8.12.11

Es wird Zeit, zu gehen, SchülerVZ



Ich habe mich geirrt. Das Jahr geht zu Ende und die VZs gibt es noch. Formal zumindest. Das, was man an Insiderdingen hört, lässt zwar vermuten, dass ich mich nur um wenige Monate vertan habe mit der Prognose, dass sie dieses Jahr aufgeben oder ihr Geschäftsmodell ändern, aber...

HALT.

Geschäftsmodell ändern? Vielleicht hatte ich doch recht. Zumindest bei SchülerVZ. Das Bild oben ist aus einer Mail, die sie heute an ihre Mitglieder verschickt haben, zumindest an die Inaktiven (andere kenne ich nicht). Offenbar will SchülerVZ die mehr oder weniger offizielle Mobbingplattform an deutschen Schulen werden, also ungefähr das Gegenteil dessen, was ich ihnen als Ausweg empfohlen hätte (denn hey, für sehr junge Kinder könnte es - in Zusammenarbeit mit den Eltern - spannend sein, in einem Netzwerk mit deutschen Moderatoren und deutschem Datenschutz zu sein oder so, naja, Chance vertan).

Um es ganz klar zu sagen: Damit überschreitet SchülerVZ eine Grenze, die sie niemals hätten überschreiten dürfen. Hat von denen eigentlich irgendjemand Kontakt zu Jugendlichen? Also im richtigen Leben jetzt? Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Mobbing ist eine der schlimmsten Formen von Gewalt, die im Alltag deutscher Schulen vorkommt.

Heute abend, wenn sie zu Hause sind, werde ich mich mit meinen (jugendlichen) Söhnen hinsetzen und sie werden ihre (selbstverständlich ohnehin inaktiven) Accounts bei SchülerVZ löschen. So einen Dreck wie dieses Pausenhofmobbing mache ich nicht mit, nicht mal passiv. Und ich rufe hier und via Twitter und Facebook alle Eltern auf, es ebenso zu machen. Eure Kinder, die sich damals mal bei SchülerVZ angemeldet haben, bevor sie zu Facebook gewechselt sind, wurden auf ein Portal umgezogen, das damit wirbt, dass man da super einfach und spaßig mobben kann. Das ist eklig. Fast noch ekliger als diese eklige Mediamarktwerbung mit diesem Konsumbaumdingens.

SchülerVZ, es wird Zeit für dich, zu gehen. Nicht, damit ich recht behalte. Sondern weil deine Zeit abgelaufen ist. Weil du in deiner Verzweiflung offenbar nur noch in die unterste Schublade greifen kannst. Im Sommer, mit deinen Porno-Chic-Mails an die Schülerinnen (weißt du noch, dieses Ding mit den Bildern, auf denen die jungen Leute fast nix anhatten), da dachte ich, es geht nicht mehr schlechter und weiter nach unten. Ich hatte mich schon wieder geirrt.

SchülerVZ, das Maß ist nun voll, das Fass ist nun übergelaufen. Ich bin beileibe kein Fanboy von Facebook und finde, dass die Kosten (Daten, Sicherheit, Cookies) dort langsam anfangen, den Nutzen nicht mehr aufzuwiegen. Aber mit dir, SchülerVZ, will ich nichts mehr zu tun haben. Nicht mal passiv. Und ich verbiete meinen Kindern, bei dir Mitglied zu sein. Da bin ich ganz altmodisch und autoritär. Stirb allein. Lass Menschen mit Hirn und Herz in Ruhe.

Edit 9.12.2011, 18.00 Uhr
Wir haben es geschafft: SchülerVZ killt den Flop-Button. Gut so.

Edit 10.12.2011, 10:00 Uhr
Alle neuen Punkte, meine Bewertung des Sieges der Pädagogik und der guten Sitten über SchülerVZ und eine Dokumentation der Pressemitteilung und der vorherigen Nutzungsbedingungen - siehe meinen zusammenfassenden aktuellen Post.

Kommentare:

  1. Ich habe mal ein paar Screenshots der Anwendung gemacht und bei Google+ öffentlich abgelegt: Hier zu den Bildern und Erklärungen.

