19.10.05

Hilfe, der Mainstream ist da und wir sind es...

Wer hätte das gedacht: Da bin ich heute mal wieder auf Vortragsreise, diesmal in Nürnberg, als mir erstmals in diesem Zusammenhang bewusst ein anderer Blogger vor die Flinte läuft. Und gleich noch kritische Fragen stellt. Nett jedenfalls, den Helden der Arbeit kennen zu lernen...

Es war sooo lustig: Wir stehen zusammen und ich erkläre einem anderen Zuhörer, wie das mit RSS ist und dass ich, da ich blogge und dieses Blog inzwischen der eine oder die andere kennt, schon über meine Statistiken mitbekomme, dass auch in seiner Branche Menschen RSS-Reader nutzen (Hallo, lieber Besucher aus der Comdirect beispielsweise) - als der zu dem Zeitpunkt noch unentdeckte Arbeitsheld mich fragt, welches Blog ich denn führen täte. Er hat aufgejohlt, als er es hörte; und ich, als der damit rausrückte, wer er ist.

Da begegnet man sich hin und wieder in Blogs und Diskussionen, lernt sich bei Informationstagen als Nasen kennen - und doch bedarf es eines Zufalls, um beides zusammen zu bringen. Fein aber. Netter Kerl. Auch in echt.

EDIT
Des Arbeitshelden Sicht auf dieses Treffen hat er - logo - in seinem Blog aufgeschrieben. Und weil ich immer noch keine Trackbackfunktion habe (warum hat blogger.com eigentlich keine?) und mal wieder jemand mit der blöden Kommentierfunktion hier bei blogspot nicht zurecht kommt, muss es eben so sein. :-)

18.10.05

Vorleseerfahrungen

Nun bin ich also durch mit dem Drachenreiter von Cornelia Funke. Und ich muss sagen, dass er toll war und Spaß gemacht hat. Ich bin kein unbedingter Fantasy-Fan. Aber die Verzahnung von Realität und Legende in diesem Buch hat mir gefallen: Es spielt in der Gegenwart und nicht in irgendeiner Märchenzeit, es bildet zu einem gewissen Teil die Erfahrungswelt der Kinder ab, es geht einmal um die halbe Welt (von Schottland über Hamburg (?), die Alpen, Ägypten, Arabien nach Indien und ins Himalaya) und es hat sehr hübsche Ideen.

Wirklich klasse fand ich gegen Schluss, als die Drachen in der Drachenhöhle versteinert sind, die Erklärung, dass Fabelwesen langsam versteinern und im Kern noch Leben in sich haben - und dass die Einhörner und Drachen, die sich als Skulpturen in Museen und Burgen und Schlössern finden, in Wirklichkeit versteinerte Fabelwesen seien, die die Menschen in den Wäldern gefunden hätten. Witzig.

Gestern habe ich für die beiden Großen mit Winnetou begonnen, und dabei festgestellt, dass ich es auch spätestens in der vierten Klasse slebst gelesen haben muss - es stand noch die Adresse drin, von der wir weggezogen sind, als ich in die fünfte kam. Ich bin etwas unsicher, ob es mir gelingen wird, die langweiligen Stellen elegant zu überspringen. Der Anfang ist ja nicht soooo toll gleich erstmal. Mal sehen, wie lange wir es gemeinsam durchhalten - oder ob es doch eher ein Buch zum Selberlesen ist, bei dem jeder dann die Seiten überspringen kann, die er will...

Nicht ganz dasselbe Thema, aber doch kurz angesprochen: Der neue Asterix ist bekloppt. Dabei stört mich nicht so sehr die Disney-Figur, die scheint ja bewusst als solche und als Hommage an ihn geplant, wenn ich den Nachsatz richtig verstehe. Aber die Geschichte und die Bilder sind noch enttäuschender als die anderen, die nur von Uderzo waren (und die waren schon blöd). Es sagt doch alles, dass selbst meine Jungs diesen Band doof finden...

17.10.05

Solidarität der Schuld

Heute klingt es manchen etwas fad, was die evangelischen Kirchen Mittwoch vor 60 Jahren bekannt haben - doch damals war es ungeheuerlich und hat wütende Proteste geerntet: Die so genannte Stuttgarter Schulderklärung. Die bis heute immer wieder zitierten Kernsätze fallen gleich am Anfang, wenn die Kirchenführer bekennen, dass sie sich
mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld. Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Länder und Völker gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben. Stuttgarter Schulderklärung

Ich denke, dass diese sehr deutliche Formulierung bis heute eine große Leistung ist und die Richtschnur liefert, wie und warum ich mich in das einreihen kann, was die Erklärung als Solidarität der Schuld bezeichnet. Gegen alle Schlussstrich-Ideen ist hier bleibend gültig formuliert, wie das Bitten um Vergebung immer und immer wieder beginnen kann und muss.

