4.3.05

nichts zu verbergen

Es ist eine Frage der Haltung, wie ich zu Dingen wie Biometrie, DNS-Speicherung, gläsernen Konten und so fort stehe. Und da komme ich dann selbst im aller engsten Umfeld immer wieder in Argumentationsnöte, wenn die schnelle Antwort fällt, jemand habe doch nichts zu verbergen.

Wie gut, dass wenigstens die Zeit an dem Thema dran bleibt, diese Woche mit einer langen Strecke. Vor allem Burkhard Hirsch bringt es wieder einmal sehr auf den Punkt und schreibt zu der allzu leichten Ansage von oben:
Daran ändert auch das so gute Gewissen vieler Bürger nichts, die ihr Privatleben mit der Behauptung leugnen, sie hätten nichts zu verbergen. In Wirklichkeit glauben sie, von einem Verdacht verschont zu bleiben. Sie wollen mehr eigene Sicherheit mit der Freiheit anderer bezahlen. Das ist politische Zechprellerei. (Hirsch)

Weimar?

Eigentlich traurig, dass immer wieder auf die Flachdenker reagiert werden muss, die groß Weimar an die Wände schmieren. Nico übernimmt die Klarstellung in dieser Woche wieder mal. Ich kann das Genöle vor allem deshalb nicht mehr hören, weil es an anderer Stelle ja durchaus Parallelen zu Weimar gibt:

Ähnlich wie am Ende der Weimarer Zeit betreibt insbesondere die Finanzverwaltung - aber auch der überwiegende Teil der Politik - eine astrein prozyklische Wirtschaftspolitik. Die perverse Ironie dabei: Ausgerechnet die Schreihälse der Weimar-Fraktion wollen die zaghaften Versuche, mit dieser Politik zu brechen, um jeden Preis verhindern und sie sogar noch weiter ideologisieren. Dass jedoch ideologisch begründete Wirtschaftspolitik in den Abgrund führt, kann man eben gerade an Weimar, Chile oder am realen Sozialismus (der in diesem Sinne dem Neoliberalismus zum Verwechseln ähnelt) wunderbar studieren.

Merke: Nicht jeder historische Vergleich hinkt. Nur selten sagt es aber das aus, was seine Erfinder sich erhoffen. Manch einem von ihnen hülfe ein rudimentäres historisches Studium.

Menschen und Mädchen

Gespräch mit einem gerade Dreijährigen beim Anziehen, als er ein bisschen halbmüde jammerte und auf den Schoß krabbelte.

Ich: Na, bist du mein Baby?
Er: Ich bin kein Baby mehr.
Ich: Wo ist denn unser Baby?
Er: In Mamas Bauch. Aber das Baby ist ein Mädchen geworden.
Ich: Naja, aber auch ein Baby.
Er: Nein, ein Mädchen. Ich war ein Baby.
Ich: Klar, aber das Mädchen wird auch ein Baby. Babys und Kindern können Mädchen oder Jungen sein. Du bist ja auch ein Junge.
Er: Nein, ich bin ein Mensch.

3.3.05

Was ist Bloggen?

Mach ich mir eigentlich nicht so richtig Gedanken zu normalerweise. OK, zum Seminar werde ich es müssen - aber so aus dem Stand zu formulieren, was mich daran fasziniert? Ging schon. Mir ist dabei ja am Wichtigsten: Blogs verändern Kommunikation. Hab ich nun bestimmt zehn mal betont im Interview. Gerüchte bekommen eine große Nachhaltigkeit. Ich verfolge das Leben von Menschen, die ich nicht kenne. Jede Geschichte bleibt im Gedächtnis des Internet. Gerade in den letzten Wochen ist mir das Thema jenseits des Hypes wichtig geworden.

irgendwie merkwürdig

Ich hab ja selbst viele Jahre Menschen in ihrem Zuhause heimgesucht. Allerdings nur mit Mikro und nicht auch noch mit Kamera. Das Merkwürdigste ist wohl, dass ich halbwegs normal sein soll - das fällt mir ohnehin schwer -, während die Aufnahme läuft. Vorträge vor hundertfünfzig Anzugträgern sind irgendwie einfacher. Also los mit den Fragen.

ins Fernsehn

Sozusagen live vom Dreh Nun ist also tatsächlich der NDR da und dreht in unserem Wohnzimmer. Im Rahmen der Berichterstattung zur CeBIT machen die auch was über Blogger und hatten die grandiose Idee, Dan und mich zu filmen. Und weil ich dabei was schreiben soll, tue ich das auch. Soll ja schließlich echt sein. Eine Idee ist immerhin, dass nicht nur Techies oder Nerds bloggen (oder, wie die Süddeutsche neuloich vermutete, gestörte Einzelgänger), sondern so gaaaanz normale Typen wie ich.

Die Jungs dürfen sogar mal die Kamera bedienen. Aufregend... Nur die Frage, wie und ob ich sie irgendwie ins Bett bekomme. Immerhin hab ich den Lütten schon im Bett.

jenseits der Ideologie

Es ist immer wieder erfrischend, wenn Liberale aus dem Ausland auf Deutschland blicken. Es zeigt, dass es einfach stimmt: Nirgendwo sind die Wirtschaftswissenschaften und auch die Berichterstattung der Wirtschaftsmedien so sehr in ihrer Ideologie gefangen wie bei uns.

