2.3.15

Grenzkosten

Ich gehöre nicht zu denen, die quaken, wenn irgendwer die Nutzungsbedingungen ändert. Und ich verstehe wahrscheinlich mehr als die durchschnittliche Nutzerin von Modellen, wie ein Internetservice monetarisiert werden kann und muss. Und auch von Onlinemarketing, Targeting, Data Mining.

Genug jedenfalls, um zu wissen, dass ich dann Teil des Produktes bin, das jemand anbietet, wenn ich deren Service kostenfrei nutze. Ich zahle anders. Das, was ich für mich und für andere, die ich mit meiner Nutzung mit reinziehe, regelmäßig neu überprüfen muss, ist, ob die Kosten in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen stehen.


Der Deal ist eigentlich ganz einfach 
Facebook stellt mir (formal kostenfrei) seine Services zur Verfügung. Dafür erstellt es Profile über mich, teilweise summarisch, teilweise persönlich, teilweise nach Art eines Microzensus. Diese Daten vermarktet Facebook, so verdient es Geld. Ok, jetzt etwas holzschnittartig, aber im Prinzip ist es so.

Das Problem ist, dass Facebook in den letzten Monaten sowohl an der Kostenschraube als auch an der Nutzenschraube gedreht hat - leider in entgegengesetzte Richtungen. Ich habe kein prinzipielles Problem damit, dass sie immer mehr wollen von mir und meinen Daten. Ok, die Grenze dessen, was ich unter demokratischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten für maximal erträglich halte, ist inzwischen so gut wie erreicht. Wenn allerdings ein Wert, ein Nutzen dagegen steht, halte ich es noch so eben gerade für legitim, was sie tun.

Nur, dass der Nutzen nicht mehr stimmt. Das muss nicht für alle so sein, ich rede hier erst einmal nur von mir. Aber die Veränderungen, die sich durch Facebooks Pushen von Video für mich als Nutzer ergeben, führen dazu, dass die Kosten, die gleichzeitig stiegen, zu hoch werden. Dass die Kosten höher werden als der Nutzen, war schon einmal fast so, als das, was mir von denen, mit denen ich auf Facebook Kontakt hatte, angezeigt wird, nicht mehr dem entsprach, was ich erwartete oder wollte.


Der Deal ist aufgekündigt
Dass mir in der App seit Beginn dieses Jahres quasi nur noch Videocontent gezeigt wird (kombiniert mit der Tatsache, dass die wenigsten, die mich interessieren, Videocontent veröffentlichen), hat zusammen mit der relativ radikalen Ausweitung der Nutzungs- und Kombinationsrechte, die ich Facebook an meinen Daten einräume (ohne explizit den Nutzungsbedingungen zuzustimmen, was ja aber gerade politisch und juristisch geklärt wird, was aber auf jeden Fall ein besonders krasses Beispiel dafür ist, dass Facebook inzwischen tatsächlich totalitär ist aus meiner Sicht), die Kosten höher steigen lassen als den Nutzen. Facebook hat unseren Deal aufgekündigt.

Andererseits geht Facebook, die Firma, einen interessanten Weg, indem sie Services zwar von der Datenhaltung zusammen führt, von der Nutzung aber trennt. Beispielsweise nutze ich sehr gerne Instagram und den Messenger (den allerdings eher wenig), auch Whatsapp relativ gerne. Und einige Gruppen auf Facebook, dem Netzwerk. Für alle diese Dinge habe ich eigene Apps auf dem mobilen Internetzugangsgerät meiner Wahl. Die eigentliche Facebook-App nicht mehr.

Das ist nicht konsequent, ich weiß. Aber ich bin auch nicht so ein besonders konsequenter Mensch. Meinen Account gibt es noch. Die Browserdaten zu Facebook habe ich gelöscht.

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Wer etwas tiefer einsteigen will in die Kosten-Nutzen-Überlegungen, sei auf Salim Viranis Blogpost verwiesen. Er bereitet das ganz gut auf, dokumentiert es auch gut. Und hat den einen oder die andere aus meinem direkten Umfeld dazu gebracht, komplett die Reißleine zu ziehen.

Kommentare:

  1. Dein Artikel erinnert mich an einen Post von 2012 von mir (http://www.settantanove.de/wordpress/?p=99). Damals war es allerdings eher Langeweile und nicht das "Produkt sein" samt Opportunitätskosten. Da komme ich noch zu einer anderen Bewertung. Und es sind vor allem die Fast-Offliner, die ich zu verlieren glaube, von denen ich erschreckend viel im weiteren Bekanntenkreis habe.

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