9.7.14

Krieg gegen Israel

Krieg ist immer scheiße. Punkt. Richtig scheiße. Und unendliches Leid. Ich kenne Krieg nicht und bin froh darüber. Aber ich kenne Menschen, die seit Jahren im Krieg leben. Gegen die seit Jahren ein Krieg geführt wird, der in den meisten Medien und auch Diskussionen in Deutschland als "Nahost-Konflikt" verharmlost wird.

Für Krieg gibt es nie nur eine Schuldige. Schuld ist ohnehin eine Kategorie, die schlecht passt. Es gibt Ursachen und es gibt Motivationen. Und es gibt, immer, Profiteure.

Was beim Krieg gegen Israel oft vergessen wird, ist, dass er schon so lange geht. Und dass Israel in der Vergangenheit große Fehler gemacht hat. Ich bin nun wirklich kein Fan von Netanyahu, die meisten Menschen, die ich in Israel kenne, gehören eher zur Linken und waren lange in der Friedensbewegung. Aber mein Eindruck ist, dass der linke Künstler Yali Sobol in einem Interview mit der NZZ ganz gut die verlorenen Illusionen wiedergibt:
Ich wuchs in einem Haus auf, in dem man an den Friedensprozess und an die Zweistaatenlösung glaubt. Aber ich bin nicht sicher, ob das noch in dieser Generation möglich ist. Als Mitglied der Friedensbewegung habe ich an vielen Demonstrationen teilgenommen. Ich hielt Banner hoch mit der Aufforderung, die Golanhöhen zurückzugeben. Wenn man aber sieht, was in den letzten zwei Jahren in Syrien passierte, muss man sich fragen: Was wäre geschehen, wenn wir den Golan tatsächlich an Syrien zurückgegeben hätten?
Es ist ein bisschen zum Verzweifeln, dass Berichte und Kommentare, die aus dem Propaganda-Mainstream gegen Israel ausbrechen, fast nur in mir politisch unerträglichen Medien erscheinen, wie der Welt beispielsweise. Dass vor allem in der deutschen Linken, die doch in Anspruch nimmt, gegen Kriege zu sein und sensibel auf Machtstrukturen und Manipulationen zu achten, die Schuldfrage so eindeutig beantwortet wird (nicht von allen, aber doch von vielen).

Meines Erachten ist es an der Zeit, spätestens jetzt, wo die Offensive auf allen Ebenen läuft, Israel endgültig zu vernichten, Stellung zu beziehen, und die eigene indifferente Meinung und Haltung aufzugeben.

Zu den Fehlern der Linken in Europa und in Israel gehörte in den letzten 20 Jahren meines Erachtens, dass sie zu optimistisch auf Friedens- oder zumindest Koexistenzmöglichkeiten gesetzt hat, ohne die eine Voraussetzung zu bedenken, die die große Golda Meir schon 1957 (schon Neunzehnhundertsiebenundfünfzig!!!) gesehen hat:
Peace will come when the Arabs will love their children more than they hate us.
Es gibt meines Erachtens, ungeachtet aller Komplexität und aller Verantwortungen aller Seiten und aller Verbrechen, die alle Seiten in diesem Krieg begehen, nur einen Schlüssel, um diesen Krieg ohne einen "Siegfrieden" Israels zu beenden, was ja ebenfalls kaum möglich scheint: Wenn die, die den Krieg gegen Israel führen, es nicht mehr vernichten wollen. Oder ihre Bevölkerungen sich von ihnen abwenden. Beides ist zurzeit nicht wahrscheinlich. Zumal Europa und die UN keinerlei Impulse geben, dass sie diesen Schlüssel für relevant halten. Sondern im Gegenteil judenfreie Konferenzen befördern - wieder einmal jüngst beim Gipfeltreffen der Arfikanischen Union.

Es ist Zeit, die eigene indifferente Meinung und Haltung aufzugeben. Und Stellung zu beziehen an der Seite Israels.

