Bei irgendeinem dieser Internet-Tests, welche Bridgerton-Figur ich sei, kam mal Anthony raus, was mich ziemlich getroffen hat. Fand ich mega unfair. Insbesondere, seit ich die Bücher lese (ich bin gerade bei Francesca). Insgesamt aber muss ich zugeben, dass ich sowohl die Serie als auch die Bücher erstaunlicherweise mag.
29.8.23
4.7.23
1923
Beim Herrn Buddenbohm hatte ich über das Buch gelesen und mir dann ebenfalls direkt das Hörbuch gekauft: Volker Ullrichs Buch über das Krisenjahr 1923. Die Idee, ein Jahr genau hundert Jahre später noch einmal nachzuhören, finde ich mega. Seit einigen Tagen höre ich es nun bei der Hofarbeit und auf dem Trecker.
Faszinierend finde ich vor allem, wie wenig ich über dieses Jahr und die Situation weiß. Die meisten Namen sagen mir etwas, die dort handeln. Auch einige grobe Zusammenhänge. Aber das meiste ist neu und etwas anders als ich dachte. Besonders irritierend finde ich, dass mir die Rolle des Militärs in dieser mittleren Phase der Republik gar nicht klar war. Oder dass Bayern auch damals schon rechtsradikal, Sachsen aber richtig links war. Wie merkwürdig Friedrich Ebert agierte, wo Stresemann herkam. Wie genau die Unternehmer der Schwerindustrie handelten.
10.5.23
Nicht woke
Ach ja. Ich weiß es wirklich nicht. Hatte ja gerade ein, ja, leicht geschwätziges, aber sehr gutes und amüsantes Buch zu dem Thema gelesen gehört, fühle mich also nicht so direkt angesprochen, wenn die Frage aufkommt, wieso erst ein mittelalter Mann ein Buch über #metoo schreiben muss, damit das alle lesen wollen. Mich interessierte es auch und vor allem, weil ich in dem Laden da ja Leute kenne, weil ich nah genug am Medienzirkus bin, weil ich die Berichterstattung über den Chefredakteur relativ intensiv verfolgt habe, weil ich „den Freund“ von früher kenne, aus seiner Hamburger Zeit.
28.3.23
Liebes Arschloch
Während ich es nie geschafft habe, aus der Idee eines Newsletters etwas regelmäßiges zu machen, auch wenn ich ihn hier rechts zumindest in der Desktopbrowservariante des Blogs bewerbe, lese ich anderer Menschen Newsletter gerne. Besonders, wenn auf einmal etwas Überraschendes herauspurzelt. Wie neulich bei Franziska Bluhm, die ja auch irgendwie meine Bloggeneration war damals.
Und so habe ich mich neulich nicht um die Weitergabe des Buches „Liebes Arschloch“ von Virginie Despentes beworben – sondern mir das Hörbuch gekauft und bingegehört. Was für ein Buch. Ein aktueller Briefroman. Mit allen Themen, die mich interessieren. Und allen Zwischentönen, die mich anregen. Einfach nur wow.
Und wie schon bei Lady Susan merke ich, wie mich das Format fasziniert. Weil so viel zwischendurch passiert. Passiert sein muss. Weil es Raum lässt für Denken und Fühlen und Fantasie. Und weil es mich immer und immer noch überrascht.
29.4.22
Geschichten
Als ich darüber nachdachte, wieso mich ausführlich erzählte Miniserien gerade so faszinieren (nicht alle, aber doch erstaunlich viele), bin ich in Gedanken sehr viele Bücher, Hörbücher, Podcasts, Serien, Filme durchgegangen, die mich im Laufe meines Lebens gefesselt und begeistert haben.
Beispielsweise kann ich mich kaum noch an Anna Karenina erinnern, weiß aber noch, dass ich es mit 12, als ich es aus dem Keller der Bücherhalle holte, verschlungen habe, ohne mir während der Lektüre auch nur einen der russischen Namen zu merken. Ich habe versucht, die Figuren über das Schriftbild der Namen auseinanderzuhalten.
Etwas anders war es mit dem Kampf um Rom, ein ähnliches Alter bei mir, ich hatte immer mal wieder überlegt, es noch mal zu lesen (aber spätestens, als ich versuchte, meinen Kindern was von Karl May vorzulesen, bin ich davor zurück geschreckt, weil mich schon bei den Büchern fast überrascht hat, dass aus mir ein woker Mensch werden konnte bei solcher Lektüre).
Es gab eine Zeit, in der ich die Romane da unten im Keller jener Bücherhalle nach der Dicke der Bücher auswählte, damit ich länger etwas von der Geschichte habe. Obwohl ich nie ein schneller Leser war, fand ich es immer schon schade, wenn ich aus der Geschichte wieder auftauchen musste.
