18.12.13

Netzwerk-Reset

Vielleicht liegt es ja doch am Jahresende. Oder daran, dass ich dabei bin, die Ausblicke auf 2014 zu schreiben. Oder den Jahresbrief der Familie. Dass ich also gerade gucke, was mir gefallen hat, was mich nervte, was sich änderte. Und gestern schrieb Nico etwas, das mir zwar anders geht, aber vom Prinzip her ähnlich. Wo Nicos Twitterblase kaputt ist, ist es meine bei Facebook, merke ich immer wieder und immer mehr. Dauernd schreiben Vollspacken irgendwelchen merkbefreiten Kram, auf den  dann andere Schwachköpfe antworten. Sorry for being so rude. Ist doch aber so.

Zeit, sich das einmal genauer anzusehen und erste Konsequenzen zu ziehen. Zumal ich es auch zukunftsfähig halten will und die massiven Veränderungen in Nutzung und bei den Nutzerinnen der letzten Monate in allen Netzwerken mich ohnehin zu Veränderungen zwingen. Privat und beruflich. Zu letzterem mehr, wenn die Ausblicke oder Trends für 2014 kommen, die ich sehe.

Das, was private und berufliche (professionell-kommunikative) Nutzung speziell von Facebook aber gemeinsam haben, hängt damit zusammen, dass das Netzwerk zunehmend dysfuktional geworden ist - wenn wir es als Ort für Gespräche betrachten wollen.

Naja.

Meine These, dass das Silo Facebook von einer Vielzahl von sinnvollen Netzwerken und Plattformen abgelöst wird, ist ja auch nicht nur so daher gesagt. Wo immer ich mit anderen Menschen spreche, erzählen sie es auch: dass sich die Nutzung verändert (hat).

Für mich ist im ablaufenden Jahr beispielsweise Instagram immer wichtiger geworden und ein Ort, an dem ich Kontakte und Inspiration finde. Und Twitter hat wieder an Bedeutung zugenommen. Facebook war nett, um Geburtstagsgrüße zu bekommen. Und treibt einigen Traffic hier ins Blog. Aber das war es auch schon.

Mein "Netzwerk-Setup" ändert sich darum:

  • Wichtigster Ort für Gespräche, Blödeleien, Links und Inspiration bleibt Twitter. Es ist und bleibt mein wichtigster digitaler Raum, in dem ich mich wohlfühle, in dem ich die für mich richtigen Leute kenne, die mir helfen, das Wichtige und Relevante zu finden.
  • Instagram ist mein wichtigster privater Raum. Privat im Sinne von "Wolfgang die Privatperson", nicht im Sinne von "nicht öffentlich". Immer häufiger ist der erste Griff morgens der zur Instagram-App.
  • Für berufliche Kontakte werde ich ab sofort nur noch LinkedIn nutzen. Ich merke, dass ich einfach keine Lust habe auf die völlig unbrauchbare und dazu auch noch völlig an der Struktur meiner Kontakte vorbei ausgerichteten "Weiterentwicklung" von Xing. Erster Schritt war die Kündigung meiner Premiummitgliedschaft, im Laufe der nächsten Monate werde ich meinen Account dort löschen.
  • Ich werde Facebook anders nutzen als bisher. Abmelden kann und will ich mich nicht, weil ich dort einige interessante Gruppen habe und es beruflich brauche. Aber ich werde bei den Kontakten aufräumen (sprich: massiv reduzieren), ich habe die Inhalte unsichtbarer gemacht, ich werde dort nur noch posten, um Traffic zu holen und meine Ideen unters Volk zu bringen. Facebook ist aus meiner Sicht kein Raum für Gespräche und kein Social Media.
  • Weiterhin werde ich hin und wieder auf Medium schreiben. Nur auf Englisch. Und nur sporadisch, wenn es um Nachdenken geht. Aber ich liebe dieses Netzwerk sehr und finde es extrem gut und spannend. Einer der Entwürfe, wie ich mir das Internet vorstelle.
Anderes wird sich ändern, wird weiter gehen, wird aufhören. Auf meiner Homepage werde ich weiterhin das zusammenführen, was ich teilenswert finde. Aber grob gesagt scheint mir dies ein sinnvolles Reset meiner Netzwerknutzung zu sein. Ich bin gespannt, ob damit der Nervfaktor zurückgeht und die Inspiration bleibt. Mitsamt den Gesprächen.

