28.11.10

Ich verstehe die CDU nicht

Ich war für die schwarz-grüne Koalition. In meinem Stadtteil habe ich schon vorher eher mit den CDUlern zusammenarbeiten können als mit SPDisten, vor allem in der Schul- und Sportpolitik, die mir vor Ort am wichtigsten sind. Ich war dennoch schon länger dafür, die Koalition zu beenden, hätte bereits die unterirdische Personalie Fritzenkötter für einen Grund gehalten.

Aber heute kann ich die CDU nicht verstehen. Wie kann ein - zugegebenermaßen nur noch knapp von der örtlichen SPD an Auszehrung übertroffener - Landesverband so leichtfertig und - sorry - dilettantisch seine auch mittelfristig einzige Machtoption (über Hamburg hinaus) verspielen? Dass und wieso ich meine, dass auf längere Sicht CDU und Grüne die beiden Antipoden des heraufziehenden Politikzeitalters sind, habe ich ja neulich mal beschrieben, die Generaldebatte im Bundestag diese Woche hat das wieder gezeigt, dass wir da vielleicht sogar schon sind.

Ganz ehrlich: Wenn es bewusst so war, dass die CDU beim Haushaltsentwurf getrickst hat, ist es dumm. Wenn es aus Versehen passiert ist, ist es dümmer. So oder so ist es grotesk, dass sie den Grünen den Vorwand liefert, die Koalition zu beenden, die sie die letzten Wochen allein mangels konkretem Anlass noch nicht verlassen haben. Dumm, dumm, dumm. Ich verstehe ich es nicht.

Und Hamburg und seine Politik? CDU und SPD in gleichem absolut desolaten Zustand, ohne Personen, ohne Ideen, ohne Professionalität. Die Grünen angeschlagen ob ihrer Fehlschläge in dieser Koalition. Die Linken nicht existent außerhalb von Ex-Grünen und Ex-Regenbogen-Spezis. Die FDP - welche FDP? Scheuerl bleibt keine Zeit bis Ende Februar. Ich bin sehr ratlos, was daraus werden soll.

Die SPD hat jenseits von Scholz nichts anzubieten, hat die Jahre der Opposition (leider) nicht genutzt, sich klar zu werden, was sie sein will oder können könnte. Die CDU ist erschöpft und ohne einen einzigen Profi, ähnlich wie am Ende der Ära Echternach. Die Grünen haben durch die Wahlreform keine Fraktion mehr, in der von zwei Ausnahmen abgesehen irgendwelche politische Kompetenz steckt und nur einen Senator (Steffen, Justiz), der wirklich was erreicht hat in den letzten Jahren. Die Stadtstaatsituation mit der Bürgergesetzgebung macht das Land faktisch ohnehin unregierbar. Schwierig das.

Immerhin haben wir Grünen etwas mehr an Ideen und Personen als die anderen. Aber ob das reichen wird, um die Bürgermeisterin zu stellen?

26.11.10

Mehr als ein halbes Leben

Es ist schon merkwürdig. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ich alt werde? Inzwischen gibt es Sachen, die mich schon mehr als mein halbes Leben begleiten und immer noch glücklich machen.

So wie mein Lieblingsbuch, das ich vor mehr als meinem halben Leben erstmals gelesen habe und das seit dem nicht übertroffen wurde von all den vielen Büchern, die danach kamen.
Und wenn es mich nicht als Snob outen würde, sagte ich sogar, dass es sich dabei um Doktor Faustus von Thomas Mann handelt (der damals, ich war 18, den Favoriten Malte Laurids Brigge von Rilke ablöste).

Oder so wie die Musik von Gustav Mahler, sie mich immer noch berührt wie kaum andere.

