30.11.05

Für uns Pastorentöchter

... und andere Altsprachler: Die Idee, Texte ins klassische Latein zu übersetzen, finde ich gut. Es dient der allgemeinen Verständlichkeit. Man denke nur daran, dass die Bibel nie der durchschlagende Erfolg gewesen wäre, hätte es nicht die Vulgata gegeben (obwohl das ja nun wirklich kein klassisches Latein mehr war, aber das ist, wie der grauenvolle Stil Caesars, eine andere Geschichte).

Außerdem werde auch ich ja nie müde, den Nutzen von Latein und Alt-Griechisch (obwohl ich das nach dem Crashkurs am Beginn des Studiums inzwischen wieder fast vollständig vergessen habe) für die Bildung zu erwähnen.

Dass nun einer der emsigen Latein-Übersetzer auch eine Reihe von lateinischen Hörbüchern heraus gegeben hat, freut mich sehr. Genauso wie die Tatsache, dass er dafür die klassische Aussprache gewählt hat, die ich überwiegend (bis auf die diphtongische Aussprache der Doppelvokale) auch schon die Freude hatte, in der Schule zu lernen. Jedenfalls habe ich heute wieder mit Freude und Dankbarkeit an meinen Lateinlehrer gedacht, der inzwischen bestimmt ungefähr so alt ist, wie er damals wirkte - und der das grandiose Talent hatte, lateinische Stegreifreden halten zu können (obwohl wir der erste Kurs seiner Schullaufbahn waren, der das zu schätzen wusste, weil wir erstmals mit einer Reihe von Freiwilligen von ihm zum Großen Latinum geführt wurden).

29.11.05

Das meistgelesene Blog

UPDATE 26.9.2006:
Heute brennt bei Siemens rund um dieses Thema offenbar das Intranet, siehe meinen aktuellen Beitrag dazu. So viele Besucher, die nach Kleinfelds Blog suchen, hatte ich schon lange nicht mehr....

Gestern hatte ich endlich einmal die Gelegenheit, einen Blick auf das meistgelesene Blog in deutscher Sprache zu werfen: Das Blog von Siemens-CEO Kleinfeld, das im CEO Corner im Intranet liegt - und von so ziemlich allen Punkten des Konzerns verlinkt ist. Die Besucherzahlen sind um einiges höher als das, was die Autoren der "großen" Blogs draußen von sich erzählen - was aber auch kein Wunder ist, oder?

Die Kommentare halten sich in Grenzen, aber hin und wieder gibt es durchaus welche - und sei es auf Kleinfelds Erlebnisse vom New York Marathon. So weit ich es sehen konnte, ist es auch ziemlich bloggich - also nicht staatstragend, sondern persönlich geschrieben und mit einer Menge Verlinkung. Mir scheint, dass es zu dem passt, wie sich Kleinfeld präsentiert. Zumal er beispielsweise mit Webcasts (asynchronen Videobotschaften) recht viel intern (und teilweise auch extern) auftritt.

Was ich besonders spannend finde: Einerseits zu beobachten, ob diese Art der Kommunikation etwas verändert - und andererseits die Überlegung, ob und wie ein internes CEO-Blog in solch einem Riesenkonzern eingesetzt werden kann, um Themen zu setzen und auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen.

Ansonsten ist es - abgesehen von Trackbacks, die ja aber auch nur bedingt sinnvoll sind zurzeit - ein ganz normales Blog. Man kann sich per RSS über neue Einträge auf dem Laufenden halten. Und die Besucherzahlen schwanken mit der Menge der Beiträge. Da ist es auch nicht anders als bei uns "normalen" Bloggern.

Ob sie das Kleinfeld-Blog irgendwann raus stellen ins Internet? Ich glaube nicht, denn was sollte es da. Kleinfeld ist mit seinen Beobachtungen, Erlebnissen und Meinungen (die habe ich zwar nicht gesehen, kann es aber sicher geben) draußen kaum wirklich interessant. Für seine Leute ist er wichtig und sein Blog entwickelt sich langsam, scheint mir, durchaus zu einem wichtigen Instrument der Führung. Für mich draußen ist er nahezu irrelevant. Da ist wichtiger, dass seine Leute gute Produkte herstellen und mich überzeugen, dass ich mit meiner Meinung über die Marke daneben liege...

28.11.05

Manche Preise sind kakke

Um es mal ganz deutlich zu sagen. Aber der Reihe nach:

Da ist ein - eher gutes, man ist ja nicht verwöhnt in diesem Land mit so was, viele kommen ja aus diesem merkwürdigen Haus in der Nähe von Bonn - Medienmagazin, das an sich eingestellt werden müsste, wenn es nur nach wirtschaftlichen Kriterien ginge. Also hat der umtriebige Verlag, der auch schon die pfiffige Idee (und das meine ich ernst und nicht zynisch!) hatte, einen Verband zu gründen, um ein anderes seiner Magazine mit einer stabilen Abonnentenschar zu versehen, die Idee, einen Journalistenpreis auszuloben, die Tische für die Gala sehr teuer an Sponsoren zu verkaufen - und von den Einnahmen dieses Abends dann das Magazin weiter zu führen.

