Posts mit dem Label weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19.12.14

Am Weihnachtsgottesdienst hängt die Zukunft unserer Kirche

Es sind die großen Geschichten, die faszinieren, die wir immer wieder hören können, die uns bewegen – zu Tränen, zum Lachen, zu tief empfundenem Glück. Und es sind die großen Ideen, die uns sofort ansprechen, die uns dazu bringen, innezuhalten, aufzubrechen, zu kommen.

Weihnachten hat alles, was eine große Geschichte braucht – Gut gegen Böse, Überraschung, einen Helden, dem niemand das Heldsein zutraut, die Rettung der Welt oder der Menschheit. Alles süßliche, wunderbare, überfrachtete Brauchtum könnte den Erfolg von Weihnachten nicht erklären, wenn es keine große Geschichte wäre.

Wenn wir als Werberinnen und Kommunikationsfachleute etwas bewegen wollen, sind wir immer auf der Suche nach so etwas wie Weihnachten. Einer großen Geschichte, hinter der eine große Idee steht, aus der die gesamte Kampagne fließt und sich entwickelt.

Wir brauchen große Ideen, um zu bewegen. Und eine große Idee ist eigentlich ganz einfach an drei Punkten zu erkennen (und das wiederum hilft, zu verstehen, wieso Weihnachten so irre erfolgreich ist):

Herrnhuter Weihnachtssterne
(1) Sie muss nicht erklärt werden, sondern leuchtet sofort ein. (2) Aus ihr folgt sofort und quasi wie von selbst, was ich daraus machen kann, wie ich sie umsetze in eine Kampagne. Und sie beruht (3) auf einem Insight, wie wir in verschwurbeltem Agentursprech dazu sagen – was meint, dass sie eine tiefe, emotionale, menschliche Wahrheit anspricht, die sich so anfühlt, als würde ich sie schon immer kennen, selbst, wenn ich sie das erste Mal höre oder erlebe.

All dies trifft auf Weihnachten zu. Auf die Idee und die Geschichte. Und dass dann auch noch die Idee von Weihnachten auf eines der größten und etabliertesten Feste gelegt wurde, die es schon gab, war ein genialer Schachzug, der nur den besten Werbern einfällt. Denn es ist die hohe Kunst der Kommunikation, mit der eigenen Geschichte und Idee nicht etwa eine Welle anzustoßen sondern eine bereits große Welle zu surfen.

Mit der Idee, dass die Welt und vor allem wir Menschen gerettet seien, ausgerechnet an den Tagen um die Ecke zu kommen, an denen wir aufzuatmen beginnen, weil die deprimierenden dunklen Tage langsam wieder heller und länger werden, ist genial. Denn das haben wir aus der Forschung gelernt, wie Werbung wirksam sein kann: Auch die beste und größte Idee und Geschichte muss auf fruchtbaren Boden fallen, um Resonanz auszulösen. Sonst wäre das alles ja viel besser planbar als es ist, sonst wären die großen sogenannten viralen Wellen nicht so sehr von Zufällen abhängig. Und die Wintersonnenwende ist genau das Umfeld, in dem die Hoffnung und der Traum von Weihnachten sofort einleuchtet.

Gegen allen Kitsch, gegen alles moderne Schimpfen auf den falschen Schein von Friede-Freude-Eierkuchen, gegen jede der Statistiken, die über Weihnachten besonders viel Streit in den Familien behaupten, gegen all dies steht die Idee und die Geschichte von dem kleinen, verletzlichen Kind im Stall, das unvorstellbar groß ist und eine so radikale Veränderung bedeutet. Und trifft auf eine tiefe Sehnsucht und eine tiefe emotionale Wahrheit. Die Wahrheit davon, dass es anders sein kann als im hektischen Alltag. Und dass es möglich ist, in dieser Welt bereits anders zu leben. Die Sehnsucht nach Frieden und Veränderung und – ja, auch – Erlösung.

