26.4.12

5555 Hefte text intern. Mein Essay im Jubiläumsheft.

text intern war mein allererster Zugang zu dem, was man einmal "Fachjournalismus" nannte. Es lag schon in den 80ern bei uns zu Hause rum, weil mein Vater in einem Verlag Verantwortung trug. Damals war es noch in Schreibmaschinenoptik und kurzen Artikeln, viel Insiderwissen offenbar. Es stand auch Pate für ein Insider-Newsletter-Dings-Projekt, das ich Ende der 90er für kirchliche Führungskräfte zusammen mit dem Chef des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes, Arnd Brummer, entwickelte und testete.

Mindestens am Rande habe ich text intern immer verfolgt und wahrgenommen. Dass es schon sooo alt ist, hätte ich trotzdem nicht gedacht, bevor ich um ein Essay zu Social Media gebeten wurde. Auf Seite 28 ist es erschienen. Das gesamte Heft steht übrigens als pdf zum Download über die Startseite von text intern zur Verfügung.

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Was das Social Web verändert hat

Das, was einige von uns „Social Media“ nennen, ist total Retro. Da hatte der zwischenzeitliche Chefredakteur des Spiegels sogar Recht. Und damit sind wir dann auch beim Kern dessen, was sich verändert hat im Web durch dieses Social Media: gar nichts. Jedenfalls nicht grundsätzlich. Zehn Jahre lang haben wir dieses „Mitmachweb“ der zweiten Generation jetzt etwa, das Wort „Web 2.0“ und gar das Wort „Social Media“ noch nicht ganz, aber vor gut zehn Jahren kamen die ersten modernen Blogs auf. Sozusagen aus der Konkursmasse dessen, was der eine oder die andere eine Blase nannte, die aus dem Internet kam, obwohl sie wohl eher etwas anderes war, aber das ist eine andere Geschichte.

Damals, als einige der ersten Generation der Start-Ups so spektakulär untergingen, als der große Kater 2000 oder 2001 oder so einsetzte, war ja nicht das Web zu Ende. Sondern wurden einige der Schaufenster eingeworfen. Und andere Ladenlokale wurden verlassen und ihre Ruinen gammelten vor sich hin. Aber das Web blieb. Und mit ihm seine Bewohner.

Viele von uns haben sich ein wenig zurück gezogen damals. Und sich auf das konzentriert, was sie auch vorher im Web gemacht hatten, bevor die Medien und die Unternehmen es als ihre Schaufenster entdeckten und falsch verstanden: Vernetzen, reden, austauschen, verlinken. Blogs eben. Und Retro deshalb, weil die allererste neue „Dings“, die Sir Berners-Lee in HTML schrieb, im Grunde ein Blog war: eine kommentierte Linkliste in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Bis heute fällt es vielen, die damals nicht dabei waren (und dies soll nun nicht eine Opa-erzählt-vom-Krieg-Geschichte werden, aber das muss einmal kurz sein, um auszuholen), schwer zu verstehen, was damals passiert ist und was seitdem passiert. Dass für Menschen, die einen großen Teil ihrer sozialen Interaktion onlinebasiert durchführen, dieses Internet das ist, was Sascha Lobo kürzlich in seiner SpOn-Kolumne so treffend Heimat genannt hat. Nicht einfach nur ein Werkzeug, wie es vielen Medienschaffenden oder Kommunikatoren erscheint, sondern eine Art Lebensraum, ein unstofflicher Ort, den zu bewohnen sie sich entschieden haben und den sie schützen. Schwer zu verstehen – und damit sind wir in der Gegenwart – ist dabei für viele, dass es ein Heimatort ist, der nicht vom Leben in der Kohlenstoffwelt (so nennen „wir Onliner“ das, was ohne Internet stattfindet) geschieden sondern im Gegenteil eng mit ihm verwoben ist. Dass eben keine zwei Welten existieren, von denen die eine gar rechtsfrei wäre oder ganz anders.

Die Entwicklung des Internet und seiner Bewohner ist vor allem dadurch geprägt, dass sich eine leicht veränderte Kultur entwickelt hat. Nicht radikal anders, aber doch so sehr, dass sie für Menschen, die sich nicht die Mühe machen, sie mal anzusehen, unverständlich und teilweise gar bedrohlich bleibt. Weshalb es wohl auch Medienmachern und Kommunikatoren in Unternehmen so oft so unendlich schwer fällt, auf diese Kultur einzusteigen. Weshalb es kaum intelligente Antworten von Medien und Unternehmen auf diese Kultur gibt. Was aber wiederum nur die Medien und Unternehmen stört.

An zwei sehr aktuellen Beispielen lässt sich sehen, wo die Konfliktlinie verläuft – was sich so sehr verändert hat – und wo für die nächsten Jahren die großen Entwicklungen liegen:
(1) Jugendproteste und ACTA

Von „Erwachsenen“, die nicht intensiv in der Heimat Internet leben, weitgehend unbemerkt haben im Januar und Februar die Vorbereitungen für große, europaweite Proteste gegen das Abkommen „ACTA“ begonnen. Ohne ins Detail zu gehen (dazu gibt es im Internet sehr viel, Recherche lohnt), war die Sorge eine Zementierung und Kodifizierung eines Verwertungsrechts anstelle eines Schutzes von Urhebern. Medien und Unternehmen haben daraus gemacht, dass die jungen Protestler gegen das Urheberrecht und für eine Gratiskultur seien. Das erste Missverständnis.

