Heute nun ist er in der offiziell fertigen Version online: Unser ots.NewsReader. Es ist mein jüngstes Projekt für meinen Arbeitgeber news aktuell - und Siegfried (der auch der RSS-Blogger ist) und seine hhS haben ihn fein hinbekommen. Wir haben gemeinsam eine Reihe guter Ideen gehabt, wie sein alter NewsBee sinnvoll weiter entwickelt werden kann.
Vor allem, wie wir ots und speziell den ots.FeedManager eingebunden haben. Noch vor allemder, wie Suche, Suchagenten und Kontextsuchen gelöst sind. Am vorallemsten, wie die Organisation und Filterung der Feeds mit Tagging funktioniert. Zu Hause auf Windows nutze ich ihn die gesamte Zeit der Beta-Phase und beneide mich, wenn ich im Büro dann nur den NetNewsWire nutzen kann. Schade, dass er (zunächst?) nur für Windows ist. Dafür kann man ihn auch installieren, wenn man keine Admin-Rechte auf seinem Rechner hat - was für viele unserer Kunden sicher hilfreich ist, weil sie dann nicht unbedingt ihren User-Support bemühen müssen, um RSS zu nutzen.
In dieser Woche werden wir sicher auch noch den offiziellen Release bekannt geben - aber es ändert sich jetzt nichts mehr in dieser Version.
Sehr freue ich mich aber darauf, wenn wir uns jetzt an eine richtig tolle Idee machen, über die ich noch nicht reden kann - die aber eine Antwort auf die Fusion von FeedDemon und NewsGator sein wird. Unser ots.NewsReader wird einen anderen, überraschenden Weg gehen...
31.5.05
30.5.05
Auf zum Hamburger Dialog
Eines der Probleme, die der Hamburger Dialog im Reigen der Medienkongresse hat, ist sicher, dass er immer noch vor allem als Veranstaltung rund um Werbung wahrgenommen wird. Heute wieder im leider unumgänglichen einzigen Regionalblatt dieser Stadt. Dabei hat er dreieinhalb Themenstränge: Werbung, Publishing (womit der Medienmarkt gemeint ist), Corporate Communiaction (womit ein bestimmter Teil der PR gemeint ist und worin auch unser Blog-Panel heute um 15 Uhr stattfindet) und etwas am Rande die Hamburger Mediendebatte.
Dass wir auf einem der drei großen Medienkongresse also über Blogs und ihre Nutzung im Unternehmenskontext reden dürfen, freut mich. Noch mehr, dass es gelungen ist, wenigstens ein kleines bisschen die Diskussion schon in Blogs beginnen zu lassen, die ich mit meinen Thesen am Freitag für das Podium anstoßen wollte.
Weil blogspot.com, bei dem dieses Blog liegt, irgendwie immer noch keine Trackbacks zuläßt (*stöhn*), sei hier ein bisschen was dazu nachgetragen:
* Klaus Eck, der auf dem Podium sitzt und mit dem ich immer und immer wieder über das Für und Wider von Corporate Blogs diskutiere, antwortet schon am Freitag. Spannend sind auch die Kommentare, die er erntet - und die die Diskussion vorantreiben werden. Auch heute legt er noch mal nach und stellt die Frage, auf die ich tendenziell mit Nein antworten täte (nicht zuletzt mit der Begründung, die Klaus auch aus meiner Beratungspraxis in die kritischen Anfragen aufnimmt: Die Fallhöhe, die allzu hoch wird): Können Bosse Bloggen?
* Mario Sixtus wiederum bereichert das Gespräch mit einem feinen Beispiel für ein Corporate Blog (das von deli.icio.us) und einem gewohnt feinsinnigen Kommentar (keine Ironie meinerseits, muss man wohl dazusagen).
* Martin Röll wird auch auf dem Podium sitzen und weist freudiger Erwartung auf die Fragen hin.