In diesen Tagen lohnt sich mehr noch als sonst der tägliche, mindestens tägliche Blick auf eine linke, deutschsprachige Stimme aus Israel, die ohne Ende Quellen und Bilder und Erlebnisse und Einordnungen liefert. Selbst wer sich nicht mit mir auf die Seite Israels stellt in diesem Vernichtungskrieg gegen dieses Land, kann hier sicher einige Impulse finden, die Propaganda und Nicht-Berichterstattung deutscher Medien zu ergänzen. Lila, deren Blog ich auch in friedlicheren Zeiten immer gelesen habe. Und in dem ich auch diese kleine Liste fand, die bestimmt den einen oder die andere überraschend wird, die in den letzten Tagen nur von der Mobilmachung der israelischen Armee las. Lila zitiert aus Elder of Ziyon:
June 27: 6 rockets, 2 intercepted
June 28: 3 rockets, Sderot factory burned to ground
June 29: 4 rockets, 2 intercepted
June 30: 16 rockets
July 1: 5 rockets, several mortars, damage to vehicles and a major fire as a result, also mortars
July 2: 10 rockets, 9 mortars, 1 intercepted
July 3: 13 rockets, homes and a summer camp damaged
July 4: 25 rockets, several mortars, 3 intercepted
July 5: Over 20 rockets, including to Beersheva, several mortars, 3 intercepted, some damage and an injury
July 6: Over 25 rockets, some damage
July 7: Over 85 rockets, Hamas claimed to shoot 100 and Islamic Jihad claimed to shoot 60. 13 intercepted
July 8: At least 160 rockets, 7 intercepted, so far, some damage and injuries
In diesem Zusammenhang erschließt sich vielleicht, warum ich die Kritik am Sicherheitszaun ("Mauer" in deutsche Medienterminologie) und am Raketenabwehrsystem und unbemannten Fahrzeugen so nicht teile. Wer der Meinung ist, dass Israel nun den ersten Schritt gehen müsse, dass Israel sich zurück halten solle, dass Israel in Vorleistung auf einen Frieden zu gehen habe und verantwortlich für den Vernichtungskrieg gegen sein Land und sein Volk sei - wer diese Meinung ernsthaft vertritt, setzt Israel bewusst oder unbewusst der Vernichtung aus. Dann sagt es wenigstens auch.

Denn ansonsten ist es Zeit, die eigene indifferente Meinung und Haltung aufzugeben. Und Stellung zu beziehen an der Seite Israels.

Goya War2.jpg
Goya War2“ von Francisco de Goya Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.

Kommentare:

  1. Anonym9.7.14

    Und wieder ein sehr guter Beitrag ... . Es gibt kein Brett an welchem man den wirksam anschlagen könnte aber Deutschlands Kirchenglocken sollten beginnen mahnend zu läuten und nicht mehr aufhören damit so lange diese massiven Angriffe dauern.

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  2. Anonym9.7.14

    Richtig! Und Danke, Danke, Danke!

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  3. Anonym9.7.14

    Ja, es wäre ein gemeinsames, friedliches Zeichen welches die Christenheit setzen könnte. Die Glocken müssten ja nicht durchgängig läuten ... 1-2h samstags (und das wiederholt und mit Vorankündigung) würden reichen, um in der Welt ein hörbares Zeichen zu setzen und die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. ... Kerzen auf Straßen gehen auch.

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  4. Anonym9.7.14

    Israel ist die einzige durchgängig funktionierende Demokratie im Nahen Osten. Wie man dagegen sein kann, als in der Freiheit lebender "Westler", ist mir schleierhaft. Jedenfalls scheinen mir die anti-israelischen Töne stehts keine rationale Erklärung anzubieten. Nur bildungsfernes und wissenslose kommt da. Mit den Werten der Aufklärung hat das nichts zu tun.

    Richtig schade finde ich das, wenn das aud deutsch geschieht. Schließlich haben wir Deutschen eine einmallige Chance der Demokratie und dem wirtshcaflichen Aufbau in Nahost auf die Sprünge zu helfen. Hoffentlich wird diese nicht vertan!

    - Christopher

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  5. Anonym11.7.14

    Und wie beendet man so den Kreislauf der Gewalt? Der Terrorismus der Hamas ist auch ein Zeichen der Hoffnungslosigkeit. Sie wissen, dass Gewalt nicht wirkt. Dennoch sind sie um jedes Mittel bemüht, den Status Quo zu verändern, denn sie fühlen sich als Opfer Israels, als gefangen in einem Freiluftgefängnis. Doch auch Israel fühlt sich als Opfer, als nicht akzeptiert und ständig terrorisiert. Somit ist ein Kreislauf der Gewalt die Konsequenz, quasi in einer Endlosschleife. Auf beiden Seiten muss ein Umdenken stattfinden, doch man sollte nicht vergessen, dass Israel der Stärkere ist. Von daher sollte die Initiative einer Versöhnung von dort aus kommen.

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  6. Anonym12.7.14

    Nein!

    Versöhnen statt spalten!

    Israel hat ein unbedingtes Lebensrecht. Gar keine Frage. Israel darf sich auch verteidigen. Auch keine Frage. Aber das ist doch nicht alles!

    Ist es "Verteidigung", im Gebiet Palästinas Siedlungen zu bauen?
    Ist es Verteidigung, das Wasser aus einer Position der Stärke heraus zu verteilen?
    Ist es Verteidigung, generationenalte Olivenplantagen zu zerstören?

    Wenn ich ein junger Palästinenser wäre, würde ich angesichts dessen auch nur ein Wort glauben, dass Israel sich doch "nur" verteidige?