Bis heute lese ich nicht gerne Sachbücher. Hören ist ok, habe ich gemerkt, da stört es mich nicht, dass sie keine Geschichte erzählen. Aber eigentlich mag ich vor allem Geschichte. Womit wir wieder am Anfang wären.
Ein gut durcherzählter Roman lässt mich in die Geschichte eintauchen. Und gut durcherzählt meint nicht, dass es nur klassische erzählt sein muss. Nur eine Geschichte habe ich gern. Aber auch Episoden, moderne Erzählformen oder so was wie im Film 8 Blickwinkel kann mich begeistern. Wenn mich die Geschichte in sich hineinzieht.
Eine Geschichte ist es, die mich zum Nachdenken bringt, die mir Inspiration bringt, die mich selbst kreativ werden lässt. Mit einer Geschichte kann ich mich entdecken, kann ich Emotionen durchleben, mich in ihren Protagonist*innen sehen. Geschichten treiben mich.
In den letzten Jahren geht mir das nicht nur mit Büchern so (mehr Hörbüchern, nur ungekürzte) sondern zunehmend mit Podcast-Miniserien und Film-Miniserien. Beides ist für mich das Pendant zu Romanen in anderen Medien und Erzählformen. Sechs, acht, zehn Folgen, die sich Zeit nehmen, einem Thema in einer Geschichte oder Personen in einer Geschichte wirklich einmal ausführlich nachzuspüren. Nicht zu hetzen (darum auch nur ungekürzte Bücher). Aber eben auch nicht, wie bei klassischen Serien, in die Unendlichkeit und damit auch leider oft irgendwie Beliebigkeit abzudriften. Und, ein Nebenaspekt, ich bewundere, wenn es Autor*innen gelingt, Geschichten-Serien abzuschließen (auch wenn ich trotzdem irgendwie immer traurig bin, wenn es vorbei ist). Seit Sjöwall/Wahlöö liebe ich darum Krimireihen, in denen sich die Hauptfiguren weiterentwickeln.
Und vielleicht liebe ich das Geschichtenerzählen, auch in der kleinen Form, so sehr, weil ich Geschichten so sehr liebe. Es gab nur sehr wenig Zeit in meinem Leben, in der ich nicht parallel zum Leben auch eine Geschichte "durchlebt" habe, ist mir bewusst geworden. Heute mehr in der Form von Filmen (als Miniserien), aber immer eine Geschichte. Ich brauche Geschichten, um zu leben.
15.10.18
Was für ein Spaß
Denn es ist ein wunderbarer, fantastischer Spaß. Was wohl mehr an Austen liegt als am Format. Aber das Format in Briefen trägt ein Übriges bei. Es sind die Zwischenräume, die mich lachen lassen. Das, was nicht erzählt wird. Was passiert sein muss, um den Brief auszulösen. Köstlich.
Eigentlich ist die Susan eine Farce. Und erst das lapidare Nachwort, in Prosa an die Briefe rangeklatscht, löst die Geschichte in typischer Austen-Manier auf. Ironisch changierend zwischen Happy End und irre-kicherndem Spott.
Wie konnte ich bisher übersehen, wie witzig und inspirierend Briefromane sein können. Gibt es eigentlich moderne?
[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]
11.4.18
Wiederlesen
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| Weichselkirschen |
Jedenfalls war ich raus. Und als ich dann durch war mit Harry Potter (und da ich mich entschlossen habe, mein Lesetagebuch nur über Papier zu führen und nicht über Audio) nahm ich Ossowskis Buch wieder in die Hand. Und hatte keine Lust mehr.
Mir fällt es immer noch schwer, Bücher aus der Hand zu legen, ohne sie auszulesen. Ich kann mich eigentlich bisher nur daran erinnern, dass mir das mit der Tante Jolesch passiert ist.
Mit einem Buch aufzuhören, bevor es zu Ende ist, fühlt sich an wie eine Niederlage. Und ich mag Niederlagen irgendwie nicht so gerne. Andererseits ist es auch blöd, sich durch Bücher zu quälen, die ich aus Genuss und in der Freizeit lese(n will). Also kam es gerade Recht, dass ich neulich etwas leichtfertig über Thomas Manns Doktor Faustus schrieb. Und dass es im Bücherregal steht, weil ich es immer mit umzog, obwohl ich es 1989 zum letzten Mal gelesen habe. Ich erinnere mich noch, dass ich, Bildungssnob, der ich war, über die Rolle der Religion im Faustus meinen Impuls vorbereitete und meine Gruppendiskussion führte, als ich zum Auswahlwochenende für die Studienstiftung eingeladen worden war. Und mein Erstkontakt mit ihm war über viele, viele Wochen in "Am Abend vorgelesen" im NDR, gelesen vom großen Gert Westphal. Ich musste mich irre beeilen, wenn ich vom Chor nach Hause kam, weil es sehr knapp war, noch rechtzeitig am Radio zu sein. Those were the days.
Jedenfalls sind es jetzt diese vergilbten Seiten, dazu Schönbergs Streichquartette auf den Ohren, die mich beim Pendeln begleiten für einige Zeit.
