22.7.14

Antisemitismen

Achtung: Hier folgen teilweise antisemitische Inhalte, die ich eingebunden habe, um ihren Antisemitismus zu zeigen. Bitte nicht weiterlesen/-sehen, wenn dieses nicht erträglich ist. Keiner der Inhalte bleibt unkommentiert und ohne Einordnung und Kritik.
In den letzten Wochen war ich teilweise sehr überrascht, wie viele Dinge mit offensichtlichem und - vor allem - weniger offensichtlichem Antisemitismus mir in meine Nachrichtenströme auf Twitter und Facebook gespült wurde. Vor allem von Menschen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie erschrecken, wenn sie realisieren, welchen Kontext Dinge haben, die sie teilten.

Darum vorher ein bisschen Kontext für die Dinge, die ich hier zusammentrage:
  • Ich werfe niemandem Antisemitismus vor. Mir geht es darum, den tief liegenden, auch kulturell sehr tief verwurzelten Antisemitismus sichtbar zu machen, der hinter und unter bestimmten Erzählungen und Darstellungen liegt.
  • Es wäre naiv, anzunehmen, dass rund 2000 Jahre stabiler und wirkmächtiger Antisemitismus keine Spuren hinterlassen hätten. Sehr viel Literatur und sehr viel Denken bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist von Antisemitismus und Judenhass durchzogen. Der Versuch der endgültigen Vernichtung sowohl der jüdischen Religion als auch des jüdischen Volkes hat das auf die Spitze getrieben. Damit ist in Europa eine neue Situation entstanden, die viele Menschen sensibel gemacht hat für die jahrhundertealte Tradition. Anderswo gab es diesen Bruch nicht.
  • So wie überall gibt es auch das Phänomen des Selbsthasses. Bei den Antideutschen, traditionell bei vielen russischen Intellektuellen, unter Jüdinnen. So wenig wie eine Antideutsche als Kronzeugin herhalten kann, dass alle Deutschen scheiße seien, so wenig kann jüdischer Antisemitismus helfen, zu begründen, warum etwas nicht antisemitisch sei.
  • Antisemitismus ist eigentlich das falsche Wort. Ja, das weiß ich, ich bin Theologe, remember. Korrekt müsste ich von Antijudaismus sprechen, denn Semiten sind alle semitischen Völker, darunter viele, in denen heute ein sehr großer Teil der Bevölkerung Israel vernichten will und Jüdinnen und Juden hasst. Aber politisch hat sich der Begriff Antisemitismus eingebürgert. Darum bleibe ich hier dabei. Vor allem aus Gründen der Verständlichkeit. Und weil in Europa Judenhass, seitdem er kritisiert wird, als Antisemitismus bezeichnet wird.

1. Die brutale Rachereligion

In den letzten Tagen wurde rauf und runter, vor allem auf Facebook, ein Video von 2012 geteilt, mit dem eine amerikanische jüdische Künstlerin auf das Lied "This Land is Mine" das ewige Abschlachten in dem Landstrich, in dem heute wieder Israel liegt, darstellt.

Dieses Video ist auf so vielen Ebenen unerträglich, dass es fast schwer ist, irgendwo anzufangen. Mein Pastor Peter Fahr hat es - pikanterweise als Reaktion auf die Veröffentlichung des Videos auf der Facebookseite unserer Kirchenzeitung - aber sehr gut zusammen gefasst. Denn das Video ist sowohl historisch als auch theologisch und politisch einfach nur falsch.