Oder die drei Sänger, die ich schon als Kind kennen lernte, deren Konzerte ich als Jugendlicher und junger Erwachsener besuchte - und die ich bis heute wunderbar finde (wunderbar ist übrigens das Lieblingswort des wunderbarsten unter diesen dreien). In dieser Woche haben meine Süße und ich nach fast genau zwanzig Jahren endlich wieder ein Konzert von Klaus Hoffmann besucht, der nach einer - so habe ich es empfunden - eher unspirierten Phase wieder voll da ist und wunderbare (sic) neue Lieber geschrieben hat. Und wundervolle alte spielt. Wie gut, dass es YouTube gibt, so dass ich einen kleinen Ausschnitt zeigen kann.



Abgesehen davon, dass seine Musik weiterhin wunderbar ist (bis auf die völlig überflüssigen Neuübersetzungen seiner Brel-Lieber, die dazu führen, dass das halbe Publikum falsch mitsingt), dass sie nicht überlaut ist, ist Klaus Hoffmann immer noch ein großer Entertainer, der spontan auf sein Publikum reagiert. Auch wenn er alt geworden ist (da fühle ich mich dann gleich jung, bin ja auch zwanzig Jahre jünger als er).

Was mich neben der wunderbaren Musik am meisten fasziniert hat an dem Abend in der Musikhalle, war aber das Publikum. Mitte dreißig bis Mitte siebzig, sehr viele graue Bärte und graue Schöpfe, die links-grün-bürgerliche Vorstadtintelligenzia der Stadt. Und genau vor uns die beiden Pole: die Glatze, Anfang vierzig, mit Ganzkörpertatoo und Piercings mit seiner Frau und seinen Eltern, Mitte siebzig. Seine Mutter streichelte ihm immer mal wieder liebevoll über die Wange, beispielsweise als er bemerkte, dass er früher Sitzkonzerte ja voll ätzend fand und heute gut, oder als er bei den alten wunderbaren Liebesliedern den Kopf mitschwang und leise mitsang wie wir anderen auch.

Wie bei dem Lied, dass neben Adieu Emile (mit doofer Neuübersetzung) und Katharina sicher zu dem gehört, was jeder, der Klaus Hoffmann kennt, mitsingen kann. Was wir dann auch alle getan haben zum Abschluss und Abschied:



Was für ein schöner Abend.

18.11.10

A Monument of The German Angst

Some weeks ago, everything seemed to be ok so far - only very few house owners, announced Google, had taken the opportunity to have their houses pixelated. Less than 3%. Sounded ok so far, given the fact that not only the government but big mainstream media as well have been running a campaign to encourage Germans to just do this for some months.

Today Streetview finally started with 20 "big" cities over here. And the result of pixelation is much worse than - I guess - even a lot of the pixelators would have thought. Some interesting collateral discussion will come, too - like why it was possible for anybody who rents (!) a flat or apartment to have the complete house pixelated (although he has no equity on it and should not have any right to do anything at all).

No, it's not exactly important. And this is not the end of civilization or something really bad or dangerous - but it's ridiculous. Especially as there are a lot of services on the web that do the same.

But in one way the pixelation is great: It's near art. A very special and national way of building a new digital monument for the way, we here in Germany deal with innovation and digital lifestyle.
Google Streetview is the digital monument of the "German Angst" for the world to see.
Please, my friends from abroad, come in and take a look. This is what we digital pioneers face in this country when we try to build something new. This is a symbol that might explain why we are (in the digital space) great in building copies of successful services from the US, but not in inventing new toys or tools or even companies.

There is some creative way of dealing with it already, a bit Schwejk-esk (although Schwejk is a Czech) - like implementing other panoramic photos into Streetview (see an example here for Berlin). And my street and my house e.g. is not covered by Streetview anyway.

But it's still sad to have this monument. And embarrassing as well. Be patient with us, not all of us are suffering from German Angst. But enough of us to make the German Angst now very visible online and to paint a picture of a former innovative country that has lost its speed some 30 or so years ago.

The good news is: tomorrow will be a new day.

16.11.10

Massenhafte Medien. Die Präsentation.

Die Seminarsaison 2010 geht zu Ende. Und darum wird es Zeit, die (sehr gekürzten) Basisfolien mal online zu stellen. Klar - da kommen noch sehr viele Beispiele und Strategieansätze und so was dazu, was sich nicht für das Internetz eignet. Aber die Grundrichtung und Grundphilosophie wollte ich doch mit euch teilen.