Kommentare:

  1. Deiner Einschätzung (mal abgesehen von Medium, das mir wieder ein Kommunikationskanal zu viel wäre) kann ich nur zustimmen. Facebook ist auch für mich weitestgehend nur noch Verbreiter meiner postings aus dem Blog. Durch mein erstes Buch werde ich dort mehr auf den "Autor U.H." Account verlagern. Aus Xing raus zu gehen überlege ich auch schon länger, konnte mich aber noch nicht dazu durchringen.

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  2. Erneut eine Inspiration, besten Dank! Warum "erneut"? Nun ja, der Post "Blogt! Mehr! Neu!" hat mich zum Jahresende endlich zum Schreiben gebracht und Eingang in einen meiner ersten Blog-Beiträge gefunden (http://www.pr-stunt.de/jetzt-singt-er-auch-noch/)... sicher werden einige der hiesigen Gedankengänge wieder aufgegriffen ;-) Im wahrsten Wortsinn: alles Gute für den Neustart 2014!

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  3. Nina Galla18.12.13

    Das Beste an Social Media ist ja, dass jedes Netzwerk, jede Plattform für jeden eine andere, subjektive Bedeutung, Nutzung und Filterbubble hat. (q.e.d.)

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  4. Wolfgang, genau deswegen lese ich viele deiner Artikel gerne, weil Du mir ein wenig aus der Seele sprichst. Auch ich möchte nicht mehr diesen ewigen Singsang in Social Media ertragen und nutze die Netzwerke nur sukzessiv. Twitter sehr intensiv, da hier viel Kommunikation rund um viele Informationen (und Links) erfolgt. Facebook sehr selten, meist nur um mit wenigen Menschen Nachrichten zu veröffentlichen und weil man es ja beruflich braucht. XING verliert eindeutig gegen LinkedIn und auch ich habe die Premiummitgliedschaft gekündigt. Für Medium fehlt mir die Zeit. ;)

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  5. geht mir (fast) ganz genau so, twitter ist klare nr 1 und linkedin schlägt xing. instagram nutze ich ein wenig und facebook nach wie vor so gut wie gar nicht. medium muss ich mir im zuge der entwicklung hin zur kuration nochmal näher ansehen, zumal web-basiert, bislang nutze ich dafür flipboard magazine, was zwar toll funktioniert, aber eben leider nur native ...

    aber du hast google plus vergessen hahahahaha ....

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  6. Des einen Instagram ist des anderen flickr. Gibt da einige Gruppen, in denen ich seit 2005 immer wieder Inspiration und Schönheit in vielen Formen finde. Facebook mehr noch als Twitter wird für den "täglichen" Privatgebrauch mehr zu einem "kurz eintauchen"-Medium. Wobei Twitter sicher auch darüber hinaus ein guter kurzer Draht für drei, vier, fünf Filterblasen meiner Wahl ist und bleibt (und natürlich Hashtag-bezogen ein Realitme-News/Noise-Tool.)

    Xing: "Ich habe ihnen vor zwei Monate eine Mail auf Xing geschrieben" - oh, dass tut mir leid, ich gehe nur alle drei Monate mal in Xing vorbei. Man kann da übrigens immer noch nicht Mailbenachrichtigungen en bloc löschen, ich sollte da wenigstens mal, aber andererseits kommen ja auch dauernd Leute auf LinkedIn hinzu, da müsste man auch, aber wissen sie, ich telefoniere auch gerne mit Leuten, auch wenn's altmodisch ist - warten sie, ich geb' ihnen mal meine Visitenkarte mit der eMail. Früher da hiess es ja OpenBC...

    Ansonsten ist das wahre Social in den kollaborativen Tools, die Menschen zu einem Zweck und zum Handeln zusammenbringen. Und über das Verschwinden der digitalen Öffentlichkeit, des ungezwungenen Online-Begegnens, in kommerzialisierten "Social" Angeboten - da fang ich jetzt gar nicht erst mit an. Ist ja Jahresende, können wir in 2014 weiter drüber socialn.

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  7. jeansjacken gehen auch gar nicht mehr. und kino nur noch 3D.

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  8. http://www.ringfahndung.de/archives/das-wichtigste-mittel-gegen-social-media-depression-konsequentes-anwenden-von-filtern/

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