23.1.13

Brüderle ist doch super

Mal ganz grob gesagt, ist es doch klasse, dass einer wie Rainer Brüderle offen auf seinen Sexappeal reduziert wird. Für den größeren Teil der wenigen Männer, von denen ich weiß, dass sie noch freiwillig (also anders als die CDU-Mitglieder in Niedersachsen jüngst) FDP wählen, ist er ein Role Model. Ein Held einer sterbenden Gattung. Jener Ekelmänner, die in der Generation meiner Großeltern Schwerenöter genannt wurden. Und die meine beiden Großmütter und einer meiner Großväter auch damals schon eklig fanden (und nicht etwa, wie sie selbst dachten, sexy). Mein anderer Großvater, lebenslanger FDP-Wähler übrigens und Arzt, 15 Jahre schon tot, war wie Brüderle. Und hatte außerdem seine letzte Affäre, einige Jahre, nachdem er seine Frau in die Klapsmühle (so nannte man das damals) einzuweisen versucht hatte, weil sie ihn ausschimpfte, weil er immer mit Patientinnen und so rumdingste, nachdem er schon mehrere Jahre komplett impotent war, einen Fuß abgenommen bekommen hatte, mit einer Nachbarin gleichen Alters, die beide Brüste verloren hatte. Also vorher schon. War offenbar also habituell, nicht ausschließlich auf Wollust und körperlichem Verlangen basierend, dass er in dieser Hinsicht ein sexistisches Arschloch war.

Aber während ich es also komplett naheliegend finde, dass Brüderle der Spitzenmann der FDP ist und Rücktrittsgeschrei albern und weltfremd finde, macht mich doch dieser Tweet von Frau Tessa nachdenklich:
Denn da hat sie Recht. Und das ist mir, wie die eine oder andere vielleicht ahnt, die mein Blog hin und wieder liest, tatsächlich wichtig. Vielleicht ist es keine Strategie, aber hier ist, was "wir" tun können, sehr unvollständig, nur spontan einige Punkte, die für jeden von uns möglich sind:

  • "Herrenwitze" nicht lustig finden. Und das auch sagen. Ich mache eher gute Erfahrungen damit, irritiert zu sein, wenn in reinen Männerrunden Sexismus um sich greift. Dass das nachlässt, wenn ich dabei bin, verbirgt ihn zwar nur - aber jede der Minuten, in denen sich Männer wie Menschen benehmen, ist eine gute Minute.
  • Übergriffiges Verhalten benennen. Schwierig, wenn es jemand in der Hierarchie über dir ist, aber notwendig, denke ich. Ein Netzwerk aus Männern innerhalb von Unternehmen und Parteien und Organisationen und so zu gründen, das sich gegenseitig stützt, wenn jemand eingreift, kann dann helfen. Und der eigentliche Skandal im Brüderle-Fall ist doch, dass keiner der Kollegen eingriff, als der wandelnde Herrenwitz ihre Kollegin angriff.
  • Die Sprache ändern. Denn meine Erfahrung ist, dass allein die Tatsache, dass ich mir die Zeit nehme, in Gesprächen, Meetings, Präsentationen inklusive Sprache zu verwenden, und das, egal, wie die Gruppe zusammen gesetzt ist, das Verhalten sogar der Männer ändert, die eigentlich und innerlich Brüderle einen tollen Hecht finden.
  • Grenzen ziehen, auch wo es weh tut. Dazu, wo es mir weh tut - beim toller-Hecht-Spielen auf Podien und Konferenzen - habe ich ja was gesagt. Ihr könnt auf einen sehr bald anstehenden ersten Lakmustest der spektakuläreren Sorte gespannt sein...

Abgesehen davon wird es übrigens kein Zufall sein, dass ich beim Blick auf diese Schlagzeile auf Seite eins meiner Regionalzeitung heute früh auf dem Klo den freudschen Fehllesefehler beging, über die frühere Kollegin zu lesen: "Tritt Suding aus?" Hätte ich irgendwie logischer gefunden, aber das ist eine andere Geschichte.

Update:
In ihrem Blog Frau Dingens schreibt Mina wütend auf, worum es geht. Genau darum. Punkt. Lesen!

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