[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]
26.1.18
Das Nachwort
Die Ausgabe, die ich von dem Buch habe (das eigentlich eher eine Novelle ist, auch wenn Roman draufsteht), hat hinten drin ein Essay der Übersetzerin Bettina Blumenberg. Und ohne dieses Essay hätte mich die Geschichte etwas ratlos zurück gelassen. Übrigens gefällt mir die Übersetzung sehr, sprachlich vor allem. Dass Blumenberg mir aber am Ende noch einmal erklärt, warum das, was mich irritierte, gewollt und richtig und besonders kunstvoll ist, beruhigte mich etwas. Denn ohne den Kontext war es mir so merkwürdig fleischlos, toastbrotartig erschienen. Ja, die gewisse Lieblosigkeit, mit der der Ich-Erzähler hantiert, war als Ausdruck seines Charakters gedacht, das war mit klar. Aber diese lapidare Form, in der alle, die in der Geschichte auftreten, unsympathisch bleiben oder werden, trieb mich immer schneller durch die Geschichte, ohne dass sich Genuss oder auch nur ein Eintauchen einstellte. Dass Venedig im Grunde nicht einmal die Kulisse darstellt, tut ein Übriges.
Über's Nachwort habe ich es verstanden. Und lächelte über meine Naivität. Sollte ich noch was von Henry James lesen, wenn es mir so mit dieser Novelle ging?
[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]
17.1.18
Vorurteilen zum Trotz
Jetzt aber. Und voila, es hat gar nicht weh getan. Am meisten haben mich zwei Dinge überrascht: zum einen, dass es immer als ironisch oder karikierend beschrieben wird. Es ist witzig, sehr oft. Aber ist es wirklich eine Karikatur? Und zum anderen, dass es ja tatsächlich wie das Drehbuch der großartigen Miniserie der BBC mit Jennifer Ehle und Colin Firth ist. Erstaunlich, wie genau sich diese Verfilmung an das Buch hält.
Und weil ich die Geschichte also doch sehr genau kenne, habe ich das Buch tatsächlich dieses Mal genossen. Auch, weil es für sein Alter sehr rasant ist. Keine Längen, keine sinnlosen Kapriolen, wunderbar konstruiert. Eben die Mutter aller Liebesgeschichten. Geholfen hat mir dabei, dass ich zum ersten Mal einen Versuch machte, es in größeren Stücken zu lesen. So konnte ich mich mit mehr Ruhe in die Sprache einfinden. Pendeln ist zu was gut...
Was mich dann beim Lesen gefesselt hat, ist, dass dieser Roman nie süßlich ist. Nicht im eigentlichen Sinne romantisch. Und erst auf den letzten Seiten rührend. Und wie immer die Perspektive Elisabeths gehalten wird. Ihre inneren Kämpfe und ihre Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen - was keine der vielen Verfilmungen und Adaptionen, die ich kenne, auch nur in Ansätzen abbildet.
Es ist ein großes Buch. Ein menschliches. Und eines, bei dem mich nie störte, dass ich die "Story" kenne, dass alle Menschen es schon gelesen haben, meine Liebste viele, viele Male beispielsweise. Im Gegenteil, so konnte ich mein Erstaunen und meine Gedanken teilen, ohne etwas erklären zu wollen. Hab ich genossen.
Endlich abgehakt auf der ewigen Leseliste. Und schade, dass es schon zu Ende ist.
[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]
9.1.18
Altes Land
Es ist vor allem und mehr noch als die Geschichte die Sprache, die mich sofort und die gesamte Zeit in den Bann geschlagen hat. Dieser lapidare, fast lyrische Stil, der sehr aus der Mode ist, den ich aber immer so sehr genieße. Mit den Perspektivwechseln zu jedem Kapitel, die alle wunderbar zärtlich-spöttisch gemalten Protagonistinnen vielschichtig und lebendig machen.
Keine einzige Person in diesem Kammerstück ist grotesk überzeichnet. Den Barmbeker Tischler kenne ich aus Bramfeld. Die Ottensener Eltern sehe ich jeden Tag. Die Altländer Bauern und noch mehr die Bäuerinnen erinnern entfernt an die, die ich auf dem Land treffe. Die Stadtflüchtigen sind die einzigen, die wirklich doof sind. Also alles wie in echt.
Und ansonsten ist es die liebevoll erzählte Geschichte von Menschen, die nicht "funktionieren", aber irgendwie zusammen ins Leben zurück finden. Mehr noch als die von einem Haus, das so windschief ist wie seine Bewohnerinnen.
Was für ein Lesegenuss jedenfalls. Was für Jahresauftakt für mich, der mich glücklich machte.
[Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Pendeln mehr zu lesen. Bücher und so. Wenn es in dem Tempo weitergehen sollte, werden das viele, aber wer weiß. Und das hier ein Lesetagebuch. Vielleicht.]