Das finde ich gut.

Weniger gut ist das Händchen, das die ziemlich jungen Jungs dieses Verlages mit ihren Preisen haben. Schon der "Faule Apfel" beim Kommunikationskongress 2004 war ein klarer Griff ins Klo (habe ich damals ein bisschen was bei Klaus' PR-Blogger geschrieben). Und Prometheus als Namenspatron für einen Journalistenpreis ist schon mal an sich, ja, wie soll man das gerichtsfest formulieren? Sagen wir mal so: Dieser Preis nährt die Zweifel ob des Bildungsgrades seiner Erfinder insofern, als er unverständlich wird, wenn angenommen werden müsste, dass sie (die Erfinder) sich in griechischer Mythologie etwas mehr als nur rudimentär auskennten. Aber sei's drum. Ich habe damals, als ich erstmals von diesem Preis hörte, herzhaft gelacht. Und es kann ja nicht jeder alte Sprachen mögen oder lernen. Hilft aber, das nur am Rande. Und macht Spaß. Und so.

Richtig in die Hose aber geht es, wenn dann - oh Mann, ich klinge heute echt alt irgendwie - mangelnde Lebens- und Leseerfahrung zu solchen grandiosen Fehlleistungen führt, wie sie die eben verlinkte Kindergartendiskussion abbildet, noch getoppt von dem ungenierten Nachlegen, das offenbart, dass Pisa (also das Problem mit dem sinnentnehmenden Lesen) kein Phänomen der letzten paar Jahre ist.

Ich danke Don Alphons, dessen Hinweis an der Blogbar diesen Preis noch populärer gemacht hat - und mich daran erinnert, dass ich schons eit Wochen mich echauffieren wollte über den Namen (siehe oben).

So viel zu Vorurteilen

Etwas mulmig wurde nicht nur mir, als heute morgen nach der Landung in München die Ansage aus dem Lautsprecher quoll, der Besitzer einer graugrünen Reisetasche, stehen gelassen am Schalter der Fluglinie aus Tadschikistan, möge schnell zurück kommen. Und als dann im Zentralbereich mehrere Polizisten Rudelbildung spielten.

Ausgerechnet, dachte ich. Und dann daran, dass das wieder nur ein dummes Vorurteil ist. Bis ich feststellte, dass die Homepage der tadschikischen Botschaft (s.o.) ein Anschlag auf den Sehsinn ist. Da dachte ich, dass nicht jedes Vorurteil heißen muss, dass man falsch liegt.

Steht der Flughafen noch? Kann mal jemand nachsehen?

26.11.05

Rehkeule

Unser Zweiter musste herzhaft lachen, als er heute morgen, kurz bevor er zum Reiten aufbrach, hörte, dass wir später zu den Großeltern gehen und Rehkeule essen werden. "Keule?", meinte er, "das ist doch so was, womit man Leute verhaun kann".

Mir scheint, er liest irgendwie die falschen Bücher oder Comics oder so.

25.11.05

Unter Gasleuten

Sehr spannend finde ich, mit den Menschen, auf deren Tagungen ich eingeladen bin, einen Vortrag zu halten, gemeinsam den Abend zu verbringen. In diesem Fall mit Öffentlichkeitsarbeitern der deutschen Gaswirtschaft, die es ja nicht so richtig leicht haben gerade nach den Geschichten rund um die Preise und die Offenlegung der Kalkulation und die sehr gut informierte und richtige Geschichte im Spiegel diese Woche....

Insofern schön, in Münchens ältester Weinstube, dem Weinhaus Neuner, sehr gut zu essen (und am Ende sogar einen von zwei verschieden scharfen dort vorgehaltenen Vogelbeerbränden nehmen zu können, immerhin ist Vogelbeere die Krönung der Brände, und mit dem Oberwasweißich des Ladens über Vogelbeerbrände zu fachsimpeln), mit Menschen, die lustig und offen sind und mein Bild von der bösen, raffgierigen Gaswirtschaft nachhaltig korrigieren helfen ("Wir sind die Guten, müssen Sie wissen").

Vor allem aber habe ich eines gelernt, was mir wirklich neu ist und was ich der Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte: Man kann sich mit Gas nicht umbringen. Hätte ich nicht gedacht. Also man kann sich zwar mit Gas in die Luft sprengen (wenn die Konzentration zwischen 4 und 16 Prozent ist, wenn sie höher ist, schon nicht mehr) - aber einfach so den Kopf in den Gasherd, das wird nix, weil heute nicht mehr so viel CO2 im Gas ist. Ha! Und mir wurde sogar glaubhaft versichert, dass der extra beigemischte Geruch (naja: Gestank) nicht mal giftig sei. Millionen von Selbstmordplänen müssen neu geschmiedet werden nach dieser Enthüllung. Schrecklich.

Zur Strafe werde ich die Kolleginnen und Kollegen von den Gasversorgern heute Mittag in die Geheimnisse von RSS, Blogs und Tagging einweihen. Selbst Schuld.

