16.3.26

Wir leben für das Islandpferd

Als ich vor über zwanzig Jahren mit dem Reiten anfing, hätte ich nicht gedacht, dass diese Tiere, die Islandpferde, meine nächste große Liebe werden. Neben der Liebsten und den Kindern, die inzwischen alle erwachsen sind. Aber so ist es gekommen. Heute machen sie einen großen Teil meines Lebens auf, sind Teil meiner Work-Work-Balance. Immerhin haben wir aus unserer kleinen Zucht und Aufzucht einen Nebenerwerb (naja, Erwerb nicht wirklich, aber Neben stimmt) gemacht – und bei den Hofarbeiten erhole ich mich von meinem eigentlichen Beruf und umgekehrt. Die Tiere und die Arbeit mit den Tieren geben mir die Kraft, die ich brauche, um in meinem Beruf kreativ und erfolgreich zu sein.

So wie mir geht es vielen. Vielleicht nicht so intensiv, denn wir haben ja recht viele Pferde, aber die aller-, allermeisten Menschen, die sich im IPZV, unserem Islandpferdeverein, organisieren, sind Menschen, die für das Islandpferd leben und nicht von ihm. Kleine Züchter*innen, Freizeitreiter*innen, Menschen, die ein, zwei, vielleicht mal drei Islandpferde haben. Sie sind es, die mit fast allen Islandpferden in diesem Land leben. In den Wald tölten oder durch die Felder. Ihre Freizeit mit ihren Pferden verbringen.

Was wir Islandpferdemenschen und wir Menschen, die im IPZV sind, gemeinsam haben, ist die Liebe zum Islandpferd. Mehr als die Begeisterung für den Sport oder die Zucht, die einige von uns (mich auch) außerdem gepackt hat. Aber erstmal ist es die Liebe und das Leben für das Pferd. Und diese Liebe und diese Menschen müssen für uns, die wir im Verein Verantwortung übernehmen, im Mittelpunkt stehen. 

Darum bin ich vor zwei Jahren Vorsitzender des größten Ortsvereins der Islandpferdeszene geworden. Weil ich meinen Beitrag leisten wollte, den Verein als Verein deren, die für das Islandpferd leben, zu gestalten. Wir, der IPZV Nord, sind seit vielen, vielen Jahren sehr gut damit gefahren, dass im geschäftsführenden Vorstand Menschen aktiv sind, die das teilen. Die nicht vom Islandpferd leben sondern für es. Darum sind wir aktiver als alle anderen Ortsvereine. Das halte ich für den richtigen Weg und für wichtig.

Unsere Vorstände und das Präsidium im Bundesverband, für das aktuell einige Wahlen anstehen, hat zwei Gruppen von ehrenamtlichen Mitgliedern: zum einen die Ressorts, und zum anderen im Bundesverband den Vorstand (bei uns im Ortsverein ist das der geschäftsführende Vorstand). Ich bin froh, dass für die Ressorts mindestens teilweise Mitglieder zur Verfügung stehen, die Profis sind. Die das, was sie dort in ihrem Ressort anführen, auch beruflich machen. Als Züchterin oder Trainerin, als Ausbilder und so weiter. Aber im Vorstand, als Präsidentin, Vizepräsident, Schatzmeisterin, also in den Ämtern, die alles zusammenführen und das große Ganze im Blick haben müssen und uns als Verein repräsentieren, brauchen wir Menschen, die einen anderen Beruf haben oder hatten. Die die Lebenswirklichkeit der 99% abbilden. Die die Liebe zum Islandpferd teilen und keine eigenen wirtschaftlichen Interessen mit ihrem Amt verbinden.