Deutsche und britische Soldaten am 26.12.1914
Jedes irgendwie gelingende Weihnachtsfest ist ja tatsächlich ein Vorgeschmack auf das Reich Gottes. So klein es uns scheinen mag. Und so wenig substanziell es daher kommt. Wie oft hat es wirklich den Weihnachtsfrieden gegeben? Wir mögen ihn vergessen im Stress des Geschenkejagens und Essenkochens. Aber gerade in diesem Jahr, in dem sich der Beginn der großen europäischen Katastrophe des ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal gejährt hat, lohnt es sich, auf die Geschichten vom Weihnachtsfest über den Gräben der Front in Frankreich zu hören, um zu erahnen, was Weihnachten sein kann.

Tief in uns schlummern diese Geschichten und Erinnerungen. Sonnenlauf, Kindheitserinnerungen, kollektive Erlebnisse – all das bildet den Resonanzraum für die erfolgreichste Mobilisierungskampagne des Jahres, die unsere Kirchen zu bieten haben: Weihnachten wird in der Krippe entschieden.

So kommen Menschen über unsere Kirchentüren. Getrieben von einer Mischung aus Erwartung, Tradition und tiefen Sehnsüchten. Sie haben sich vorbereitet, wie man sich auf ein Fest vorbereitet – geschmückt mit ihrer besten Kleidung, die Wohnung geputzt, das Essen geplant, die Familie zusammen getrommelt. Voll freudiger Erwartung.

Mein Kommunikatorenherz schlägt schneller, wenn ich an diese Chance denke. Menschen, die bereit sind, zuzuhören, aufzunehmen, zu fühlen. Die wissen und erwarten, dass etwas passiert, das nicht wirklich und voll in diese Welt und Gegenwart passt. Offen für die Magie der großen Geschichte. Für das Heilige. Bereit für die Begegnung.

Aus Sicht eines Christen, der in Werbung und Kommunikation arbeitet und Ideen und Kampagnen entwickelt, ist Weihnachten ein Geschenk. Im Grunde so etwas wie der Elfmeterpfiff – es legt uns den Ball auf den Punkt, wir, die Kirche, die Gemeinde, die Pastorinnen, müssen ihn nur noch reinmachen. Die beste Werbung sind gute Produkte, das wissen wir. Was wir mit Kampagnen und Ideen machen, ist, Menschen dazu zu bringen, sie auszuprobieren. Wir stellen die Menschen sozusagen an die Rampe. Danach muss das Produkt überzeugen, mehr kann eine gute Geschichte, eine große Idee nicht leisten.

Weihnachten bringt so viele Menschen wie nie über die Schwelle der Kirchentür. Danach muss Kirche, muss das Bodenpersonal überzeugen und begeistern. Nur dann hat die große Geschichte einen Sinn. In der großen Kampagne, die wir Mission nennen könnten, ist Weihnachten der wichtigste Baustein, dicht gefolgt von Hochzeiten und Taufen. Sie sind die großen Leuchtturmprojekte der Kampagne. Und sind doch nur so viel Wert, wie das, was wir mit unserem „Produkt“ daraus machen.

Gelingt es uns, die Menschen, die so offen zu uns kommen, anzurühren? Mit dem etwas widerständigen, aus der Zeit gefallenen, irgendwie etwas von der Ewigkeit erzählenden Erleben und Hören und Singen im Gottesdienst? Es ist alles bereitet. Und doch erkennen so viele dieser Menschen nicht, sehen nicht, schmecken nicht, fühlen nicht, wie freundlich und anders und quer zum Alltag Gott ist.

Mein Kommunikatorenherz blutet, wenn ich in den Gottesdiensten, zu denen die Menschen durch die großen, ewigen Geschichten von Liebe, Freude, Hoffnung und Frieden kommen, geistliche Armut erlebe oder eine Nachlässigkeit aus Arroganz oder Langeweile. Oder wenn eine Predigt vergessen wird. Oder ich ohne geistliche Nahrung nach Hause geschickt werde. Oder es nur modern, schick oder feierlich war.

erste Seite des Weihnachtsoratoriums
Ich habe den Traum, dass ich nach der Christvesper aufstehe, nach oben sehe, tief Atem hole und sicher bin, etwas Besonderes erlebt zu haben. Etwas, das mir in den nächsten Wochen etwas bedeutet und mir etwas mitgegeben hat auf meinem Weg, auf den mich der Segen geschickt hat. Das mich trägt und in mir den Funken und die Sehnsucht nach mehr und mehr richtigem Leben entzündet. Und mich früher als Ostern oder das nächste Weihnachten wieder hier hin zieht.