23.3.15
Das Buch
Mit Büchern habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht.
Wenn meine Eltern die Sicherung rausdrehten, damit ich endlich das Buch weg lege, bin ich, sobald das Haus still war, in den Keller geschlichen, um sie wieder reinzudrehen. Das war eine Zeit lang ein Spiel, das mehrmals jede Nacht lief. Bis ich auf die Idee kam, die Taschenlampe zu verstecken.
Das Regal mit den Jugendbüchern in der Bücherhalle (wie die öffentlichen Büchereien in Hamburg heißen) habe ich schnell ausgelesen und erinnere mich noch, wie ich ehrfürchtig das erste Mal in den Keller der Bücherhalle in Berne ging, die Stufen runter, wo die Erwachsenenromane standen. Tolstoi wollte ich lesen. Wenn schon, denn schon.
Zum Abitur wünschte ich mir, ganz Snob, der ich war, den Grundstock einer Bibliothek.
Glücklicherweise war kurz vorher so eine Liste der "Zeit" erschienen, welche 150 Bücher jede gelesen haben müsste oder so ähnlich. Und tatsächlich waren unter den Büchern, die ich geschenkt bekam, viele dabei, die in jede gute Bibliothek gehören.
Auch dass ich von der Studienstiftung dann jeden Monat so genanntes "Büchergeld" bekam, habe ich sehr wörtlich genommen. Die Regalmeter mit theologischer Fachliteratur sind nicht so wenige. Wir haben zu Hause sogar Lexika. Fachlexika (zwei Auflagen der RGG, die zweite, geerbt vom Großvater der Liebsten, und die dritte, selbst gekauft vom Büchergeld der Studienstiftung) und - als besonderer Stolz, auch wenn er nicht mir gehört sondern der Liebsten - den gesamten Kindler.
Ich habe immer Bücher um mich gehabt, kann mir einen Wohnraum ohne Bücher nicht vorstellen. Bücher meint dabei Papier, das gebunden ist. Heute sind die meisten unserer Bücher entweder in der Bibliothek untergebracht oder im Arbeitszimmer. Nur einige wenige Meter haben wir im eigentlichen Wohnzimmer, vor allem solche, die wir immer mal wieder zu Hand nehmen - also selbstverständlich alle Romane von Jane Austen, die Bücher über Gustav Mahler, einige Gedichtbände, die zwei Meter Bücher, die die eine oder den anderen von uns sehr begleitet und geprägt haben. Dazu die Neuauflage von Tim und Struppi, die handgeletterte und der eine Facsimile-Band.
Heute höre ich viele Bücher, seit ich ein Abo bei audible habe und viel Rad fahre, da kann ich besser mit den Ohren lesen als mit den Augen. Und ich habe durchaus auch ausprobiert, wie mir e-Books gefallen. Denn an sich ist das ja gut, wenn die zehn bis fünfzehn Bücher für den Urlaub auf ein so kleines Gerät passen.
Aber damit komme ich nicht zurecht.
Ich war bereit, meine sehr grundsätzlichen (kulturellen, politischen) Bedenken gegenüber dem, was ich für einen Rückschritt in der Redefreiheit halte, also digitalen und damit auf Ebene des einzelnen Exemplars nicht-permantenten und damit dauerhaft manipulierbaren Ausgaben von Büchern, zurück zu stellen aus praktischen Erwägungen - aber ich mochte es nicht und mag es immer noch nicht. Ich lese viel an Bildschirmen. Aber für eine längere Geschichte, in der ich mich mehrere Tage aufhalte, brauche ich Papier.
Was mich überraschte.
Heute lese ich längst nicht mehr so viel.
Und muss mich, wenn ich neue Bücher habe, immer überwinden, eines in die Hand zu nehmen. So dick, so unhandlich. Aber wenn ich, wie in den letzten Tagen endlich einmal wieder, dann doch schließlich ein Buch anfange, hat es mich wieder - und weiß ich, warum ich Bücher so liebe.
Es ist nicht nur die Geschichte, deren Fortschritt ich durch das Lesezeichen jederzeit sehen kann. Es ist die Mischung aus Geruch (denn ja, Bücher riechen ja tatsächlich), Gewicht, Geschichte - und Zeit. Denn ich lese wohl in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Aber zu Hause, im Chaos der großen Familie und vielen Tiere, ist es ein besonderer Moment, wenn ich mich in einen Sessel setzen kann, ein Glas Rotwein oder einen Tee auf dem Beistelltisch, und das Buch zur Hand nehme, bereit, einzutauchen in die Geschichte, für mehr als nur einen kleinen Moment.
Mehr noch als Musik, die ich auch immer noch gerne besitzen möchte und mir kaufe, wenn sie mich glücklich macht oder anrührt, brauche ich Bücher um mich. Noten kommen als nächstes, Musik erst danach. Filme fast gar nicht, die kann ich auch leihen und streamen.
