28.3.06

Gesprächsfaden

Wir saßen im Culinario Tucholsky, Ecke August, da waren wir schon mal, er geht gerne da hin. Ich auch übrigens. Etwas eng, etwas verraucht heute, aber nett, gutes Essen, Preise ok.

Ich genieße diese Treffen sehr, weil er ein toller und kreativer Gesprächspartner, einer der ganz wenigen mit ebenso vielen Kindern und einer ist, mit dem es sich zwischen ernsten Grundsatzdiskussionen, Tipps und Erlebnissen rund um unsere Jobs und leichtem Familienkram hinundherschwanken lässt.

Und bei aller ähnlichen bürgerlich-konservativen Grundhaltung ans Leben sind wir in den meisten Themen so sehr unterschiedlich, dass es nicht ein Schmoren im immer gleichen Meinungsbrei ist, wenn wir von Hölzchen aufs Stöckchen kommen. Vor allem das Thema Ruck treibt uns immer wieder um.

Irgendwann kamen wir zum Kern, wie so oft in einem biographischen Unterschied begründet. Obwohl nur wenige Jahre auseinander, sind wir faktisch verschiedene Generationen: Ich die dritte Nachkriegsgeneration, er die zweite. Und so bin ich eben der klassische Dritte, also jener, der schon immer in Kaufmannsfamilien den Rückschritt hinter den Wohlstand der Vorgängergeneration bringt und sich in snobistischer Dekadenz gefällt. Und er ist noch der hungrige Zweite. Oder so ähnlich.

Ich hatte das sehr bestimmte Gefühl, an ein Gespräch anzuknüpfen, das wir vor einiger Zeit geführt hatten - und war sicher, dass ich damals darüber gebloggt hatte. Und wirklich: Ich fand die Stelle sofort. Und erschrak, dass es schon so lange her ist, zweieinhalb Jahre. Und trotzdem ist es der gleiche Gesprächsfaden, den wir da weiter gesponnen haben. Irre irgendwie.

Kommentare:

  1. Warum hasst Dein Freund Bohémes ???

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  2. kurz gesagt: Weil sie das Erbe verjubeln.
    Länger und fairer formuliert: Er ist ein Macher und hungrig und voller Sorge über die unaufhaltsame Abwärtsschraube. Er will aufbauen (und macht das auch erfolgreich).

    Bohemes sind tendenziell diese dritte Generation, die schon wohlhabend oder reich aufwächst und sich faktisch nur vershclechtern kann gegenüber ihren Eltern. In dieser Generation sind es die, die nicht jammern, sondern entspannt genießen , was ich toll finde. Aber sie tun nichts.

    (und lass uns dabei nicht Haarespalten, denn das ist jetzt etwas holzschnittartig - aber die Tendenz stimmt, glaube ich, oder? Mal so von Möchtegernboheme zu Möchtegernboheme gesprochen....)

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  3. Also ich empfinge mich nicht als Boheme oder Möchtegernboheme, dafür bin ich zu dicht dran an der echten Boheme. Will sagen, in meinem erweiterten Freundeskreis tummeln sich ein paar davon, deren Lebenswandel mit emeinem nichts zu tun hat. Dass die nichts tun/schaffen/aufbauen, kann ich aber so gar nicht finden. Sie schreiben Bücher, die verkauft werden, sie malen Bilder, die verkauft werden, sie machen Musik, die *strike*verkauft*/strike* geladen werden, usw. Ich halte diese Dinge für (kulturell) unentbehrlich. Okay, einer ist dabei mit nem Erbe im Ärmel, und sicher hat ihm das an der einen oder anderen Stelle geholfen, aber immerhin, er macht damit jetzt sein eigenes Ding, trägt bei zum Kulturerbe seiner Generation. Das ist ein bisschen so wie mit Nicky Hilton, die in einem Vanity Fair-Interview sagte ""Yeah, we were born with a famous last name. I get that. But just look at how we took it to another level." (okay, das ist jetzt natürlich nur was für Kulturoptimisten .-)

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