Oft fühlt es sich an, als wäre der Weihnachtsgottesdienst für die, die mich doch eingeladen haben, eine lästige Pflicht. Oft machen Ablauf und Predigt, wenn es denn überhaupt eine gibt, den Eindruck, als wäre dieser Gottesdienst nicht wirklich mit Herzblut vorbereitet. Dabei müsste es doch derjenige sein, der die meiste, frischeste, aufmerksamste Arbeit des gesamten Jahres bedeutet. Denn die große Geschichte, die Kampagne von der Rettung der Welt durch dieses kleine Kind, hat so viele offene Menschen wie sonst nie zu uns gebracht. Hier brauchen wir unsere besten Predigerinnen und Sänger, die begnadetsten Menschenfischer. Denn hier, einmal im Jahr, entscheidet sich, ob wir als Kirche eine Zukunft haben, ob uns die Menschen zutrauen, ihnen das zu geben, was sie suchen und brauchen und was Gott ihnen versprochen hat: Save Our Souls.

_____

Eine gekürzte Version dieses Textes erscheint in der aktuellen Ausgabe der Evangelische Zeitung, der Kirchenzeitung für Norddeutschland. Ich bin gespannt auf die Reaktionen. Die Christvesper werden wir wahrscheinlich in Volksdorf mitfeiern.

31.12.12

Von Heiden und vom Gericht

In der heiligen Nacht habe ich auf Twitter und Facebook - wie auch schon mehrfach vorher zu diesem und ähnlichen Anlässen - was geschrieben, das darauf hinwies, dass dieses ein christliches Fest sei. Mit all den Implikationen, die das hat. Bewusst etwas kontrovers geschrieben. In diesem Fall: "Gut für die Christen. Doof für die Heiden". Übrigens fast wörtlich die Formulierung, die ich letztes Jahr auch gewählt hatte. 

Dieses Mal hat das Reaktionen hervorgerufen. Beispielsweise auf Facbeook diese beiden Kommentare von +Erik und +Timo. Beide haben zugestimmt, dass ich ihre Kommentare hier reinschreibe oder vielmehr als Bild einbinde: 

(Screenshot von Facebook, 26.12.2012, 16.37 Uhr)

Was ich daran interessant finde: Die beiden Kommentare sind zwar sehr unterschiedlich aber doch im Ton ähnlich - in ihrem Unverständnis für das, was ich da schrieb. Vergleichbar waren auch einige Reaktionen auf Twitter auf den gleichen Satz. Bis hin zu der Frage, ob das nicht eher wie die Zeugen Jehovas klinge.

Aber ehrlich: Ich meine den Satz tatsächlich ernst. Und denke schon, dass ich die Weihnachtsbotschaft verstanden habe, so weit ich als Mensch sie verstehen kann, Erik. Und nein, Timo, ich bin weiß Gott nicht katholisch - aber lutherisch (was ein lebenslanger Konflikt mit meiner reformiert geprägten Frau ist, gemischtreligiöse Ehen, you know).

Allerdings gehöre ich unter den Lutheranerinnen zu denen, die sich weigern, die Sperrigkeit der Botschaft der modischen Wohlfühlideologie theologisch anzupassen. Denn mein Glaube und unsere Religion ist eben kein Kinderkram, kein Kinderglaube - sondern liegt quer zu den Selbstverständlichkeiten dieser Welt. Vor allem aber zielt er, obwohl es sehr, sehr wichtig ist, wie wir diese Welt gestalten und wie wir in dieser Welt das Reich Gottes (also die Gerechtigkeit, jetzt mal etwas holzschnittartig formuliert) erfahrbar machen, trotzdem also zielt er auf die andere Welt, auf die jenseitige Welt, die nach dem Tod in dieser Welt kommt. Das mag dem einen oder der anderen merkwürdig vorkommen, aber tatsächlich ist eine der wichtigste Triebfedern für das Handeln (und teilweise gar für das Glauben) in dieser Welt für viele Lutheranerinnen und auch für mich das Leben in der Ewigkeit, das uns verheißen ist.

