27.12.04

Essen

Heute (zumindest bis wir mit den Kindern vor der Oper Essen gehen) ist bei mir erstmal ein Safttag angesagt. Nach ein paar Tagen Völlerei sicher sinnvoll: Heiligabend gab es wie immer Würstchen mit Kartoffelsalat (nicht mit Mayonaise, sondern ganz schlicht mit Essig, Öl und Schnittlauch) und russische Eier. Die Kinder wollten lieber Nudelsalat, also gabs den noch dazu (machen wir viel zu selten; wunderbar mit saurer Sahne, Paprika, Käse und so weiter).
Gestern ein Buffett vom Italiener.

Höhepunkt aber war wie jedes Jahr der erste Weihnachtstag: Dieses Mal eine entbeinte Keule vom Damwild aus dem Duvenstedter Brook - superlecker und sehr, sehr zart. Ist mehr dran als an Rotwild. Die Roquefort-Sauce war einen Tick zu süß vielleicht, aber wie immer dennoch phantastisch. dazu Feldsalat und Spätzle.

Neben dem gemeinsamen Singen ist das Essen für alle das größte Erlebnis an Weihnachten. Und zumindest die beiden Großen sind nun alt genug, es bis zu einem gewissen Grade auch mitzuzelebrieren.

23.12.04

Ausblick

Allmählich häufen sich die mehr oder weniger qualifizierten Jahrsausblicke.
Hübsch finde ich den hier:
2005 will be the Year of the Corporate Blog - zumal ich ja auch zu denen gehöre, die gerade jemanden davon zu überzeugen suchen, eines zu starten...

Schwerpunkt des Postings sind interne Blogs zum Wissenstransfer, aber diese Einschätzung trifft es irgendwie:
With organizations, all this is following a similar pattern in many ways to what happend when people first started seeing websites as the way to connect with diverse audiences. That was 10 yaers ago

Wir können auch anders

Anders als Jamba letzte Woche, was doch etwas ungelenk war, hat (wenn auch von einer ungleich günstigeren Ausgangslage aus, da die Kritik an Jamba sachlich ja kaum zu entkräften ist) hat das Unternehmen TECHNIKdirekt auf massive Kritik reagiert - angestoßen und dann auch im Abschluss gut dokumentiert im Schockwellenreiter: Zügig, klar, ehrlich nachfragend.

via Sven Scholz

22.12.04

Das will ich haben!



Ein DVD-Rewinder!
Genial!
Praktisch!
Hier zu kaufen

via zeitwissen:log

Israel

In allen Fragen, die Israel betreffen, kommt mein prinzipieller Pazifismus massiv ins Wanken - und das war schon immer so. Besonders in der Dekade zwischen Mitte der Achtziger und Mitte der Neunziger, als ich in der christlichen Linksradikalen aktiv war, hat mich das dauernd zwischen alle Stühle gebracht. Nie verstehen konnte ich beispielsweise diese Palästinenser-Besoffenheit, die auch und gerade in linken kirchlichen Gruppen Platz griff und teils noch greift. Auch in den wildestens Imperialismus-Debatten Israel sofort mit Südafrika, Chile und den USA gleichzusetzen, konnte ich nie wirklich nachvollziehen (trotz aller Kritik am konkreten Vorgehen vieler israelischer Regierungen.

Sehr spannend deshalb die beiden Einträge von Lila von gestern: Der Blick aus Israel auf Europa samt einigen interessanten Kommentaren und die Empörung über orange Davidsterne von Siedlern vor der Räumung.

Was mir sofort einleuchtet (und was ich beispielsweise aus Lebensrechtdebatten von der Struktur gut kenne), ist die Wut auf gut gemeinte Äußerungen wie Wir stehen zur Existenzberechtigung Israels. in der Tat: Sie ist ekliger und arroganter Bullshit, denn mit so einer Formulierung wird ja gerade diese Existenz als nicht selbstverständlich dargestellt und implizit der Zweifel für denkbar und berechtigt erklärt...

21.12.04

Nanu?

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet einem Kommentar von Stefan Baron, dem mir sonst so unterträglichen, stimme ich nickend zu, während ihn jemand mit Entrüstung vorliest. Er schließt:
Das muss nicht das Zurück in eine vor-säkuläre Zeit bedeuten, in der der Glaube die Regeln des Zusammenlebens bestimmte. Es kündigt aber das Entstehen einer ?post-säkularen Gesellschaft? an, wie Jürgen Habermas sie nennt, einer Gesellschaft, in der Glauben als wichtige, vielleicht überlebenswichtige Voraussetzung eines Moralgerüsts für den Einzelnen und eines Zusammengehörigkeitsgefühls für die Gemeinschaft neue Anerkennung findet.

Eben!

EDIT: In dem Moment kommt die Zeit dieser Woche auf meinen Tisch. Und hat, klar zu dieser Jahreszeit, auch das Thema. Der Leitartikel von Bernd Ulrich ist überschrieben mitZumutungen des Glaubens und kommt, nachdem er die Alternativen die ziemlich aufgeklärte Religiosität stärken und Säkularisierung weiter vorantreiben verworfen hat, zu der Einschätzung:
Die Frage lautet also nicht: Wie reagieren wir religionspolitisch auf das Vorrücken der Religion? Sondern: In welchem Zustand trifft es uns an, wie sind wir gestimmt? Seit den achtziger Jahren erleben die Deutschen eine schleichende, aber folgenreiche Wende - die vom Nicht-mehr-glauben-Wollen zum Wieder-glauben-Wollen (aber oft nicht mehr können).

