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15.10.18

Was für ein Spaß

Da dachte ich doch immer, Briefromane wären langweilig oder sonst wie nichts für mich. Und dann las ich nun endlich Lady Susan von Jane Austen. Merkwürdig genug, dass die Liebste mich erst kürzlich darauf aufmerksam machte, dass es dieses Büchlein gibt. Das ich daraufhin sofort kaufte.

Denn es ist ein wunderbarer, fantastischer Spaß. Was wohl mehr an Austen liegt als am Format. Aber das Format in Briefen trägt ein Übriges bei. Es sind die Zwischenräume, die mich lachen lassen. Das, was nicht erzählt wird. Was passiert sein muss, um den Brief auszulösen. Köstlich.

Eigentlich ist die Susan eine Farce. Und erst das lapidare Nachwort, in Prosa an die Briefe rangeklatscht, löst die Geschichte in typischer Austen-Manier auf. Ironisch changierend zwischen Happy End und irre-kicherndem Spott.

Wie konnte ich bisher übersehen, wie witzig und inspirierend Briefromane sein können. Gibt es eigentlich moderne?


[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]

11.4.18

Wiederlesen

Weichselkirschen
Dieses Jahr werde ich mehr lesen, sagte ich ja schon. Und es fing ja auch gut an. Doch dann begann ich mit Leonie Ossowskis Weichselkirschen. Ich kam nicht gut rein, fand es mühsam, im Stil altbacken, als Thema uninteressant (dabei war mir viel Positives dazu erzählt worden). Und habe darum zwischendurch noch mal eben alle sieben Bände Harry Potter in der tatsächlich wundervollen neueren Fassung, gelesen von Stephen Fry, gehört. Was dadurch kam, dass einer meiner Söhne sie sich zum Geburtstag gewünscht hatte. Über Harry Potter als Begleiter durch Kindheit und Jugend meiner beiden älteren Kinder muss ich ohnehin irgendwann mal schreiben, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls war ich raus. Und als ich dann durch war mit Harry Potter (und da ich mich entschlossen habe, mein Lesetagebuch nur über Papier zu führen und nicht über Audio) nahm ich Ossowskis Buch wieder in die Hand. Und hatte keine Lust mehr.

Mir fällt es immer noch schwer, Bücher aus der Hand zu legen, ohne sie auszulesen. Ich kann mich eigentlich bisher nur daran erinnern, dass mir das mit der Tante Jolesch passiert ist.

Mit einem Buch aufzuhören, bevor es zu Ende ist, fühlt sich an wie eine Niederlage. Und ich mag Niederlagen irgendwie nicht so gerne. Andererseits ist es auch blöd, sich durch Bücher zu quälen, die ich aus Genuss und in der Freizeit lese(n will). Also kam es gerade Recht, dass ich neulich etwas leichtfertig über Thomas Manns Doktor Faustus schrieb. Und dass es im Bücherregal steht, weil ich es immer mit umzog, obwohl ich es 1989 zum letzten Mal gelesen habe. Ich erinnere mich noch, dass ich, Bildungssnob, der ich war, über die Rolle der Religion im Faustus meinen Impuls vorbereitete und meine Gruppendiskussion führte, als ich zum Auswahlwochenende für die Studienstiftung eingeladen worden war. Und mein Erstkontakt mit ihm war über viele, viele Wochen in "Am Abend vorgelesen" im NDR, gelesen vom großen Gert Westphal. Ich musste mich irre beeilen, wenn ich vom Chor nach Hause kam, weil es sehr knapp war, noch rechtzeitig am Radio zu sein. Those were the days.

Jedenfalls sind es jetzt diese vergilbten Seiten, dazu Schönbergs Streichquartette auf den Ohren, die mich beim Pendeln begleiten für einige Zeit.


[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]

17.1.18

Vorurteilen zum Trotz

Ich muss etwas gestehen: Ich habe bis jetzt dieses Buch (DIESES BUCH11!1!!11) noch nie ganz gelesen. Immer mal angefangen aber nicht durchgehalten oder durchhalten wollen. Und war voller Vorurteile, weil ich mich nicht auf Stil und Sprache einlassen wollte.

Jane Austen: Stolz und Vorurteil, 402 Seiten

Jetzt aber. Und voila, es hat gar nicht weh getan. Am meisten haben mich zwei Dinge überrascht: zum einen, dass es immer als ironisch oder karikierend beschrieben wird. Es ist witzig, sehr oft. Aber ist es wirklich eine Karikatur? Und zum anderen, dass es ja tatsächlich wie das Drehbuch der großartigen Miniserie der BBC mit Jennifer Ehle und Colin Firth ist. Erstaunlich, wie genau sich diese Verfilmung an das Buch hält.

Und weil ich die Geschichte also doch sehr genau kenne, habe ich das Buch tatsächlich dieses Mal genossen. Auch, weil es für sein Alter sehr rasant ist. Keine Längen, keine sinnlosen Kapriolen, wunderbar konstruiert. Eben die Mutter aller Liebesgeschichten. Geholfen hat mir dabei, dass ich zum ersten Mal einen Versuch machte, es in größeren Stücken zu lesen. So konnte ich mich mit mehr Ruhe in die Sprache einfinden. Pendeln ist zu was gut...

Was mich dann beim Lesen gefesselt hat, ist, dass dieser Roman nie süßlich ist. Nicht im eigentlichen Sinne romantisch. Und erst auf den letzten Seiten rührend. Und wie immer die Perspektive Elisabeths gehalten wird. Ihre inneren Kämpfe und ihre Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen - was keine der vielen Verfilmungen und Adaptionen, die ich kenne, auch nur in Ansätzen abbildet.

Es ist ein großes Buch. Ein menschliches. Und eines, bei dem mich nie störte, dass ich die "Story" kenne, dass alle Menschen es schon gelesen haben, meine Liebste viele, viele Male beispielsweise. Im Gegenteil, so konnte ich mein Erstaunen und meine Gedanken teilen, ohne etwas erklären zu wollen. Hab ich genossen.

Endlich abgehakt auf der ewigen Leseliste. Und schade, dass es schon zu Ende ist.


[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]

9.1.18

Altes Land

Ein so zauberhaftes Buch. Zwei Tage, vier Bahnfahrten nur. Netto also rund sechs Stunden. Und schade, dass es schon vorbei ist.

Dörte Hansen: Altes Land, 287 Seiten

Es ist vor allem und mehr noch als die Geschichte die Sprache, die mich sofort und die gesamte Zeit in den Bann geschlagen hat. Dieser lapidare, fast lyrische Stil, der sehr aus der Mode ist, den ich aber immer so sehr genieße. Mit den Perspektivwechseln zu jedem Kapitel, die alle wunderbar zärtlich-spöttisch gemalten Protagonistinnen vielschichtig und lebendig machen.

Keine einzige Person in diesem Kammerstück ist grotesk überzeichnet. Den Barmbeker Tischler kenne ich aus Bramfeld. Die Ottensener Eltern sehe ich jeden Tag. Die Altländer Bauern und noch mehr die Bäuerinnen erinnern entfernt an die, die ich auf dem Land treffe. Die Stadtflüchtigen sind die einzigen, die wirklich doof sind. Also alles wie in echt.

Und ansonsten ist es die liebevoll erzählte Geschichte von Menschen, die nicht "funktionieren", aber irgendwie zusammen ins Leben zurück finden. Mehr noch als die von einem Haus, das so windschief ist wie seine Bewohnerinnen.

Was für ein Lesegenuss jedenfalls. Was für Jahresauftakt für mich, der mich glücklich machte.

[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]