12.5.06

Nein, das ist kein guter Tipp

Mein früherer Chef verschickt ja an Freunde, Kunden, Geschäftspartner und so weiter wöchentlich einen Fußball-Newsletter mit einem Ausblick auf den kommenden Spieltag. Und da ich ja kein Fan in dem Sinne bin, stört mich seine enorme Begeisterung für seinen Verein Werder Bremen nicht einmal.

(Obwohl das schon ein Affront ist, als Hamburger die Bremer gut zu finden, tststs. Es gibt in der Hafen- und Spediteurswelt diesen Spruch, mit dem ein Hamburger antwortet, wenn er gefragt wird, ob er ein hochprofitables aber nicht risikoloses Geschäft abschließen wolle: "Klar, ich bin doch kein Bremer"...)

Aber seine Prognose für morgen ist doch betrüblich - und allein die Tatsache, dass er so oft mit sowas daneben liegt, hilft mir, sie zu ertragen:
Mein Tipp: Werder ist zur Zeit einfach heißer als der HSV.
6:0 und 5:3 in den letzten beiden Spielen. Klose & Co werden das Nord-Derby
für sich entscheiden.
Nein, so wird es nicht sein. Echt nicht.

11.5.06

Meinung und Service

Die Form des Next10Years-Kongresses von SinnerSchrader ist gut - offene Räume, fast ein bisschen Open Space, wenn auch mehr frontal...

Spannend, zu hören und zu besprechen, wie andere die Entwicklungen sehen, die mit dem Schlagwort Web2.0 zusammenhängen, das ich ja eigentlich so gar nicht mag. Dass es aber dabei vor allem und zuerst darum geht, unmittelbaren Service zu bieten - und keine Schaufenster mehr.

Vor allem, zu überlegen, was das für die Website bedeutet, für Geschäftsmodelle im Web und so weiter. Unmittelbar.

Heiko hat auf eine recht kontroverse Moderation gut reagiert - und einigermaßen plausibel machen können, was Burda mit seiner Offensive in diesen komischen neuen Anwendungen will. Beyond print halt.

Gerade im Vergleich mit dem eher abgehobenen Trendtag heute früh - viel dunkels Tuch an eleganten Männern im dunklen Curiohaus (und dennoch ein paar gute Gedanken, dazu später mehr) - ist es hier nicht nur mit den Schildern bunt, sondern eben auch durch viele T-Shirts unter Sakkos und viele Leute mit Ideen.

Unterschiede



Heute Morgen gediegen, jetzt eher bunt.

10.5.06

morgen Auftrieb

Jede Menge Input und Auftrieb morgen: Erst der Trendtag im Curiohaus, der für mich inzwischen zur Tradition gehört - zumindest wieder einmal der Vormittag. Dann ab mittags Next10Years von SinnerSchrader. Jede Menge Blogger und andere Spinner und Kommunikationsleute an Bord.

Eben auf dem Bahnsteig schon Felix in die Arme gelaufen, auch wenn wir nun dennoch getrennt fahren - ich halte nicht mal diesen Katzensprung im Raucher aus. Echt nicht. Wir sehn uns ja morgen. Und dann ausführlich in Köln, wo unter anderem wir gemeinsam live bloggen werden, ich darf das da immerhin organisieren...

9.5.06

Onkel Brumm



Mit dem Zeit-Kritiker Onkel Brumm im ici in der Auguststraße. Und Vorbereitung auf das Medienforum...

Umfragen und Zitate, lustig

Ach ja, immer wieder diese Umfragen und Studien. Wenn, wie neulich geschehen, mit Hering Schuppener eine größere PR-Agentur anruft und ein Interview für eine Studie rund um Digitalisierung von Medien macht, dann ist prinzipisch klar, dass das für einen Kunden ist. Sollte man meinen, hab ich aber nicht dran gedacht, als ich als Blogexperte und Seminarhengst (Ui, Dieter Herbst war etwas angefasst, dass ich ihn letztes Jahr so genannt hatte, jedenfalls konnte er sich gut daran erinnern, als ich ihn bei den PR Awards traf) zum Gespräch gebeten wurde.

Habe also meine Positionen und meine Zurückhaltung in der Relevanzfrage zu Protokoll gegeben - und staunte nicht schlecht, als mir dann dieses Zitat zur Freigabe geschickt wurde:
"Ein Unternehmen kann heute keine effiziente Kommunikationsstrategie umsetzten, wenn es im Internet keine sinnvolle Mehrwertplattform bereitstellt."
Äähh, das ist ja auch nur so ziemlich das Gegenteil dessen, was meine Position ist. Nun bin ich lange genug im Geschäft, um da entspannt zu sein, und habe nur das abstruse Wort Mehrwertplattform durch Gesprächsplattform ersetzen lassen.

Das andere Zitat kann ich immerhin voll unterschreiben, das hätte ich sagen können:
"Blogmonitoring, also das bewusste Beobachten von relevanten Blogs, wird für Unternehmen immer wichtiger werden."
Sehr schräg und mit einem schalen Beigeschmack aber bleibt mir in Erinnerung, dass erst jetzt, bei der Freigabe der Zitate (immerhin lassen sie sich die freigeben) der Kunde fällt, in dessen Auftrag die Studie veröffentlicht werden wird: Coca-Cola...

