16.11.05

Privatempirie

Viele Kollegen nehmen Taxifahrer als Zeugen, wenn sie wissen wollen, was andere Leute denken. Ja, wirklich, das gibt es immer noch. Ich fahre U-Bahn.

Nun fahre ich ohnehin eher gerne Bahn und U-Bahn, weil ich lesen kann (zu Hause oder im Büro komme ich eher nicht dazu, Romane zu lesen oder die Zeit). Manchmal aber kann ich nur zuhören. Und mich wundern.

Ich bin schon erstaunt, mit welcher schamlosen Offenheit und Lautstärke manche Mitreisende in Fernzügen über ihre Firma lästern oder über ihre Kunden. Da fühle ich mich meistens eher fremdgeschämt. Aber auf dem Weg zur Arbeit in der eigenen Stadt ausführlich über die Arbeitsbedingungen bei einem der großen Unternehmen hier zu lästern, das dazu noch ein wichtiger Kunde von uns ist (und in dem ich bis hin zum Chefredakteur des belästerten Objektes viele Menschen kenne), das finde ich - hmmmm - ungewöhnlich. Aber immerhin weiß ich nun, dass vor ein paar Jahren im eigentlich so straff organisierten Bauerverlag im Layout einer wichtigen Zeitschrift absichtlich getrödelt wurde, dass eine Mitarbeiterin (jene Banknachbarin heute morgen) immer schneller mit ihren Seiten fertig war als die anderen und sie aber nicht nach oben bringen durfte, weil das hätte ja bedeutet, dass man das in kürzerer Zeit schaffen kann, wo kämen wir da hin, aber da habe sie es dann nicht lange ausgehalten und habe sich als Schlussredakteurin zu einem anderen Objekt beworben, und das sei ja viel besser.

Gut, dass ich (und mit mir der gesamte vorletzte Wagen der U1, die um neun rum in die Stadt fuhr) das jetzt weiß, oder?

1 Kommentar:

  1. ..wo hab ich bloss die Story von den Leuten gelesen,
    die 1 Stunde nach Zugverlassen im gleichen Meeting saßen?

    Die anonymität sollte im ÖPNV wirklich gewahrt bleiben.

    (btw - 19.11 blogger in der "Mutter" just click me)

    - Grussregierung.

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