* Im Corporate Blog von Contentmetrics macht sich jawereigentlich im Anschluss an Klaus' Posting Gedanken um Corporate Blogs. Obwohl eher gut geschrieben, illustriert doch allein schon der nur mit Recherche halbwegs wahrscheinlich erschließbare und also fehlende Autor eines der mich so skeptisch machenden und latent langweilenden Probleme.
Wir sehen uns im CCH, falls ihr da seid.
Dass wir auf einem der drei großen Medienkongresse also über Blogs und ihre Nutzung im Unternehmenskontext reden dürfen, freut mich. Noch mehr, dass es gelungen ist, wenigstens ein kleines bisschen die Diskussion schon in Blogs beginnen zu lassen, die ich mit meinen Thesen am Freitag für das Podium anstoßen wollte.
Weil blogspot.com, bei dem dieses Blog liegt, irgendwie immer noch keine Trackbacks zuläßt (*stöhn*), sei hier ein bisschen was dazu nachgetragen:
* Klaus Eck, der auf dem Podium sitzt und mit dem ich immer und immer wieder über das Für und Wider von Corporate Blogs diskutiere, antwortet schon am Freitag. Spannend sind auch die Kommentare, die er erntet - und die die Diskussion vorantreiben werden. Auch heute legt er noch mal nach und stellt die Frage, auf die ich tendenziell mit Nein antworten täte (nicht zuletzt mit der Begründung, die Klaus auch aus meiner Beratungspraxis in die kritischen Anfragen aufnimmt: Die Fallhöhe, die allzu hoch wird): Können Bosse Bloggen?
* Mario Sixtus wiederum bereichert das Gespräch mit einem feinen Beispiel für ein Corporate Blog (das von deli.icio.us) und einem gewohnt feinsinnigen Kommentar (keine Ironie meinerseits, muss man wohl dazusagen).
* Martin Röll wird auch auf dem Podium sitzen und weist freudiger Erwartung auf die Fragen hin.
* Im Corporate Blog von Contentmetrics macht sich jawereigentlich im Anschluss an Klaus' Posting Gedanken um Corporate Blogs. Obwohl eher gut geschrieben, illustriert doch allein schon der nur mit Recherche halbwegs wahrscheinlich erschließbare und also fehlende Autor eines der mich so skeptisch machenden und latent langweilenden Probleme.
Wir sehen uns im CCH, falls ihr da seid.
29.5.05
gegen den HSV
so was wie Sommer
27.5.05
Corporate Blogs? Och nö.
Wie Unternehmen und Medien ihre Konturen schärfen - so lautet das Motto des Hamburger Dialogs, der kommenden Montag und Dienstag im CCH statt findet. Dort darf ich, wie schon erwähnt, eine illustre Runde von Bloggern und Blogberatern moderieren. Das Thema Nicht blocken, sndern bloggen lassen ist ja lustigerweise in zwei Richtungen zu interpretieren, je nachdem wie das lassen gemeint ist - aktiv oder passiv...
Der eine Fall (offen zu sein, wenn jemand was bloggt) dürfte unstrittig sein. Den anderen Fall (da geht es dann um Corporate Blogging) möchte ich gerne kontrovers führen. Denn ich bin mehr als skeptisch, was diesen Bereich angeht.
Ein bisschen was mag durchschimmern in dem zickigen Kommentar, den ich eben bei Klaus Eck hinterlassen habe.
Meine Fragen und meine Anfragen sind in etwa so (und darüber werden wir sicher auch, nicht nur, diskutieren am Montag. Das ist ja das Nette daran, wenn ich selbst moderiere - wenigstens zum Teil kann ich es steuern. Obwohl die Zeit so knapp ist, dass das auch wieder nicht gesagt ist.):
* Wo sind sie, die spannenden Corporate Blogs? Wenn wir von Nischenfirmen und Freiberuflern einmal absehen? Immerhin sprechen wir zu einem Gutteil in einem Rahmen, der von Großunternehmen und Medienhäusern geprägt ist...