Und sie haben die Mobilisierung nicht mitbekommen. Tausende Jugendliche wurden beispielsweise über YouTube mobilisiert. Von jungen Medienschaffenden, die auf YouTube Woche für Woche ein Millionenpublikum mit ihren Shows erreichen – und zu den Demos aufriefen. Viele Eltern hörten erstmals von dem Thema, als ihre Kinder sie Anfang Februar auf ACTA ansprachen.

(2) Privatsphäre und unsere Daten

Eine der größten Veränderungen, die das Social Web gebacht hat, ist eine neue Sensibilisierung breiter Schichten für ihre Daten und ihre Privatsphäre. Sehr zur Überraschung einiger älterer Multiplikatoren und Medienarbeiter allerdings anders als bisher. Persönliche Daten und die Privatsphäre sind durch Social Media zu einer von den Nutzern (und nicht mehr von Datenhändlern wie den Verlagen und Markenartiklern) nutzbaren Währung geworden. Wenn 80% der jungen Leute, wie eine Studie neulich herausfand, bewusst ihre Privatsphäreeinstellungen in Netzwerken wie Facebook vornimmt, dann ist das ein gutes Zeichen. Sie entscheiden selbst, was öffentlich und was privat ist. Auch wenn sie es oft anders entscheiden als die Generation davor. Privatsphäre und der Einsatz der Daten als Bezahlmittel – was sie immer schon waren – sind bewusster geworden. Und verändern sich, so wie sich Privatsphäre historisch immer geändert hat. Noch vor 300 Jahren war es normal, Sex in der Öffentlichkeit zu haben. Heute ist es normal, eine Onlinechronik öffentlich zu haben.

In dieser Umbruchzeit gibt es beides zugleich – und keines davon ist schlechter als das andere: die Idee, dass die Grundeinstellung „privat“ heißt und ich nur das, was öffentlich sein soll, laut sage. Und die Idee, dass die Grundeinstellung „öffentlich“ heißt und ich nur das, was bewusst privat sein soll, verberge.

25.4.12

Wenn so genannte Journalisten Angstkampagnen fahren

Wie mache ich aus einer Null-Information einen reißerischen Angstartikel? Indem ich Formulierungen nutze, die Leserinnen interpretatorisch in die Irre führen. Aktuelles Beispiel von heute:
Jedes dritte europäische Kind geht leichtfertig mit seinen persönlichen Daten um und veröffentlicht den Namen der eigenen Schule im Internet, jedes achte Kind sogar die private Adresse oder Telefonnummer. Sascha Steuer auf "digital-lernen.de"
Das heißt: 2/3 der Kinder (!) passen gut auf ihre Daten auf. Herr Steuer überschreibt den Artikel dann aber sogar:
Kinder veröffentlichen ihre Adressdaten im Internet  ebenda
Und das, obwohl 87,5% aller Kinder in Europa laut seinem eigenen Text genau dieses nicht tun. Weil nämlich "jedes achte Kind" 12,5% entspricht. Und so viele oder so wenige tun das.

Diese Art von angstförderndem Kampagnenjournalismus kennen wir. So wie neulich, als in einer Bitkom-Studie, aus der Feststellung, dass 80% der Jugendlichen bewusst mit ihren Daten in Sozialen Netzwerken umgehen, gemacht wurde, dass jedes fünfte Kind seine Daten nicht schützt (pdf, 4.8MB). Was suggeriert, das sei schlimm. Während mich das Ergebnis positiv überrascht hat (auch wenn es immer und immer und immer besser sein kann).

Das eigentliche Problem an Steuers Artikel aber (und ja, für mich als PRler ist es ein bisschen dies Ding mit dem Glashaus, was jetzt kommt) ist, dass nicht erkennbar ist, auf welche Studie er sich bezieht. Es klingt, als sei es eine neue, eine aktuelle Studie. Stutzig wurde ich, als einen Absatz später aber dieser Satz fiel:
Deutschland unterscheidet sich von den meisten europäischen Ländern durch eine starke Nutzung des Sozialen Netzwerks SchülerVZ ebenda
Äh, ja. OK, soooo aktuell kann die Studie nicht sein, oder zumindest nicht der Erhebungszeitpunkt der Daten dieser Studie.

Glücklicherweise verlinkt Sascha Steuer aber im Seitenbereich seines Artikels eine Studie unter "weiterführende Links". Keine Erklärung, ob das die Studie sei, auf die er sich bezieht.
Falls es also nur ein erratisch gesetzter Link ohne Zusammenhang sein sollte (ich mag bei diesem Artikel so etwas nicht ausschließen), sei vorsorglich darauf hingewiesen, dass der folgende Absatz nicht gelten würde.

Die verlinkte Studie ist allerdings von - 2010. In Worten: aus dem Jahre Zweitausendzehn nach Christi Geburt. Die Daten wurden zwischen April und Oktober 2010 erhoben. Und damit sind sie, selbst wenn die Studie erst 2011 veröffentlicht wurde (was in diesem Internetz ja auch eine kleine Ewigkeit her ist, was den Neuigkeitswert und die Veränderungen angeht), knapp zwei Jahre alt. Mir persönlich drängt sich die Frage auf, ob der Autor sich die Website der Studie angesehen hat, bevor er seine Überschrift schrieb. Oder seinen Artikel. Ob er in den letzten zwei Jahren sich auch nur einmal mit Social Networks beschäftigt hat - denn sonst wäre ihm spätestens beim Satz über SchülerVZ aufgefallen, dass da irgendwas nicht stimmt mit diesem Artikel.

