19.10.10

Kulturzusammenstoß

Ich bin selbst eher empfindlich, was Bilder (von mir oder beispielsweise meinen Kindern) angeht, die von Schulen, Kindergärten etc. ins Web gestellt werden. Und ich habe mich mit den rechtlichen Aspekten und auch einigen kulturellen recht viel beschäftigt. Insofern kann ich Leute verstehen, die da insgesamt noch zurückhaltender sind als ich.

An einer Stelle ist es nun neulich zu einem Zusammenstoß von Kulturen gekommen, den ich aber dann doch sehr interessant finde - und bei dem ich mir nicht sicher bin, wie ich zu dem Thema insgesamt stehen soll und will. Darum stelle ich es hier einmal vor und zur Diskussion.

Denn im Prinzip bin ich sehr optimistisch, was vor allem die nachwachsende Generation bei diesem Thema angeht. Wenn ich Jugendlichen beispielsweise zuhöre, unterhalten die sich viel über diese Fragen - also ob und welche Bilder jemand von ihnen online stellt. Und online heißt ja auch nicht "für alle sichtbar", denn dafür muss es auffindbar sein und erkennbar beispielsweise, aber das ist noch mal ein anderes Thema.

Neulich habe ich von einer Veranstaltung mit Kindern, die an einem öffentlichen und öffentlich zugänglichen Platz stattfand, live mit dem mobilen Internetzugangsgerät ein Video gemacht, um es Familienmitgliedern und Freunden, die nicht dabei sein konnten, zu zeigen. Dieses Video ist auch in meinen YouTube-Kanal gelaufen. Der Ort, an dem es aufgenommen wurde, ist in der Videobeschreibung, also durch Suche auffindbar. Da das iPhone keine gute Kamera hat und der Ort keine gute Internetverbindung waren die Bilder verwackelt und unscharf, aber es waren Menschen, auch Kinder zu erkennen.

Jemand hat mich gebeten, das Video zu löschen (was ich gerne gemacht habe), und darauf hingewiesen, dass er es befremdlich und schlecht finde, wenn man nicht mal mehr bei solchen Veranstaltungen sicher sein könne, dass nichts im Internet auftauche.

Wie gesagt - einerseits kann ich es verstehen, auch wenn die rechtliche Situation unbedenklich ist. Andererseits bin ich mir immer weniger sicher, ob es richtig war, dem Wunsch nachzugeben, je länger ich nachdenke.

Zum Zeitpunkt, da ich es löschte, hatte das Video 14 Aufrufe. Niemand war namentlich erwähnt oder mehr als zufällig durchs Bild laufend zu sehen. Überspitzt frage ich mich, ob es tatsächlich (oder eben nur durch kulturelles Lernen bzw. Fremdheit) einen Unterschied macht, ob jemand seinen Freunden und seiner Familie (im Zweifelsfalle mehr als 14 Leuten) seine Bilder und Videos auf dem Computer zeigt, auf denen ich zu sehen bin, ohne es zu wissen - oder ob ich es meinen Freunden und meiner Familie online zeige, wie es in meinem Umfeld üblich ist.

Ich sehe den Punkt, dass es theoretisch einen Unterschied machen könnte, ob ein Bild oder Video online und damit prinzipiell auch für mehr Leute verfügbar ist. Aber ist das nciht der gleiche Trugschluss wie 1997, als der Bäcker um die Ecke dachte, er würde jetzt weltweit Brötchen verkaufen, weil er im Weltweitweb war? Wie soll jemand ein Video finden, das nicht einschlägig suchbar ist - außer wenn er oder sie mich kennt und gezielt meine Videos sucht (also außer wenn es genau für ihn oder sie online gestellt wurde)?

Mich hat das Gespräch verunsichert. Und ich merke, wie sehr unsere Lebenswelten und -wirklichkeiten auseinanderklaffen inzwischen.

Kommentare:

  1. Etwas ähnliches ist ist mir vor 2 Jahren mit Studierenden in der Schweiz passiert, die es komplett abgelehnt haben, während der Seminarwoche fotografiert zu werden um dann zu Dokumentationszwcken die Fotos anschließend in einer geschlossenen (!!) Ning Plattform gemeinsam betrachten zu können. Wir sind dann nachher so verblieben, dass es nur Fotos geben sollte, die unsere Beine und Charts gezeigt haben ... ;)

    Mein Fazit, im Umgang mit "den jungen Leuten" ist, dass die Unsicherheit im Umgang mit digitaler/sozialer Öffentlichkeit weitaus verbreiteter ist, als wir digitale Zeitgenossen allgemein meinen. Erst neulich endete eine spontane Umfrage zur Kenntnis/Nutzung von twitter mit 10 Professoren und 30 Studierenden ernüchternd: 4 Hände reckten sich nach oben ...

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  2. Schwertransport20.10.10

    Ich finde es schon gut, dass die Jugendlichen (leider nicht alle) schon so aufgeklärt sind, dass sie wissen, was mit ihrer Privatsphäre im Internet geschehen kann. Aber wie du es jetzt schriebt, eine öffentliche Veranstaltung der Kinder...also naja, man kann es auch übertreiben, denke ich.

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