* Was sollen sie, die Corporate Blogs? Welche Kommunikationsziele lassen sich überhaupt damit verfolgen? Ich bin sehr skeptisch, dass Blogs wirklich zielgerichtet geführt werden können...
* Ist es nicht andersrum, die Sache mit dem Bloggen? Sei es Robert Scoble für Microsoft, Steve Rubel für CooperKatz oder - lokales Beispiel - Heiko Hebig für Six Apart - sie alle waren anerkannte Blogger, bevor sie Business-Blogger oder gar wie Scoble und Hebig als Blogger fürs Bloggen und andere Aufgaben eingekauft wurden. Wo aber ist der Blogger, der durch sein Bloggen für seine Firma als Stern aufgegangen ist? Das gilt noch nicht mal hier bei uns für Nico Lumma von Blogg.de, bei dem es in gewisser Weise parallel lief.
* Die besten Businessblogs sind Privatblogs von Mitarbeitern. Das ist meine Kernthese. Und wunderbar zusammengefasst von Christopher Abraham - ein Text, den ich übrigens immer den Teilnehmern meiner Seminare mit auf den Weg gebe. Wie ich jenseits von privaten Blogs jene Authentizität hinbekommen will, die aus meiner Sicht notwendig ist, um ein Blog zu führen (und nicht nur das Blog als einfaches CMS zu nehmen), finde ich spannend. Vielleicht habt ihr da ja Antworten drauf...
Wir könnten wahrscheinlich auch zwei Tage lang diskutieren. So aber werden wir es am Montag nur anreißen - immer mit dem Übermotto im Blick. Wir sehen uns.
Der eine Fall (offen zu sein, wenn jemand was bloggt) dürfte unstrittig sein. Den anderen Fall (da geht es dann um Corporate Blogging) möchte ich gerne kontrovers führen. Denn ich bin mehr als skeptisch, was diesen Bereich angeht.
Ein bisschen was mag durchschimmern in dem zickigen Kommentar, den ich eben bei Klaus Eck hinterlassen habe.
Meine Fragen und meine Anfragen sind in etwa so (und darüber werden wir sicher auch, nicht nur, diskutieren am Montag. Das ist ja das Nette daran, wenn ich selbst moderiere - wenigstens zum Teil kann ich es steuern. Obwohl die Zeit so knapp ist, dass das auch wieder nicht gesagt ist.):
* Wo sind sie, die spannenden Corporate Blogs? Wenn wir von Nischenfirmen und Freiberuflern einmal absehen? Immerhin sprechen wir zu einem Gutteil in einem Rahmen, der von Großunternehmen und Medienhäusern geprägt ist...
* Was sollen sie, die Corporate Blogs? Welche Kommunikationsziele lassen sich überhaupt damit verfolgen? Ich bin sehr skeptisch, dass Blogs wirklich zielgerichtet geführt werden können...
* Ist es nicht andersrum, die Sache mit dem Bloggen? Sei es Robert Scoble für Microsoft, Steve Rubel für CooperKatz oder - lokales Beispiel - Heiko Hebig für Six Apart - sie alle waren anerkannte Blogger, bevor sie Business-Blogger oder gar wie Scoble und Hebig als Blogger fürs Bloggen und andere Aufgaben eingekauft wurden. Wo aber ist der Blogger, der durch sein Bloggen für seine Firma als Stern aufgegangen ist? Das gilt noch nicht mal hier bei uns für Nico Lumma von Blogg.de, bei dem es in gewisser Weise parallel lief.
* Die besten Businessblogs sind Privatblogs von Mitarbeitern. Das ist meine Kernthese. Und wunderbar zusammengefasst von Christopher Abraham - ein Text, den ich übrigens immer den Teilnehmern meiner Seminare mit auf den Weg gebe. Wie ich jenseits von privaten Blogs jene Authentizität hinbekommen will, die aus meiner Sicht notwendig ist, um ein Blog zu führen (und nicht nur das Blog als einfaches CMS zu nehmen), finde ich spannend. Vielleicht habt ihr da ja Antworten drauf...