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  2. Anonym8.12.11

    Ich finde es auch nicht toll was hier neu eingeführt wird. Aber per Facebook alle Eltern zur Löschung der Accounts aufrufen. Also echt. Seit wann ist Facebook auch nur ein Funke besser als SchülerVZ?

    Bei Facebook werden detailierte Informationen über Euch oder eure Kinder gesammelt. Ja sogar der Chat wird gepeichert. Wer weiß denn wie die Daten in Zukunft genutzt werden. Das können wir uns heute noch gar nicht vorstellen. Da Eure Kinder ja immerhin noch mindestens ein halbes Jahrhundert damit leben müssen, müsstet ihr konzequenterweiße auch diese Accounts löschen.

    Ich persönlich würde nicht gut schlafen können, wenn ich weiß meine Daten liegen auf einem Server in der USA. Hier greift deutsches Recht nämlich nicht...

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  3. Anonym8.12.11

    Fun Fact: Mit genau diesem Dienst (Leute mit Flop oder Hot bewerten) ist Facebook bekannt geworden, siehe "The Social Network". Wärst du moralisch wirklich so integer, dann hättest du dort auch keinen Account, aber dort überwiegen halt dann doch die Vorteile gegen die Moral.

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  4. Anonym8.12.11

    Mit Verboten erreicht man meißtens das Gegenteil des gewollten

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  5. Matze8.12.11

    Anscheinend werden die nur die "Tops" angezeigt, die "Flops" kann man nicht einmal selbst und erst recht kein anderer sehen.

    Ich selbst bin mindestens 30 Jahre zu alt dafür und kenne SchülerVZ nicht aber das wird zumindest an anderen Stellen von mehreren Usern glaubhaft versichert.

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  6. Anonym8.12.11

    nur die tops angezeigt bring aber nicht viel, weil keine tops im umkehrschluss flops sind.

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  7. Anonym8.12.11

    Zitat anonym #2
    Fun Fact: Mit genau diesem Dienst (Leute mit Flop oder Hot bewerten) ist Facebook bekannt geworden, siehe "The Social Network".

    Ja, bei Facebook hat man aber gemerkt dass sowas nur zu Mobbing führt und konsequenterweise gibt es inzwischen nur noch "Gefällt mir" und kein "Gefällt mir nicht" ;)
    Zumal dort die Zielgruppe erstmal nur Studenten waren und keine Kindergarten-Kinder.

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  8. Anonym8.12.11

    *Edit: Schüler, nicht Kindergartenkinder, sorry ;)

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  9. Anonym9.12.11

    http://www.schuelervz.net/l/rules

    Und dann auch noch diese schrecklichen Regeln, schnell zu Facebook wechseln, weil das neue Myspace ist ja eindeutig die bessere Alternative *schmunzel*

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  10. InfoFirst9.12.11

    Schlecht recherchiert und uninformiert. Es sind nunmal keine Flops sichtbar. Außerdem werden nur Bilder von Kids bewertet, die diese Pausenhof-App installiert haben. Es wird also niemand gezwungen bzw. es kann niemand bewertet werden, der das nicht möchte. Daneben gibt es wie auf der gesamtem Plattform die bekannten Funktionen, um Missbrauch zu melden etc.

    Nenn mir doch ein soziales Netzwerk, das einen Jugendschutzbeauftragten hat, eine eigene Abteilung zum Schutz der User betreibt (Customer Care & Media Education) und sich an Schulen engagiert um den Kids mit Vorträgen etc. zu zeigen, wie man verantwortungsvoll mit seinen Daten umgeht.

    Ein bisschen nach Informationen zu suchen, bevor das große Bashing losgeht, sollte man schon einplanen.

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  11. Ein paar Punkte, zu denen ich noch was sagen kann und muss, danke für eure Gedanken und für die vielen Orte, an denen das Thema aufgenommen wurde. An der einen oder anderen Stelle wurde ja auch die (aus meiner Sicht: eher armselige) Stellungnahme des Marketingchefs von SchülerVZ erwähnt.