Was macht es antisemitisch? Vor allem zwei Aspekte, die sofort ins Auge springen: Zum einen, dass nur (und wirklich nur) die Juden im Video das Symbol ihrer Religion als Waffe benutzen. Niemand anders tut das. Die Muslime nicht mit dem Halbmond, die Ägypter nicht mit dem Skarabäus, die Assyrer nicht mit ihren Symbolen und so fort. Allein die jüdische Religion ist gewalttätig, in allen anderen Fällen ist es die weltliche Macht. Und zum anderen diffamiert bereits der Titel des Films in Buchstaben, die an das hebräische Alphabet erinnern sollen (und die ikonografisch exakt den Titel des wirkmächtigsten Nazifilms "Der ewige Jude" nachbilden), die jüdische Religion - wenn nur gezeigt wird, dass diesem Satz Gottes diese entsetzliche Gewalt folgt. Und die anderen Herrscher - Assyrer, Ägypter, Hethiter, Sumerer, Griechen, Römer, Araber, Kreuzfahrer, Engländer etc. - singen dieses Lied fröhlich weiter, als ob der jüdische Anspruch nur einer unter vielen wäre. Der Satz ist aber ein Satz Gottes. Und es wird in der Bibel immer wieder betont: Das Land gehört Gott und ist den Juden nur geliehen. Die historisch unwahre Gleichsetzung von Judas Makkabäus mit den Eroberern des Landes fällt da im Verhältnis kaum noch ins Gewicht und ist vielleicht nur für Thoeloginnen erkennbar.

Wenn jemand vorsichtig anmerkte, wie schlimm das Video sei, wurde oft geantwortet, dass doch aber Frau Paley eine anerkannte Künstlerin und außerdem Jüdin sei. Auch das ist aber ein unhistorisches Argument, das keines ist. Im 19. Jahrhundert waren unter den härtesten Antisemiten etliche Juden. Das ist - siehe oben der Vergleich mit den Antideutschen - sozusagen Normalität. Zumal ihre Website zeigt, dass sie selbst offenbar vom Hass auf ihre Religion und auf die Thora zerfressen ist.


2. Der Landklau

Auch dieses Bild wird viel rumgereicht, um zu zeigen, dass es mehr als verständlich sei, dass die Palästinenserinnen zornig seien und sich wehrten. Wie falsch und absurd dieses Bild ist, hat Bernd Schade ausführlich mit einer Bildmeditation geschrieben. Hier sei nur auf die wichtigsten Aspekte verwiesen.

Der antisemitische Kontext ist dabei vor allem das Narrativ vom raffgierigen Juden, der sich Land unter den Nagel reißt, das ihm nicht gehört. Verbunden mit der antisemitischen Erzählung, dass die Juden nun mal selbst schuld seien an ihrer Verfolgung und daran, dass alle andere sie hassen würden.

Das sind sozusagen die hinter diesem Bild liegenden Motive, die es sofort einleuchten lassen, dass im aktuellen Krieg gegen Israel eigentlich Israel und die Juden schuld sind. "Und die Juden" ist in diesem Fall notwendig, weil die Karten ja auch bewusst jüdische Siedlung vor der Staatsgründung mit einbeziehen. Das eigentlich perfide an dem Bild ist aber, dass es bei gleicher Färbung und teilweise gleiche Beschriftung komplett unterschiedliche Dinge abbildet. Bei Bernd ist es ausführlich dargestellt - aber zusätzlich werden auch, je nachdem, was opportun ist, um die Botschaft vom jüdischen Landraub zu untermauern, entweder jüdische oder palästinensische Siedlungsgebiete und Landbesitz einfach ausgeblendet. Mal so, mal so.

Es entsteht ein konsistentes Bild der systematischen Vertreibung der eingesessenen Bevölkerung durch die raffgierigen Juden, die darum nun mal damit leben müssen, dass sie wieder ins Meer geworfen werden sollen. Dass das weder mit diesen Karten tatsächlich gezeigt wird noch in dieser Form wahr ist, spielt dann kaum noch eine Rolle. (Bei allen Fehlern, die die Besatzungsmacht England, die die UNO, die auch vorher schon die zionistischen Siedlerinnen und Siedler gemacht haben, die unbestritten sind.)


3. Der ewige Jude

In der aktuellen Eskalation auf Demonstrationen zur Solidarität mit der Hamas und den Palästinenserinnen kommen etliche tiefe antisemitische Erzählungen an die Oberfläche. Tatsächlich hoffe ich ja, dass persönliche Berichte wie der von Juna vom Wochenende die eine oder andere nachdenklich machen, in welches Fahrwasser die eigene Solidarität da gerät.