24.11.05

Wanne-Eickel

Als der Zug gestern durch Wanne-Eickel fuhr und in der Morgendämmerung das, was von der Stadt und den Industriebrachen zu sehen war, trostlos da lag, musste ich daran denken, wie es meiner Großmutter ging, als sie das erste Mal die Familie ihres Verlobten besuchte.

Aus Marburg, wo sie beide studierten, kommend, mussten sie in Wanne-Eickel umsteigen, um nach Witten zu fahren, wo die Familie lebte. Sie hatte kaum einen Fuß auf den Bahnsteig gesetzt, als sie beinahe zu weinen anfing. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Sie kam aus bildungsbürgerlichem Hause an der Mecklenburger Ostsee, genauer: aus Ribnitz, direkt am Bodden, und war zum ersten Mal im Ruhrgebiet und in dieser Form von proletarischer Umgebung. Selbst Rostock, wo sie auf dem Lyceum war, konnte da ja nicht mithalten.

"Lass uns sofort einsteigen und zurückfahren", brachte sie heraus und sah ihren Verlobten, meinen Großvater an. Aber er lachte nur, wie es seine Art war. Dieser Ausflug stand so oder so unter keinem besonders guten Stern. Ihr war alles fremd und seine Familie war von ihr so wenig angetan wie ihre von ihm - seiner war sie zu herb, ihrer war er nicht standesgemäß genug, trotz des Medizinstudiums.

Vielleicht, hat sie später manchmal gesagt, hätte sie wirklich in Wanne-Eickel zurück in den Zug steigen sollen. Dann gäbe es zwar mich nicht, aber ihr wäre manches erspart geblieben. Aber das ist eine andere Geschichte.

22.11.05

Die letzten Male

Wenn etwas absehbar zu Ende geht, beginnen die letzten Male. So war es mit der letzten Radiosendung, mit dem letzten Artikel, der letzten Sitzung des Parlaments - und so ist es auch jetzt. Durch Weihnachten ist die Schlussphase verkürzt und ich werde Zeit haben für manche Übergaben. Morgen aber geht es noch ein letztes Mal auf Tour zum Informationstag, dieses Mal mit dem frühen Sprinter nach Dortmund.

Ein letztes Mal mein Vortrag Ticker, Tempo, Technik (Achtung, großes pdf: 1,6 MB), ein letztes Mal das Kino im Kopf, bevor die Kollegen die Vortragsreihe ohne mich weiter entwickeln werden. Schon auch komisch, wenn das eigene Baby ohne einen weiter laufen soll. Ich freue mich aber aufs letzte Mal....

Ab Januar bin ich beim Ausschnitt

Es zog sich länger hin, bis alles klar und wir uns einig waren - wie das immer so ist bei Entscheidungen, die lange tragen sollen. Dass ich dafür eine Unterwochsbleibe suche, habe ich schon geschrieben. Nun ist es also offiziell und ich kann es erzählen:

Ab Januar werde ich als Leiter Beratung und Verkauf zu Ausschnitt Medienbeobachtung gehen und damit news aktuell verlassen. Sechs spannende Jahre, die Spaß gemacht haben, gehen damit zu Ende, in denen ich Vieles anschieben konnte - in letzter Zeit beispielsweise das Thema RSS und auch ein Angebot zur Krisenkommunikation. Wie immer fällt mir Abschiednehmen nicht nur leicht, aber ich freue mich auf eine arbeitsintensive, verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe in Berlin.

Ich bin und bleibe Verkäufer. Und das ist gut so, denn das ist meine Leidenschaft (klingt komisch, aber so ist es - es zieht sich auch durch mein Leben und Berufsleben wie ein roter Faden). Ich bleibe in der Branche, wechsele nur eine "Veredelungsstufe" weiter nach hinten im PR-Ablauf. Viele von euch und Ihnen werde ich dort wieder und weiter sehen. Das ist fein, denn ich habe viele Menschen, die Kommunikation machen, sehr schätzen gelernt (echt! Das ist meine Erfahrung).

Meine Familie und ich werden in Hamburg wohnen bleiben, ich selbst werde den größten Teil der Woche in Berlin sein. Das ist neu für uns und wir sind gespannt, wie es wird. Das was wir bei Freunden sehen und erleben, die das seit vielen Jahren so machen und auch so viele Kinder haben wie wir, ermutigt uns. Und Berlin ist ja auch nur noch einen Katzensprung von Hamburg weg....

20.11.05

Änderungsservice für Männer

Das ist ja fein. Da blättert meine Liebste harmlos das neue Programm unseres Lieblingsseminaranbieters durch, als sie plötzlich meint, ein spannendes gefunden zu haben: Jetzt änder ich meinen Mann. Kuhl irgendwie. Vor allem das Eingangszitat:
Der einzige Mann,
der sich nicht ändern kann,
ist ein toter Mann.
Toll. Aber dann stellt sich raus, dass das ein Seminar für Frauen ist! So was! Und ich dachte, da gebe eine ihren Mann ab und bekommt ihn tot oder verändert zurück. Also genauso wie den Wintermantel beim Türken ihres Vertrauens.