Die Verfasser des Bekenntnisses, allen voran Martin Niemöller, der es formuliert hatte, mussten sich als Vaterlandsverräter schmähen lassen. Und das, obwohl mit den Bischöfen Wurm (Württemberg), Meiser (Bayern) und Dibelius (Berlin) und Pastor Asmussen mehrere bekennende Deutschnationale aus so genannten intakten Kirchen (ok, Dibelius nicht aus einer intakten Kirche) zum Rat der EKD gehörten, der das Bekenntnis gemeinsam abgegeben hat. Heute, nach 1968, wirkt es nicht sehr spektakulär und es fehlt völlig ein Bekenntnis zur Schuld am Holocaust. Das hat nicht nur Niemöller oft und schnell nachgeholt. Pervers an der deutschen Diskussion seinerzeit war, dass Schuldbekenntnisse vor allem von Menschen kamen, die sich persönlich nichts haben zuschulden kommen lassen, oder - wie Niemöller - im aktiven Widerstand waren - während die Schuldigen und die Passiven sich beschwerten ob solcher Bekenntnisse.

Die große Leistung des Textes aber bleibt für mich, dass er abseits von persönlicher Schuld die Verantwortung und auch die Schuld in die Gemeinschaft holt. Er ist die Basis, auf der auch heute noch jeden Tag um Vergebung gebeten werden kann und muss für das, was im Namen Jesu und im Namen des Volkes, zu dem ich gehöre, anderen Menschen angetan wurde.

Endorphine im Nudelsalat

Ich bin ein Mensch, der ohnehin sehr übers Essen lebt und fühlt. Fast alle wunderbaren Erinnerungen haben entfernt oder direkt mit gemeinsamem Essen zu tun (naja, das ist jetzt etwas übertrieben). Zwei Gerichte aber lösen bei mir immer und zuverlässig Glücksgefühle und ein wohliges Hier muss ich zu Hause sein aus. Und beide hängen mit B zusammen, was vielleicht die hier von der Kaltmamsell mehr oder weniger vermisste Liebeserklärung an sie ist...

Da ist zum einen Jansons Versuchung, jener schwedisch-finnische Kartoffelauflauf mit Anchovis und Sahne und Zwiebeln, den ich von B habe, der mein absulutes Lieblingsessen ist und den wir leider viel zu selten machen.

Und da ist zum anderen - und das ist mir erst gestern und heute wirklich aufgefallen - dieser besondere Nudelsalat, den wir beide zusammen entwickelt haben und der jahrelang unser Markenzeichen bei Mitbringparties oder unserem legendären vierzehntäglichen Spieleabend war. Die Soße auf Schmandbasis (aus unsere Schmand-Episode, in der wir mit so ziemlich allen Lebensmitteln deren Kooperation mit diesem wundervollen Sauermilchprodukt getestet haben), mit Käse, sauren Gurken, Paprika und eben Nudeln (bloß nicht zu viele). Wenn er fertig ist, läuft mir das Wasser im Mund zusammen, zumal er nach einem Tag Ruhen eher noch besser wird.

Erst war ich etwas bestürzt, dass das der Gipfel des kulinarischen Genusses sein soll, als mir das gestern abend bewusst wurde. Aber jetzt weiß ich, dass es so schön ist, nach Hause zu kommen...

15.10.05

Ha!


Heute, einen Tag, bevor die Lütte vier Monate alt wird, hat sie zum ersten Mal Papa gesagt. Und das war damit ihr erstes Wort.

Naja, B meint, es wäre eher so etwas wie Örgks-ah gewesen. Aber das stimmt nicht. Ja.

14.10.05

Neue Entwicklungen in dem Spamdingens

So schnell kann es gehn. Heute ist im Handelsblatt eine glossenartige Kolumne über die werbenden Kommentare in diesem Blog erschienen (leider noch (?) nur mit login, dafür mit einem aparten Titel: Banken im Blogdings). Teilweise etwas verkürzt, und dass ich den Anruf aus der IT der 1822direkt als sehr positiv und angenehm erlebt habe und er ehrlich interessiert war daran, was da gerade schief geht, kommt nicht so direkt raus. Aber ich war lange genug auf der anderen Seite des Schreibtischs, um nun wirklich nicht pingelig zu sein bei so was.

Die Einschätzung der Kolumne im Schlusssatz
Das Ergebnis einer Untersuchung könnte peinlich werden: In der Regel werden die Werbe-Kommentare von Subunternehmern der Online-Dienste erstellt

wird auch durch eine weitere Recherche erhärtet. Da alle Kommentare auf Links gingen, die über uni.cc-Domains umgeleitet werden, habe ich da einmal nachgefragt und mich ob des Spams beschwert, den der Anbieter seinen Kunden ausdrücklich verbietet.