Ich werfe niemandem vor, dass sie in der Bewertung der Schuld am aktuellen Krieg gegen Israel die gleiche Position vertritt wie offen antisemitisch agierende Menschen, ich möchte ja auch nicht, dass ihr mir vorwerft, dass ich in dieser Frage mit unappetitlichen Rechtspopulistinnen einer Meinung bin. Nur bitte ich darum, einmal zu gucken, inwieweit das antisemitische Motiv des "ewigen Juden" im Hintergrund schwelt.

An zwei Stellen wird das für mich deutlich. Zum einen tatsächlich an der Fixierung auf den Israel-Krieg. Erst der Krieg um Israel mobilisiert viele Menschen, emotionalisiert sie. Der Krieg um Syrien oder die Ukraine nicht. Das ist nicht an sich schlimm, offenbart aber eine Fixierung, die ohne einen Hinweis darauf, dass Israel ein jüdischer Staat ist, kaum erklärbar wäre. Auch der ewige Verweis auf Konzentrationslager und Nazis gehört in den Kontext. Die Vorstellung, das Volk, das knapp der vollständigen Vernichtung entkommen ist, habe sich moralisch und ethisch anders zu verhalten, ist zutiefst antisemitisch in seiner Fixierung auf den ewigen Juden.

Zum anderen hat mich wirklich bestürzt, was eine Freundin mir letzte Woche erzählte. Dass sie Jüdin ist, wusste ich nicht, sie erwähnte es nebenbei, als wir über antisemitische linke Kommentare sprachen, die einige auf meiner Facebook-Seite hinterließen, bevor ich sie blockte. Und sagte, dass sie in ihrem Studium und in ihren Jobs (vollkommen akademisches Mittelschichtumfeld ohne muslimische Einwanderer) oft die Antwort bekam, sie sähe gar nicht aus wie eine Jüdin, wenn beiläufig bekannt wurde, dass sie eine ist.

Das "meint niemand böse" und wahrscheinlich ist sich auch kaum eine bewusst, dass es nicht mehr nur verdeckt sondern offen antisemitisch ist - aber das erschreckt mich doch. Es ist erklärbar, Jahrhunderte Erzählung vom "ewigen Juden", eine systematische Vermessung von Nasen etc. müssen ja nachwirken. Aber es ist weder eine Kleinigkeit noch witzig.


4. Die Kinderschänder

Ob Brunnen vergiften oder Kinder schänden - "die Juden" sind immer an allem Schuld gewesen. Ich nehme an, dass Jürgen Todenhöfer, der wieder einmal im TV seine kruden Thesen ausbreiten darf, jede verklagen würde, die ihn einen Antisemiten nennt (was übrigens auch ein typisches Motiv ist, auch in von mir beendeten und gelöschten Kommentaren auf meinem Facebook-Profil gab es Klagedrohungen bei Hinweisen auf antisemitische Muster in Argumentationen). Mit seinen Fotomontagen oder gestellten Fotos auf Facebook aktuell bedient er aber klassische Erzählungen.

Wie mit dem leuchtend staubfreien Kinderspielzeug in zerstörten Häusern. Ohne auch nur ein offen antisemitisches Wort sagen zu müssen, schreit dieses Bild: Seht her, diese Juden schänden die Kinder. Vergiften die Brunnen. Während die armen Opfer, wenn sie sich wehren, lediglich eine Sauna zerstören. Was ein weiteres Motiv bedient - denn was drückt den absurden Reichtum "der Juden" besser aus als eine Sauna (!) in einem der heißesten Flecken rund ums Mittelmeer. Der jüdische Wucherer lässt grüßen.

Dass Todenhöfers Bilder und Geschichten so einen Widerhall finden, hängt auch (nicht nur, klar) mit den tiefen, über Jahrhunderte gewachsenen Ressentiments und Vorurteilen zusammen, was und wie Juden seien. Er muss und wird (nehme ich an) keine antisemitischen Worte nutzen. Braucht er auch nicht.


5. Auge um Auge

Der historische zivilisatorische Fortschritt, aus Rache keine Eskalation zu suchen sondern nur eine Kompensation, wurde in der europäischen Geschichte des Antisemitismus immer wieder gegen die jüdische Religion gewandt. Hier die Rachereligion (siehe oben), da die andere Wange, die hingehalten wird.