    Beide Seiten sind kollektiv und auch in der Masse ihrer Menschen schwer traumatisiert.
    Traumatisierte reagieren nicht rational.
    Bei Traumatisierten sind die Stresshormone in Sekundenbruchteilen auf dem Maximum. Da setzt der Verstand aus, da reagieren die niederen Instinkte.
    Da braucht es viel Geduld und unendlichen Friedenswillen.
    Da braucht es gerade auf der Seite des Stärkeren Vorleistungen.
    Es braucht Training in Frustrationstoleranz.
    Und es braucht Glaubwürdigkeit.
    Mit jeder Siedlung sinkt die Glaubwürdigkeit.
    Mit jeder Schikane.
    Auch mit jeder Rakete.

    Ich kann die Sicherheitsbemühungen Israels verstehen. Wer könnte das nicht?
    Aber ich kann nicht verstehen, das neben den reinen Sicherheitsmaßnahmen so viele Nadelstiche gesetzt werden.
    Diese Nadelstiche dessen, der finanziell und infrastrukturell so unendlich viel besser aufgestellt ist, diese "Nadelstiche" sind das Problem.
    Es ginge doch auch anders herum: Warum verteilt Israel nicht "Pflaster"? Noch mehr Pflaster? Es ist ja nicht so, dass sie gar nichts tun. Aber sie könnten so viel mehr tun! Dialog ermöglichen. Ganz unten. Jugendaustausch unterstützen. Bildung unterstützen. Jungen Palestinensern Bildung ermöglichen. Gebildeten Palästinensern eine Perspektive zeigen. Verständnis zeigen. _Das_ sind die Vorleistungen, die Israel bringen könnte. Die wären gar nicht so teuer.
    Die Palästinenser sind in dieser Hinsicht in der schwächeren Position angesichts von Blockaden, Armut, Bewaffnung (letzteres zum Glück).

    Wo auf der ganzen Welt sind Maßnahmen gegen Terroristen erfolgreich gewesen? Überall da, wo echte Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung ohne Nadelstiche gezeigt wurde. Wo Menschen glaubwürdig Mitsprache und Entwicklung zugesagt wurde. Wo sie in ihrer Menschenwürde glaubhaft geachtet wurden. Wo der Stärkere nicht nur auf Gewalt setzte, sondern auf Verständigung.
    Warum will Israel von diesen erfolgreichen Strategien nicht lernen? Warum reagieren sie so gereizt und tun so, als hätte man nur von innen heraus Ahnung, wie ein Konflikt zu handhaben ist?
    Traumatisierte sind so. Aus Israel ist traumatisiert. Aber der Stärkere hat es nun mal eher in der Hand zu deeskalieren als der Schwächere. Wenn er es nicht schafft, über den Schatten seiner Traumatisierung zu springen, wird es der Schwächere schon mal gar nicht schaffen.

    Und das Leid wird immer weiter gehen...
    Immer weiter und weiter...

    Würde es sich nicht doch lohnen, noch mehr für den Frieden zu tun - und weniger für Vergeltung und für Abschreckung?

    Bislang hat die Strategie doch nur zu mehr oder weniger langen Waffenstillständen geholfen. Warum als die Strategie einfach beibehalten?

    Keine der beiden Seiten wird die andere bezwingen können.
    Außer durch viele kleine Schritte der Versöhnung.

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  7. Euch ist schon klar, was das letzte Mal passiert ist, als Israel einseitig und bedingungslos auf die andere Seite zugegangen ist, oder wart ihr 1993 noch zu jung? Damals hieß der Gegner und dann Verhandlungspartner PLO. Und während Israel einseitig Gaza räumte (wo es übrigens keine Siedlungen gibt und keine Wasserwirtschaft etc, nur von da übrigens aber die Angriffe) und den Vertrag ratifizierte, hat das weder die PLO noch die Autonomiebehörde je getan (ratifiziert). Und noch am Tag, als die Vereinbarung unterzeichnet wurde und Israel in Vorleistung ging, hat die PLO den Vertrag gebrochen. Danach wurde der Krieg gegen Israel sofort verstärkt.

    Nachdem also beim letzten Mal Israel massiv (!!) in Vorleistung getreten ist, wäre es an der Zeit, dass die andere Seite es tut. Nicht mal den Satz, dass Israel nicht mehr vernichtet werden soll hat "Palästina" damals ratifizieren können. Wer fordert, dass es Verhandlungen geben solle oder erneute Vorleistungen Israels, ohne dass diejenigen, die Krieg gegen dieses Land führen, anerkennen, dass es existieren darf - wer das fordert, ist faktisch dafür, dass Israel vernichtet wird. Sorry, aber da gehe ich nicht mit. Ich schreibe auch noch mal was zu euren impliziten Antisemitismen, die aus den letzten beiden Kommentaren sprechen. Sind euch wahrscheinlich nicht mal bewusst.

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  8. http://www.publikative.org/2014/07/18/israel-kritik-revisited-die-judenhasser-lassen-die-maske-fallen/

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Immer dran denken: Sag nix Dummes. Und anonyme (also nicht mit einem Blog, Profil etc verknüpfte) Kommentare lösche ich vielleicht. Antworte auf jeden Fall nicht.
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