Zurück kam diese Mail:
All domains belong to the same person. We have sent this user a warning about spam to prevent further postings. If you still get spam, please let us know as soon as possible. We do not close accounts immediatly because spammers use to register immediatly again providing false names.

Regards,
UNI.CC Network
Information Center
http://www.uni.cc

Immerhin was. Es steht zumindest eine echte E-Mail-Adresse hinter dem Spam. Aber darum kann sich dann ja die Staatsanwaltschaft kümmern. Ich persönlich wäre als betroffener Beworbener nicht ganz so extrem sicher, dass es nicht hinter meinem Rücken in meinem Namen und mit meinem Geld gemacht wurde. Aber jeder, wie er will.

UPDATE 25.4.2006:
Nun hat es sich am Ende doch noch geklärt - und es war genau so, wie im Handelsblatt und auch von mir vermutet...

Hinweis auf Diskussion

Nur kurz hinweisen darf ich auf eine für mich spannende Diskussion, an der ich mich in Lilas Blog beteilige - es geht um das Gespräch zwischen Juden und Christen über Religion und damit um das auch als Wort heikle Thema Judenmission. Mir ist bewusst, dass ich mich damit auf dünnes Eis begebe und auch in meiner eigenen Kirche und Familie eine Minderheitenposition habe. Dennoch oder deswegen finde ich das Gespräch drüben bei ihr so spannend und für mich weiterführend. Hoffentlich auch für die anderen...

tolle Perspektive

Ich habe eine freundliche Mail vom Vor-Vor-Vorgänger des Bundeshorsts bekommen. Welche Erwartungen ich an die neue Regiergun haben werde. Fein, dachte ich, auch wenn ich nicht Deutschland bin, oder jedenfalls nicht so sehr. Aber Persepktiven sind ja immer gut, ne?

Die Umfrage fing ganz gut an.
Hier bin ich dann aber ausgestiegen:

(Klick aufs Bild zum Vergrößern)

Denn diese Frage ist die typische Frechheit, mit der die Initiative mal wieder nur die Antworten bekommt, die sie haben will. Scheiße. Richtige Scheiße. Denn schon klar: Nur wenn ich eine radikal neoliberale Politik will, wird die Wirtschaft wachsen können. Und wenn ich das andere Extrem will, wird sie in jedem Fall viel langsamer als heute wachsen. Btw: Wie soll das gehen??

Klar auch, dass es keine Differenzierung gibt. Halten die mich für behämmert?

13.10.05

Bilderrätsel

Was glaubt ihr, was die beiden Herren auf dem Foto gerade machen*?


* Nur falls sich jemand ob der Bildqualität wundert: Das ist wirklich das offizielle (!) Pressefoto (!), das die beiden Unternehmen herausgegeben haben (!). Sehr schön dabei neben der opulenten und fantasievollen Inszenierung ja auch die Tatsache, dass der Autofokus das aparte Detail im Hintergrund scharf gezogen hat.

UPDATE 18.10.05
Weil ich die eine oder andere Mail neben den Kommentaren hier unten bekommen habe, die nachfragt, was denn da sei (und auch hin und wieder der Verdacht sich mir auftut, dass es Menschen gibt, die das Wort Ironie nicht mal buchstabieren können):
Es geht um den Zusammenschluss zweier Weltunternehmen, die im weitesten Sinne in der Branche agieren, in der ich auch arbeite. Und von denen eines unter anderem für dieses Seminar verantwortlich zeichnet, das dann nicht mit dem Referenten stattfand, der hinter jenem Link genannt wurde. Aber das wiederum ist eine andere Geschichte, die teils traurig, teils empörend ist - und die ich vielleicht irgendwann mal erzähle. Meines Wissens stehen beide Unternehmen übrigens nicht vor einer Insolvenz (anders als in den Kommentaren vermutet wurde).

Blogging kommt eigentlich aus dem Russland des 19. Jahrhundert!

Gestern hat Steve Rubel in seinem Eintrag Blogging Came from Russia with Love? darauf hingewiesen, dass die Idee des Bloggens im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts Prinz Vladimir Odoevsky (1803-1869) hatte:
"Houses are connected by means of magnetic telegraphs that allow people who live far from each other to communicate," Odoevsky wrote. Even more interestingly, Odoevsky suggested every household would publish a kind of daily journal or newsletter and distribute it among selected acquaintances, a habit which Russian bloggers immediately recognized as blogging. ... "The thing is that many households here publish such journals that replace common correspondence. Such journals usually provide information about the hosts' good or bad health, family news, different thoughts and comments, small inventions, invitations to receptions" (,sagt ein Protagonist des Autors) Steve Rubel