30.11.04

Zeit online

Also ein Relaunch für Zeit-online. Erster Eindruck: Nicht hilfreich.
Im Medienrauschen eine Diskussion darüber und mehr Einschätzungen.

fernsehn

Ich glaube, wir haben seit Jahren nicht mehr so viel fern gesehen wie in den letzten Tagen. Warum, weiß ich auch nicht so recht. Am Programm, das immer schlechter wird, kann es eigentlich nicht liegen (nein, das hier wird jetzt kein Kulturpessimismus). Aber dann bleiben wir irgendwie hängen oder suchen uns sogar bewusst so Retrokram raus:

* Am Wochenende im Zweiten (!) 50 Jahre Rock, Love Songs mit einem Gottschalk, dem man anmerkt, dass es ihm Spaß macht;
* oder die Landpartie (ja, wirklich, ich schäme mich nicht mal dafür), wo eine nette jüngere Frau mit dem Fahrrad durch Norddeutschland fährt und Kleinigkeiten entdeckt - bester Heimatfunk;
* oder gestern endlich mal das Best of Formel Eins - wobei das doppelt entschuldbar ist, weil wir ja immerhin beide mit Formel Eins aufgewachsen sind. Mein Gott, das war die erste Sendung nach der Sesamstraße und vor den Anfängen von MTV, die wirklich gut war.

Dass wir dann noch beim Retroquiz mit Karl Dall hängen blieben, wollte ich eigentlich verschweigen, aber irgendwas richtig doofes macht jeder ja mal...

29.11.04

Hochbetonik

Dafür könnte ich sie mal wieder küssen: Hochbetonik! Was für ein Wort, das die Kaltmamsell da prägt (oder vor Äonen geprägt hat, wie sich dann rausstellte).

Und fein, dass es noch andere gibt, die meine leicht abseitige Vorliebe für gute Architektur teilen. Und für das, was im Angelsächsischen als brutal style gehandelt wird...

btw: Warum muss mich eigentlich immer jede Grippe (oder was immer das jetzt sein mag) erwischen?

26.11.04

Toleranz endet mit z

Es ist schon spannend: Ganz neue Diskussionen um Liberalität und Toleranz. Und über (islamische) Parallelgesellschaften. Neulich beispielsweise sehr einig mit welchen aus einer anderen Parallelgesellschaft, die ja für viele Moslems und etliche Christen ein besonderes Problem darstellt oder vielmehr ein Zeichen für den dekandenten Verfall unserer Gesellschaft ist: die Schwulen.

Mich treibt das Thema vor allem deshalb so sehr um, weil es nicht nur die Grundfesten unseres Landes (als Gesellschaft) berührt, sondern insbesondere auch spannungsreich zu meinen Werten steht: Dem Verständnis für tiefe Religiosität einerseits. Und der Unaufgebbarkeit einer radikalen Liberalität andererseits. Jens Jessen hat dazu als Leitartikel für die Zeit der letzten Woche, den ich erst jetzt zu lesen geschafft habe, nochmal eindringlich an das z von Toleranz erinnert. Wichtige Anstöße.

In jener Ausgabe der Zeit einige Artikel, die dieses Thema ganz unterschiedlich beleuchten. Vor allem im Dossier, wo Leon de Winter das, was er vor einiger Zeit im Cicero schrob, noch mal ausführlich und differenzierter ausführt: Dass und warum es ein grundsätzliches Problem des beduinisch geprägten Islams in unseren liberalen Gesellschaften gibt. Diesmal geht er nicht auf sein Feind-Thema ein, sondern betrachtet sehr hellsichtig die Deformationen, die eine Schamkultur mit ihrem absurden Ehrbegriff selbst für die dritte Einwanderergeneration haben kann und hat.

Lesen!

25.11.04

Starkdeutsch. Heute: Verben

Über die aktuelle Zwiebelfisch-Kolumne (erst vor vier Tagen erfuhr ich, wer das ist und dass ich ihn seit Jahren kenne. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Obwohl es schon auch zu ihm passt) bin ich auf die Gesellschaft zur Stärkung der Verben gestoßen. Vor allem die sehr konkrete Liste der Verben, die zu stärken man sich vorgenommen hat, ist wundervoll. Neben so logischen Beugungen wie bilden, bald gebolden gibt es auch sehr abenteurliche Vorschläge wie antworten, wurt ant, antgewurten.

