16.9.09

Das Ende des Rechts-Links-Schemas



Meine älteren Jungs fragen mich angesichts der Wahlplakate und ihres Gemeinschaftskundeunterrichts nicht nur, warum ich grün wähle und da sogar Mitglied bin, was ich ihnen erklären kann. Sie fragen mich auch nach den anderen Parteien und wofür die so stehen.

Das versuche ich, so fair wie möglich zu beantworten - merke aber mehr und mehr, dass die alten Muster von links oder rechts, von konservativ oder fortschrittlich, liberal oder wasweißich nicht mehr greifen.

Also habe ich mit zwei wesentlichen Dimensionen gearbeitet, als sich rausstellt, dass meine Aussage, es gäbe zwei liberale (FDP und Grüne) und drei konservative (die anderen drei) Parteien, verwirrend ist - vor allem weil sie der üblichen Darstellung in den Medien widerspricht, obwohl ich sie weiterhin für im Prinzip richtig halte.

Die beiden Dimensionen sind die Achse Freiheit/ Regeln einerseits und die Frage, ob es darum geht, dass jeder selbst klarkommen soll oder die Starken die Schwachen unterstützen sollen. Ich weiß, auch diese Dimensionen bilden es nicht vollständig ab, aber bei aller Vereinfachung finde ich sie überzeugender als die platten recht-links-Schemata der Medien.

Was daran für mich deutlich wird, ist vor allem dieses:

  • es erklärt, warum eine CDU/SPD-Koalition funktioniert und warum ich sie nicht mag.
  • es erklärt, warum eine Ampel oder Schwampel von den beiden freiheitlich orientierten Parteien so wenig gewollt wird.
  • es erklärt, warum dieser Staat so paternalistisch ist, wenn rund 70% der Wähler regelorientierte Parteien wählen...
  • Was denkt ihr? Ich stelle dieses Modell und meine Einordnung der Parteien in dieses Schema hiermit zur Diskussion.

    Kommentare:

    1. Du kennst das hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Political_compass ?

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    2. nein, kannte ich nicht - und bleibe dabei, dass "rechts" und "links" nicht mehr taugen in der politischen Alltagssprache. Zumal in der Generation meiner Kinder und der etwas älteren Jugendlichen das Wort "rechts" ein Synonym für militante Faschisten (in unserer Terminologie) geworden ist, also nur noch für solche steht, die beispielsweise Ausländer verhauen. Wofür "links" steht in dieser Generation, weiß ich nicht genau.

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    3. Mir ging's auch weniger um links/rechts, sondern um die Ähnlichkeit. Deine beiden Achsen Solidarität-Egoismus und Regeln-Freiheiten finde ich gar nicht so weit weg von dem, was bei "Political Compass" als Achsen definiert ist. Eine "links-rechts"-Achse, die sich auf die Einstellung zu Wirtschaft bezieht (kollektiv/solidarisch vs. individuell/kompetitiv), die zweite Achse bei Political Compass heißt "Libertarian - Authoritarian" - es geht also um Freiheitlichkeit vs. Regel/Staatsgläubigkeit.

      Ich weiss, dass da durchaus Unterschiede da sind, aber auch wenn Political Compass noch das Label "rechts/links" verwendet, ist das Achsensystem eigentlich ganz ähnlich. Entsprechend ist auch die Einordnung (hier 2005) der deutschen Partein gar nicht so weit weg von deiner.

      Dein Schema hat den Vorteil, sehr eingängig zu sein. Sind aber z.B. SPD und LINKE wirklich am gleichen Ort zu platzieren? Und warum gibt es dann SPD/CDU-Koalitionen, aber keine CDU/LINKE-Koalitionen?

      Unabhängig von meiner Assoziation zu Political Compass, Nolan Chart usw. - nicht ganz logisch in deinem Text finde ich, warum das Diagramm erklären soll, dass Grüne und FDP die beiden Ampel-Koalitionen eher ablehnen.

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    4. Witzig - ich habe die "Linke" weiter links oben reingemalt, also solidarischer und regelorientierter als die SPD.

