16.11.04

Gute PR?

Das war mehr oder weniger gute PR - und alle, aber auch alle Medien haben mitgespielt.
Jeder weiß, dass der Murks, den Merkel und Stoiber vorgestellt haben und den sie Gesundheitsreform oder so nennen, niemals durchgesetzt, sondern da landen wird, wo er hingehört: Im Papierkorb der Ideengeschichte. Keine Verbündeten, kein Konzept, keine Argumente.

Feine E-Card meiner Partei:
(Mit der ich den Tag über haderte, nachdem Ströbele mal wieder Murks von sich gab, bis ich las, dass er von Göring-Eckardt zurück gepfiffen wurde. Meine Zeitung hatte vorher natürlich noch behauptet, dass Trittin ihm zugestimmt hätte. Amateure. Schnaub.)

15.11.04

btw

Im Grunde ein spontaner Nachtrag zur epidemischen Taschenkontrolle (beispielsweise oder auch oder so) Ende Oktober:

Woran man verheiratete Männer eindeutig von Singles unterscheiden kann?
Jedenfalls sofern sie Heten sind, für die anderen ist mir die mir zugängliche Kontrollgruppe zu klein für eine klare Aussage. Und Vorsicht: In unserem Alter gibt es ja eine Reihe von Männern die sowohl verheiratet als auch Singles sind. Auf die kann beides zutreffen, je nach Aufteilung des ehemaligen Hausstandes.
Die einen haben ihr Frühstück in so hübschen, praktischen und spießigen Dosen wie diesen niedlichen Mini-Twins dabei:



Die anderen ganz schnöde in Tüten oder sogar (horribile dictu) gar keins!

Klar

Kaum haben sie den letzten Laden in Deutschland zugemacht, bringt GAP eine Jacke mit eingebautem Radio auf den Markt. Schön ist doch das Bedienfeld, das völlig unpraktisch am Ellenbogen angebracht ist. Würde also bei meinen Jungs nicht lange halten. Ob ich die Kopfhörer in der Kapuze dezent nennen würde, muss ich noch mal überlegen:



via Janko Röttgers

14.11.04

Ehrenamt

Wenn ich ehrlich bin, war ich ja sogar ein bisschen enttäuscht, dass mich so lange niemand gefragt hat, ob ich in den Kirchenvorstand zu gehen bereit bin, nachdem wir nun schon dreieinhalb Monate hier leben. Dabei hätte ich sogar nicht mal zugesagt, weil es zurzeit einfach keinen Spaß macht (zumal man kaum noch etwas entscheiden darf, vom Geld mal ganz zu schweigen, das den Gemeinden ausgeht). Das war aber wohl auch schon durchgesickert.

Ebenso wie das Angebot, mich mit dem, was ich kann, zu engagieren: Also irgendwas rund um Öffentlichkeitsarbeit. Das werde ich tun. Der Pastorin, die möchte, dass ich das von ihr übernehme, ist es jedenfalls nicht gelungen, mir einen so großen Schrecken einzujagen, dass ich es lasse. Obwohl sie sich redlich Mühe gegeben hat und mich also nicht im Unklaren ließ darüber, wie mühsam es wird. Aber da sie wirklich und für ihren Beruf ungewöhnlich viel von Öffentlichkeitsarbeit versteht und viele gute Grundlagen gelegt hat, werde ich es versuchen. Und freu mich sogar darauf, zumal es meinen Ideen von Mission nahe kommt und nicht "nur" um den Gemeindebrief und so etwas wie Pressesprechung geht.

Dann wird es wohl bald die erste evangelische Gemeinde mit eigenem Blog geben. Hihi.

13.11.04

Essen als Parabel

Essen sagt mehr über fast alles aus. Gestern nach einem weiteren Mal Chocolat hab ich mich gefragt, was eigentlich das Besondere an diesem Film ist - darüber hinaus, dass er toll ist und Spaß macht und dass Johnny Depp mitspielt. Vielleicht ist es dieser ewige Kampf zwischen dem Bigotten und der Zügellosigkeit, die beide irgendwie falsch sind.

Und heute dann war nicht nur die Kaltmamsell Martinsgans essen, sondern wie jedes Jahr haben auch meine Schwiegereltern zur Gans geladen. Dieses Jahr ganz schlicht eine Dithmarscher Gans mit Salz, Pfeffer, nur leicht gespickt mit Apfel und wasweißich und dann sechs Stunden niedrig gegart. Grandios. Und dass B die nächsten Monate wieder fährt, ohne dass wir uns darüber einigen müssen, freut besonders angesichts eines leichten Dornfelders.

Es ist diese Tradition, die so viel mit dem Leben zu tun hat. Die Tradition an sich. Obwohl ich sie erst durch B kennen gelernt habe (denn wir Heiden im Norden haben die ja so nicht), möchte ich sie nicht missen. Wie alle Traditionen, in die ich mich bewusst stelle, geben sie dem Leben Struktur und Berechenbarkeit. So wie die Weckmänner, die man hier nicht beim Bäcker kaufen kann, sondern bei bofrost bestellen muss oder selbst machen...

12.11.04

Perfekt nun

Harald Schmidt kommt also wirklich zurück auf den Bildschirm. Endlich wieder eine gute Politiksendung in der ARD. Man sei sich heute einig geworden, schreibt die ARD.

Und noch eine gute Nachricht in dem Zusammenhang: Jobst Plog wird in der Meldung zitiert mit
Wir werden Schmidt durch Einsparungen vor allem bei Sportrechten finanzieren.

Fein.