Anders als viele moderne Theologinnen und anders als vor allem die reformierte (calvinistische) Tradition, geht die lutherische Orthodoxie, in deren theologischer Tradition ich stehe, nicht von der so genannten "Allversöhnung" aus, also von der kindischen Vorstellung, dass alle Menschen das ewige Leben erlangen werden und Gott alle Menschen nach ihrem Tod in das Paradies führen wird.

Im Gegenteil. Ich glaube, dass viele Menschen in die ewige Verdammnis gehen werden nach ihrem Tod. Nämlich alle die, die ich "Heiden" nenne. Warum sollten Menschen gerettet werden, die die Botschaft vom Erlösungswerk Gottes aktiv verwerfen?

Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden, das ist auch die Weihnachtsbotschaft. Dass Gott Mensch wurde, so dass die Zweiflerinnen es glauben konnten. Ihn anfassen. Dass Jesus gelebt hat, ist ja weitgehend unstrittig in der Forschung. Dass er der Christus war, ist etwas, das wir glauben können oder nicht - aber nichts, was Menschen in unserem Land nicht wissen könnten, wovon sie noch nie gehört haben. Das so genannte Erlösungswerk Gottes, das allen Menschen gilt, ist ja eben dies: Dass er seinen Sohn, ganz Gott und ganz Mensch, geschickt hat. Dass alle Menschen, die nach Jesus gelebt haben und leben, die Chance haben sollen, von ihm zu hören und an ihn zu glauben. Darum übrigens konnten Leute gerettet werden, die anderen Religionen angehörten - bevor Jesus geboren wurde oder wenn ihnen nie jemand von Jesus erzählte. Denn die sind und waren keine Heiden in diesem Sinne. Sie konnten ja nicht von Jesus Christus wissen.

Aber so haben wir die Wahl, zumindest alle, die von Jesus und seinem Geborenwerden, Leben und Sterben gehört haben. Entweder wir glauben es - dann können wir, ein Leben vorausgesetzt, das nicht in Widerspruch zu seiner Botschaft steht, nach unserem Tod darauf vertrauen, dass wir das ewige Leben bekommen. Oder wir glauben es nicht, sind Heiden - dann werden wir, egal wie wir gelebt haben, leider nicht durch das Gericht kommen. Denn, das ist die wichtigste Botschaft, die die Reformation Luthers wiederentdeckt hat, nachdem die Papisten sie verschüttet hatten, allein der Glaube ist der Schlüssel zum ewigen Leben. Sozusagen (mathematisch gesprochen) die notwendige Bedingung, wenn auch keine hinreichende. Das ist gemeint, wenn Luther im Anschluss den Römerbrief des Paulus und an die Interpretation des Augustinus formuliert, wir würden "allein aus Glauben gerecht".

Darum sage ich, Weihnachten sei "doof für die Heiden". Also für alle* die, die - obwohl sie es besser wissen könnten - Jesus nicht als den Christus ansehen. Nach Weihnachten und dann später nach Karfreitag gibt es die Ausrede nicht mehr, ich hätte es nicht gewusst, hätte es nicht wissen können, dass der Christus geboren und gestorben sei. 

Wer von Weihnachten gehört hat, wer die Weihnachtsbotschaft gehört hat, und sich dennoch dem Glauben verweigert, ist doof dran, so auf Dauer. Denn die Ewigkeit ist unglaublich viel länger als das Leben auf dieser Erde. Und die in der Hölle statt im Himmel zu verbringen (was immer sich konkret hinter diesen beiden Worten verbergen mag), ist wahrscheinlich eher doof.

Das alles mag streng klingen und irgendwie aus der Zeit gefallen. Aber das ist es nur, wenn ich es als Drohung wahrnehme. Es ist aber keine Drohung sondern eine Verheißung. Darum reden wir auch so selten von der Hölle und dem Gericht und so viel vom Leben und der Rettung. Denn die steht jeder offen. Seit Weihnachten, seit die Möglichkeit des Bundes vom Volk Gottes auf die ganze Welt ausgeweitet wurde. Aber diese Verheißung ist eben auch kein Selbstläufer, das wäre kindisch und billig. Und billig ist Gott nicht, keine Geschichte, die Menschen sich von ihm und ihren Erfahrungen mit ihm erzählen, ist eine, in der Gott und seine Gnade billig gewesen wäre. Unverdient, das ja - aber nicht billig. Kindlich ja - aber nicht kindisch.

