26.3.12

Neben dem selbstreferenziellen Resonanzraum der ehemaligen Leitmedien

Ich war auf einem Kolloquium der Stiftung der Arbeitgeberverbände, das sich - sehr spannend - mit den Auswirkungen des partizipativen Netzes auf Politik, Gesellschaft und Demokratie befasst hat. Neben sehr vielen sehr guten Gesprächen, für mich neuen Impulsen und Kontakten hatte ich auch die Freude, eines der Impulsreferate zu halten und mich der ausführlichen Diskussion zu stellen. Was mit vielen Professoren am Tisch eine Herausforderung ist, weil deren Sendungsbewusstsein tendenziell mit meinem locker mithält... Meine Session hatte ich gemeinsam mit Jimmy Schulz, MdB dieser Partei, wie heißt die noch? Wir waren uns erstaunlich oft einig.

Neben aktuellen Mobilisierungskampagnen und der Gesprächskultur (und meinem Lieblingsthema, dem "Digital Divide") habe ich den Impuls mit fünf Thesen eröffnet, die ich hier schon einmal weiter gebe. Der gesamte Impuls wird später sicher im Tagungsband sein. Und diese Thesen sind für einige andere mit aufsteigender Intensität irritierend.
  1. Hyperlinks untergraben Hierarchien. Das ist nicht neu. Das wissen alle, die schon einmal einen Hyperlink genutzt haben. Also einen Link, der Hintergrundinformationen zu einer Behauptung liefert, von dem ich zu einer anderen Seite komme, auf der noch mal erklärt wird, was gemeint sein könnte (oder was die Fakten sind), wenn jemand „von oben“ etwas sagt.
  2. Über das Internet und vor allem über das, was wir Social Media nennen, findet gerade die Politisierung nicht nur einer Generation sondern mehrerer Generationen statt, wie es sie seit den 80ern mit ihren großen Themen (Nachrüstung, Atom) nicht mehr gegeben hat. Und das europaweit.
  3. Durch Facebook und noch viel mehr durch Twitter bekommen ganz normale politisch interessierte Menschen auf einmal einen direkten Zugang zu Spitzenfunktionärinnen im Politikbetrieb. Asynchron und nachhaltig.
  4. Simplifizierung in Mobilisierungskampagnen heißt nicht mehr, dass die Mobilisierten simpel sind oder simpel denken. Trotz Simplifizierung wächst das Wissen der Basis und übersteigt das der Expertinnen massiv.
  5. Ehemalige Eliten, die sich im selbstreferenziellen Resonanzraum der so genannten Leitmedien über ihre reale Bedeutung täuschen, sind für die Entwicklung von Haltungen und Meinungen der Menschen weitgehend irrelevant geworden. So wie die Bild-Zeitung und die FAZ.
Auf zur Diskussion.

1 Kommentar:

  1. Peter Meyer27.3.12

    Lieber Wolfgang, es wäre zu schön, wenn solche Medien wie Bild und dergleichen für die Meinungsbildung irrelevant werden würden. Das intellektuelle Niveau in diesem Land ist leider noch oder wieder nicht geschaffen.

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