21.9.12

Die letztgültige Erklärung des Julia-Schramm-Problems

Aus meiner Sicht ist das Problem rund um die Zugänglichkeit von Julia Schramms Schulhofprosa (ich habe reingelesen, das war das erste, was mir dazu einfiel, vielleicht lese ich noch mal weiter, weiß ich noch nicht, ich habe lange genug gebraucht, um zu lernen, dass ich Bücher nicht weiterlesen muss, wenn ich sie nicht mag, war echt schwer) "Klick mich" nicht etwa, dass sie bigott wäre oder so was. Dazu hat Stefan Niggemeier detailreich etwas gesagt, das in der Frage gipfelt:
Worin soll nun der Widerspruch zwischen diesen Äußerungen vorher und dem aktuellen Vorgehen von ihr und ihrem Verlag bestehen? Was genau ist die Heuchelei?
Witzigerweise weist er zwar schön nach, wie so genannten Journalistinnen durch ihren Hass auf Piraten blind für das Thema werden - scheint mir aber durch seinen Hass auf so genannte Journalistinnen (ok, etwas überspitzt der Pointe wegen) blind zu sein für das, was ich als das tatsächliche Problem empfinde. Und was zugleich aus meiner Sicht ein grundsätzliches Problem der Piraten ist, das immer und immer wieder durchkommt.

Dass Frau Schramm nicht mal versucht hat (oder dass es ihr nicht gelungen ist, etwas entsprechendes durchzusetzen, was ich aber unwahrscheinlich finde, da sie das bestimmt gesagt hätte irgendwo), anlässlich ihres eigenen Buches eine Lösung zu finden, wie immaterielles Teilen ihres Textes und der Wunsch, es auch auf Papier gegen Geld zu teilen, austariert werden können. Nichts. Keine Idee, keine Experimente, keine Anstrengung.

Dass ich weder Frau Schramm noch andere Piraten, die ich bisher kennen lernte oder mit denen ich arbeitete, politisch ernst nehmen kann (abgesehen davon, dass ich sie - und das schrieb ich ja auch schon oft in diesem Blog - mit ihren Fragen und Anregungen und ihrem Kulturbruch sehr ernst nehme), hängt eben genau damit zusammen. Ich empfinde das als Kindergartenniveau. Vorpubertär.

Etwas zugespitzt geht die Geschichte ja so: Ich finde, es muss sich was ändern rund um Urheberrecht und immaterielle Güter. Wir merken ja alle, dass es so nicht geht, vor allem werden Nutzerinnen zu Unrecht kriminalisiert. Aber huch, ich habe gar keine Idee, was man da machen könnte. Also schade, naja, dann eben nicht, dann muss mein Buch wohl einfach nach den Spielregeln erscheinen, die ich so doof finde. Doof, aber Pech.

Ihr seht: Mir geht es nicht um Bigotterie. Und ich finde auch, wenn jemand Frau Schramm viel Geld gibt für dieses Manuskript, soll sie das tun. Gönne ich Frau Schramm übrigens. Und bin mir sicher, dass es genug ängstliche Menschen über 45 gibt, die es kaufen werden.

Das Problem ist vielmehr - so sehe ich es -, dass sie unernsthaft ist und kindisch. Warum gibt es kein offizielles PDF oder - vielleicht noch charmanter - eine reine html-Variante des Buchs? Oder in Blogform. So dass es geteilt werden kann, wie es Frau Schramm und die Piraten - und ich auch, da stimme ich ihnen zu - sinnvoll fänden für Gedanken und Ideen und Texte und so weiter. Und daneben ein preiswertes E-Book. Und ein gedrucktes Buch für den hohen Preis, den der Verlag kalkuliert hat.

Die These von uns allen, die wir etwas ändern wollen in diesem Bereich, ist doch, dass es eben nicht stimme, dass das Verschenken von Inhalten und unterschiedliche Preise je nach "Hardware" des Buchs beispielsweise zu einem Zusammenbruch der kommerziellen Kulturproduktion führen werden. Frau Schramm hätte hier den Beweis (oder zumindest das Experiment) antreten können. Macht sie aber nicht. Und das nenne ich kindisch und vorpubertär (und hey, damit will ich keine Kinder beleidigen, sondern im Zuge ihrer Entwicklung kommt Biss und Konsequenz nun mal erst später, ich weiß das, denn einige meiner Kinder machen diese Phase gerade durch). Und dazu ist es nicht nur politisch kindisch - sondern auch politisch dumm. Denn jetzt haben die Verfechterinnen des Status Quo wie meine mir unerträgliche Parteifreundin Krummwiede ein tolles Scheinargument an der Hand: Seht, nicht mal die Piratin Schramm meint das Ernst. Es geht einfach nicht, was ihr naiven Utopistinnen euch vorstellt.

Darum bin ich auch ernsthaft böse auf Frau Schramm.

Die letztgültige Erklärung des Julia-Schramm-Problems ist also eine, die mir wirklich Sorgen macht: Sie wird einfach nicht erwachsen. So wie ihre Mitpiraten auch nicht, so weit ich es sehen kann. Kommt nach den Berufsjugendlichen der Generationen von Schröder/Trittin bis Gabriel nun eine politische Generation von Kindern?

Kommentare:

  1. Genau so ist es.

    Warum stellt sie das Buch nicht in anderen Formen zur Verfügung? Für kostenlose Weitergabe ist bei der Höhe dieses Vorschusses - meine ich - kein Raum. Da hätte sie einen Verlag wählen müssen, der zu Experimenten bereit ist.

    Und das ärgerlichste ist nicht, daß die Medien nicht unterscheiden zwischen Urheberrecht und geistigem Eigentum, sondern daß sie selbst kein bißchen nachgedacht, keinen Plan hat. Und die Parteiführung sich nun vor den "Kindheitstraum" von Julia Schramm stellt! Das macht mich wirklich wütend.

    (Weil man es ja leider dazusagen muß: Es ist kein bißchen Neid dabei, ich sehe das vollkommen positiv, daß jemand, der ja außerhalb unserer Blase weitgehend unbekannt ist - solche Summen mit einem Buch verdienen kann. Nach allem, was ich in den letzten Monaten über Autoren-Einkommen gelesen habe, hätte ich das nicht gedacht. Und finds gut!)

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  2. Schön, auf welche Weise sie dem Meinungsschwenk im Netz entgegentreten. Es ist zwar wahr, was Niggemeyer sagt: Ihr ist formal nichts vorzuwerfen. Aber damit sind die Piraten ja nur dort, wo alle anderen Politiker auch sind. Und nur weil einer, wie Schramm, seit Wochen nicht mehr klar Stellung bezieht, wird ihr Tun nicht weniger vorwerfbar. Denn die Linie der Piraten ist ja klar. Auch ohne, dass es ausgesprochen wird.

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  3. Christopher25.9.12

    Erwachsen geworden sein erfordert aber auch eine Menge Mut.

    Als Joschka Fischer erwachsen war und mit vernunftbasierten Mitteln gegen den Holokaust auf europäischem Boden vorging, bekam er von seinen eigenen Leuten die Torte ins Gesicht.

    Vielleicht ist Frau Schramm etwas mutlos angesichts des Gruppendrucks im eigenem Lager?

    Vielleicht braucht sie einfach jemand der ihr Mut macht?


    Und an dieser Stelle weiß ich immer nicht, wie sehr durdcht und durchfuchst Deine Blogs wirklich sind oder ob ich nur projiziere... l o l.

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