Kai Pahl hat den Economist gelesen und zitiert auch daraus. Mir scheint nach diesem Zitat, dass Kai zwar nicht ganz die richtigen Schlüsse zieht - aber auffällig ist doch, dass es wie in allen mir bekannten angelsächsischen Medien eben gerade nicht diese absurde Verengung auf den Neoliberalismus gibt. Kein Wunder also, dass sich der Gedanke aufdrängt, der Economist wäre der Regierung näher als der Opposition (was ich nicht teile, da auch die Regierung im Kern neoliberal operiert) - ich habe den Eindruck, dass seine Redakteure die aufgeregte Diskussion hierzulande gar nicht verstehen, da sie aus der Sicht eines am Erfolg orientierten Wirtschaftens ja auch völlig gaga ist.

Eine nicht völlig neoliberal ideologisierte Wirtschaftswissenschaft hat das systematische Schlechtreden nicht nötig und kann deshalb vom Ergebnis her auf die Situation gucken. Und dann sieht es nun mal besser aus, als wenn man nur darauf achtet, ob die Reine Leere eingehalten wird.

2.3.05

Aspen Berlin zu Blogs

Über die Berliner Dependance trägt das Aspen Institut das Thema Blogs zu uns. Im aktuellen Newsletter heute abend kurz vor acht ein Interview mit fünf Bloggern:
Blogs are online diaries, allowing people to provide instant commentary on issues of their choice. To find out more, Aspen?s Julian Knapp asked five bloggers about their work: Daniel W. Drezner, assistant professor of political science at the University of Chicago (www.danieldrezner.com), Josh Chafetz, David Adesnik, and Patrick Belton, of Oxblog (www.oxblog.com), and David Kaspar of Davids Medienkritik (www.medienkritik.typepad.com/blog)

Noch nicht gelesen, wird heute auch nichts mehr außer vielleicht quer - darum mal hier übergeben.
Da entweder Blogger.com immer noch keine Trackbacks erlaubt oder ich zu blöd bin, sie zu finden: Bitte kommentiert hier kurz, falls jemand was dazu schreibt....

Bestätigungen

Die zwei Tage Berlin Anfang der Woche waren nicht nur spannend und voller guter Gespräche, sondern auch mit zwei Bestätigungen für Gerüchte, die rund um Jamba geistern. Ich hatte ja das, was Don Alphonso in der Blogbar über Jamba und Six Apart geschrieben hatte für amüsant-nette Spinnerei gehalten - bis mir jemand von Innen erzählte, dass es verdammt dicht an einem realistischen Szenario sei. Schon verrückt.

Andererseits würde ich nie behaupten, dass die Kommentarorgie damals beim Spreeblick gesteuert war von Jamba. Das haben nun allerdings ebenfalls Insider nahegelegt. So was aber auch...

[Edit 8.3.] Vielleicht seien mir noch einenhalb Anmerkungen dazu erlaubt, da es offenbar etwas missverständlich ankam:
(1) Ich habe nie bezweifelt, dass die Pro-Jamba-Kommentare bei Johnny allesamt von Jamba selbst kamen. Im Gegenteil: Im PR-Blogger habe ich von Anfang an (hier sehr deutlich in meiner Kommentarantwort auf Björn) die Vermutung formuliert, dass dies von der Kommunikation gesteuert gewesen sein könnte. Da der Bonow, der Pressesprecher, das aber explizit bestreitet - ich also explizit behaupten müsste, er lüge, wenn ich explizit sagte, die Kommentare seien gesteuert -, habe ich mich ohne eigene Quelle eher zurück gehalten. Diese Quelle habe ich nun, kann sie aber nicht nennen, weshalb es bei der ironischen Bemerkung oben bleiben muss.
(2) Don hat ja in seinem Artikel selbst die Sache niedrig gehängt und offen gelassen, ob er eine harte Quelle hat (oder gar, wie es meistens journalistische Übung ist, zwei). Inzwischen scheint mir zum einen plausibel, dass er eine solche hat - und zum anderen habe ich eine weiche Quelle gefunden, die es auch dazu noch inhaltich bestätigte. Da die meisten, die mich auf das Thema vorher angesprochen hatten, Dons Artikel für reine Spinnerei hielten, finde ich es schon hilfreich, sie (die hier mitlesen) darauf hinzuweisen, dass es genau das aber nicht ist.

1.3.05

komplizierte Tickets

Nun hab ich alos für die beiden Großen und mich Tickets für Hamburger Spiele bei der WM bestellt. Meine Güte ist das kompliziert. Und na klar: Obwohl sie behaupten, dass es in allen Browsern geht, ließ sich der Ticket-Shop im Safari nicht öffnen. Muss ich mal nachgucken, woran das lag.
Lustig fand ich ja, dass nirgendwo etwas explizit dazu gesagt wird, ob es ein ganz oder gar nicht ist - ob ich also für alle Spiele oder für keines von denen, für die ich bestellen wollte, Karten bekomme. Oder ob es sein kann, dass ich nur für eines das Große Los ziehe. Wahrscheinlich auch egal, da die Chance ohnehin minimal ist, eines abzubekommen.

Super ätzend ist ja mal wieder, dass wir Asozialen mit dann vier Kindern gar keine Chance haben, alle gemeinsam hinzugehen. Man darf nur zwei Kinder haben (oder drei und dann seine Frau nicht mitnehmen). Beknackt. Wie gut, dass die beiden Kleinen dann noch zu klein sind (obwohl sich J bereits jetzt mit gerade drei sehr für Fußball interessiert und jeden Ball tritt und begeistert Sportschau guckt, wenn wir mal nicht aufpassen).