Meine eigene marxistische Phase habe ich ja ungefähr mit der Geburt unseres Ersten abgeschlossen (ob das Zufall ist?) und hinter mir. Dennoch zehre ich bis heute von dem theoretischen und analytischen Rüstzeug, das ich in der Zeit mir habe aneignen können.
Jetzt nicht dieser Vulgärmarxismus der DDR oder gar der romantische Marixmus der bigotten Westlinken - sondern der klassische Marixmus und seine moderne, stark anarchistisch geprägte Version. Da habe ich von einem Freund und Vordenker der Berliner Autonomen Gewerkschaftsszene der 80er sehr viel gelernt. Noch meine große theologische Examensarbeit über die Option für die Armen aus lutherischer Sicht im Fach Sozialethik habe ich mit großen Rückgriffen auf die Analysen von Jacob und anderen bestreiten können. Spannend finde ich aber zu beobachten, dass viele klassische Unternehmer heute wieder links stehen, so wie ich auch den Eindruck habe, dass meine Position wieder deutlich links von der Mitte angesiedelt ist, ohne dass ich mich groß geändert hätte in meinen Überzeugungen. Aber nicht nur liberale Geister sehen diesen grotesten Siegeszug des Neoliberalismus (müsste man auch mal ein neues Wort finden angesichts der Anmaßung, diese Poll-Position mit dem Wort
liberal zu verbinden) massiv kritisch, sondern eben auch die eigentliche Zielgruppe der Gehirnwäscher an den deutschen Hochschulen: eben die Unternehmer. Ich erlebe viele klassische Unternehmer in ihrem Zorn auf die Auswüchse des Kapitalismus. Der
Arbeitsheld mag nur als Beispiel stehen, er drückt aus, was ich in meinem Umfeld jeden Tag höre und erlebe.
Insofern ist mir auf lange Sicht nicht bange. Sie werden wieder verschwinden, die Jünger des Bösen. Irgendwann.