27.9.04

die Staatliche

Komisch, aber die Brüder rufen immer entweder an, wenn Chaos ist, weil die Jungs von der Schule kommen und das Essen auf dem Tisch steht, oder wenn Chaos ist, weil sie gerade alle mit mehr oder weniger sanfter Gewalt in die Horizontale gebracht werden müssen, damit sie am nächsten Morgen nicht mit zu viel Gewalt wieder wach zu bekommen sind. Jedenfalls rufen immer dann diese Kerle an, die unglaublich schlechte Schulungen hinter sich haben.

Ein besonders schönes Exemplar war der vielleicht 25jährige von der Staatlichen. Die kennen Sie nicht? Ich auch nicht.

Er (völlig aufgekratzt): Hallo, ich bin [hier kam so ein Name, der in amerikanischen Filmen wohl Kimberly oder so wäre] und ruf von der Staatlichen an. Ich wollte nur mal nachfragen, ob die Lose schon angekommen sind und ob ich die richtige Adresse habe.
Ich (noch beinahe ruhig. Man ist ja freundlich und gut erzogen): Wir ham keine Lose bestellt und wolln auch keine.
Er (immer noch völlig aufgekratzt): Aber ich bin doch von der Staatlichen, Sie wissen schon. Und es geht um die Lose. Ich wollte nur kurz prüfen, ob ich Ihre Adresse hier richtig habe.
Ich (immer noch beinahe ruhig. Wird aber schwerer): Nein.
Er (nach einer kurzen Pause, irgendwie immer noch völlig aufgekratzt. Sehr seltsam): Sie wissen doch, ich bin von der Staatlichen, das wäre doch sehr schade, wenn Ihre Lose nicht ankommen. Deshalb will ich nur kurz die Adresse klären.
Ich (schon etwas weniger ruhig. Merkt er aber nicht): Hören Sie, wir wolln kein Los und es passt jetzt gar nicht.
Er (wieder etwas aufgekratzter): Ich hab hier Dingsbumsalleeweg 123 in Hamburg. Ist das richtig?
Ich (beinahe erleichtert, denn er kann ja nicht wissen, dass wir umgezogen sind): Nein, das stimmt nicht.
Er (etwas zögernder): Oh. Das ist ja schade, jetzt habe ich die Lose schon rausgeschickt. Wie ist es denn richtig?
Ich (diesmal ganz ruhig): Das sag ich Ihnen nicht.
Er (völlig aufgekratzt und beinahe hysterisch): Aber ich bin doch von der Staatlichen. Sie wissen doch, die Lose. Also das wäre doch wirklich schade...

Nicht wirklich schade war, dass ich den Rest des Gesprächs nicht mehr mitbekam. Und er auch nicht, weil ich es vorzog, aufzulegen. In solchen Situationen bin ich mir sicher, dass ich ein guter Verkäufer bin. Fühle mich nur etwas fremdgeschämt.

Kommentare:

  1. Das ist wirklich ganz schlimm.
    Aber in anderen Fällen beutelt mich das Mitleid. Da hat einer meiner Lieferanten eine lustige Mailing-Aktion gemacht, eine echte Säge verschickt und draufgeschrieben "Das ist der Hammer! XXXYY verschenkt Säge". Hat nichts mit der Firma zu tun, hat keinerlei brauchbare Aussage, ist einfach nur daneben, hat sich vermutlich der Kusin vom Kusin ausgedacht. Als mich dann auch noch jemand dazu anrief "Wollte nur frage, ob Sie....", habe ich nicht fertiggebracht, dem Dienstleister zu empfehlen, seinen Dienstleister in die Wüste zu schicken.

    AntwortenLöschen
  2. Anonym30.9.04

    ich empfehle da folgenden link:
    http://www.istziemlich.org/jezlog/a/200409/02-genial_skript_zur_gegenwehr_bei_telefoninterviews_.php

    ausdrucken und neben das telefon legen. ich warte schon sehnsüchtig auf den nächsten anruf;-)

    gruss asw/ www.strangetimes.de

    AntwortenLöschen

Immer dran denken: Sag nix Dummes. Und anonyme (also nicht mit einem Blog, Profil etc verknüpfte) Kommentare lösche ich vielleicht. Antworte auf jeden Fall nicht.
Wer Werbung und werbende Links in die Kommentare postet, geht durch Abschicken des Kommentars einen Werbevertrag mit mir ein, dessen Bedingungen unter "Impressum" zu finden sind.

kostenloser Counter