20.12.04

Airbus II

Das Kesseltreiben gegen die Kirchengemeinde in Neuenfelde durch das Hamburger Medienmonopol ist ja schon seit Monaten grotesk und aus meiner Sicht ekelhaft. Neulich habe ich dazu ja schon meinen Brief an die Bischöfin hier reingestellt.
Dass ich darauf keine Antwort bekam, nicht mal in aller Kürze oder als Formbrief oder so, ist mal wieder typisch für sie und ihr Büro und sei nur am Rande erwähnt. Dazu das Nötige zu sagen, geht aus Gründen der Höflichkeit nur mündlich.

Was mich in den letzten Monaten besonders geärgert hat: Wenn die Bild Menschen aus dem Kirchenvorstand wie auf Fahndungsplakaten darstellt und zwischen den Zeilen im Grunde für vogelfrei erklärt - und die Assistenzblätter des Verlages nur wenig kaschiert mitmachen. Wenn eine ja überaus umstrittene Monokausalität von Landebahn und Arbeitsplätzen konstruiert wird - und jedes Niveau aus der Diskussion verbannt. Wenn die Politik völlig überflüssigerweise gutsherrliche Positionen bezieht, von denen sie nicht mehr runter könnte, ohne ihr Gesicht zu verlieren - selbst wenn sie erkennen täten, dass sie meines Erachtens absurd und zu kurz gedacht sind.

Darum hier die sehr differenzierte und ziemlich sachliche Stellungnahme der Kirchengemeinde (PDF, 32kB) zu ihrem Verhalten in der Landebahn-Frage.

Die Riesin

Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir Lust hatten auf ein Puschentheater in feinster Ghetto-Randlange im Osten von Lübeck. Aber das, was sie in der tribüHne (abgesehen vom inzwischen reichlich albernen großen H im Namen) geboten haben, war wirklich schön:

Die Riesin hieß das Stück über eine riesengroße Frau, die zurückgezogen im Wald lebt, und den Förster, der sich neben ihr sein Haus baut. Klar, dass die beiden sich in einander verlieben und das, obwohl alle anderen Leute so viel Angst vor so einer großen Riesin haben. Der Förster findet genau das toll. Und nachdem sie sich lange geschämt hat, sich ihm ihm in ihrer ganzen Größe zu zeigen, geht alles doch noch gut aus.

Für uns Erwachsene vielleicht ein bisschen zu deutlich das Thema auch wer anders ist, kann geliebt werden und ist irgendwie auch klasse - für die Kinder kam es aber ganz ohne pädagogischen Unterton rüber. Unsere drei, die beiden meiner Schwester und der Patchwork-Enkel waren jedenfalls sehr dabei und ganz begeistert. Sogar mein Jüngster hat einmal laut Ja gerufen, als die Riesin fragte, ob der Rock schön sei, den sie für den Förster anziehen wollte.

Theater so zum Anfassen wie in Laienbühnen (nur mit vieeel weniger Zuschauern) - aber in Profi-Qualität. Das ist toll und lohnt sich. So wie danach noch kurz der Lübecker Weihnachtsmarkt...

17.12.04

Wilde Kerle

Ich bin Joachim Masannek ja soooo dankbar für die Wilden (Fußball-) Kerle. Seine Motivation, sie zu schreiben ist unsere Motivation, sie zu kaufen: Endlich eine Bücher-Serie für Jungs. Und was für eine. Die beiden Großen verschlingen sie.

Gestern hab ich sie dann mitgenommen in die Pressevorführung des zweiten Wilde-Kerle-Films. Er kommt am 17.2. in die Kinos und ist einfach toll. OK, die Kinder spielen manchmal etwas holperig, wie Kinder nun mal sind. Aber selbst, dass Liebe und Küssen vorkommt (ibäh) haben meine Jungs dem Film verziehen, weil er einfach Spaß macht. Ich selbst hab ja, das gebe ich zu, bisher weder eines der Bücher gelesen noch den ersten Film gesehen. Aber das werde ich wohl nachholen müssen...

Die Geschichte ist im Grunde ganz einfach: Das einzige Mädchen der Fußballtruppe (das gleichzeitig der wildeste der Kerle ist) verliebt sich in den Anführer einer supercoolen Skatergang. Und selbst wenn der sich so mariniert bewegt wie Johnny Depp als Pirat - die Kinder im Kino, Mädchen und Jungs, fanden ihn wirklich cool. Lustig. Jedenfalls müssen die anderen Kerle Vanessa jetzt zurück gewinnen, um schließlich gegen die Nationalmannschaft (die echte) spielen zu dürfen.

Alles dabei: Es ist spannend, lustig und (wie mein Mittlerer meinte) "liebisch". Werden wir im Frühjahr nochmal ansehen. Bestimmt.

16.12.04

Afterfach

So wie für manche angehende Lehrer die Pädagogik angeblich eine Afterwissenschaft ist, so schon immer Philosophie oder gar Ethik (igitt) für viele Wirtschafts"wissenschaftler". Willkürlich rausgepickt von Don Alphonso ein wohlhabendes Hühnchen aus seiner Heimat, das lieber surft als tiefschürft.

Weit weg von der Verachtung des Wohlstandes an sich, kommt mir doch manches hoch, wenn ich sehe, wie unachtsam viele verwöhnte Kinder mit den Gaben umgehen, die ihnen geschenkt werden. Pfui, auch wenn es schon immer so war, auch zu meiner Zeit (Oh Gott, klinge ich alt).

Mein Verdacht ist ja, dass Haltungsturnen deshalb auf absehbare Zeit etwas ist, was für diejenigen, die eben damals die Ethikkurse versurft oder verschlafen haben, nötig und möglich wird. Ruft mich einfach an!

Lustig: Wann kommt es schon mal vor, dass ich donalphons voll zustimme - so wie in seinen Kommentaren hier und hier.