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hübsche Idee

Ein elektronischer Adventskalender. Entweder zum Selberbasteln, so richtig mit eigenen Fotos und Sprüchen und Überraschungen. Oder von der Stange. Jedenfalls kommt dann (hoffentlich) jeden Morgen vom ersten Dezember bis Heiligabend eine Mail mit einem "Türchen". Das ganze von den Seiten der Aktion Advent ist im Dezember. Mach ich.

Nie und nimmerwohl doch*

war es 1987, was Don Alphons beschreibt aus seiner Zeit als Ingolstädter Gymnasiast aus gutem Hause. Aber ja, diese ungebremste Dekadenz, diese wunderbare pubertäre Hybris von uns epigonalen Nichtmehrganzpoppern (unter denen ich karft meiner Herkunft geduldet, dank meines damaligen intensiven Marxstudiums, der Überzeugung, Kommunist sein zu müssen, und der insofern wohl unvermeidlichen Attitüde des überlegenen Intellekts aber doch nicht angenommen war) trifft er. Was haben wir für schöne Stunden mit Tempo verbracht, so lange, bis wir dann so erwachsen waren, dass wir lieber zu Zadek ins Schauspielhaus mussten.
Echt: So was wie Neon wäre für uns Trendsetter undenkbar gewesen. Kindisch. Ibäbäh.
Vielleicht ist es deshalb auch konsequent, wenn wir dann irgendwann froh waren, 30 zu werden und offiziell als Erwachsene anerkannt zu sein. Mitsamt der Doppelhaushälfte, den zwei Kindern und der wunderbaren Frau. Und die von uns, die er geschafft haben - und darunter auch einige Startupper der New Economy, diesem letzten Aufstand der Popper - haben von all dem dann ein bisschen mehr.

* wer hätte gedacht, dass Tempo erst 1986 auf den Markt kam? Langsam werde ich alt, scheint mir

24.11.04

Großartig

Mehr durch Zufall bin ich auf den neuesten Krimi von Tatjana Ustinowa gestoßen: Dass du nicht mehr lebst. Großartig. Ich habe lange keinen so leichten und zugleich beklemmenden und berührenden mehr gelesen. Die Autorin kannte ich vorher nicht. Und ich habs auch noch nicht durch, muss also etwas vorsichtig mit der Euphorie sein, verderben doch allzu viele ihr Buch noch auf den letzten Seiten.

Jedenfalls eine schöne Entdeckung.

20.11.04

Freundschaft

Es ist diese lange und wortlose Vertrautheit, die über Jahre gewachsen ist. Die eine Mischung aus schon und immer schon bekannten Standpunkten und jedes Mal doch wieder neuen Facetten ist. Die uns jedes Mal, auch nach wochenlanger Pause, wieder ohne Verzögerung in der Gegenwart anknüpfen lassen.

Heute abend mit den vielleicht längsten und liebsten Freunden Völlerei betrieben und dann auf die Galerie in die Sessel zurück gezogen. Noch die Spülmaschine einräumen und zufrieden ins Bett.

19.11.04

Hits und Trash

Da kommt man erschöpft vom Kongress und landet vorm Fernseher. Und dann läuft da auf N3 eine Sendung, bei der ich nicht nur be- und entgeistert hängen bleibe, sondern mir je länger desto mehr eingestehen muss, dass sie völlig irre und richtig gut ist: Wer kennt die Hits? (dort auch ein Trailer)
Nun mag ich zwei der SängerInnen von früher richtig (Joy Fleming und Heinz-Rudolf Kunze) und auch Gastgeber Joja Wendt ist nun mal kuhl. Aber auch das Konzept, vier Künstler in einer MIschung aus Quiz und Happening alle möglichen Dinge der 60er bis 90er live singen zu lassen, ist genial. Und eine faszinierende Abwandlung des albernen ewigen Rumqiuzzens...

Hieß Folge 2. Hoffentlich mehr davon. Sowas läuft nur im Dritten. Klar.