Dass wir in dieser Welt das Reich Gottes bauen können und dass wir in der nächsten Welt in diesem Reich Gottes ewig leben dürfen, ist toll und gut für diese Welt und ihre Menschen. Doof, wer nicht mitbaut und wer sich den Weg in dieses Reich verbaut.


__
* Eine Ausnahme von "alle" hat Gott übrigens gemacht, als er mit Israel seinen Bund schloss, der nie aufgehoben wurde und für alle Zeiten gilt. Weshalb, aber das nur am Rande, auch unter Lutheranern Judenmission mindestens umstritten ist. Denn das Volk Israel, das Volk Gottes, ist unabhängig vom Glauben an den Christus bereits gerettet.

24.12.11

Kevin ist nicht allein

Am letzten Schultag vor Weihnachten konnten die Kinder schon um 11 Uhr nach Hause gehen. Bis auf Kevin, denn er sollte bis um 13 Uhr bleiben, wie immer. Das geht nicht anders, seine Pflegefamilie kann vorher nicht, denn die gesamte Betreuung ist auf die verlässliche Halbtagsschule eingestellt. Tertius hat ihn mit nach Hause gebracht. "Das wäre doch wirklich doof", sagte er und rief uns kurz mit dem Notfallhandy an, um Bescheid zu sagen, dass sie zu zweit kommen. Da haben wir doch nicht alles falsch gemacht in der Erziehung.

Kevin ist ein nettes Kind, auch wenn er meistens in einer Jogginghose rumläuft. Die beiden haben den ganzen Tag wunderbar gespielt und noch Weihnachtsgeschenke für Kevin gebastelt. Und beim Abschied sagte er mit strahlenden Augen, dass er sich auf den ersten Weihnachtstag freut. Da ist er zum ersten Mal seit Monaten bei seiner Mutter, zusammen mit einigen seiner Geschwister, die in anderen Familien leben.

Einen der Tage kommt er zu uns. Darauf hat Tertius bestanden. Ich bin sehr stolz auf ihn.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Ich habe keine Version von Rolf Zuckowski bei YoutTube gefunden, verzeiht, dass es Mary Roos ist.

22.12.11

Orale Tradition

(Nein, nicht was ihr wieder denkt)

Hermeneutik und orale Tradition ist ja etwas, das mir als Theologe geläufig ist. Insofern sind die PISA-Dings mit dem sinnentnehmenden Lesen für mich immer sehr spannend gewesen und bleiben es auch. Zugleich lehrt die Beschäftigung mit Erzähltradition und Überlieferung und Deutungsgeschichte, wie sehr die eigene (oft: Zwergen-) Perspektive bestimmt, was ich aus einem Text lese oder in ihn hinein.

Besonders interessant war das immer dann, wenn Epigonen eine Geschichte aus ihrer Spät-Bekehrten-Sicht betrachteten - während die Erzählenden schon längst einige Stufen weiter gezogen waren.

Die Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem gab es schon in den ältesten biblischen Erzähltraditionen und machen es heute so mühsam, die Kerne ihrer (Weiter- und manchmal auch Gegen-) Erzählungen zu identifizieren. Vor allem hatten es die mit der Naherwartung an Erlösung schwer, die zu verstehen, die schon länger dabei waren und schon gemerkt haben, dass die Erlösung noch etwas auf sich warten lässt.

(Das nur, weil gleich mein Weihnachtsurlaub beginnt. Und ja, dies mag auch ein Gleichnis sein)



Euch ein gesegnetes Weihnachtsfest, gehabt euch wohl, nehmt euch etwas Zeit für eure Familien, die konnten sich die meisten von uns ja nicht aussuchen.

27.12.10

Ein Bild für den Winter

Ich bin ja nun wirklich kein guter Fotografierer. Mein flickr-Account gibt davon beredt Auskunft. Umso glücklicher bin ich, wenn mir mal ein gutes Foto gelingt. So wie dieses hier gestern in Neustadt an der Ostsee. Aber unser Hund ist ja auch echt fotogen, oder?

