22.4.13

Himmel

Da fragt man sich ja schon, was denn los ist mit dieser Regierung und vor allem mit ihren Frauen. Die eine, von der ich auch denke, dass sie eigentlich unbedingt Kanzlerin werden will, wird von der für jeden Irrsinn immer wieder gern zu habenden Parteiradikalen zum Rücktritt aufgefordert:


Die andere, meine liebste Freundin "emanzipiert sind wird selber" Kristina Schröder, muss fast zur selben Zeit offenbar zugeben, dass sie politisch und privat gescheitert ist mit der Vorstellung, dass Emanzipation und Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreicht sei und damit nun Privatsache der Frauen.

Das finde ich interessant. Und bedrückend. Beides.

In meiner "Filterblase" sind wir so viel weiter als die da in der CDU offenbar.

Bei aller Kritik an ihrem Politikstil und ihrer zuweilen sehr plumpen Demagogie (die ich zugleich als virtuos bis brillant einschätzen würde übrigens) halte ich Ursula von der Leyen doch für eine moderne Konservative, die versucht, den Konservatismus so zu interpretieren, dass Menschen, die in Städten leben und jünger als - sagen wir mal - 45 sind, ihn mindestens verstehen. Sie wird seit Wochen am rechten Rand ihrer Partei systematisch demontiert - und das, obwohl sie nun in fast allem, was sie sagt, macht und (öffentlich) denkt, weit weg davon ist, in ihrer Partei eine Linksabweichlerin zu sein.

Und dann ist da die junge, forsche, oft nicht von Gedanken an die Realität der Menschen (und vor allem sehr vieler Frauen) in diesem Land angekränkelte Schröder, habituell moderner als von der Leyen, politisch meiner Meinung nach aber weit rechts von ihr (siehe Link oben). Die erste Ministerin, die den Versuch unternahm, es so zu machen, wie viele jüngere Frauen, die im Beruf stehen - und ein Leitungsamt bald nach der Geburt ihres ersten Kindes wieder aufnahm. Das war auch ein politisches Statement: Seht her, es geht, was regt ihr euch auf, jede Frau kann alles, wenn sie es sich nimmt, es gibt gar keine strukturellen Barrieren. Das ist ja der Orgelpunkt ihrer Politik und ihrer öffentlichen Äußerungen.

Damit ist sie nun also krachend gescheitert.

Wobei es mir nicht darum geht, dass ich denke, eine Frau mit Kleinkind müsse berufstätig sein. Diesen "sozialdemokratischen Emanzipationsterror", wie ich ihn seit Jahren nenne, finde ich nun auch überhaupt nicht gut, sondern bin sehr für Wahlmöglichkeiten. Nur: diese Wahlmöglichkeiten bestehen in der Praxis nicht (überall). Allem Schröder'schen Pfeifen im Walde zum Trotz. Genau das zeigt jetzt auch der Rückzug auf Raten der Frau Schröder. Dass es eben nicht geht. Die Überlegung, ein Ministerinnenamt in Teilzeit zu führen? Oder sich mit einer anderen zu teilen? Nichts. Weil es nicht sein kann, dass es ein Systemproblem gibt. Darum muss Frau Schröder das Problem auch in ihrem eigenen Fall privatisieren.

So lange wir nicht über eine moderne Interpretation von Familie und Beruf reden, sei es von konservativer Seite (wo von der Leyen immer mal wieder Ansätze zeigt), sei es von linker oder liberaler Seite, so lange werden wir die Nöte und Sorgen von Eltern - und in den allermeisten Fällen: von Müttern - weiter privatisieren. Und als persönliches Pech und Einzelschicksal zeichnen.

Aber genau das ist die Nachricht über Frau Schröder nicht. Es ist kein persönliches Pech. Sondern es ist enorm politisch und ein Zeichen, dass sie selbst mit ihrer (Frauen- und Familien-) Politik gescheitert ist. Dass sie von falschen Voraussetzungen ausging, als sie die Emanzipationsfrage für gelöst erklärte. So dass sie nun allein die Konsequenzen tragen muss.

Der eigentliche Skandal der Personalie Schröder war schon 2011, dass es so etwas wie Mutterschutz und Elternzeit, obwohl gesetzlich geregelt, für Minister und Ministerinnen nicht gibt (war doch so, oder?). Dass es immer noch die irrige Vorstellung gibt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Führungskräften, vor allem höheren Führungskräften, hieße, dass ich den Beruf mache und jemand anders sich um die Familie kümmert. Das kann auf Dauer keine Lösung sein, egal ob für Mütter oder Väter.

Meine These ist, dass jede Aufgabe teilbar ist, jede Position auch in Teilzeit zu machen sein muss. So lange, bis das so ist, haben wir noch zu tun und die Voraussetzungen zu schaffen. In meinem "Beritt" werde ich das meine dazu beitragen. Und wenn alles gut geht, werden eine meiner Führungskräfte und ich im Laufe des Jahres zeigen, dass Führung auch in Teilzeit, auch in schmaler Teilzeit geht.

Darauf freue ich mich. Und darüber, dass die Personalie Schröder und das Gehacke um von der Leyen das Thema wieder in den Vordergrund rückt.

1 Kommentar:

  1. Hallo,

    ich denke auch das Arbeit, egal ob im Büro, Fabrik oder Ministerium in Teilzeit machbar ist, wenn nur Frauen arbeiten würden, da aber immer noch die nach Macht strebenden Männer berücksichtig werden müssen, in diesem Bild, kann es nicht funktionieren. Männer funktionieren nun mal nach dem Prinzip alles oder nichts und um nicht aufgefressen zu werden in dem Haifischbecken, muss Frau sich anpassen, also entweder alles leisten oder gehen.

    Gruß

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