14.1.24

Mut nach einer grauenvollen Woche

Die Woche geht so zu Ende, dass ich wieder Mut fasse. Sie war eine Achterbahnfahrt, emotional und auch in vieler anderer Hinsicht: Ein Pferd, das (vorerst) dem sicheren Tod von der Schippe gesprungen ist; das Entsetzen über das, was vor Ort und im Land politisch passiert; die große Freude am Ende über die vielen, vielen Menschen, die heute, am Sonntag, aufgestanden sind und sich in die Innenstädte begeben haben.

Ausgelöst durch den Stress des Terror-Dienstags (was aber "nur" der Auslöser war, nicht die Ursache, die sich aber sicher nur post mortem feststellen ließe), hat eine unserer Stuten eine Darmentzündung. Drei Tage lang mit einer Überlebensprognose im unteren einstelligen Prozentbereich. Und dann fing sie plötzlich an, ein winziges bisschen zu fressen. 

Heute haben wir sie nach Hause geholt, weil anzunehmen ist, dass ihr die gewohnte Umgebung und ihre Herde gut tun werden. Was für eine Erleichterung. Wir fuhren in die Klinik, um eine andere Entscheidung zu treffen – und erlebten ein Wunder. Weniger war es nicht. Jetzt ist noch viel bangen. Aber eben auch Hoffen. Und das macht Mut. Und Arbeit. 

***

Am Morgen das Entsetzen über ein Interview des örtlichen Organisators der Proteste der Landwirt*innen in unserem Landkreis. Er betet dabei die Sprechtexte und Programmpunkte der Nazis der AfD runter. Und hält sich für nicht rechts. Etwas, das ja ohnehin zurzeit bei vielen sehr auffällt. 

Und am Nachmittag, während die Trecker-Gruppe Ahrensbök in vollem Ornat (stramme Flaggen und aggressive Plakate, die teilweise zu Gewalt aufriefen, beispielsweise dies mit der Faust, die zuhaut, und dem Soruch „die grüne Welle brechen“) wieder auf unserer Straße patrouillierte, versammelten sich in vielen, vielen Städten Menschen, um gegen Nazis und Rechte und die AfD aufzustehen. In fast jeder Stadt waren das ironischerweise mehr Menschen als alle Bauernproteste der gesamten Woche bundesweit zusammengerechnet. Das macht so richtig Mut. Danke. 

***

Angesichts von Facebook-Kommentaren unter dem Artikel der Lübecker Nachrichten und angesichts der Troll-Kommentare hier im Blog, die ich löschen musste (looking at you, Gudrun Peters und Waldemar Brunnen und euch andere anonyme), war mir schon etwas mulmig, dass ich es gewagt hatte, eine Aktionsform hier bei uns zu kritisieren. Die Stimmung ist so aufgeheizt, die meisten haben wirklich echte Angst, etwas zu sagen. Und wir wollen ja auch mit unseren Nachbar*innen befreundet bleiben. 

Und dann bekomme ich ganz viele Nachrichten von Menschen im Landkreis und hier von den Dörfern, die sich bedanken, dass ich was sage. Bis sie von mir lasen, dachten sie, sie wären allein mit ihrem mulmigen Gefühl. Mit ihrer Sorge oder Kritik. Die Schweigespirale ist im vollen Gange. Aber diese Nachrichten machen mir Mut. 

3 Kommentare:

  1. Anonym15.1.24

    Moin,

    ''Am Morgen das Entsetzen über ein Interview des örtlichen Organisators der Proteste der Landwirt*innen in unserem Landkreis. Er betet dabei die Sprechtexte und Programmpunkte der Nazis der AfD runter. Und hält sich für nicht rechts. Etwas, das ja ohnehin zurzeit bei vielen sehr auffällt.

    Zitat Ende.

    Die halten sich alle nicht für Rechts. Womöglich sind das halt die Spätfolgen jahrelanger CDU/CSU Probleme. Man fischt gerne am Rechten Rand , das haben die leider immer schon zu gerne in Ost/Schleswig Holstein gemacht. Ahrensbök ist auch ein etwas heisseres Pflaster in den 90ern gewesen als Jugendlicher vom Dorf. So viele Möchtergern Faschos hat man sonts nur in Hutzfeld gefunden.

    Viele sind womöglich nie wirklich in der Welt herumgekommen , daher sind so manche Sichtweisen auch in der Zeit stehen geblieben und mussten nie hinterfragt werden. Die CDU tönte auch in den 90ern ,das es Rechts neben ihnen nix geben würde. Eutin und Umland hatte schon immer Probleme mit Rechten Doofnasen. Als auch wann immer Neubauprojekte waren wurden Altlasten unter den Teppich gekehrt. Ich hab in meiner Jugend noch die Stelen vom Todesmarsch mitaufgestellt. Davon will man auch gern nichts wissen. Ahrensbök macht aber derzeit viel richtig.

    Da kann Ich uns beide beruhigen ,nicht alle haben in Geschichte und bei der Erinnerungskultur gepennt. Gruss an den Nachbar in Braak.

    Mfg Schwienkuhlen/Eutin. Oi.

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  2. „Er betet dabei die Sprechtexte und Programmpunkte der Nazis der AfD runter.“

    An allen Ecken und Kanten. Kennst du das Statement sämtlicher Bürgermeister*innen des Amtes Süderbrarup? Gleicher Tenor. Man fasst es nicht.

    https://www.amt-suederbrarup.de/fileadmin/user_upload/Buergermeister-Protest.pdf

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    1. Ja, furchtbar - und dazu auch noch überwiegend "alternative Fakten" aka Lügen in dem Text. Und das sind ja alles keine AfD-Mitglieder. Es ist einfach nur noch zum Heulen teilweise. Die Grünen im Landkreis dort haben einen Faktencheck gemacht.

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