Ich bin ein Buchmensch.
Was das genau heißt, ist mir gar nicht so klar. Aber es hat etwas mit der Haltung zum Leben und zu Bildung und Wissen zu tun, glaube ich. Denn mir fällt auf, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die ich dicht an mich heranlasse und überaus schätze, die nicht auch Buchmenschen sind. Oder zumindest mit Büchern leben. Nichts hat mich in dem Zusammenhang mehr irritiert als die Aussage eines Menschen, den ich mag, der einmal sagte, er möge Bücher, aber könne im Wohnzimmer keine ertragen.
Mir geht es genau anders herum.
11.9.11
Immer wieder faszinierend
Oder bei Tertius, der sich alles einfach sofort merkt. Da merkt man das Lesen kaum. Oder bei Secundus, der trotz eines völlig verunglückten Leselernstarts (er hatte eine -sorry- bekloppte Anthrolehrerin, die diesen veralteten und unkreativen Waldorfscheiß gemacht hat) fast sofort dicke Bücher las und bis heute verschlingt.
Oder wie heute Quarta, als sie auf einmal aus Worten, die sie in den ersten vier Wochen gelernt hat, einen Satz zusammenbastelt und aufschreibt.
Es ist immer wieder toll, wenn die Kinder geschriebene Sprache für sich entdecken.
25.2.11
Last Exit Volksdorf
Gestern, als ich nach Hause kam, lag ein Exemplar von "Last Exit Volksdorf" von Tina Uebel auf dem Tisch. DDR-Feeling: Ein verbotenes Buch (ein Volksdorfer hat erreicht, dass es nicht weiter ausgeliefert werden darf, wenn ich es richtig verstanden habe), das unter Freunden heimlich (hier: in einer unauffälligen Plastiktüte, wir leben schließlich nur 50m von Volksdorf entfernt) weiter gegeben wird.
Es ist schon irre. Ich habe auf den Mäuerchen gesessen, bei Simon und Jänisch eingekauft, viel Zeit in der Koralle verbracht, als ich ein Jugendlicher war. Jede Szene, sogar irgendwie tatsächlich jeder Mensch, der in diesem Buch vorkommt, ist mir vertraut, so prinzipisch. Jeder Ort, jeder Typ. Ich habe Straßen vor Augen, durch die Finn mit dem Fahrrad fährt. Ich sehe, in welchem Haus Natalie und Juliette wohnen könnten. La Venezia gibt es schon lange nicht mehr, aber da habe ich ebenfalls Pistazieneis gegessen (denn Pistazieneis war das, was dort besonders war). Auch wir haben Knobibrot im Block House in der Weißen Rose geholt und im Park gegessen. Und das, obwohl ich nie Popper war, sondern immer Außenseiter. Das eigentlich Ulkige an diesem Buch ist, dass es in einer Zwischenzeit spielt. Die Orte und die Personen sind sehr 80er, die iPods und Cayennes stammen von heute. Tina Uebel ist fast genau so alt wie ich und zur gleichen Zeit wie ich in Volksdorf aufgewachsen.
Ich gehörte nie dazu in Volksdorf, denn ich lebte damals im Nachbarstadtteil Meiendorf, der armen Schwester auf der anderen Seite des Waldes. Ich kannte kaum Leute vom WDG (Walddörfer Gymnasium), das im Buch eine große Rolle spielt, nur einige, mit denen ich politisch arbeitete. Aber trotzdem war Volksdorf immer mein Dorf und ist es geblieben. Heute sind wir mehr als je zuvor dorthin orientiert, bald zwei unserer Kinder gehen dort zur Schule, eines spielt dort Fußball, einkaufen, Rastaurants, de Fries, alles mein Leben.
Selten hat mich ein Buch auf den ersten Seiten schon so in seinen Bann gezogen. Zumal ich Tina Uebels Stil sehr mag. Ob es auch Menschen so geht, die Volksdorf nicht so gut kennen?
Edit 4.4.2011
Der erste Eindruck nach 40 Seiten täuschte nicht. Es ist und es blieb ein tolles Buch in all seiner Trostlosigkeit, Ausweglosigkeit, Komik, Tragik, seinem Irrwitz. Relativ klar ist auch, wer wohl die Einstweilige erwirkt haben muss, eigentlich kommt nur der Arzt aus dem Krankenhaus in Großhansdorf in Frage, der auch wirklich nicht gut wegkommt (und dessen Sohn sich mutwillig mit AIDS ansteckt).