Dass die Autoritäten der Palästinenserinnen statt Bunkern und Schutzzäunen und einer Raketenabwehr lieber Abschussrampen und Tunnel für den Waffenschmuggel bauen, ist fast egal, wenn das Ungleichgewicht der Kinder, die in diesem Krieg sterben, so krass ist.

Wenn radikalisierte Menschen sich als Schutzschild auf Waffenlager stellen, kann man sie dann wirklich Zivilistinnen nennen? Und dass Israel seine Bevölkerung schützt, Bunker baut, Warnungen rausgibt, einen Zaun und eine Raketenabwehr installiert, ist wertlos, wenn es nur dazu führt, dass die Schuldfrage durch das Zählen von toten Menschen moralisch eindeutig geklärt werden kann.

Dass sie nicht die andere Wange hinhalten, dass sie sich weigern, sich ausrotten zu lassen - dieses gegen Israel zu verwenden, ist anders als mit Antisemitismus kaum noch erklärbar. Vielleicht ist es eher das "ewiger Jude"-Motiv, ich weiß es nicht. Aber der Bodycount, das Aufrechnen von Toten in diesem Krieg für eine moralische Bewertung der Schuld an diesem Krieg, lässt mich fast ratlos zurück, nachdem der ohnmächtige Zorn sich gelegt hat. Denn diesem Punkt ist mit Argumenten noch weniger beizukommen als den anderen, klarer antisemitischen Motiven. Er ist einfach nur absurd und verquer.

Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. Nur kurz zwischen gerufen: Kontroverse Kommentare gerne. Kommentare, die antisemitische Motive weitertragen (wie "die Israelis ermorden Kinder in Gaza", hier geht es mir um das Wort "ermorden"), lösche ich unangekündigt.

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  3. was mich wirklich umtreibt, ist diese merkwürdige faszination in diesem land für die so genannte "isreal-politik", die man ja wohl mal kritisieren dürfe, ohne gleich als antisemit angefeindet zu werden. warum in gottes namen fühlen sich überhaupt so viele leute berufen, die isrealische regierung zu bashen? oder kommt mir das nur so vor? werden in gleichem maße vielleicht andere regierungen kritisiert, die ihren staat mit militärischen mitteln vor angriffen auf ihre bevölkerung zu schützen versuchen? möglicherweise, aber zumindest in meiner wahrnehmung steht die kritik an der "isreal-politik" klar an der spitze des öffentlichen politikkritik-rankings. und wenn das so ist, dann lohnt sich sicher eine genauere untersuchung dieses phänomens. gibt es dazu vielleicht irgendwelche studien? würde mich ja schon interessieren ...

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  4. Jens Best22.7.14

    Wer Netanjahu, Lieberman oder Bennett kennt, hat gute Gründe diese Regierung deutlich zu kritisieren - und zwar nicht erst immer dann, wenn sie mal wieder in Gaza aufräumen wollen.

    Wer diesen Drei zuhört, wendet sich schnell mit Abscheu von diesen teilweise sehr geschickten Demagogen ab. Deren rechtsextremer Rassismus hat in den letzten zwanzig Jahren die israelische Gesellschaft durchdrungen. Der moralische Kompass Israels ist sehr beschädigt. - Wenn man das ausblendet und sich den Clan-Realitäten der Palästinensern oder anderen Arabern widmet, hat man nur das halbe Bild. Hinter Israel, der konkreten Idee Israel zu stehen, bedeutet für einen aufgeklärten, säkularen Bürger, dass er sich auch öffentlich gegen die inneren Feinde Israels stellen muss. Gleichzeitig sollten auch die Kräfte im Land unterstützt werden, die für die Vernunft stehen und die - mit der gleichen Leidenschaft für dieses Land - an einem anderen Weg arbeiten wollen. Mit Rabin waren wir schon mal viel weiter - nächstes Jahr im November jährt sich der Jahrestag seiner Ermordung durch jüdischen Hass zum zwanzigsten Mal. Ein guter Moment, damit die Welt und Israel diesem Mann endlich das Versprechen einlösen könnte - nämlich nicht nur den Krieg ab und an zu unterlassen, sondern mit dem Frieden zu beginnen. Das jüdische Israel ist eine der Länder in der Region, die den Frieden anfangen und auch durchsetzen können. Zusammen mit der Arabischen Liga. Der Plan liegt auf dem Tisch, aber die größten Widerstände sind nicht ein paar Hamas-Hansel, sondern die unfassbare Vehemenz derjenigen Kräfte in der israelischen Gesellschaft (und ihre Unterstützer in der Welt), die mit einem arroganten Hass an besetztem Boden und ultra-religiösem Wahn festhalten. Schau dir die Demos 94/95 an, potenziere diese negative Energie mit Faktor Zehn und du erahnst die Kraft, die in der Mitte der israelischen Gesellschaft herrscht und nie, nie Frieden haben werden wird.