Massenhafte Medien statt Massenmedien

(ach witzig, die von YouTube eingebundenen Videos werden beim wiederum Einbinden der Präsentation im Blog nicht mit eingebunden. Also rüber gehen zu slideshare bitte, wenn die beiden Videos dabei sein sollen nach Folie 1 und 34 Update: hm. Jetzt werden die Videos hierhin mitgenommen, aber das tolle "A life on Facebook"-Video ist bei YouTube gesperrt worden einer Urheberrechtsverletzung wegen. Wie gut, dass ich es als mp4 lokal habe und dass es noch bei Vimeo zu sehen ist.)
Zwei Punkte will ich als Erfahrung aus diesem Jahr schon weitergeben - die werden auch andere gemacht haben, die Fortbildungen und Beratung anbieten:
  • Erstmals begann der Kenntnisstand bei Teilnehmerinnen der Seminare, Workshops und Vorträge auseinanderzufallen. Das ist auch ein Grund, warum ich mit meinem bevorzugten Seminargastgeber (den media workshops von news aktuell) für das kommende Jahr einen Fortgeschrittenenworkshop anbieten werde. Es wurde zunehmend schwieriger, die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Bei den allermeisten Seminaren, die ich gebe (in Unternehmen direkt), ist das nicht so ein Problem, weil wir die Inhalte genauer zuschneiden können, aber bei offenen Seminaren fällt es doch auf.
  • Die Motivation von Workshopteilnehmerinnen hat sich geändert. War es die ersten fünf Jahre eher so, dass viele mal gucken wollten, dass einige schon privat den Raum erkundeten und nun nachdachten, wie sie es in ihren Beruf integrieren, werden mehr und mehr Lernende bewusst in dieses Thema geschickt - so wie es nahezu keine Kundengewinne für Agenturen mehr gibt, wenn die Agentur nicht behauptet (und hoffentlich auch wirklich nachweist), dass sie "Social Media kann", bauen mehr und mehr Unternehmen gezielt weiteres Wissen in diesem Feld intern auf. Das freut mich, denn es macht die Arbeit leichter. Und es zeigt, dass das Thema im Mainstream angekommen ist.
Ja, ich denke immer mehr, dass Social Media erwachsen geworden ist und als ein Baustein heute zu allen (!) Kommunikationsdisziplinen gehört. Fünf Jahre, nachdem die ersten Großagenturen weltweit und auch in Deutschland gezielt Social-Media-Expertise reingeholt und aufgebaut haben, kann man nicht mehr guten Gewissens von Experimentieren sprechen oder davon, dass es beispielsweise zu wenig Erfahrung gäbe, um [setze ein beliebiges Wort aus dem Kommunikationscontrollingwortschatz ein].

Ein Freund, der zu den Leuten gehört, die ich in diesem Bereich tatsächlich guten Gewissens empfehle, sagte neulich, er rechne damit, dass 2011 die "Nacht der langen Messer" komme. Was er meint (und dem schließe ich mich komplett an, das denke ich auch), ist, dass sich 2011 die Spreu vom Weizen trennen wird. Wer nicht bei jedem Projekt den konkreten ROI der Maßnahmen in Social Media wird ausweisen können, ist weg vom Fenster. Punkt. Meine Prognose. Weitere werden folgen... ;)

10.11.10

Und das mir. Zur Verteidigung von Frau Schröder (@kristinakoehler)

Erst gebe ich zu, dass ich Schäuble für vieles mochte (außer für seine Politik), dann will ich - mit Sicherheit gegen den aufgeregten Mainstream meiner Partei - auch noch die Schröder verteidigen. Was ist nur mit mir los? Aber nachdem ich das Interview der Ministerin mit dem Spiegel gelesen habe, kann ich zwar über manche boulevardeske Verkürzung den Kopf schütteln, aber nicht halb so sehr wie über die grotesken Vorwürfe, die dazu auch noch nahezu spitzfindig substanzlos sind. Eine gute Zusammenstellung dieser flachen Repliken beim Genderblog übrigens, danke Till für den Hinweis.