Wenn dann Menschen, die sich mit Medien und Medienpädagogik beschäftigen, auf diesen Artikel stoßen, werden sie die Fehler und die Misstöne auch schnell erkennen. Aber wie viele Menschen werden zunächst nur die Überschrift sehen (auf Twitter, Facebook oder sonstwo)? Wie viele Medien werden daraus eine noch weiter verkürzende Meldung machen für ihre Ausgabe morgen? Was wird also ankommen bei den Menschen draußen im Lande?

Fazit: Aus einer (ur-)alten Studie macht ein Autor mithilfe einer sinnentstellenden Überschrift einen reißerischen Artikel, der ein Problem suggeriert, das so nicht besteht - und damit den Blick verstellt auf die Probleme in dem Bereich, die wir haben.

Ich meine: was dieser Autor hier gemacht hat, ist unverantwortlich und eine Angstkampagne. Hoffentlich wenigstens von seiner Überzeugung getrieben und nicht einfach nur aus Nachlässigkeit passiert.

Update 26.4.
Herr Steuer, der auch der Chefredakteur der Seite ist, hat sich per Mail bei mir gemeldet und hat in seinen Artikel eingefügt, die Studie sei aktuell veröffentlicht worden und stellt es damit sogar noch mehr so dar, als sei es eine neue Studie. Das stimmt allerdings leider nicht. Möglicherweise ist am 23.4. ein Newsletter erschienen, der diese Studie zum Thema hatte. Aber sogar in den neuen Links neben dem Artikel (den alten Link auf die Primärquelle ersetzt Steuer aus einem mir nicht ersichtlichen Grund durch Links auf pdf-Zusammenfassungen der Studie in deutsch und englisch) wird darauf hingewiesen, dass die Studie bereits im November 2011 veröffentlicht wurde und die Daten aus dem Jahr 2010 stammen. Hier ergänzt Steuer also sogar noch eine (vielleicht sogar bewusste) Irreführung seiner Leserinnen. In der Mail bestätigt er übrigens, dass es nicht Nachlässigkeit sondern eine bewusste Entscheidung war, die Angstkarte zu spielen. Er weist darauf hin, dass er diese Frage "dezidiert anders" sehe als ich.

22.4.12

25, 46, 69, 96

Wir sind vier Generationen. Und meine Großeltern sind noch so fit mit ihren so gut wie jeweils 87 Jahren, dass es sogar die Chance auf fünf Generationen gibt.

Kaum einmal wird das so deutlich wie jetzt wieder zur Konfirmation. Mein Zweiter ist gestern "erwachsen" geworden, wie es bei uns traditionell heißt. Jetzt darf er hin und wieder mal Bier trinken und so. Sein Opa ist in diesem Alter, tatsächlich kurz nach seiner Konfirmation, zum ersten Mal eingefahren in die Grube, unten im Saarland. Dass er stattdessen noch vier Jahre Schule vor sich hat, ist ein Privileg, dessen er sich tatsächlich bewusst ist (auch weil die ersten aus seiner Klasse nach diesem Jahr die Schule mit oder ohne Abschluss verlassen werden).

Die Bilder mit ihren Urgroßeltern, mit meinen Großeltern, zeigen wie wenig anderes wie groß meine Großen sind und wie schön es ist, dass meine Großeltern noch da sind. Vor allem, wo ihre Tochter, meine Mutter, so früh weggedriftet und gestorben ist. Links mein Zweiter, gestern, recht mein Großer, vor zwei Jahren.




Weil wir uns alle nicht so extrem überdurchschnittlich Zeit gelassen haben mit unseren jeweiligen Kindern, sind wir noch diese vier Generationen. Geboren 1925, 1946, 1969 und 1996-2005. Es ist für mich jedes Mal wieder ein sehr berührender Moment, wenn eines der Kinder einen Meilenstein erreicht. Die letzte Einschulung (letzten Sommer), die erste Freundin, die Konfirmation.

Und obwohl Konfirmation in unserer Gegend furchtbar auf den Hund gekommen ist (die Heiden kommen und gehen, wann sie wollen, in der Kirche, quatschen die gesamte Zeit, niemand von ihnen kann ein Lied mitsingen), sind es dieser Gottesdienst und diese Feier mit den engsten Menschen (Großeltern, Urgroßeltern, die drei Paten und ihre jeweiligen Familien und zwei, drei Freunde der zu Konfirmierenden), die immer noch etwas Besonderes sind.

Und zu erleben, wie meine Söhne und mein Großvater jeweils auf die Welt gucken, wie sie sich sogar etwas zu sagen haben, macht mich glücklich. Wenn man sie so nebeneinander sieht, hier gestern den ältesten und die zwei jüngsten meiner Erwachsenen.


18.4.12

Die Renaissance der Blogs

Blogs waren noch nie tot. Und sie erleben einen neuen Aufschwung. Genau jetzt. Allen Unkenrufen von Pseudoexperten zum Trotz. Und das, obwohl nach den Kriterien der reinen Leerehre ihre Bedeutung weiter abnimmt, weil sie sich weniger unter einander verlinken.* Was aber ein Quatschkriterium ist, dazu unten hinterm Sternchen.

Der von mir trotz seiner Frisur sehr geschätzte Sascha Lobo weist auf einen Aspekt, der mir auch wichtig ist, aktuell in seiner Kolumne hin:
...wer auf seine digitale Freiheit Wert legt, für den bleibt - solange freie Social Networks wie Diaspora noch irrelevant sind - nur das schönste, aber anstrengendste Instrument für die soziale Vernetzung und das Teilen von Inhalten übrig: die selbst kontrollierte Website, also das Blog. Sascha Lobo in seiner aktuellen SpOn-Kolumne
Aber das ist es nicht allein. In der täglichen Praxis meines Teams (Digital Communications) bei achtung! merken wir, dass inzwischen nahezu alle Kundinnen auch "Bloggerrelations" haben wollen, wenn sie über "Medienrelations" sprechen. Das ist etwas, das wir im Laufe dieses Jahres (ja, dieses Jahres!) massiv ausgebaut haben, personell und inhaltlich. Weil die Kundinnen es wollen. Nicht allein, weil wir es geil fänden.