In den Rezensionen ist immer die Rede davon, dass alles in der Katastrophe endet - da bin ich mir nicht so sicher. Für mich ist es eher ein trostlos-realistisches Bild der wohlstandsverwahrlosten Kinder und ihrer Eltern, in großen Teilen bis heute gültig (es spielt ja auch in der Gegenwart), obwohl es die 80er Jahre abbildet. Der Mutter jener hochbegabten und verhätschelten Musikerin, die an der Erwartungen ihrer Familie zerbricht und in Magersucht und Irrsinn abgleitet, bin ich zigfach begegnet in meiner Zeit, in der ich in der Kirche dort aktiv war. Diese Einsamkeit in diesem großen Haus mit dem Mann, der nur das perfekte Weibchen haben will, und der Tochter, die sie nicht versteht, spüre ich geradezu. Und deren Mutter wiederum, die bei 16 Grad Raumtemperatur in ihrem Bett erfriert, stammt eigentlich aus Horn, wie meine Großeltern. Drogen, Mobbingvideos rund um eine Art Vergewaltigung, Außenseiter - alles deprimierend, alles realistisch in gewisser Weise, alles literarisch überhöht.
Ich konnte das Buch tatsächlich nicht weglegen, habe es der Freundin zurück gegeben, die es mir geliehen hat, so dass ich erstmal nicht noch weiter drin blättern und es querlesen kann. Und ja, ich kenne auch Leute, die nicht in oder um Volksdorf oder vergleichbare Gegenden aufgewachsen sind, denen es ähnlich ging mit diesem Buch.
Ist es gehypet? Nein, finde ich nicht. Jede euphorische Beschreibung stimmt. Und schade, dass ich nicht zur Lesung in der Koralle gehen kann, es wäre sicher sehr spaßig, lauter Volksdorfer zu beobachten, wie sie die Autorin beobachten, die ihr Leben beobachtet hat. Wer immer an das Buch kommt: Lest es!
3.11.10
Schlauer mitm Interweb
Wie gewinnt man eine Frau zurück?
Lustige Frage an jemanden, der glücklicherweise für ein ganzes Leben mit der gleichen Frau verheiratet ist. Aber der Klassiker. War noch nie in der Situation. Aber ich denke, dass es mit ganz, ganz, ganz viel Nachlaufen und Liebe gehen könnte. Oder?
Haltungsturnen mit Kindern
Ach ja. Der andere Klassiker unter den Fragen, die mein Blog nicht befriedigend beantwortet. Tut mir leid. Ich kenne noch ein paar Übungen von früher, als ich Kind war und zum Haltungsturnen geschleppt wurde. Die Katze beispielsweise. Hier ist mit Haltungsturnen eher das Einüben einer Haltung gemeint.
Anschreiben für eine Pressemitteilung Elternfortbildung
Puh, da würde ich ja mal die PR-Kollegen in der Firma fragen, in der ich arbeite. Und überhaupt, was ist das für eine Frage? Aber ich hab eine Elternfortbildung im Angebot, hier sind die Folien dazu, unter einer Creative Commons Lizenz.
Sex mit Pferden
Igitt, was für ein Schweinkram, kann ich nur von abraten. Was ihr auch immer fragt, ey. Aber ich weiß, wie das kommt, dass man mich damit findet. Früher war der Titel, der da oben in der Browserdingens, ganz oben, angezeigt wurde: "Mit Männern ist das wie mit Pferden". Nur wieso das Wort Sex vorkommt, weiß ich nicht. Pferde sind toll übrigens, wir haben ja auch welche. Und Sex ist auch toll.
Ausmalbilder Eragon
Weiß ich echt nicht, wo man die bekommt. Überhaupt finde ich es lustig, dass so viele Referenzen auf meine Literaturliste per Suche hier reinkommen. Damit hätte ich auch nicht gerechnet, als ich damals damit angefangen hab, aufzuschreiben, was ich gerade lese, da drüben, links, in der Seitenleiste.
Damixa Wasserhahn tropft
Ja, das Problem kenne ich. Und die Lösung auch. Kann ich nur empfehlen. Wir haben aber jetzt keine Damixa Armaturen mehr.
Richtspruch
Da kann ich helfen. Der Klassiker unter den Richtsprüchen. Wie gut, dass mein Schwiegervater Bergmann war, die haben ja oft gerichtet und der kannte den.
Social Media Berater oder wahlweise auch feuern sie ihren social-media-berater
Damit hab ich ja was angerichtet. Mit dieser Suche sind ganz oft Leute mit IP-Adressen von Agenturen und Großunternehmen hier. Und aus einem Chemieunternehmen kommt jemand mindestens einmal die Woche mit dieser Frage. Und neuerdings jemand von einer Münchner Multimediaagentur, die sich offenbar unsicher ist, ob sie den externen Social-Media-Dingens wirklich weiter haben sollte, den sie beim Kunden reingebracht hat. Naja. Hab ich eine Meinung zu (also zu der zweiten Formulierung der Frage da): Ja, machen Sie's.