    Ich habe mir, bevor ich unsere Accounts gelöscht habe, den Pausenhof genau angesehen. Nur falls jemand glaubt, hier werde mal eben bashing betrieben oder dass ich wüsste, worum es geht. Und ich sehe durchaus (und deute das auch im Blogpost an), wo die Stärke von SchülerVZ hätte liegen können und was sie an anderen Stellen tun. Ich war dabei, als am Webmontag damals Anfang 2006 die Jungs StudiVZ erstmal öffentlich vorgestellt haben. Also - glaubt mir oder nicht - ich bin nicht naiv und so ein winziges bisschen kenne ich mich aus.

    Als Vater begleite ich meine Kinder ins Internet und setze ihnen (technische und andere) Grenzen, gebe ihnen aber auch Spielräume. Ich bin in der Regel, weil ich selbst viel online bin, einen Klick von ihnen entfernt, so dass sie mich auch schon zu Hilfe gerufen haben, wenn es nötig war.

    Was ich interessant finde: Ich habe in den letzten beiden Tagen niemanden mit (jugendlichen) Kindern getroffen, die nicht genau wie ich auf die Mail und die App reagiert hat. Das Minimum, das zugeben muss, wer sich mit dem Pausenhof beschäftigt, ist, dass hier bewusst Kinder damit geworben werden, ihre fiese Seite und ihren Spaß am Ärgern auszuleben. Denn das Top oder Flop Thema ist prominent in der Anwendung und dominant in der Kommunikation. Und es geht immer darum, MENSCHEN als Top oder Flop zu bezeichnen.

    Dabei ist es egal, ob die Ergebnisse sichtbar sind. Bereits die Aufforderung an Kinder, andere Kinder als Flop zu bezeichnen (und nicht etwa ihre Bilder, wie einige Apologeten behaupten), ist aus meiner Sicht ein Überschreiten der Grenze. Ein Modell zur Rettung einer untergehenden Plattform (weil sie am Nutzermarkt nicht mehr nachgefragt wird) darauf aufzubauen, dass Kinder nun mal grausam sein können und oft auch grausam sind, halte ich für zynisch und eklig. Und dabei bleibe ich.

    Ich habe SchülerVZ keine Chance mehr gegeben, aus anderen Gründen - vor allem, weil sie für Kinder ab 14 oder 15 eben nicht mehr attraktiv sind mit ihrer Beschränkung auf Deutschland. Hier aber hat sich aus meiner Sicht SchülerVZ das eigene Grab geschaufelt. Und darum sage ich: Geh weg. Gib auf. Mach es nicht noch schlimmer.

    Da ich ab jetzt überwiegend offline sein werde, schließe ich vorübergehend die Kommentare, dafür erbitte ich euer Verständnis. Ich mache sie nächste Woche wieder auf.

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  12. Anonym10.12.11

    "Fun Fact: Mit genau diesem Dienst (Leute mit Flop oder Hot bewerten) ist Facebook bekannt geworden, siehe "The Social Network"."

    Unsinn! Mal soll man nicht alles glauben, was im Kino läuft und außerdem empfiehlt es sich was man glaubt schon mal anzusehen (zB den oben erwähnten Film)

    Die hier zitierte Applikation war ein VORGÄNGERPROJEKT von Facebook-Macher Zuckerberg, und wurde - wie die hier auch - verboten und zugedreht.

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  13. Anonym13.12.11

    ich glaube nicht das das svz-team damit eine mobbingzone errichten wollte sondern einfach nicht genug drüber nachgedacht haben was dabei für folgen für den ein oder anderen schüler entstehen. ich hatte früher selbst lange svz und ware sehr begeistert davon und dort wurden auch viele soziale projekte gestarten wie "gegen nazis", aber natürlich hat man auch fälle von mibbing mitbekommen. diese kann man dort als opfer auch sofort melden und die täter werden aus svz gelöscht. klar es gibt fehler aber es ist facebook für schüler und ist schon fast das gleiche. so gut wie jeder erwachsene hat heute auch einen facebook account also kann es doch nicht nur schlechtes daran geben. es kann meiner meinung nach kein perfektes "sozial network" geben weil es enifach zu umfangreich ist und überall lücken entstehen. lg

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