Wir könnten wahrscheinlich auch zwei Tage lang diskutieren. So aber werden wir es am Montag nur anreißen - immer mit dem Übermotto im Blick. Wir sehen uns.
26.5.05
Ja, eine Kündigung ist ein Ende
Die NRW-Grünen haben Recht, wenn sie die Berliner Koalition für beendet erklären (irgendwie noch nicht bei ihnen slebst online zu finden, naja). Wer nicht will, hat schon. Wenn die SPD sich abseilen will und wenn sie ohne Rücksicht und ohne echte Rücksprache mit dem Partner Neuwahlen postuliert, dann ist das eine Kündigung. Und das bedeutet, dass etwas zu Ende geht.
Heißt ja nicht, dass nach der Wahl keine Koalition möglich wäre. Aber sicher nicht noch mal so billig wie beim letzten Mal. Das sollte allen in Berlin handelnden Grünen zumindest eine Lehre aus den letzten drei Jahren sein. Irgendwie freue ich mich auf den Wahlkampf, auch wenn ich bei den anderen Parteien noch keine Inhalte erkennen kann, um die sie streiten wollen.
Heißt ja nicht, dass nach der Wahl keine Koalition möglich wäre. Aber sicher nicht noch mal so billig wie beim letzten Mal. Das sollte allen in Berlin handelnden Grünen zumindest eine Lehre aus den letzten drei Jahren sein. Irgendwie freue ich mich auf den Wahlkampf, auch wenn ich bei den anderen Parteien noch keine Inhalte erkennen kann, um die sie streiten wollen.
Lakritzliebe
Ich dachte immer, das wäre so ein Männerding, die Liebe zu extremem Lakritz. Nun stellt sich raus, dass Lila sie teilt. Als ich ihren Eintrag über das tolle Geburtstagsgeschenk las, hatte ich sofort dieses Bild vor mir. Eine der ältesten Urlaubserinnerungen:
Meine Eltern sitzen in Sesseln im Schein einer Kerze oder anderen Fuzel im dänischem Ferienhaus und wir Kinder tun so, als ob wir in unseren Zimmern schlafen. Sie sortieren Piratos, oder zählen sie oder machen irgendwas anderes geheimnisvolles damit. Jedenfalls hat jeder ein paar Stabel vor sich, beide sind über den niedrigen Tisch gebeugt. Auf dem Boden steht das Radio mit Europawelle Saar auf Mittelwelle.
Ich habe immer auch den einen oder anderen abbekommen. Damals konnte man die in Deutschland noch nicht kaufen. Und auch heute sind die angeblich so scharfen Piratos noch Meilen entfernt von den richtigen, den Super-Piratos. Aber auch die sind nur der Notnagel, die Ersatzdroge. Lakritz muss so salzig sein, dass es einem die Fußnägel aufrollt. So ist das.
Meine Eltern sitzen in Sesseln im Schein einer Kerze oder anderen Fuzel im dänischem Ferienhaus und wir Kinder tun so, als ob wir in unseren Zimmern schlafen. Sie sortieren Piratos, oder zählen sie oder machen irgendwas anderes geheimnisvolles damit. Jedenfalls hat jeder ein paar Stabel vor sich, beide sind über den niedrigen Tisch gebeugt. Auf dem Boden steht das Radio mit Europawelle Saar auf Mittelwelle.
Ich habe immer auch den einen oder anderen abbekommen. Damals konnte man die in Deutschland noch nicht kaufen. Und auch heute sind die angeblich so scharfen Piratos noch Meilen entfernt von den richtigen, den Super-Piratos. Aber auch die sind nur der Notnagel, die Ersatzdroge. Lakritz muss so salzig sein, dass es einem die Fußnägel aufrollt. So ist das.