8.5.06

heute Seminar in München

... und mal wieder ein Roteaugenflug, knackevoll. Was ich schön finde: Dass es immer noch so viele PR-Leute gibt, die sich ins Thema Blogs einführen lassen wollen, dass das Thema Konjunktur behält, auch wenn der Versuch mancher Agenturen und Berater, es über Gebühr zu hypen, so grandios fehl schlägt.

Also werde ich heute mal wieder einer Reihe netter Menschen den Zahn ziehen, dass es ein Skandalthema oder eines der Risikokommunikation sei - und stattdessen einen Tag mit ihnen surfen, lesen, zuhören. Vor allem zuhören, erklären, vorstellen. Und runterkochen. Hype rausnehmen. Den Kulturaspekt und die Verschränkung mit dem echten Leben erzählen. Die Begeisterung und die Komik. Das, was verrückt und eitel ist. Und das, was liebevoll....

Das Ganze mit einem latent schlechten Gewissen, weil die Lütte mit ihrer Mutter im Krankenhaus ist und die Jungs sich so durchschlagen müssen. Wie gut, dass es Großeltern gibt, für die ich mehr als dankbar bin.

4.5.06

der Wurm im Hotspot - und wie er rausgepult wurde

Erst war ich eher sauer. Und dann beeindruckt vom Service, den ich so nicht erwartet hatte. Denn heute Nachmittags hatte ich mehrfach versucht, mir eine Stunde beim Telekom-Hotspot zu kaufen, was mit einer kryptischen Fehlermeldung nicht gelang. Und dann heute abend am Flughafen gab mir das System die Antwort, ich hätte meine Kreditkarte schon zu oft belastet heute, nix gehe mehr. Puh, Schreck - was war da denn passiert?

An der Hotline war dafür ein sehr freundlicher junger Mann, der die drei Buchungen, die es tagsüber gegeben hatte, rückgängig machte, da ja klar und nachvollziehbar war, dass ich nicht ins System gekommen war. Und als Entschädigung hat er mir gleich telefonisch eine Stunde WLAN gegeben, so dass ich nun also endlich wieder online bin - ich hatte schon Entzugserscheinungen ;-)

Offenbar ist aber heute so oder so der Wurm drin, denn die scharfen Hunde am Münchner Sicherheitsdingens des Flughafens waren heute so demotiviert, dass sie meine Babybadewanne mit Sakko und Handy erstmal durch auflaufen auf dem Vordermann haben runterfallen lassen. Toll. Und kein Wort der Entschuldigung.

Wird Zeit, dass ich nach Hause komme....

2.5.06

zum ersten Mal



Ich hatte es immer noch nicht geschafft, ins Stelenfeld zu gehen. Jetzt also zum ersten Mal. Mahlers Zweite im iPod. Und komischerweise stören mich nicht mal die grölenden Jugendlichen, die Fangen spielen. Sollen sie doch den Ort auf ihre Weise erleben.

Cor incurvatum*

Ich musste lächeln, als ich es heute früh auf der Fahrt nach Berlin hörte. Denn ich genieße in diesem Monat einmal die Audioversion der Zeit, um auf zumindest mal einer Bahnfahrt ein bisschen was vorgelesen zu bekommen. Ganz gut, auch wenn mir die männliche Stimme etwas zu pointiert-aggressiv erscheint.

Mit dabei ist jedenfalls immer nicht nur Martensteins wunderbare Kolumne, sondern auch Finis. Und da geht es diese Woche um eines der hübschen Themen, die Journalismus ausmachen:
Man kann ja mit Fug und Recht sagen, dass Journalismus, wie weiland Mörikes Lampe, erst da Größe erlangt und wirklich zur Kunst wird, wo er sich in schöner Freiheit von aller Faktenschwere löst und jenem Gegenstand sich widmet, worin er wahrhaft sich auskennt ? nämlich sich selber. (Die Zeit)
Es gehört ja zu den aparten Nebensträngen der langweiligen Blogs vs. Journalismus Diskussion, dass ausgerechnet Vertreter einer Zunft Blogs und Bloggern Selbstreferentialität vorwerfen, die derart selbstreferenziell ist, dass ich es manchmal nur mit beruflich bedingtem Intresse aushalten kann.

Anlass war in diesem Fall übrigens, auch das hübsch, jenes merkwürdige Stück über Wagner, das Thomas Leif für den NDR gedreht hatte...

David Weinberger hat damals beim Hamburger Vortrag bei Edelman auf dieses Thema ja gekontert, dass gerade Medien im Web derart in sich gekrümmt sind - indem sie nienich nach draußen linken, sondern bis zur Ekelgrenze die Leser auf der eigenen Seite zu halten suchen -, dass sich jedes hohe Ross durch ihre Vertreter von selbst verbiete. Recht hatte er. Und das Argument leuchtet meinen Schülern auch immer wieder ein.

* "das in sich gekrümmte Herz": Jene Mischung aus Hybris und Selbstbezogenheit, aus der der Mensch nach reformatorischer Lehre nur durch Glauben und Gnade erlöst werden kann.