7.10.09

Gekürzte Hörbücher

Seit rund vier Jahren höre ich wieder mehr Hörbücher, ich hab so ein Abo bei audible, mit dem ich jeden Monat ein Hörbuch bekomme und ein Audiomagazin (wodurch ich wieder zur Zeit komme, weil ich sie eben auf dem Weg zur und von der Arbeit auf dem Rad hören kann). Meistens bestelle ich mir ungekürzte Bücher, was viele ja ein bisschen mühsam finden, weil man sie - anders als in der Papierform - nicht vorblättern kann, wenn die langen Landschaftsbeschreibungen kommen...

Nun habe ich, weil sie bei einem anderen Paket dabei waren, zwei gekürzte Bücher gehört - und weiß endlich, warum ich immer die ungekürzten nehme. Gekürzte Hörbücher sind richtig doof.

Einerseits sind sie zu Ende, wenn ich mich gerade eingehört habe - gestern reichte ein Mankell gerade mal für den Hin- und Rückweg, heute ein Schätzing nur für den Weg zum Open Coffee Club und den Weg von dort ins Büro. Das ist doch absurd.

Und andererseits: Ja, beide sind gut gekürzt, aber doch recht hektisch dadurch. Keine Entwicklung, keine retardierenden Elemente (die mir vor allem in Krimis und Thrillern wichtig sind), keine Nebenstränge. So ein Buch würde ich nie lesen, warum sollte ich es dann hören?

Ich frag mich ja, für wen diese Abkürzungen gemacht sind.

Für Leute, die Lesen nicht mögen? Ich lese ja auch noch parallel richtige Bücher, so aus Papier und so, vielleicht bin ich die lange Form einfach zu sehr gewohnt. Aber das waren ziemlich sicher die letzten gekürzten Bücher, die ich gehört habe.

(Und, mal ganz am Rande: Manche Bücher werden auch durch Kürzen nicht besser, beispielsweise die unnötig zu Büchern aufgeblähten Artikel von Chris Anderson. Aber das ist ein anderes Thema....)

Kommentare:

  1. Ich höre auch viel Hörbuch. Inzwischen habe ich wenig gekürzte Bücher kennen gelernt, wobei sich hier doch die Frage stellt, wieso dann überhaupt eine Kürzung und auf Readers Digest (unter darunter) gekürzte/verstümmelte Bücher (Buch von 1000 Seiten auf 4 CDs gekürzt). Sehr verbreitet bei Kinder und Jugendbüchern.

    Ich hatte auch mal eines, da hat man dann die Kürzungen als Zusammenfassungen wiedergegeben. Was beim Hören sehr irritierend war, weil der Sprachrythmus, die Sprache selbst und der Leserythmus komplett anders waren.

    Lieber ungekürzt.

    Klar gibt es einfach schlechte Bücher aber da bin ich deiner Meinung, die rettet auch keine Kürzung.

    Zum Glück leihe ich mir die meisten Hörbücher in der Bibliothek aus, da kann ich mich dann immer noch entscheiden, ob ich ein Hörbuch in meinen Besitz übergeht - ich meine natürlich gekauft.

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  2. Anonym7.10.09

    ich verstehe auch gar nicht, warum sich so viele autoren auf Kürzungen einlassen. Ich komme immer wieder gern auf andreas Eschbach zurück, bei dessen Büchern die meisten psychologischen entwicklungen der Charaktere überhaupt nicht in den gekürzten büchern vorkommen. Da seine bücher meiner Ansicht nach gut sind, höre ich auch die gekürzten, aber ich hole später immer auch die lange Version dringend nach, wenn ich private Möglichkeiten gefunden habe, sie mir vorlesen zu lassen oder wenn ich Nerv auf sprachausgabe habe :-) Aber gerade deutsche AutorInnen, die ihre bücher doch aus gutem Grund so geschrieben haben, wie sie sind, wehren sich nicht dagegen. wovon hängt das ab? Mit Ulrich wickert hab ich auf der letzten buchmesse in Frankfurt mal darüber gesprochen. Er meinte, er höre selbst auch lieber gekürzte Bücher im Auto... ich verstehe es noch, wenn die Bücher durch Musik, mehrere Sprecher o. ä. fast schon zu einer eigenen Kunstform werden. Dann akzeptiere ich Kürzungen schon auch mal. Aber so eine Sache wie ken Follets "die tore der Welt" zunächst mit 47 Cds anzubieten, was für KurzhörerInnen dann doch *sehr* ungewohnt ist, und es dann später auf 12 Cds zu verkaufen mit der Begründung, die LeserInnen wollten halt die ungekürzten Versionen nicht, finde ich schon echt starken Tobak... Ich glaube ehrlich gesagt auch, daß gekürzte bücher viel eher illegal getauscht werden, so merkwürdig sich das auch anhört. Aber ich ärgere mich auch, wenn ich für ein halbes buch Geld bezahlen soll. Hab manchmal das Glück, für www.ohrfunk.de von Verlagen Rezensionsexemplare geschickt zu bekommmen. Aber ich selbst kaufe auch kaum gekürzte bücher. Nur manchmal geht es ja eben nicht anders! ich hoffe, daß sich da was tut, und die Kommentare hier machen mir Mut.

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  3. Schön, dass das mal ausgesprochen wird! Sensible Kürzungen, die die Intelligenz des Hörers nicht beleidigen, sind leider die absolute Ausnahme. Im schlimmsten Fall mutieren die Hörbuchfassungen zu (mit Klangeffekten untermalten) Exposés des eigentlichen Buches. Ich habe die Befürchtung, dass der Hörbuchklientel eine ganz charakteristische Vorliebe des altmodischen Lesers abgeht: sich bei aller Spannung und bei aller Neugier auf die Auflösung des Plots trotzdem für eine Weile in der Geschichte und ihrer Atmosphäre verlieren zu wollen. Vielleicht stehe ich mit diesem Beharren auf Vollständigkeit aber auf völlig verlorenem Posten. Jedenfalls lasse ich gekürzte Hörbuchfassungen nach subjektiv ausschließlich negativen Erfahrungen prinzipiell links liegen.

    Und wenn beim gedruckten Buch die gefürchteten, seitenlangen Landschaftsbeschreibungen auftauchen, hat man hier ja immer noch die Option, diese mit verringerter Konzentration und erhöhter Lesegeschwindigkeit zu überfliegen – in die wahrgenommene Atmosphäre fließen sie trotzdem mit ein. Eine Freiheit, die das Medium Hörbuch leider nicht bietet. Oder funktioniert "halb zuhören"?

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