Das ist doch nett von der Frau Merkel
Eigentlich brauchte Merkel doch gar nichts zu tun. Irgendwie würde ihr der Wahlsieg wahrscheinlich dann in den Schoß fallen, wenn es ihr gelingt, die pubertären Wähler nicht zu verschrecken, die nicht merken, dass das, was sie an Schröder nicht mögen, bei ihr noch schlimmer würde. Naja.
Insofern ist es sehr freundlich von ihr, dass sie wenigstens uns Grünen immer wieder Vorlagen liefert, indem sie sich zu Themen äußert, die nicht nur uns wichtig sind, sondern auch vielen anderen Menschen. Kann man dann gut drauf reagieren, wenn sie voll auf Atomkraft setzt. Fein.
Insofern ist es sehr freundlich von ihr, dass sie wenigstens uns Grünen immer wieder Vorlagen liefert, indem sie sich zu Themen äußert, die nicht nur uns wichtig sind, sondern auch vielen anderen Menschen. Kann man dann gut drauf reagieren, wenn sie voll auf Atomkraft setzt. Fein.
25.5.05
Sterben einer Epoche
Erst gestern auf dem Rückweg erfuhr ich aus der Zeit, dass schon letzten Freitag Paul Ricoeur gestorben war. Ein weiterer Großphilosoph des letzten Jahrhunderts ist tot, vielleicht des letzte seiner Epoche. Einer jedenfalls, zu dem ich immer recht leicht Zugang gefunden habe. Vielleicht, weil er einen ethischen Ansatz hatte?
Jedenfalls war Ricoeur einer der sehr, sehr spannenden Denker Europas - auch wenn er die meisten seiner wichtigen Werke in den USA verfasst hat (was ja nicht untypisch ist), nachdem er von den Modephilosophien verdrängt oder vertrieben worden war. Irgendwie gehört er zu den Phänomenologen, recht deutlich in die Heidegger-Nachfolge, auch wenn er sehr über ihn hinaus geht und eine ethische Klarheit gewann, die Heidegger und die meisten seiner deutschen Epigonen nicht hatten (weshalb sie für radikalkonservative und später auch faschistische Konzepte anfällig wurden oder ihnen erlagen). Ricoeurs Betonung der Sprache und des Sprechens zusammen mit dem ethischen Ansatz des Anderen, der uns Aufgabe und Anruf ist und unser Selbst wesentlich konstituiert (was in Deutschland manchmal falsch und billig mit Altruismus verwechselt worden ist), haben mein theologischen und ethisches Denken und Arbeiten geprägt.
Was mich an Ricoeur, dem Protestanten, und dann vor allem an Emanuel Levinas, dem Juden, fasziniert hat und fasziniert, ist zum einen die ruhige und tiefe Religiosität, die nie thetisch daher kommt; und zum anderen, dass ihr Denken und auch Handeln quer zu klassischen politischen Entwürfen lag. Manche haben sie des Konservatismus geziehen. Mir scheint, dass eine solche Schublade ihnen selbst in der revolutionären Zeit um 1970 nicht gerecht wurde.
Jedenfalls war Ricoeur einer der sehr, sehr spannenden Denker Europas - auch wenn er die meisten seiner wichtigen Werke in den USA verfasst hat (was ja nicht untypisch ist), nachdem er von den Modephilosophien verdrängt oder vertrieben worden war. Irgendwie gehört er zu den Phänomenologen, recht deutlich in die Heidegger-Nachfolge, auch wenn er sehr über ihn hinaus geht und eine ethische Klarheit gewann, die Heidegger und die meisten seiner deutschen Epigonen nicht hatten (weshalb sie für radikalkonservative und später auch faschistische Konzepte anfällig wurden oder ihnen erlagen). Ricoeurs Betonung der Sprache und des Sprechens zusammen mit dem ethischen Ansatz des Anderen, der uns Aufgabe und Anruf ist und unser Selbst wesentlich konstituiert (was in Deutschland manchmal falsch und billig mit Altruismus verwechselt worden ist), haben mein theologischen und ethisches Denken und Arbeiten geprägt.
