5.5.14

Hausgeburten und Krankenhäuser

Internationaler Hebammentag. Zeit, an unsere vielen Hebammen zu denken, die wir bei vier Geburten kennen lernten (mal abgesehen von denen in der Verwandtschaft oder Verschwägerschaft). Und so ziemlich jede Möglichkeit, wie Hebammen - noch - arbeiten können in diesem Land, bis sie faktisch abgeschafft werden, haben wir dabei kennen gelernt.

Primus und Secundus hat die Liebste im Krankenhaus geboren. Wir haben, wie alle Erstgebärenden, die Tour gemacht und uns dann für das damals ein bisschen marode Marienkrankenhaus entschieden mit dem alten Kreißsaal, weil uns die gekachelten Einzelzellen nicht geheuer waren. Und wir nicht so wirklich gerne allein sein wollten. Vorbereitungskurs und Nachsorge haben jeweils Hebammen aus dem Stadtteil gemacht, bei der Geburt waren die Krankenhaushebammen dabei (und einmal leider der Oberarzt, weil die Liebste als Beamtin privat versichert ist, aber das ist noch mal eine andere Geschichte).

Vor allem die Nachsorge war uns bei den ersten Kindern wichtig. Die Hebamme gab uns Sicherheit und hat uns alle Handgriffe gezeigt und uns bestärkt, dass wir es können. Wir waren ja noch jung und die ersten in unserem Umfeld, die Kinder bekamen.

Bei Tertius war uns klar, dass wir nicht wieder ins Krankenhaus wollen. Zum einen, weil eine Geburt keine Krankheit ist. Und zum anderen, weil wir ein unschönes Erlebnis mit Krankenhäusern hatten, das hier nichts zur Sache tut. Geburtshäuser waren recht in damals. Und dann kam die Liebste irgendwann auf den Gedanken, dass dann ja auch eine Hausgeburt denkbar wäre. Denn was wäre schließlich der Vorteil eines Geburtshauses gegenüber einer Hausgeburt? Wenn es hart auf hart kommt, muss eh ein Weg ins Krankenhaus sein. Das von unserem Haus nicht so weit entfernt war.

Im Nachhinein kommt mir eigentlich am merkwürdigsten vor, dass eine Hausgeburt so gar nicht auf unserem Radar war. Dass wir noch nie von einer gehört hatten (außer bei den Alten, klar). Wir haben dann recherchiert. Und die großartige Hebammenpraxis in Norderstedt gefunden, was damals sehr nah bei uns war, als wir noch in Duvenstedt wohnten. Und in der es tatsächlich Hebammen gab, die Hausgeburten machten. Martina, unsere Hebamme, hat uns durch die Schwangerschaft begleitet und uns bei der Geburt beigestanden. Secundus, damals noch nicht fünf Jahre alt, hat mit ihr zusammen die Nachgeburt untersucht. Die Hausgeburt war, wenn man das (und dann als Mann) von einer Geburt sagen darf, wunderschön. Im eigenen Haus, im eigenen Bett, ohne Fahrt durch die Nacht. Ohne Hektik und Umzug vom Kreißsaal in ein Krankenbett. Mit der U1 direkt bei uns. Die beiden Großen hätten zu unseren Nachbarn gehen können, wachten aber erst auf, als Tertius schon da war. Wir haben es uns dann zusammen gemütlich gemacht.

Als Quarta unterwegs war, gab es für uns keine Frage, wo die Liebste sie gebären wird. Sie kam auch zu Hause zur Welt. Beide kleinen Kinder waren sehr groß. Wir waren gemeinsam schon etwas älter, sogar so alt, dass wir massiv gedrängt wurden (nicht von der Hebamme), die abtreibungsvorbereitende Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen. Die Geburt war ein sehr hartes Stück Arbeit. Und dennoch möchten wir uns nicht ausmalen, wie sie - inklusive Schichtwechsel des medizinischen Personals - in einem Krankenhaus verlaufen wäre. Die Ruhe und Gelassenheit von Martina und ihre Erfahrung und Stärke haben uns durch diese vielen Stunden gebracht. Ihre Tipps und Befehle haben die Liebste wieder auf die Beine gebracht im Laufe der dann folgenden Tage. Quartas Weg in das Leben war so ein schöner. Und ich habe heute noch im Ohr, wie Tertius in die Haustür stürmte, als seine Großeltern ihn brachten, kurz nachdem Quarta endlich da war, und krähte: "Wo ist meine kleine Schwester?". Das gemeinsame Kuscheln mit denen, die es wollen, war wie auch bei seiner Geburt das wunderbarste an der Hausgeburt. Die Ruhe, die Möglichkeit, unter uns zu sein, keinen Besuch zu haben, nicht aufstehen zu müssen, ganz auf die Beziehung und das Kennenlernen des neuen Menschen konzentriert zu sein.

Geburten in Krankenhäusern sind nicht schlecht. Und ich kann nachvollziehen, wieso es für viele Mütter der normale Weg ist, ihr Kind zu gebären. Aber nachdem wir alles erlebt haben - von einer sehr langen, super anstrengenden Geburt im Krankenhaus über eine sehr leichte und schnelle eben dort und eine leichte und schnelle zu Hause bis hin zu einer sehr mühsamen zu Hause -, bin ich bestürzt, dass diese Wahl kaum noch möglich sein wird. Schon, dass es - anders als beispielsweise in den Niederlanden - bei uns so exotisch ist, finde ich schwer zu verstehen. Und dass es uns nicht mal in den Sinn kam, wir diese Möglichkeit gar nicht kannten, als wir das erste Mal schwanger waren, irritiert mich noch immer.

Jede Hebamme, die Hausgeburten macht, wird eine Frau nur dann begleiten, wenn alle Untersuchungen dafür sprechen, dass das Kind oder die Frau keine medizinische Versorgung brauchen werden, die nur ein Krankenhaus bieten kann. Und ohne eine Anmeldung in einer Klinik sozusagen als Fallback-Lösung hätte Martina keine Geburt mit uns zu Hause gemacht. Ihre jahrelange Erfahrung und die ihrer Kolleginnen ist größer und reicher als die der meisten Menschen, die einem im Krankenhaus beistehen. Und davon haben wir profitiert.

Ich kann nur ermutigen, eine Hausgeburt zumindest in die Wahl zu nehmen und mit einer erfahrenen Hebamme darüber zu sprechen. Dass es diese Wahl (noch) gibt, ist etwas, das wunderbar ist. Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist nicht alternativlos. Und ich möchte verdammt noch mal, dass das so bleibt. Und hoffe, dass Herr Gröhe, der eigentlich ja für dieses Thema aufgeschlossen ist und weiß, was es bedeutet, tatsächlich noch eine Lösung findet.

1 Kommentar:

  1. Hanno Köhncke26.5.15

    Ein Text, dem ich weitere Verbreitung wünsche für alle, die sich Gedanken darüber machen, eine eigene Familie zu gründen...

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