Wie das Blogger-Urgestein (jaja, ich kann auch PR-Sprech) Robert Basic gerade am Beispiel Autoblogs zeigte. Wie es meine Kollegin Kathrin Wittich am eigenen Leib als einflussreiche Bloggerin jeden Tag erfährt.

Die eine Seite ist das persönliche Blog, das Tagebuch oder die sehr spitze Fachpublikation. Die andere Seite - und auch das gehört zur aktuellen Renaissance, die ich an allen Ecken und Enden meiner Beratungspraxis erlebe - ist die Frage, was die Rolle von Blogs in der Kommunikation ist. Und da wird es noch spannender.

Etwas holzschnittartig gesprochen, dienen Blogs der Reputationskommunikation. Der Fokus, den einige die letzten Jahre auf Facebook gelegt haben, hat das etwas aus dem Blickfeld geraten lassen - aber wir erleben gerade eine neu erwachende Nachfrage nach Unternehmensblogs und Themenblogs und, wie schon gesagt, Bloggerrelations. Weil es einen Ort geben muss, an dem ich eine Content-Historie aufbauen kann Einen Hafen, auf den ich verlinken kann, wenn es Fragen gibt. In dem ich in ruhigem Wasser meine Themen ausfalten kann.

Saschas Punkt bleibt dabei der Kern der Renaissance der Blogs: Dass es das eigene Haus ist. Und selbst wenn es biografisch auch mal Zeiten geben mag, in denen ich mein Haus verkaufe, um in eine kleine Mietwohnung in ein sanierungsbedürftiges Viertel mit unsicherer Zukunft zu ziehen, ist das für die meisten sicher nicht der Normalfall.


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* Die Frage, ob Blogs deshalb weniger wichtig seien, weil sie einander weniger verlinken, halte ich für den Quatsch des Jahrzehnts. Ja, so haben wir damals angefangen. Aber das war auch, als diese Verlinkungen den meisten Traffic brachten. Heute sind Twitter und Facebook und (in manchen Fällen, bei mir ist es so beispielsweise) erstaunlicherweise Googleplus neben den Suchanfragen (die immer noch rund 30% des zugelieferten Traffics ausmachen bei sehr vielen, sozusagen die Laufkundschaft) die wichtigen Quellen für Besucherinnen im Blog. Privatempirisch kann ich einen Trafficrückgang bei Blogs, die ich kenne oder mit deren Autorinnen ich darüber gesprochen habe, nicht feststellen.


Blogs haben sich verändert, ja. Aber sind eher bedeutender geworden als unbedeutender. Und dass ihre Zahl nicht mehr so sehr wächst (und das seit etwa 2007 bereits, also vor dem Facebook-Boom!), hängt meines Erachtens nicht an Facebook oder Twitter sondern daran, dass es eben wohl nur dieses 1% gibt, das Lust und Begabung hat, mehr als zwei Sätze auf einmal ins Internet reinzuschreiben...

17.4.12

Warum Kristina Schröder gefährlich ist

Dass Kristina Schröder reaktionär sei, ist nicht nur so dahin gesagt. Gestern hat mich ihr Büroleiter Jürgen Müller auf Twitter dazu in ein spannendes Gespräch verwickelt. Am Ende sind 140 Zeichen aber zu kurz, um halbwegs zu begründen, wieso ich meine Meinung zu Frau Schröder in den letzten eineinhalb Jahren sehr ändern musste.

Die Gefährlichkeit von Ministerin Schröder kommt meines Erachtens aus eben ihrer reaktionären Haltung, die, wie es in den letzten Jahren in diesem Land üblich ist, in einer sanften Form des Populismus daher kommt. Ich halte sie übrigens für gefährlicher als den reaktionären Politirren Sarrazin, vor allem, weil sie fest verwurzelt in der Mitte ihrer Partei ist und nicht auf dem Altenteil.

Um das vorweg klar zu sagen: Gegen Konservative habe ich nichts. In vielen Dingen, vor allem religiös, bin ich auch konservativ. Ebenso sind es mein Familienbild und viele meiner moralischen Vorstellungen. Konservativ heißt, Dinge bewahren zu wollen und Veränderungen behutsam anzugehen. Das ist nicht ehrenrührig. Um es in Schröders politischem Feld zu benennen: Ursula von der Leyen ist eine Konservative. Reaktionär aber ist etwas anderes. Und das, wie Schröder über von der Leyen hinaus geht, ist aus meiner Sicht genau der Schritt von konservativ zu reaktionär.

Zwei typische Kennzeichen sind ein Hinweis auf reaktionäre Politik:
  1. In einer Konfrontation werden (bewusst oder aus Unkenntnis) Konfliktlinien aus der Vergangenheit genommen und dagegen protestiert - mit der Folge, in einen Zustand vor diesem Konflikt zurück zu wollen, also nicht nur bewahren sondern eben tatsächlich das Rad zurück drehen zu wollen.
  2. Die Protagonistinnen gerieren sich als unangepasste, dem Mainstream widerstehende Kämpferinnen mit einer "das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen"-Attitüde - die sich auf einen imaginären Feind bezieht, weil sie von Privilegierten der aktuellen Situation vorgebracht wird.
Beide Verhaltensweisen erleben wir bei Sarrazin, bei den radikalen Christinnen, die Eva Hermann unterstützen, bei der Tea Party in den USA - und eben bei Kristina Schröder. Alle diese Gruppen und Personen posieren in einer Volkstribunin-Haltung, wissen in Teilen die "schweigende Mehrheit" hinter sich, formulieren Gegnerinnen, die es nicht gibt.