Was mich an Ricoeur, dem Protestanten, und dann vor allem an Emanuel Levinas, dem Juden, fasziniert hat und fasziniert, ist zum einen die ruhige und tiefe Religiosität, die nie thetisch daher kommt; und zum anderen, dass ihr Denken und auch Handeln quer zu klassischen politischen Entwürfen lag. Manche haben sie des Konservatismus geziehen. Mir scheint, dass eine solche Schublade ihnen selbst in der revolutionären Zeit um 1970 nicht gerecht wurde.
Freak? Spinner? Träumer?
Irgendwie habe ich immer an Oskar gehangen. In meiner Juso-Zeit war er einer der spannenden Rebellen, der gegen die Verkrustungen löckte. Legendär sein Sekundärtugenden-Ausfall gegen Helmut Schmidt. Später dann, als ich schon zwischen allen Stühlen saß als undogmatischer Linker, war er der Modernisierer mit Kritik an unbeweglichen Gewerkschaften. Als ich dann eher orthodoxer Marxist war und immer noch in der SPD war er so ziemlich der Einzige von den Enkeln, den ich ernst nehmen konnte - trotz seiner Weigerung, nach der verlorenen Wahl den Parteivorsitz zu übernehmen. Ich trat dann bald aus, als die Partei unter Engholm, den ich doch so mochte, in der Asylfrage umgekippt war.
Seine Mannheimer Rede und sein Sieg haben mich dann elektrisiert. Ich bin sogar wieder in die Partei eingetreten! OK, er war nie so richtig der tiefe Theoretiker. Aber obwohl selbst recht gut in der Theorie geschult, war ich doch schon immer boulevard genug, um das zu verschmerzen. Ohne Oskar hätte ich auch 98 die SPD nie gewählt, den Schröder mochte ich noch nie. Er hat noch nie für irgendwas gestanden - es lohnt sich, mit Leuten zu sprechen, die ihn schon als Juso kannten...
Sein Abgang, seine Fahnenflucht, hat mich verletzt. Und ich nehme es ihm immer noch übel. Dennoch kann und werde ich auch ihm nicht einfach nur niedere Motive unterstellen. Vielleicht diskutiere ich deshalb auch in dieser Frage mit Björn, der es unter dem Thema Freakshow abhandelt.
Die Zeit mag reif sein für eine USPD - wenn die grundkonservativen Konzepte der alten Linken und der Mehrheits-Sozis nicht an sich überholt wären. Aber ich bin ja nun auch schon lange nicht mehr bei denen dabei...
Seine Mannheimer Rede und sein Sieg haben mich dann elektrisiert. Ich bin sogar wieder in die Partei eingetreten! OK, er war nie so richtig der tiefe Theoretiker. Aber obwohl selbst recht gut in der Theorie geschult, war ich doch schon immer boulevard genug, um das zu verschmerzen. Ohne Oskar hätte ich auch 98 die SPD nie gewählt, den Schröder mochte ich noch nie. Er hat noch nie für irgendwas gestanden - es lohnt sich, mit Leuten zu sprechen, die ihn schon als Juso kannten...
Sein Abgang, seine Fahnenflucht, hat mich verletzt. Und ich nehme es ihm immer noch übel. Dennoch kann und werde ich auch ihm nicht einfach nur niedere Motive unterstellen. Vielleicht diskutiere ich deshalb auch in dieser Frage mit Björn, der es unter dem Thema Freakshow abhandelt.
Die Zeit mag reif sein für eine USPD - wenn die grundkonservativen Konzepte der alten Linken und der Mehrheits-Sozis nicht an sich überholt wären. Aber ich bin ja nun auch schon lange nicht mehr bei denen dabei...
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