Eisbär

Zumal es zurzeit wunderschön ist an der Ostsee. Wenn man denn hin und wieder zurück kommt.

Eisbuhne, Neustadt

25.12.09

Frohe Weihnachten / Merry Christmas



(english summary below)

Weihnachten ist da und wir haben es wieder einmal nicht geschafft, unseren Jahresbrief, den wir einer guten Familientradition gemäß immer um diese Zeit an die weite Verwandtschaft und ein paar alte Freunde verschicken, rechtzeitig fertig zu bekommen. Immerhin aber haben wir schließlich unser "offizielles" Weihnachts-Kinder-Foto noch hinbekommen.

Allen euch draußen ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein bisschen Frieden in der Familie und alles Gute.

Christmas is here and again we have not been able to send our yearly update letter in time - a nice tradition we share with our family. But we already did our "official" Christmas-children-photo.

So we wish you a merry Christmas, hopefully some peace and quality time with your family and all the best.

2.2.09

Heute endet Weihnachten

40 Tage nach dem eigentlichen Weihnachtsfest endet mit dem heutigen Tag traditionell Weihnachten: Tag der Darstellung des Herrn. Also werde ich heute abend unseren Herrnhuter Stern abnehmen und einmotten, bis das neue Kirchenjahr am ersten Advent wieder beginnt. Traditionell ist er immer das letzte Übrigbleibsel der weihnachtlichen Deko, wenn der Rest schon wieder in den Kartons verschwindet.

Ein Jahr haben wir versucht, den Baum so lange stehen zu lassen, aber schon der 6. Januar stellt eine große Herausforderung an das natürliche Material dar, 2. Februar geht gar nicht, was irgendwie schade ist. Andererseits fühlt es sich ja nun auch schon länger nicht mehr wirklich wie Weihnachten an.

Dennoch bleiben wir bei der Tradition, die heute selbst in vielen lutherischen Kirchengemeinden nciht mehr bekannt ist. Und der 40-Tag-Rhythmus bei hohen Festen hat ja auch etwas beruhigendes.

Und morgen beginnt dann also der Alltag wieder.

29.12.08

Das war Weihnachten

ok, ich bin immer noch in slow motion, was ja auch mal richtig gut tut für ein paar Tage im Jahr. Und langsam geht es auf den Jahreswechsel zu.

Das hier aber war unser Weihnachten:




... und hier die storytlr-story:

24.12.08

Gesegnete Weihnachten / Merry Christmas

Die letzten Vorbereitungen sind getan, die Familie übt noch die Musik, die sie spielen werden, Kartoffelsalat fertig, Baum geschmückt, russische Eier unterwegs. Um vier gehen wir in die Kirche und dann beginnt der heilige Abend.

Ich wünsche euch friedliche, gesegnete Weihnachten. Bleibt offline, seid für die Familie da. Alles Gute für euch.

Everything ready, christmas tree up, meal prepared, kids and my sweet are doing some last music. in four hours we will go to church, this will be the start of this year's christmas.

I wish you all a merry christmas and peace and some time with your family. Stay offline for some time, take care.

Wolfgang

16.12.07

Alle Jahre wieder

Jedes Jahr stehen wir, wenn wir den Jahresbrief an Familie, Paten und Freunde schreiben und vorbereiten, vor der Frage, wie wir ein halbwegs aktuelles und nicht zu schreckliches Foto beilegen können. Dieses Jahr wird es dieses sein, das ich gerade gemacht habe:

unser Weihnachtsfoto

Es ist immer etwas mühsam, alle vier auf ein Foto zu bannen. Von um die zwanzig gibt es genau eines, auf dem (1) alle die Augen offen haben, (2) diese Augen auf mich gerichtet sind, (3) keiner eine Fratze zieht, (4) niemand sich so stark bewegt, dass er oder sie völlig verwackelt ist und (5) meine bescheidenen Fähigkeiten das Bild nicht komplett versaut haben.

