15.3.11

Was ich nicht verstehe, Herr Röttgen

Muttis Klügster, Röttgen, gewinnt an Statur. Gestern in der "was nun" Sendung gefiel er mir als Person nach all dem Gestotter die letzten Tage gut. Er wich überwiegend nicht einmal aus.

Aber was ich nicht verstehe und mich wirklich und ganz unzynisch frage: Wie kommt er darauf, wie kommt die Regierung und wie kommen die Apologeten des Atomstaates darauf, dass durch die grauenvollen Ereignisse in Japan eine "neue Situation" eingetreten sei, dass etwas passiert sei, das "vorher praktisch ausgeschlossen" gewesen sei? Das, was hier passiert, ist exakt das, was die Kritiker von Atomkraft als Energiequelle für die Stromversorgung immer als "worst case" beschrieben haben. Eine Verkettung von so unwahrscheinlichen Ereignissen, dass die redundanten Sicherheitssysteme nicht mehr standhalten. Und dass die eigentlichen Prozesse der Energiegewinnung eben nicht kontrolliert werden können.

Hier ist exakt gar nichts anders als vorher.

Röttgens Argumentation geht ja in etwa so:
Jeder weiß, dass es "praktisch ausgeschlossen" ist, dass ich den Jackpot im Lotto knacke. Darum spiele ich nicht Lotto. Nun hat mein Nachbar aber gewonnen. Also ist eine völlig neue Situation eingetreten. Also spiele ich ab sofort Lotto.
Merkt ihr was? Hält uns die Regierung wirklich für so doof - oder: sind die Menschen in diesem Land wirklich so doof -, dass wir auf dieses Spiel reinfallen?

Es geht nicht um eine neue Atomdebatte. Es geht um die alte, jahrelange Debatte, ob das minimale "Restrisiko" (was für ein perverses Wort) eingegangen werden soll oder nicht. Mal abgesehen von der Müllfrage.

****

Ansonsten Hut ab vor "Zeit Online", die gestern Nacht auf Twitter einen sehr guten Liveticker geboten haben und eng mit anderen, auch Amateuren zusammenarbeiteten. Und hier der Livestream des englischen Programms von NHK, in dem auch alle Pressekonferenzen vor Ort stattfinden:






Kommentare:

  1. Anonym16.3.11

    Was für eine lustige Frage.

    Natürlich halten Poliker einen für blöd. Siehe auch das dreimonatige Moratorium.

    Es liegt am gestörten Realitätsgefühl - wer sich letztich nur mit Vorschriften und Gesetzen beschäftigt, glaubt irgendwann, dass man Realität definieren kann.

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  2. Jörg Stratmann18.3.11

    Spekulation: nehmen wir einmal an, Herr Röttgen hätte wirklich in den letzten Verhandlungen die Absicht gehabt, den Atomausstieg von Rot-Grün größtenteils beizubehalten. Nehmen wir weiter an, er wurde dann in den Verhandlungen untergebuttert und musste kleinbeigeben. Dann hat er jetzt die Möglichkeit, seine Argumente - gestärkt durch die Macht des Faktischen - neu vorzutragen.

    Das ändert nichts an den tatsächlichen Risiken, aber es ändert etwas an den Chancen, gewisse Maßnahmen politisch durchzusetzen.

    Erst Recht weil auf dem Rest der CDU der Druck lastet, am Ende des Moratoriums das Ganze nicht wie ein reine Wahlkampfmanöver aussehen lassen zu dürfen.

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