es kommt nich darauf ob man gewinnt, sondern das man gewinnt
Kinners, so geht das nicht. Ja, Google ist das größte Rechtschreibhilfeprogramm der Welt, aber da kräuseln sich doch die Fußnägel. Aber im Prinzip habt ihr Recht. Denn, die inzwischen im title-Tag dieses Blogs steht (und also ganz oben, da in der - bei mir - grauen Zeile über den Bedienelementen des Browsers): "Wichtig ist nicht, ob man gewinnt, sondern dass man gewinnt" Der Spruch soll übrigens von Helge Schneider (für die jüngeren von euch, falls ihr den nicht mehr kenn, hier ist der Wikipediaeintrag zu ihm) sein, passen könnte es. Ich hab aber nie gegoogelt, ob das stimmt. Könnte ich ja mal machen.
meisterdetektiv agaton sax inhaltsangabe
Oha. Das liest jemand in der Schule? Oder warum sollte sonst jemand danach googlen? Vor allem aber: Warum landet dann so jemand ausgerechnet auf meinem Eintrag, in dem ich erkläre, warum die Grünen die andere Volkspartei neben der CDU sind. So oder so aber ist das Buch Agaton Sax der Meisterdetektiv (das ich in exakt der verlinkten Ausgabe habe, ha!) eines meiner aller, aller, aller liebsten Bücher, mit denen ich jedes meiner Kinder mehrfach gequält habe und weiter quäle, weil sie ertragen müssen, dass ich es ihnen komplett vorlese. Größtartigst.
Kurzzusammenfassung: Der Chef der kleinsten Zeitung Schwedens (er ist der einzige Redakteur und Setzer etc) erlebt skurrile Abenteuer, in denen er zeigen kann, dass er nicht nur ein Spießer, sondern auch ein Sprach- und Kampfkünstler ist und so weiter. Die Bösen haben immer so spitze Hüte mit Doppelspitze auf. Und Sax gewinnt immer. Klar.
11.4.10
Eine Ära geht zu Ende
Foto unter cc-Lizenz von Max Braun
Das fiel mir schwer, denn ich mag die Zeitschrift weiterhin. Und ich hänge an ihr. Damals, als ich auch an ein Freiexemplar kommen konnte, habe ich sie bewusst für Geld bestellt, weil ich es so toll fand, was das Team um Gabriele Fischer gemacht hat. Und die zahlreichen Gespräche, die ich mit ihr führen konnte, gehörten immer zu den inspirierenden Momenten.
Aber seit dem Sommer habe ich, das musste ich irgendwann zugeben, keine Ausgabe mehr gelesen - oder wenn, dann nur einige wenige Artikel. Und darum habe ich anlässlich des Umzugs und des Großreinemachens die überfällige Konsequenz gezogen. Die brand eins ist wichtig gewesen in meinem Leben. Und ich höre hin und wieder weiterhin den Schwerpunkt als Audiomagazin.
Am Anfang war sie faszinierend, weil sie das Thema Wirtschaft anders anging. Gabriele war immer sauer, wenn ich meinte, ihr Baby sei so etwas wie die taz unter den Wirtschaftsmagazinen - was ich verstehen kann angesichts der wirtschaftlichen Implikationen, was ich weniger verstehen konnte angesichts des Stils und der Stilbrüche, die für mich die brand eins ausmachten.
Dann hat die brand eins das Cluetrain Manifest entdeckt und diese große Strecke mit den Bildausschnitten nackter Menschen gemacht, auf die einzelne Thesen tätowiert waren. Diese Ausgabe hat - nicht nur bei mir - sehr viel in Gang gesetzt und vieles verändert. Ohne diese Ausgabe und ohne brand eins wäre ich heute nicht da, wo ich bin, und würde ich heute nicht das beruflich machen, was ich mache.
Die Zeitschrift gründete eine E-Mail-Diskussionsliste rund um das Cluetrain Manifest, aus diese Liste sind viele Freundschaften entstanden, einige der wirklich guten Blogs dieses Landes und eigentlich alle Berater hervorgegangen, die heute gut und mit Erfahrung rund um Kommunikation in den Social Media unterwegs sind.
Dafür bin ich bis heute dankbar. Und auch, wenn mich viele Schwerpunktintros von Wolf Lotter geärgert haben, auch, wenn mir zwischenzeitlich (es war eine Phase in der ersten Hälfter der 2000er) die bigotte rechtslastige Verachtung gestunken hat, die er hin und wieder an den Tag legte (manifestiert in seiner Nähe zu den Kapsern von der "Achse des Guten"), war das, was in der brand eins stand auch in dieser Phase für mich wichtig.
Nun werde ich nun noch sporadisch lesen und hören, so wie schon die letzten Monate. Ich werde die brand eins weiter verfolgen. Aber sie kommt nicht mehr jeden Monat zu mir nach Haus.
7.10.09
Gekürzte Hörbücher
Nun habe ich, weil sie bei einem anderen Paket dabei waren, zwei gekürzte Bücher gehört - und weiß endlich, warum ich immer die ungekürzten nehme. Gekürzte Hörbücher sind richtig doof.