Darum unterstützen wir Bjössi

Es ist gut und ich bin dankbar, dass es für die anstehenden Wahlen im IPZV-Bundesverband Kandidat*innen gibt, die mit uns gemeinsam für dieses Konzept stehen und unseren Islandpferdeverband voranbringen wollen. Mit Alexa Siebert und Gu∂björn Bjössi Jonsson unterstütze ich, unterstützt der IPZV Nord eine Kandidatin für die Präsidentschaft und einen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft. Beide leben für das Islandpferd und nicht vom Islandpferd, so wie es für uns wichtig ist. 

Und auch inhaltlich finde ich die Kandidaturen überzeugend: auch wir im Norden fahren gut damit, einen inklusiven, einen auf gemeinsamen Werten und auf offener Kommunikation ruhenden Kurs zu fahren. Mit der Mischung aus Profis in den Ressorts und Menschen mit anderen Berufen im Vorstand haben wir einen sehr aktiven, schlagkräftigen Verein geschaffen, der ohne Grabenkämpfe auskommt und allen, die etwas machen wollen, die aktiv sind oder werden wollen, eine Plattform und einen Rahmen bietet. Wir behalten die privaten, kleinen Züchter*innen im Blick und die, die gemeinsam in die Heide, an den Strand, in die Wälder reiten. Und haben außerdem den erfolgreichsten und vielfältigsten Sport- und Jugendkader aller Vereine. Mehr als ein Viertel aller Starter*innen bei den Deutschen Meisterschaften kam im letzten Jahr aus unserem Ortsverein. Ich bin überzeugt, dass Alexa und Bjössi genau dieses auch im Blick haben.

Noch etwas ist mir wichtig, wenn ich an eine Präsidentin und einen Vizepräsidenten des IPZV denke: Wie sie uns wieder dichter an die internationale Islandpferde-Community heranführen können. Deutschland ist außerhalb von Island das größte Islandpferdeland. Wir brauchen im Vorstand Menschen, die sich sicher, auch sprachlich sicher, in internationalen Sitzungen und Verhandlungen bewegen. Als jemand, der selbst seit über zwanzig Jahren ganz überwiegend international arbeitet, weiß ich, dass das nicht allen gleich leicht fällt und dass es dennoch extrem wichtig ist. In all den Weichenstellungen, die in den nächsten Jahren gerade rund um Tierwohl und unsere (social) License to Operate (also der gesellschaftlichen Akzeptanz von Pferdehaltung, Pferdezucht und Reiten und auch Reitsport) anstehen, ist mir wichtig, dass unser Vorstand uns sicher und selbstbewusst und verhandlungsstark vertreten kann. Das traue ich den beiden zu.

Es ist nicht gut, wenn Menschen Entscheidungen in einem Verein treffen, die unmittelbaren Einfluss auf ihr Einkommen haben. Da gibt es immer Grauzonen, selbst bei uns in der Islandpferdeszene, in der sehr viel weniger Geld bewegt wird als in vielen anderen Pferderassen und Pferdesportarten. Aber dass Menschen wesentlich mit über Gebühren entscheiden, von denen sie leben; oder über Ausbildungen und Abzeichen, die sie selbst anbieten – das finde ich falsch. Ebenso ist es schwierig, wenn Angehörige bezahlte Jobs im Verein haben. Am besten lässt sich dieser Interessenkonflikt vermeiden, wenn Schlüsselpositionen im Verein von Menschen besetzt sind, die einen (Haupt-) Beruf haben, der nichts mit dem Islandpferd zu tun hat. Mindestens der Vorsitz des Länderrats und der Vorstand sollten so besetzt sein aus meiner Sicht. 

Ich freue mich auf die Jahreshauptversammlung des IPZV im April und werde meinen Ortsverein dort vertreten. Und ich freue mich auf die wichtige Weichenstellung durch Präsidiumswahlen in einer Zeit, die für uns als Islandpferdemenschen wichtig ist. MEM und WM stehen an, wichtige politische Diskussionen rund um Tierwohl und unsere (social) License to Operate. Dafür werde ich Kandidat*innen wählen, die für das Islandpferd leben und nicht von ihm.

 

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