Mehr als ein Schnappschuss soll es nicht sein. Aber mir gefällt das hier insofern auch, weil es neben den Gesichtern auch was davon zeigt, wie die vier jeweils so sind... Alternativ hätten wir auch noch diese Orgelpfeifen gehabt:vier Kinder als Orgelpfeifen

Blogged with Flock

15.12.07

Sich gepflegt unterhalten

Small talk? Gezwitscher? Sozialkontakte? Irgendwo dazwischen liegt das, was ich gestern abend mit Twitter gemacht hab. Anlass war die Weihnachtsfeier unseres Büros im wilden Osten mit Skifahren und Après Ski. Und als ein Kollege sich am Telefon von seiner Freundin verabschiedete mit Ich ruf dann wieder aus dem Krankenhaus an, war mir klar, was ich twittere. Und daraus hat sich in meiner Abwesenheit ein weiteres Gespräch entwickelt:



Lustig war es, nicht nur dies Gespräch sondern auch das Skifahren. Und skurril hinterher der Teil der Party, bis unser Bus ging - Land ist ja schon anders. Osten ist nochmal ganz speziell. Und die Dauerwellendichte unter jungen Frauen erstaunlich.

28.12.06

die Weihnachtsgeschichte

Wir waren Heiligabend im vielleicht schönsten Weihnachtsgottesdienst seit Jahren. Und das gerade weil es nicht wirklich besinnlich war. Aber wer will bei vier Kindern schon besinnliche Weihnachten auch nur vermuten....

Also sind wir auf den Dulsberg gefahren, aus familiären Gründen. Die Kirche, in der schon mein Vater übrigens konfirmiert wurde und mein Großvater als einziger Akademiker jahrelang im Kirchenvorstand war (er lebte als einziger Arzt seiner Zeit dort, wo die anderen nur praktizierten, mitten unter den Armen). Heute ist der Dulsberg einer der mit Abstand ärmsten Stadtteile, wenn auch weitgehend friedlich.

Es war toll und bewegend, wie die Kinder und die Konfirmanden gemeinsam ein Krippenspiel auf die Beine brachten, das so bunt war, wie die Botschaft von Weihnachten: Vom erwachsenen Afghanen , der Taufunterricht nimmt, über die schwarzen Kinder der Pastorin bis zu Mädchen aus Südeuropa und Lateinamerika waren ichweißnichtwieviele Nationen vertreten, die gemeinsam mit großer Ernsthaftigkeit und Klarheit die Texte sprachen die die Bilder stellten. Im Kirchenschiff genauso bunt, dazu eine Menge jüngerer Leute bis in unser Alter, die mit ihren alten Eltern gekommen waren, in deren Kirche und zurück an den Ort, den sie hinter sich gelassen hatten.

Selten ist für mich in den letzten Jahren Weihnachten so deutlich und klar geworden wie in dieser Stunde an diesem Ort. Ich habe beim Oh du fröhliche geheult vor Freude.

20.12.06

hibbelig

Hach wie schön, da ist mein neuer Rechner doch noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsurlaub gekommen. Endlich wieder ein richtiger Computer ;-)

Fein, dann muss ich nicht nur mit dem Weihnachtsgeschenk für meine Jungs spielen (O-Ton meines Schwiegervaters: Für wen soll also diese Eisenbahn* sein?)...

* Nein, das ist eine Allegorie. Und nein, ich sag nicht, was es ist, die Jungs könnten hier mitlesen...

17.12.06

erstmals ruhig

Wenn es dunkel ist, sieht man nicht mehr, dass es irgendwo zwischen trüb und Frühling draußen ist, dass im Apflebaum direkt am Haus heute fünf Paare einer kleinen Meisenart gespielt haben, dass die Krokusse langsam ihre Blätter rausstrecken.

Wenn es dunkel ist, zünden wir drei Kerzen am Adventskranz an, legen eine Hufeisen-CD ein (ach ja, wie in den alten Zeiten, wie in den frühen 90ern), machen Waffeln und heißen Kakao, für uns beide Großen mit einem Schuss Amaretto.

Wenn es dunkel ist, könnte man fast glauben, es wird doch noch Advent. Dann lassen wir die Hektik der letzen Vorbereitungen und Basteleien und Mails und Kinder einmal beiseite. Um diese Zeit in einer Woche werden wir unseren Weihnachtsfreund da haben und versuchen, trotz allem Trubel, diese Ruhe zu finden, die wir heute schon mal erfolgreich gesucht haben....