Einerseits sind sie zu Ende, wenn ich mich gerade eingehört habe - gestern reichte ein Mankell gerade mal für den Hin- und Rückweg, heute ein Schätzing nur für den Weg zum Open Coffee Club und den Weg von dort ins Büro. Das ist doch absurd.
Und andererseits: Ja, beide sind gut gekürzt, aber doch recht hektisch dadurch. Keine Entwicklung, keine retardierenden Elemente (die mir vor allem in Krimis und Thrillern wichtig sind), keine Nebenstränge. So ein Buch würde ich nie lesen, warum sollte ich es dann hören?
Ich frag mich ja, für wen diese Abkürzungen gemacht sind.
Für Leute, die Lesen nicht mögen? Ich lese ja auch noch parallel richtige Bücher, so aus Papier und so, vielleicht bin ich die lange Form einfach zu sehr gewohnt. Aber das waren ziemlich sicher die letzten gekürzten Bücher, die ich gehört habe.
(Und, mal ganz am Rande: Manche Bücher werden auch durch Kürzen nicht besser, beispielsweise die unnötig zu Büchern aufgeblähten Artikel von Chris Anderson. Aber das ist ein anderes Thema....)
24.11.08
Offline tut gut (hin und wieder)
Wieder einmal habe ich gemerkt, dass Diskussionen, die offline stattfinden, nicht zwingend ergiebiger oder sinnvoller sind als online - und dass auch in persönlichen Gesprächen trollartiges Verhalten genau so nervt wie online. Nur dass es schwieriger ist, sich dem zu entziehen, weil ja eben alle in einem Raum sind. Und weil es mir "offline" noch weit schwerer fällt, Nicht-Argumente zu akzeptieren und unwidersprochen stehen zu lassen. Während ich online ja ein Verfechter dessen bin, dass kein Lesezwang besteht, ist eine "Diskussion" am Esstisch, in der argumentfrei nur aus einer Mischung aus Angst, Verachtung und Hass gesprochen wird, zumindest für mich nicht so leich zu ignorieren. Zumal ich traditionell gerne und auch zugespitzt diskutiere (Ich erinnere mich noch mit freudigem Schaudern an die jahrelangen Diskussionen mit meinem Großvater, der partout nicht einsehen wollte, dass er ein entfremdetes Mitglied der ausgebeuteten Klasse der Werktätigen ist).
Dass ich dann in einer Diskussion (offline) nicht mal eben schnell auf den guten Aufmacher der aktuellen Zeit verlinken kann, um kurz zu begründen, warum ich den Rechtsstaat nicht am Ende sehe, macht es noch mühsamer.
Wobei ironischerweise ein Teil der Tischgesellschaft ja sogar die Papiervariante der Zeit zu Hause rumliegen hat, ich dagegen nur die Audiovariante auf dem Weg zur Arbeit gehört hatte. Eine weitere Bestätigung meiner zynischen These, die Zeit sei die einzige Zeitung mit einer höheren verkauften als gelesenen Auflage.
Andere Teile des Wochenendes spüre ich noch (jaja, wieder einmal der Muskelkater nach dem Reiten). Oder sie hängen mir noch in Gedanken nach. Wie kibbelig beispielsweise Beziehungen sein können, wenn nicht beide achtsam damit umgehen oder einer zu feige ist. Oder wie es doch immer wieder erstaunlich ist, wie wenig ich aktuell von guten und sehr guten Freunden aus ihrem Leben weiß, wenn die nicht so online sind wie ich. Und wie viel mehr ich von Menschen weiß, denen ich - eigentlich - nicht so nahe stehe.
Ist Nähe neu zu denken? Ja, bestimmt. Und ich merke, dass ich bei manchen, die mir wichtig sind, in diese Nähe mehr investieren muss (und werde). Denn einerseits findet mich sehr viel. Andererseits muss ich bei anderen eben auch viel suchen. Auch dafür ist es gut und wichtig, zwischendurch dieses andere Leben mal wieder ungefiltert zu haben.
7.6.07
Cicero
Cicero haben wir recht viel gelesen damals. Und jetzt habe ich es wieder getan - allerdings nicht auf Latein, das kann ich nicht mehr gut genug. Robert Harris hat einen faszinierenden Roman über Ciceros Aufstieg ins Konsulat geschrieben, mit dem eleganten Kunstgriff, Ciceros Sekretärsklaven als Ich-Erzähler auftreten zu lassen. Ohne dass ich mich in den letzten Jahren wirklich und intensiv an Ciceros Reden hätte erinnern können, kam mir das alles wunderbar vertraut und bekannt vor. Es war ein merkwürdiges Gefühl, aber schön, es hatte was von nach Hause kommen.
Und da Harris' Buch gefällige Alltagsliteratur ist, ging es schnell und entspannt. Sein erstes Römer-Buch (Pompeji) habe ich mir nun im Original als Audiobook vorgemerkt und werde es mit meinem Abo Mitte des Monats einlösen...
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