Denn niemand verhindert, dass irgendwas gesagt werden darf (Sarrazin), niemand verfolgt in diesem Land Menschen, die ein christliches Familienbild vertreten (Hermann), niemand zwingt die Menschen in eine schwule Kultur (Tea Party) - und niemand verhindert in diesem Land, dass Frauen sich für Familienarbeit und gegen eine betriebliche Karriere entscheiden (Schröder).

Kristina Schröder scheint seit ihrem Abitur nicht mehr mit Feministinnen zu tun gehabt zu haben (siehe ihr berühmtes Abizeitungszitat). Denn sie blendet jede Form der feministischen und der Genderdiskussion der letzten 15 Jahre aus - und positioniert sich, Zeichen einer reaktionären Politikmethode und -agenda, entlang längst überholter und nicht mehr existenter Konflikte. Das muss sie auch, damit sie ihre Rebellinnen-Attitüde anlegen kann - denn sonst wäre die noch lächerlicher.

Was Schröder mit den (weiblichen) Ikonen der Tea Party gemeinsam hat, ist die tatsächlich ja schwer zu fassende Gleichzeitigkeit von klassischer Karriere (Michele Bachmann, Sarah Palin, Kristina Schröder) und dem Postulat, dass das sowohl jede Frau schaffen könne als auch nicht ihre Aufgabe sei. Sowohl habituell und kulturell als auch in ihren Privilegien gleichen sich diese drei Frauen. Und ebenso in ihrer Forderung, die Politik und der Staat möge sich aus allem raushalten. Denn wenn alles gut ist, wie es ist - wie es Schröder in der Genderfrage behauptet -, gibt es keinen Regelungsbedarf. In der Abschaffung der Politik gehen Reaktionärinnen schon immer über Konservative hinaus. Schröder sogar so weit, dass sie gegebenenfalls lieber zurück treten als politisch gestalten will (siehe die Quotenfrage).

Was Schröder wie ihre Schwestern im Geiste in den USA übersehen: Ja, sie sprechen viele, viele Menschen mit ihrer Art und ihren einfachen Lösungen für komplexe Wirklichkeiten an. Aber sie sind - vielleicht einfach der Preis der politischen Reaktion, sozusagen ihr Kollateralschaden - eben auch aus der Zeit gefallen und merken damit nicht, wie die nächste Generation (bei Palin und Bachmann) bzw ein großer Teil ihrer Generation (bei Schröder) längst andere Fragen diskutiert. Der Fehler, den wir dabei gemacht haben, ist, sie nicht ernst zu nehmen, weil ihre Themen so gestrig und so lächerlich auf uns wirken. Das rächt sich jetzt.

Aber wenn ich - ich arbeite ja in einem "Frauenberuf" - überall bei jüngeren Frauen eine Re-Radikalisierung (oder erstmalige Radikalisierung) in der Frauenfrage erlebe, dann scheine ich in einer anderen Welt zu leben als Frau Schröder und ihr Büroleiter. Eine große Zahl jüngerer Frauen in meiner Umgebung, die aus Agenturen in Unternehmen gewechselt sind beispielsweise, sind dort erstmals auf jene berühmte gläserne Decke gestoßen, die Schröder bestreitet. Davon waren sie überrascht. Und haben sofort gehandelt - und sich informell zusammen geschlossen. Über Unternehmensgrenzen hinweg. Online in geheimen Netzwerken. Und lesen im Untergrund auf einmal wieder neue feministische Literatur wie Laurie Penny und andere.

Frau Schröder ist gefährlich, denke ich. Aber die Reaktion hat bisher historisch nur sehr, sehr selten gewonnen. Nicht mal in Deutschland. Und schon gar nicht auf lange Sicht. Um die Zukunft meiner Tochter (und auch, ja, meiner Söhne) ist mir darum trotzdem nicht bange.

Und sehr gerne, Herr Müller, diskutiere ich das hier und offline und wo immer Sie wollen.

16.4.12

Und nun zum Spocht

Norddeutsche Hengstparade ist irgendwie meistens "zu Hause" auf Vindholar, wo wir unsere Pferde stehen haben. Also auch der einfachste Weg, wie Secundus ausprobieren kann - so ganz am Anfang der Saison -, was mit unseren Tieren denkbar ist. Er hat ja eine Fünfgängerin (Gjosta fra Mula), mit der er immer wieder am Pass rumprobiert, und ich eine vom Ausbildungstand noch mehr als vom Alter her recht junge Stute mit ziemlich guten Anlagen, die wir noch viergängig reiten (Vordís vom Schlossberg). Vordís haben wir zum allerersten Mal in ein Turnier gebracht, was immer sehr aufregend für so Tiere ist: Publikum, Musik, andere Pferde in der Bahn, die man nicht so einfach überholen darf und so.

