29.1.11

Spaß bei der Arbeit

Mehr durch Zufall musste ich an mein eigenes Schülerpraktikum damals vor rund genau* 25 Jahren denken. Nicht mal besonders, weil Primus gerade seine drei Wochen Praktikum bei einer Tierärztin hinter sich hat (und nein, ich will die Fotos von der Operation nicht sehen, als sie gemeinsam einen Hund aufgeschnibbelt haben und er alle inneren Organe für seinen Praktikumsbericht dokumentiert hat). Sondern weil heute früh @pfarrerpohl darauf hinwies, dass Ephraim Kishon heute seinen sechsten Todestag hat. Und weil ich ihn damals kennengelernt habe (und später als Radiomacher noch einmal traf, als ich ihn interviewen wollte - und er tatsächlich genau so arrogant reagiert, wie es immer über ihn hieß, dass er es sei).

Da mir im Prinzip schon klar war, was ich beruflich machen oder zumindest studieren wollte, als das Praktikum anstand, habe ich etwas gemacht, was mich fasziniert hat damals - ich habe mich bei allen Theatern dieser Stadt beworben und wurde bei den Kammerspielen in der Requisite genommen. Es war ein richtig tolles Praktikum (bei dem ich als Kollateralnutzen im Aufenthaltsraum der Theatermitarbeiter die Nullnummer, oder war es die Ausgabe 1?, der neuen Zeitschrift Tempo sah, las und danach abonnierte und liebte, ach die 80er). Die große Ida Ehre fragte mich einmal die Woche, wie es mir gefällt und geht. Grit Boettcher musste ich irgendwelchen Kram besorgen, an den ich mich nicht mehr erinnere, Requisite eben. Und dann begannen die ersten Proben zu Es war die Lerche. Ich hab die Besprechung der Bühnenbauer mit dem Regisseur mitgehört. Und die ersten Sprechproben. Und dann kam der Autor.

Für mich, der ich seine Bücher sehr mochte damals, war es ein besonderes Erlebnis, ihn bei der Arbeit zu beobachten. Wie er, ja, tatsächlich auf eine merkwürdig schnodderige Art zugleich arrogant und wienerisch-charmant in seinem beigen Trenchcoat auftauchte und alle ihre Arbeit unterbrachen. Wie er ungeduldig mit dem Regisseur sprach. Wie er mit den beiden Schauspielern am Text arbeitete.

Als ich später das Stück sah, war ich enttäuscht. Ich fand es doof.

***

Sagte ich eigentlich schon mal, wie toll ich simfy finde? Dass ich in ganze Alben erstmal reinhören kann, bevor ich entscheide, ob ich sie kaufe? Gerade in das neue von Heinz Rudolf Kunze. Echt jetzt. Bin halt ein Kinder der 80er, nicht nur in Bezug auf Tempo.

* nachdem ich jetzt noch mal nachgeguckt habe, muss es sogar GENAU vor 25 Jahren gewesen sein, denn Januar 1986 ist Tempo erstmals erschienen. Und an genau diese Adelsausgabe und dann das sehr umstrittene Wehner-Interview (wir linken Sozis haben Tempo vorgeworfen, dass sie den senilen Wehner nicht vor sich selbst geschützt haben) in Nr. 2 erinnere ich mich jetzt wieder sehr lebhaft. Wobei die großartigste Geschichte in diesem ironischen Popjournalismus die "Postmoderne" überschrieben Bildstrecke war, in der lauter moderne Postgebäude abgebildet waren. Die erschien aber im "Wiener" und nicht in der "Tempo", in der dafür eine tolle Geschichte über Bebra und seinen Eternit-Chick stand.

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