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    1. Jens, dem stimme ich in großen Teilen zu. Was nichts an meiner Einschätzung - und hier scheinen wir auseinander zu gehen - an der Verantwortung (nicht Schuld, diese moralische Kategorie lehne ich ab) für den Krieg gegen Israel ändert.
      Die Analyse der Rechtsrucks ändert nur nichts daran, dass sowohl die Fixierung auf Israel als auch die antisemitischen Narrative extrem schlimm sind. Bis auf die Tatsache, dass es sich nicht in einem von seinen Nachbarn angezettelten Krieg befindet (vergesst nicht, dass die Besatzungen Ergebnis eines von den Nachbarn begonnenen und verlorenen Krieges sind ähnlich den Verlusten von Land nach dem letzten von Deutschland angezettelten Krieg, wo auch kaum jemand auf die Idee kommt, sich mit den Forderungen der Vertriebenenverbänden nach Rache und Landrückgabe zu solidarisieren) gilt diese innenpolitische Analyse auch für Dänemark, ohne dass wir uns auf Dänemark-Kritik fixieren.

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  5. Jens Best23.7.14

    1/2

    Lieber Wolfgang, ich sehe diese "Fixierung auf Israel" nicht in der Intensität. Andere Konflikte werden auch in Deutschland stark wahrgenommen, vielleicht nicht medial, aber es gibt für alle großen Konflikte auch Demonstrationen in Deutschland.
    Wir hatten auch schon immer eine sehr aktive palästinensische Flüchtlings-"Szene" in Deutschland. Sicher hängen sich sowohl aggressive arabische Jugendliche/Junge Erwachsene und deren Rattenfänger sowie die rechtsradikalen & neurechten Schwachmaten auf diesen Zug. Das führt zu einer Gemengelage, die massiv unangenehm ist und in aller Deutlichkeit berichtet und bestraft/eingedämmt gehört. Dies passiert auch, auf einen dummen Nazi kommen in Deutschland mehr Gegendemonstranten und aktive Bürger als in vielen anderen europäischen Ländern.

    Darüberhinaus bin ich, der sich durch längere Aufenthalte und mit einem generellen alten Faible für den Nahen Osten schon seit Jahrzehnten auch mit Israel intensiv beschäftigt, sehr froh, dass Israel in Deutschland eine besondere Rolle spielt. Israel hat in den letzten zwanzig Jahren eine sehr negative Entwicklung durchgemacht. Die Ressentiments der rechtsextremen und ultrareligiösen Kreise sind massentauglich geworden - da muss jeder Freund Israels besorgt sein, weil ein solches Israel keinen Frieden finden wird. Ob Netanjahu oder das traurige "Zwischenspiel" Barak, der Wille zum Frieden ist mit Rabin gestorben in Israel. Dies kann Menschen, denen Israel nicht egal ist, nicht ruhig lassen. Israel wird von innen heraus zersetzt, was um ein vielfaches schlimmer ist, als die Qassam-Raketen. Die Shin Bet hatte mit der Hamas vor einigen Jahren fsast einen "kleinen Friedensdeal" vorbereitet - Netanjahu liess den zentralen Unterhändler brutal ermorden. Das sind keine Zufälle, es gibt Kreise in Israel, die nicht nur den Frieden getötet haben, sondern einen langsamen Genozid an den Palästinensern vorantreiben. Und wenn man das nicht kommentieren darf, weil man sich dann als Deutscher irgendwelcher abstruser Vorwürfe hier stellen muss (was ich übrigens nicht mehr mache, ich gebe uneinsichtige Verleumder mittlerweile einfach an die Staatsanwaltschaft weiter), dann ist was faul im Staate Dänemark.
    Es geht auch nicht mehr um die Schuldfrage. Wer die Schuldfrage beim Israel/Palästina-Konflikt stellt, will keine andere Zukunft. Frieden wird nach vorne gestaltet. Die Grenzen von '67, Rabins Ergebnisse aus Oslo I/II und die Vorschläge der Arabischen Liga sind die Grundlage für einen Weg in eine friedliche Zukunft. Das wird mit Leid verbunden sein auf beiden Seiten (allein die Entfernung der Siedler aus den besetzen Gebieten wird nur mit massiven Militäraufgebot geschehen können), aber die Alternativen sind noch schlimmer.