Gjosta hat immer noch etwas Probleme mit den vorderen Huffesselbeugen, da müssen wir uns noch mal was audenken. Fünfgang lief nicht so gut, aber die Passprüfung (nicht das Rennen, da hat er dieses Mal noch nicht teilgenommen) war ok, alle Noten in der Wertung, also gelegt und gepasst, eher auf Sicherheit. Hier der zweite Durchgang:



Und Vordís konnte das wirklich noch nicht so dolle mit dem Lärm, den Menschen und der Aufregung. Ein Anfang immerhin. Die Viergangprüfung war eigentlich richtig gut - wenn sie im Schritt nicht unbedingt ein anderes Pferd hätte überholen wollen, das gab dicke Punktabzüge. Und bei der Töltprüfung war sie so aufgeregt, dass sie immer wieder in den Galopp fiel. Wobei Secundus das sehr klasse gemacht hat, sie dann auch immer wieder zurück zu holen (und vor allem zu verhindern, dass die anderen Pferde in der Bahn angesteckt wurden). Aber teilweise sah es gut aus, im Tölt hatte sie auch bei der Viergangprüfung sehr gute Noten:



Ich glaube ja, dass wir mit Vordís noch viel Freude im Sport haben werden, zumal sie auch Anlagen zum Pass zeigt. Und wenn Secundus sich mit Gjosta auf Rennpass konzentriert, also vielleicht mal Passrennen (da starten zwei gegeneinander über 150m) und Speedpass (da läuft jedes Pferd für sich allein gegen die Uhr auf 100m) testet, wird das was.

Ein paar nette Fotos sind auch rausgekommen, von meinem Kind und meinem Pferd:

Damit ist dann alles zur Urheberinnen- und Kulturdebatte gesagt

Ich mag Johnny Haeusler sehr und schätze ihn nicht nur online sondern auch als nachdenklichen und sehr auf der Erde gebliebenen Gesprächspartner (und einen der "digitalen Väter", mit denen ich mich am liebsten austausche, weshalb ich mich auf Tanjas und sein Buch sehr freue).

Und besser als alle anderen hat er nun den endgültigen Text zur Debatte um das Urheberrecht geschrieben, nach dem wir vielleicht mal anfangen können, über Inhalte anstatt über die Debatte zu sprechen. Außer dass ich keine Musik mache, trifft jeder Satz auf mich zu, teile ich seine Erfahrungen und seine Einschätzung so komplett, dass ich am liebsten nicht nur diesen Absatz zitieren sondern den Text komplett übernehmen würde:
Ich schüttle selbst oft genug den Kopf ob einiger Aussagen der Piratenpartei und teile viele der von dort wiedergegebenen Statements zum Thema genau: gar nicht. Doch selten war ich so erschüttert von der Qualität angeblicher Journalismus-Profis, wie in diesen Zeiten der Debatten ums Urheberrecht. (Ich heb dann mal ur | Spreeblick)
Aber noch lieber schicke ich euch einmal rüber zu seinem Text. Alle, die nicht sicher sind, ob die Verwerterinnen und einige der Urheberinnen, die sich in letzter Zeit kritisch zur Kritik am bestehenden Urheber- und Verwertungsrecht geäußert haben, nicht doch Recht haben, bitte ich, diesen Text einmal zu lesen. Sehr gerne möchte ich mit euch diskutieren. Mein Eindruck wäre, dass das Niveau mit Johnnys Text etwas angehoben werden könnte.

Denn was mich einfach so erschüttert an der aktuellen Debatte, ist neben einigen Positionen, die einige wenige Piraten vertreten, noch sehr viel mehr die aggressive Polemik vieler Kreativer und ihrer Verbände. Die übrigens tendenziell den ohnehin schon länger bestehenden Verdacht nährt, dass einfach echt schlecht informiert ist, wer in erster Linie seine Infos und sein Wissen aus den klassischen Medien bezieht.

10.4.12

Make Love. Feel Good.

Zwei gute und sehr unterschiedliche Beiträge zum Thema Instagram stammen von Björn Eichstädt und Nico Lumma. Ja, wenn man selbst immer Recht hat, so wie ich, ist die "ich hatte Recht"-Attitüde von Björn anstrengend (zumal ich ihm nicht zu 100% zustimme). Und ja, wenn man wie Nico im Bingo-Business ist, ist Bingo teil des Spiels. Aber sie haben beide Recht. So prinzipisch. Und das liegt daran, wie viel Freude Instagram macht.

Ich bin kein visueller Typ. Eher so der Texttyp. Ich liebe lange Texte, lese gerne, am liebsten dicke Bücher, oder ich höre sie. Und trotzdem war beispielsweise flickr der erste Dienst im Social Web, den ich nutzte, noch vor meinem Blog, also spätestens 2002, vielleicht noch eher. Und von allen Netzwerken (ja, Instagram ist ein Netzwerk), die ich nutze, macht mir Instagram mit Abstand die meiste Freude.

Kunst des kleinen Mannes sozusagen. Das ist es, was (mir) an Instagram solche Freude macht. Dass es einfach ist, mit schicken Effekten die emotionale Aussage in einem Bild zu betonen, selbst wenn ich nicht wirklich fotografieren kann.

Für mich ist Instagram ähnlich wie YouTube. Es ist ein Medienkanal und eine Community aus der Sicht der Produzentinnen, da gebe ich Björn Recht (und darum funktioniert es auch so viel besser als Pinterest). Und so wie YouTube für die meisten in meiner Umgebung eine fremde Welt ist - plastisch wurde das an der gigantischen ACTA-Mobilisierung via YouTube, die weitgehend an Erwachsenen vorbei ging, extrem spannend zu beobachten und zu analysieren - so ist es Instagram auch. 16-jährige Mädchen aus Schweden, Thailand oder Korea mit vielen zehntausend Followern sind keine Seltenheit. Die Zusammenstellung der "beliebt" Fotos in der mobilen App ist faszinierend und das Schlüsselloch in diese Welt.

