Schuppens entwickelt (umgesetzt von Antwerpes) und unter anderem "Matzes" vergebliche Versuche, seine Schuppen zu bekämpfen, "dokumentiert":



Link: Matzes Bohrerversuch

Fabriziert hat die Filme übrigens Production Friends aus Hamburg. Ich bin gespannt, was da noch für untaugliche Ideen kommen...

Disclosure:
Edelman arbeitet für McNeil und deren Produkt Terzolin, ich selbst arbeite nicht daran mit.

9.1.07

Haben! Will!

Okok. Psst. Nicht weitersagen. Auf keinen Fall den Kunden jedenfalls: Ich bin eigentlich auch gar nicht so edgy.... Aber trotzdem. Ich mein ja nur.

Son iPhone, das wär schon was für mich, oder? Wo sich doch der nette Herr, der mir in München neulich das neueste ("edgy") Babyphon versprochen hatte, tatsächlich nicht mal bei mir gemeldet hatte....

8.1.07

perverse Bigotterie

Ach was ist geschimpft worden über die Verrohung der Sitten durch das Internet und haben wir es nicht alle gewusst - nur Schmutz und Dreck und Videos von der Hinrichtung aller Ex-Diktatoren.
(Aber darüber hab ich mich schon aufgeregt, also Schluss damit.)


Was mich wirklich daran aufregt, ist, dass das Video verurteilt wird und nicht der eigentliche Skandal: Die Todesstrafe. Wer hätte gedacht, dass mich ein Kommentar aus der FAS anspricht, aber ja, auch mir spricht Claudius Seidl aus dem Herzen:
Wer das, wovon es (das Video) zeugt, nicht mehr sehen will, braucht nicht dessen Urheber zu beschimpfen, und es hilft auch nichts, wenn man das Internet als ein Problem der Hygiene begreift. Das Problem ist die Todesstrafe.
Albert Camus erzählt in seinem Essay von seinem Vater, der sich eines Morgens aufmacht, um der Hinrichtung eines vielfachen Mörders beizuwohnen, welchem er noch Schlimmeres als die Guillotine wünscht. Aber als der Vater nach Hause kommt, ist er so verstört, dass er kein Wort sagen kann. Es gibt kein besseres Argument gegen die Todesstrafe, als wenn jemand Zeuge einer Hinrichtung wird.
Aufmerksam geworden durch Djures "Das Problem ist die Todesstrafe".

5.1.07

The Ashley Treatment

Ich bin mir immer noch nicht wirklich sicher. Seit gestern früh, als ich erstmals davon hörte, denke ich darüber nach, was ich davon halten soll, dass Ärzte und Eltern ein Kind am Wachsen hindern durch Hormone und Operationen.

Die Sicht von Ashleys Familie ist spannend und aufwühlend. Dass sie sich so deutlich zu Wort meldet, finde ich gut - auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass ihre Eltern es wirklich selbst und alleine sind, die da schreiben. Aber ich merke, und das macht mich so unsicher, dass die eigene Stimme der Menschen, die die Verantwortung für die ungewöhnliche - ja, was soll man sagen? - Behandlung? übernommen haben, eine allzu einfache Antwort schwieriger macht, ob es ok ist, was die Ärzte und die Eltern mit dem Kind angestellt haben.

Trotzdem neige ich dazu, dass es ethisch nicht in Ordnung ist, ein Kind so zu verstümmeln. Ich kann die Eltern und auch einen Teil ihrer Argumentation verstehen - aber sie können am Ende nicht wissen, ob ihre Zukunftsannahmen, auf denen sie ihre Entscheidung begründen, stimmen.

Das Argument, dass sie mutmaßlich weniger leide, wenn sie klein bleibe und nicht in die Pubertät komme, kann nicht aufwiegen, dass sich hier Menschen anmaßen, einem anderen Menschen die Entwicklung zu verweigern. Und für diese Anmaßung sind mir die Argumente, die sie vorbringen, nicht stark genug, um sie zu begründen und vertretbar zu machen. Wie können sie wissen, dass Ashley nicht (auch) Freude an ihrer Entwicklung haben kann?

Mir scheint (und das ist ein Motiv, das in der seelsorglichen Begleitung von Eltern schwerstbehinderter Kinder oft begegnet), hier schließen Menschen daraus, dass sie sich als "gesunde" Menschen ein Leben und Freude für Ashley nicht vorstellen können, dass sie auch keine empfinde und nicht glücklich werden und sein könne. Das aber ist eine weitere Anmaßung, die sich weder begründen lässt, noch irgendwie plausibel ist. Gerade wenn es stimmt, dass sie auf dem geistigen Entwicklungsstand eines Kleinkindes bleibe, ist die Annahme, sie wäre nicht zu Glück und Freude fähig an ihrer eigenen Entwicklung, absurd.