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  6. Jens Best23.7.14

    2/2

    Die Zurückgewinnung der Zivilisation in den arabischen globalen Population wird eine viel größere Aufgabe werden. Die aktuellen kriegerischen Zuspitzungen zwischen Sunniten und Shiiten zeigen, wie weit die von dieser monotheistischen Herrschaftsreligion belasteten globalen Bevölkerungsteile von einem Weg zu zivilisatorischen Grundprinzipien entfernt sind. Und sowas kann in weiten Teilen nur von innen herauswachsen, kann nicht von außen aufgezwungen werden. DAS ist eines der eigentlichen Problem des 21. Jahrhunderts. Frieden wird nur durch Ko-Existenz, Handel und kulturellen Austausch geschehen. Grundlage dafür ist u.a. ein befriedeter Grenzverlauf und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern. Jahrzehntelange massive Traumatisierung, die sich in gewalttätigen Grundeinstellungen weiter Bevölkerungsteile manifestiert, sind eine der großen (internationalen) Herausforderungen, die nachhaltiger Bestandteil jeder Friedensversion sein werden müssen. Israel-Palästina wird nicht mit ein paar Unterschriften befriedet, sondern mit einer Haltung von Respekt und Liebe. Dafür braucht es Menschen, die diesen gewaltigen inneren Schritt gesellschaftlich einfordern, gestalten und aufrechterhalten. Die aktuellen rassistischen Opportunisten Netanjahu, Lieberman, Bennett etc. sind nicht diese Menschen - und im Gegensatz zum alten Falken Rabin sehe ich bei keinem von denen auch die innere Größe einen solchen Schritt zu vollziehen, denn dafür bräuchte es wahren Mut. Aber es gibt solche Menschen in Israel und wer Frieden will, stellt sich hinter deren Rücken und stärkt sie.

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  7. Zum Video:
    Das Video und die Figuren sind zunächst mal unter freier Lizenzierung (CC BY-SA), was eine Weiterverwendung, Veränderung und öffentliche Erarbeitung ermöglicht. Das finde ich schonmal auf dem Hintergrund, dass die Autorin 9 Monate Recherche- und Kreativarbeit investiert hat eine tolle Sache, denn als #OER "open educational resource" kann damit öffentlich und im Schulunterricht kostenfrei gearbeitet werden.
    Die Komplexität auf 3 Minuten zu reduzieren, kann nur Ausgangspunkt für weitere Recherchen und Arbeitsaufträge sein. Bei der näheren Beschäftigung können dann die benannten Antisemitismen erkannt werden, eine andere Chronologie der Ereignisse festgestellt werden oder auch die Entstehung des Gaza-Streifens erarbeitet werden.
    Dass Judas Makkabäus ("Der Hammer") einen Hammer mit Davidstern nutzt, kann man gegenüber den anderen Figuren als Antisemitismus identifizieren.
    Genauso kann die Auseinandersetzung mit dem hebräischen Fake Font jede Menge Lerngelegenheiten bieten und gerade darüber die Reflexion von Antisemitismus konkreter werden lassen, als eine reflexhafte Ablehnung des offen lizenzierten Lernmaterials.

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