Und auch da ist Instagram ähnlich wie YouTube: es macht eben Freude. Es stellt den emotionalen Puls der Nutzerinnen dar.

Heute früh fragte mich jemand, ob diese eine Milliarde, die Facebook für Instagram auf den Tisch legen soll, wieder so eine Blase sei, ich sei doch damals schon dabei gewesen, ob es sich gerade wiederhole. Meine Antwort war nicht euphorisch, aber auch nicht skeptisch. Ich glaube nicht, dass wir es hier mit einer grotesken Überbewertung zu tun haben. Seit einigen Wochen werden Bilder von Instagram nicht mehr nur bei Facebook referenziert - sondern direkt physikalisch dahin geliefert, wenn ich es so einstelle. Facebook wird also beobachtet haben, was da passiert. Und ansonsten hat eben Nico Recht, siehe oben.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass wir mit einigen Kunden bereits Dinge auf und mit Instagram gemacht haben, als es noch nicht in aller Munde war. Zumal der Dienst ja ähnlich wie Twitter so wunderbar offen gestaltet ist, dass ich ganz viel damit machen kann. Von Instaprint über eine Facebook-Galerie bis hin zu Postern und Homepages und Bildschirmschonern und und und.

(Und übrigens: Wo ich denke, dass Björn irrt, sage ich auch noch. Nein, Bilder werden Texten nicht den Rang ablaufen. Im Gegenteil. Zugleich mit den Bildern erleben die langen Onlinetexte beispielsweise in Blogs eine Renaissance. Bekommen sogar Corporate Blogs einen dritten Frühling. Auch wenn Texte die unangenehme Angewohnheit haben, lokal auf Sprachräume beschränkt zu sein, was für Bilder nicht genau so gilt, wo Björn wiederum Recht hat.)

5.4.12

Schluss mit der Umsonstkultur in Print und TV!

Es ist ein Skandal! In den letzten Jahren hat sich eine Umsonstkultur im deutschen TV und in deutschen Printmedien breit gemacht, die inzwischen sogar die Kultur und die Demokratie in diesem Land gefährdet.

Seit fast 100 Jahren schon zahlen die Leserinnen und Leser nicht mehr in ausreichender Menge für Zeitungen und Zeitschriften. Was die Menschen für eine Zeitung bezahlen, deckt schon lange nicht mehr die Kosten für die Redaktion, von der Produktion der Zeitung ganz zu schweigen. Der eigentliche Skandal ist allerdings, dass die Leserinnen und Leser die Zeitung trotzdem lesen wollen und auch noch erwarten, dass sie - also die Zeitung - Tatsachen und Berichte enthält, die sie interessant finden.

Zugleich sind die Mäzene und die reichen Männer mit einer politischen Mission weggeblieben, die bisher die Erstellung einer Zeitung finanziert und ihre Ausrichtung bestimmt haben. Die Redakteure wurden gezwungen, ihr Heil in weiteren Erlösquellen zu suchen oder gar Anzeigen zu schalten, um sich ihre Arbeit bezahlen zu lassen. So kann es nicht weitergehen mit der Umsonstkultur der Leserinnen und Leser.

Noch schrecklicher ist die Situation im deutschen Fernsehen. Während es in den meisten anderen Ländern eine Kultur gibt, in denen die Zuschauerinnen und Zuschauer für die Programme und Filme, die sie sehen, zahlen, hat sich unter der Federführung der Parteien SPD und CDU, die sich dieses auch programmatisch auf die Fahnen geschrieben haben, in Deutschland eine Kultur des kostenfreien Zugangs zu Informationen und Filmen im TV etabliert, die es den Anbietern von Bezahlmodellen im TV-Bereich unmöglich macht, ausreichend Kundinnen und Kunden zu gewinnen, um zu überleben.

Niemand darf sich wundern, wenn die Folge dieser beiden Entwicklungen Zeitungen wie das Handelsblatt und Sendungen wie "Anne Will" oder "Lanz" oder "Tatort" sind. Kultur und Information können in einem Klima, das die Umsonstkultur erzeugt, nicht überleben. Kampagnenjournalismus, ungeprüfte Behauptungen und unterste Niveaus in Geschichten, Drehbüchern und Gästen sind die unvermeidliche Folge - wie wir seit Jahren oder gar Jahrzehnten erleben.

Auch die Einführung einer Kulturflatrate ("GEZ-Abgabe") konnte diesen Prozess nicht verlangsamen. Darum fordern wir:
  • Die Umsonstkultur in TV und Print muss ein Ende haben.
  • Gute Inhalte kosten Geld - und jeder und jede muss diese Kosten tragen, wenn er oder sie weiterhin gute Inhalte bekommen will.
  • Wer dreimal dabei erwischt wird, dass sie oder er eine ausgelesene Zeitung in der U-Bahn an sich bringt, ohne zu zahlen, wird mit einer Augenbinde für eine festgelegte Zeit versehen.
  • In kostenfrei über das Netz (Satellit, Antenne oder Kabel) aufrufbaren TV-Sendern dürfen keine Inhalte oder Bilder gezeigt werden, für die es auch Angebote im Bezahl-TV gibt.
  • Die Elektronikmärkte sollen verpflichtet werden, jede Kundin und jeden Kunden zu melden, der oder die ein TV-Gerät ohne Set-Top-Box kauft bzw. nicht nachweisen kann, dass er für TV-Programme bezahlt.

