11.4.08

Deutsche Blogger sind unpolitisch und unreif

Das ist eine hübsche Polemik und sie entbehrt nicht einer gewissen Wahrheit, die allerdings - aber das ist ja quasi mein ceterum censeo - nichts über Relevanz und Qualität aussagt. Aber, ohne die zitierte Studie zu kennen, ich habe beim Thema Politisierung doch meine Zweifel an den Ergebnisse, falls (!) dieser Absatz in Sabine Pamperriens Artikel in der Netzeitung korrekt widergibt, was in einer der Studien untersucht wurde (Originalzitat inklusive Grammatikfehlern):
Der Grad der Politisierung dokumentiert insofern die Professionalisierung, als Themen außerhalb des ganz privaten Wahrnehmungsbereichs ein weitaus größeres Publikum ansprechen sollen und auf Wirkung außerhalb der Privatsphäre angelegt sind. Überprüft wurde durch eine differenzierte Stichwortanalyse, bei der z.B. die Häufigkeit von Begriffen wie «Irak», «George Bush», «Angela Merkel» oder «Terror» und «Saddam Hussein». Das Ergebnis ist prägnant: Keines der zahlreichen abgeprüften politischen Themen findet in mehr als einem halben Prozent der deutschsprachigen Blog-Einträge Verwendung, bei den US-amerikanischen in mehr als zehnmal soviel.

NETZEITUNG INTERNET NACHRICHTEN: Deutsche Blogger sind unpolitisch und unreif
Das hielte ich für eine Fragestellung - mal abgsehen davon, dass ich die These Politisierung = Professionalisierung bedenklich finde -, die völlig ungeeignet ist, die Politisierung deutscher Blogs und deutscher Blogger festzustellen. Beispielsweise fielen dieses Blog, das von Cem oder das von Nico da völlig raus, obwohl wir alle drei hochpolitische Blogs betreiben (nicht nur, aber immer wieder). Nur - und da spreche ich mal nur für mich - finde ich Themen, die mit den da beschriebenen Stichworten versehen sind, für mich und mein Blog überwiegend nicht hinreichend relevant. Mich interessiert Politik im Nahbereich, Bildungspolitik, politische Kultur in diesem Land, Entwicklung der Parteien und so weiter. Wenn George Bush vorkommt, dann eher unter dem Namen Dabbelju, wenn Merkel vorkommt, dann eher als Angie und so weiter.

Vielleicht stimmt ja nicht, was da in der Netzeitung steht, werde ich Jan Schmidt mal zu befragen müssen, aber so erscheint es mir doch sehr absurd.

(Und das heißt nicht, dass ich den Befund, die deutschen Blogs seien ganz anders als die amerikanischen, nicht teile. Ich teile die These durchaus. Und dass weniger politische Kontroversen in deutschen Blogs stattfinden, stimmt vielleicht sogar ebenfalls. Aber ich lese so viele US-Blogs, die NIE über Politik schreiben, dass ich schon die Ausgangsthese ohne eine prozentuale (!) Einordnung politische Beiträge nicht nachvollziehen kann.)

1 Kommentar:

  1. Danke für die noble Ehrenrettung! Übrigens, ich finde die UNtersuchungsmethode auch falsch. Man nicht am Scan nach Buzzwords mechanisch herausfinden, ob ein Blog politisch ist oder nicht.

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