Sein

Zwei wunderbare Antworten heute gelesen (von einem interessanten Menschen, der oft das ausspricht, was ich nicht präzise genug denke) auf beknackte Fragen. Ich schließe mich dem an und stimme zu.

Was heisst fuer dich Deutsch sein?

In Kurzform: eine Form der Nachdenklichkeit pflegen, die sich aus einer grossen demokratischen, geisteswissenschaftlichen Tradition unter Beruecksichtigung der feudalstaatlichen und totalitaeren Vergangenheit zugleich ergibt. Ich waere gerne so deutsch wie Adorno...

Was heisst fuer dich Amerikanisch sein?

In Kurzform: Sich gelassen einen pragmatischen Idealismus folgend in gemeindeaehnlichen Strkturen tummeln. Zu wissen, dass man nicht genau wissen muss, was "das Gute" ist, um Gutes zu tun bzw. sich darauf zu berufen.

PR als Service

Im Kern geht es aus meiner Sicht um die Frage nach der Professionalität von PR, was ich mit Thomas Pleil im PR-Blogger diskutiere. Sicher: Wissenschafts- und Innovations-PR ist kein leichtes Pflaster. Aber dennoch sollten auch dort rudimentäre Servicegedanken Einzug halten können, oder?

Statistik und Bedrohung

Hübsches Beispiel von Alarmismus durch Nicht-Lesen von Statistik bzw. deren wahrscheinlich sogar einfach nur aus Unvermögen passierte Missinterpretation bringt gestern das Bildblog: Erdbeben, die nicht zunehmen. Allerdings ist das nicht typisch Bild, sondern typisch für ignoranten Journalismus und dessen dann noch verkürztes Konsumieren, wie er in zig Fällen vorkommt (und wie er in vielen Beispielen - mit dem Schwerpunkt auf mangelnde Komplexität - in Dietrich Dörners Logik des Misslingens belegt wird).

Ähnlich ist es mit der real abnehmenden Gewalt (und ebenso abnehmenden Gewaltverbrechen) gegen Kinder, über die aber mehr berichtet wird, wodurch es auf viele wirkt, als nähme sie zu. Oder mit den Märchen über die angeblichen enormen Verwaltungskosten unserer Sozialsysteme - die zwar in der Tat zunehmen, aber weit weniger als die Verwaltungs- und Marketingkosten beispielsweise von Lebensversicherungen oder anderen kaptialdeckenden Altersvorsorgen. Oder mit der geschichtsklitternden Idee von einer Gegenwart, in der alles radikal neu und nie dagewesen sei.

Kann man beklagen - aber wahrscheinlich muss man bis zu einem gewissen Grade damit leben. Auch damit, dass das subjektive Bedrohungsgefühl in der Regel sich umgekehrt proportional verhält zur realen Wahrscheinlichkeit, Opfer von was auch immer zu werden...

11.11.04

Wertebestimmung

Nachdem sich der westliche Liberalismus allmählich vom Schock des zweiten November erholt, nehme ich zwei Reaktionsvarianten wahr: Auf der einen Seite die Fassungs- und Verständnislosigkeit für das, was da passiert ist. Und auf der anderen das ernsthafte Nachdenken, was es bedeuten kann. Religion spielt dabei eine Rolle. Das finde ich gut, denn es ist sicher ein besserer Schlüssel als anzunehmen, dass Korruption für Amerikaner ok sei.

In der aktuellen Zeit stellt Bernd Ulrich die richtigen Fragen - und nicht nur das: Er bezieht auch die eine oder andere Position. Vor allem den Verächtern der Religion schreibt er doch recht deutlich ins Stammbuch, was er von dem in historischer Perspektive geradezu marginalen Pseudotrend der Entreligionisierung hält:

Die wichtigsten geistigen Kämpfe unserer Zeit finden nicht zwischen Atheismus und Religion, sondern zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen statt. Wenn Europa hier eine wichtige Rolle spielen will, dann muss es sein liberales Christentum pflegen und seinen Beitrag zu einer Demokratisierung des Islam leisten. Insofern war die Ablehnung Buttigliones ein zwiespältiges, der Verzicht auf den Gottesbezug in der EU-Verfassung ein historisch falsches Signal.

Das ist auch deshalb spannend, weil schon letzte Woche für mich zunächst überraschend und dann aber in der Konsequenz überzeugend in der Zeit die Buttiglione-Entscheidung massiv kritisiert wurde (Artikel von Jan Ross leider nicht online) - als im Grunde ähnlich fundamentalistisch wie der Bushismus, weil Religion politisiert wird. Diese Nachdenklichkeit ist in einer liberalen Zeitung ja eher überraschend. Passt aber andererseits in die geschickte Positionierung der Zeit in der neuen nachdenklichen Bürgerlichkeit, wie sie beispielsweise Heinz Bude latent irritiert feststellt.

Ähnliches Nachdenken zieht sich durch viele Artikel diese Woche. Ob Thomas Kleine-Brockhoff, den ich immer gerne lese, über die Debatte bei den Demokraten schreibt, im Feuilleton Jörg Lau nicht online verfügbar beschreibt Wie amerikanische Intellektuelle Bushs Sieg interpretieren oder auf der selben Seite der US-Soziologe Mike Davis das Lebensgefühl beschreibt, das uns sicher teilweise fremd ist (obwohl ich mich allem Amusement zum Trotz auch nicht durch den Sex and the City-Lebensstil angesprochen fühle). Irgendwie trifft die Grundrichtung der Zeit zurzeit mein Denken und Fühlen.