4.4.12

Transparenz, Prozess und Positionen

Zwei sehr unterschiedliche Beiträge zu Piraten und vorher schon bestehenden Parteien haben mich nachdenklich gemacht. Und mir geholfen, einen Punkt noch einmal besser zu verstehen, der mich an den Piraten fasziniert und an meiner Partei befremdet und an den Ex-Volksparteien völlig vorbei zu gehen scheint: Die unterschiedlichen Vorstellungen, was unter Transparenz zu verstehen sei und wie ein politischer Prozess aussehen sollte.

Nahezu entlarvend ist diese Passage in Björn Böhnings (SPD-Funktionär, Chef der Senatskanzlei in Berlin) an sich lesenswerter Polemik gegen die Parlamentsarbeit der Berliner Piraten:
Transparenz und Informationsfreiheit sind so verstanden ein Mittel, um politische Entscheidungen besser nachvollziehen zu können und Bürger und Bürgerinnen zur Partizipation zu befähigen. Sie sind kein Allheilmittel oder gar ein Selbstzweck zur Bewertung politischer Vorgänge. Alles nur Polemik | Bjoern-Boehning.de
Ja, es wäre schon mal ein Schritt nach vorne (zu dem die SPD, auch und gerade in Berlin, auch noch getragen werden muss), wenn immerhin Entscheidungen nachvollziehbar wären. Aber bereits den Entscheidungsprozess transparent zu machen, ist etwas anderes. Wie es meine Hamburger Parteifreundin und Kollegin Nina Galla neulich (auch sehr, sehr lesenswert) schrob:
Weiterhin bedeutet die von den Großen meist missverstandene „Transparenz“ nicht, Dokumente und Protokolle der Vergangenheit online zu stellen, sondern die Menschen schon während des Prozesses der Entscheidungsfindung einzubeziehen, mindestens aber, ihnen vorab mitzuteilen, dass es Überlegungen gibt, eine Entscheidung zu treffen. Nur so hat der politisch interessierte Mensch überhaupt die Chance, sich einzubringen und zu partizipieren. Danke, Piraten! - Nina Galla
In eine ähnliche Richtung habe ich vor rund einem Jahr, als wir in Hamburg die Wahlniederlage bei der Bürgerschaftswahl "aufarbeiteten", schon mal geschrieben und gedacht, was ich im Rückblick ganz spannend finde. Politik als Prozess verstehen hatte ich damals überschrieben. Und ironischerweise klingt es, heute wiedergelesen, beinahe wie eine Antwort auf Piratenerfolge, die es damals noch nicht gab (und es gehört in meine Volkspartei-Überlegungen hinein).

Die Hinweise von Björn und anderen darauf, dass der Prozess der Piraten schön und gut sei aber Inhalte nicht ersetze, sind richtig. Und tatsächlich ist das für mich ein wichtiger Punkt und ein wichtiger Unterschied beispielsweise zu den Grünen.

In einer idealen Welt, in der ich mir meine Wunschpartei backen könnte, wären Piraten und Grüne eines. Im Grunde das, was ich damals bereits beschrieb und woran Grüne meines Erachtens arbeiten sollten und können:

Aus einer Haltung heraus, die Politikangebote formulieren kann, einen partizipativen Politikprozess anstoßen. Transparenz in Piratenmanier vom ersten Tag an - was nicht heißt, auch nicht bei den Piraten, dass es nicht auch vertrauliche Runden und Gespräche gibt. Aber ohne die hilflose Antwort, ich könne nichts sagen zu einem Thema, weil es dazu keinen Meinungsprozess gegeben habe. Ein Grundkonsens auf der Haltungsebene hilft, auch neue Fragen so zu beantworten, dass die meisten mit der Antwort werden leben können, wenn sie Parteimitglied sind.

Was diejenigen in den bisherigen Parteien, die Vorbehalte haben, vergessen, wenn wir grüne oder rote Piratinnen auf die Prozesse und Ideen und Transparenz aufmerksam machen und auf den anderen Stil: Dass wir nicht etwa die inhaltliche Leere der Piraten bewundern - sonst wären wir ja da - sondern dass uns ihr Stil, ihr Lebensraum und ihr Kommunikationsmuster mit ihnen eint. Wir (also zumindest ich) stehen zu den inhaltlichen Angeboten meiner Partei, zumindest im großen und ganzen. Nur nicht zum Volksbeglückungsstil ihrer Politik. Und ich sehe das Transparenzthema wie Nina.

2.4.12

Die Weide in den Garten verlegt

Fast schon Tradition ist unser Saisonauftakt - der Geburtstagsritt einmal quer durch das große Natuschutzgebiet bei uns um die Ecke mit einer Pause in unserem Garten. Dieses Jahr waren es zwölf Pferde, mehr als je zuvor, die dann durch unsere Straße zogen und in vier Paddocks im Garten untergebracht waren. Ausbeute ist, dass wir einmal Rasenmähen sparen und einiges an Rosendünger dabehalten haben. Und die Verwüstung hält sich in Grenzen.



Und weil der eine oder die andere immer mal wieder mehr oder wenige - äh - interessante Bemerkungen über die Größe unsere wunderbaren Riesenteddypferdedings sagt, hier mal der Beweis, dass ich nicht mitlaufen kann, wenn ich draufsitze. Ha...

Und überhaupt liegt das ja nur daran, dass ich so groß bin.

Aber im Ernst: Das tolle an diesen kleinen Pferden (und meines ist für ein Islandpferd sehr groß) ist, dass sie so unerschrocken und verlässlich sind. Wir haben immer unseren Spaß, wenn wir mittelguten Reiterinnen mit ihren nervösen Großpferden im Gelände begegnen.

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