      Zu den beiden anderen Punkten:

      Ja, ich hielte eine CDU-Linke-Koalition (beispielsweise in Thüringen) für naheliegend, dass das zzt nicht geht, hat m.E. eher wahltaktische und kulturelle Gründe.

      Und Grüne und FDP: Mein Schema zeigt, dass sie in einem Dreierbündnis mit einer ihrer beiden Dimensionen in die Minderheit gerieten obwohl sie in der anderen sich sehr ähnlich sind. Deshalb würden sie, denke ich, zwischen den beiden anderen Partnern jeweils zerrieben und unscharf. So geht es ja sogar der SPD in einem Zweierbündnis. Darum ist Schwarz-Grün im Prinzip so interessant, weil es im Idealfall genug Raum für eine jeweilige scharfe Profilierung lässt, sieht man in Hamburg auch gerade sehr schön. Und darum bin ich andererseits überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es ein Bündnis der Parteien gibt, die auf der Achse Solidarität/ Egoismus auf einer Linie liegen. :)

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    5. Ich finde die Grafik grundsätzlich gut, auch wenn ich die Grünen nicht ganz so weit Richtung Freiheit packen würde; die Grünen mögen Regeln auch ziemlich gerne.

      Die SPD mag Regeln auch, aber ein bisschen mehr Richtung Freiheit gehört sie schon. ;)

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    6. Finde das ja einen etwas fahrlässigen Umgang mit dem Begriff der Freiheit, denn i.d.R. wird damit heutzutage die Freiheit wirtschaftlichen Handelns bezeichnet. Zumindest im Kontext der FDP. Und die SPD und CDU würde ich eher mit teilweise Überlagerung darstellen.

      Dass die SPD und die Linke, nehmen wir sie mal bei ihren Aussagen, soviel gemeinsam hätten, nun ja.

      Solidarität mit wem? Alle diese Parteien sind mit irgeneiner gesellschaftlichen Gruppe solidarisch.

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    7. Christian: schon klar ;)

      somlu: Das finde ich eher an den Haaren herbei gezogen - denn wenn es eine Achse Freiheit - Regeln gibt, ist doch wohl klar, was gemeint ist, ebenso beid er Achse Solidarität - Egoismus. Denn (hab ich das nicht gesagt? dann noch mal genauer) bei den Achsen geht es mir um die politischen Zielbestimmungen. Dass auch die FDP solidarisch mit irgendwem ist, ist klar, dass sie Solidarität als Leitmotiv für die Gestaltung der Gesellschaft hätte, würden wahrscheinlich nicht mal FDP-Wähler behaupten.

      Übrigens kenne ich niemanden, der mit Freiheit vor allem "damit heutzutage die Freiheit wirtschaftlichen Handelns bezeichnet." Entweder wir haben radikal unterschiedliche Bekannte, oder ich weiß auch nicht. :)

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    8. Auch ich bin in letzter Zeit verstärkt gefordert, meinen Söhnen die politische Farbelehre zu erklären. In der Tat taugen Kategorien wie links und rechts da nur begrenzt. Insofern helfen die Achsen und ihre Kategorien ganz gut für eine Erklärung. Mein Problem ist vielmehr, die politischen Grundsätze und Überzeugungen kontinuierlich erkennen zu können. Demnach sehe ich die Parteien auf Deinem Schema immer wieder zur Mitte wandern oder an andere Ränder ausbrechen, wo man sie manchmal gar nicht vermutet, was aber offensichtlich zum Spiel gehört, wenn die eigenen Positionen vom politischen Gegner "geentert" werden und man irgendiwie Profil gewinnen muss. Das alles wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn besonders die beiden großen Volksparteien nicht immer all das, wovon sie uns zu überzeugen versuchen, im Geiste ihrer Traditionen und Grundwerte verkaufen würden.

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    9. Ich mag die Auflösung des Links- Rechts- Schemas sehr, denn es führt in Richtung Inhalte.
      Zudem kann man die eigenen "Kompromissfelder" erkennen, was enorm bei der Wahl-Entscheidung hilft.

      Besser als der Wahl-O-Mat! Spitze.

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