Mein Ethik-Lehrer Traugott Koch, mit dem ich intensiv über Medizinethik gearbeitet habe, hat es einmal so formuliert, dass wir unterscheiden müssen zwischen der tiefen Kränkung und Verletzung, die Eltern empfinden und die wir ernst nehmen müssen und werden - und der Ehrfurcht vor dem Leben und dem Recht auf die je eigene Entwicklung. Ein Recht auf Schmerzlosigkeit oder auf Gesundheit dagegen gebe es nicht. Mich hat besonders beeindruckt, dass dies von einem Menschen kam, der mit mehr als einem Bein im Grab gestanden hatte und selbst schwer krank war.

Die Gefühle oder gar das Mitleid von Eltern oder Ärzten taugen nicht für eine ethische Entscheidung. Sondern allein die Frage, was ich Ashley gebe und was ich ihr nehme. Und das, was ich ihr nehme, ist so groß, dass kein vermeintliches Geben (das ich so auch nicht wirklich sehe) es aufwiegen kann.

Meine Unsicherheit bleibt an der Stelle, an der es darum geht, das Verhalten zu verurteilen. Das kann ich nicht. Denn wie so oft in den Situationen, die ethisch herausfordernd sind, liegt hier eine Tragik vor: Wie immer ich mich entscheide, ist es falsch. Es gibt kein Richtig. Das sehen die moralischen Rigoristen nicht, die jetzt Eugenik schreien. Und das sehen offenbar auch die Ärzte und Eltern nicht, die ohne einen Hauch von Zweifel ihre Entscheidung verteidigen. Wenn ich etwas vorwerfen kann, dann vor allem dies.

Und ein "Argument", das sich durch die gesamte Rechtfertigung von Ashleys Eltern zieht, macht besonders deutlich, wo meines Erachtens nicht nur eine ethische Fehlentscheidung vorliegt, sondern auch ein Denkfehler (auch einer, der einem oft begegnet und der den Eltern nicht vorzuwerfen ist, weil es schwer ist, ihn zu vermeiden und schmerzlich, die Konsequenzen daraus zu ziehen):
Furthermore, we did not pursue this treatment with the intention of prolonging Ashley’s care at home. We would never turn the care of Ashley over to strangers even if she had grown tall and heavy. In the extreme, even an Ashley at 300 pounds, would still be at home and we would figure out a way to take care of her. (The "Ashley Treatment")
Ich erlebe in der Familie und bei Freunden, wie schwer es ist, das erwachsen werdende Kind mit einer schweren Behinderung gehen zu lassen und in eine Wohngruppe oder in ein Heim ziehen zu lassen. Aber es gehört nun einmal zum Erwachsenwerden dazu, dass ich ausziehe. Ich bleibe verantwortlich, so wie ich auch verantwortlich bleibe für meine schwer demenzkranke junge Mutter. Aber der Schritt aus der Familie gehört dennoch dazu...

3.1.07

Welcome to the Pleasure Dome

Oder auch: Willkommen im Jahr 2007. Denn manchmal denke ich ja, dass ich etwas zu bösartig zu den lieben Kollegen von den Altmedien (auch "Mainstream Media" genannt) bin, wenn ich ihre Zukunftsfähigkeit in Frage stelle. Und dann überholen mich herausragende Vertreter dieser Medien mit ihrer Analyse gnadenlos und ich fühle mich zahm und viel zu konsensuistisch.

Nehmen wir mal Birand Bingüls Kommentar in den Tagesthemen oder auch den von Stefan Kornelius in der SZ. Die passende Antwort hat der begnadete Sascha Lobo in einem Kommentar bei Stefan Niggemeier parat. Unbedingt lesen! Kostprobe? Hier, nach einem Exkurs über die Bronzezeit:
Dieses an den Haaren herbeigezogene Beispiel zeigt Dir, Sascha, dass sich die Kultur, der Sinn des Lebens nebenbei gesagt, scheidet in die Kulturtechnik und die Inhalte. Solltest Du sie je wieder verwechseln, diese beiden Zwillingsschwestern, so darfst Du nur noch Spinettmusik von Wachstrommeln hören und musst fortan ein Handy mit Dieselantrieb benutzen und SMS in Fraktur schicken - mit anderen Worten, Du wirst zum Vollkornelius und taumelst besinnungslos zwischen den Symptomen, Techniken, Ursachen, Wirkungen und Blüten der Neuzeit umher, mal hierdran riechend, mal dortdrauf spuckend, auf jeden Fall aber distanzlos die technische Oberfläche für das Mass aller Dinge haltend.