Ja, ich habe auch über die Diktat-Kiste den Kopf geschüttelt, wo jeder weiß, dass heute gar keine Diktate mehr geschrieben werden, wenn die Lehrerin auch nur ein winziges bisschen Ahnung von zeitgemäßer Didaktik und Pädagogik hat. Ja, ich habe auch herzlich gelacht über eine Formulierung wie "die Frauenbewegung", aber ich habe lange genug auf dem Boulevard gearbeitet, um zu wissen, wie dessen Mechanismen sind (und dass ein Ministerininterview nicht den gleichen Ansprüchen genügen muss wie eine akademische Genderforschung).

Aber: Zum einen sagt die Schröder explizit, dass sie "dem Feminismus" faktisch ihren Job verdankt (letzter Satz des Interviews), das heißt, dass all die Dolchstoß-Rhetorik ihrer Kritikerinnen wohl ein Zeichen ist, dass diese das Interview gar nicht gelesen haben. Und zum anderen hat Schröder einfach Recht in ihrer (ja, verkürzenden) Darstellung der praktischen Folgen der zweiten Feminismus-Welle.

Und die kruden Sex-Passagen? Leute, lest mal einige der radikalen US-Feministinnen der 70er und 80er Jahre, bei denen männliche Homosexualität als die Krone des Patriarchats bezeichnet wird (weil die Männer die besten Männer für sich selbst reklamieren), in denen homosexuelle Frauen, die patriarchal geprägte Rollenmuster in ihre Beziehungen übernehmen, als schwul benannt werden etc. Sicher ist es blauäugig, diese Strömung überzubewerten, aber es ist genauso absurd, sie zu leugnen. Und mehr als "Es gab in der Tat eine radikale Strömung" sagt die Schröder ja auch nicht. In den Passagen über Alice Schwarzer beispielsweise sagt sie nichts von dem, was ihr von den Kritikerinnen unterstellt wird. Ich habe es wirklich gesucht, aber nichts. Komisch.

Ich selbst habe diese radikale feministische Strömung vor allem in der theologischen Prägung studiert und erlebt, beispielsweise Mary Daly und ihr in meiner Generation immer noch extrem wirkmächtiges Standardwerk "Gyn/ecology". Was mich eher wundert, ist, dass eine so viel jüngere Frau immer noch von dieser Richtung weiß und von ihrem Einfluss. Naja. Wenn ich die Kritik an Schröder lese, frage ich mich, ob von den Kritikerinnen noch jemand diese Autorinnen kennt (und - und zwar ernsthaft, wirkliches Interesse - ob Daly & Co heute noch rezipiert werden und immer noch einen so großen Einfluss haben).

Mal mit einer Analogie versucht:
Mir kommt die Schröder so vor wie die schicke Obere-Mittelschicht-Mutter, die sich eine Gemüsekiste liefern lässt, nur Fleisch vom Demeterhof kauft, mit dem Fahrrad zum Kinderturnen fährt, drei Mal im Jahr zu McDonald's geht und auf die "Öken" schimpft - obwohl die Durschnittsdeutsche sie als reiche Ökotussi bezeichnen würde. Also so, wie nahezu jede Frau in meinem privaten Umfeld. Nahezu jede (auch linke und grüne) Frau in eben diesem meinem Umfeld hat auch ähnliche Haltungen "zur Frauenbewegung" und zu dem, was ich hin und wieder den "sozialdemokratischen Emanzipationsterror" genannt habe.

Schröder kommt zu einer anderen (politischen) Schlussfolgerung als ich in Fragen von Quote und gender pay. Aber die Beschreibung der Realität und der Ursachen ist nicht so falsch, wie ihre Kritikerinnen behaupten.

Und die Jungs. Welche Häme begegnet der Schröder zu ihren kritischen Fragen, ob Schule heute noch jungskompatibel sei. Ich kenne nicht eine Lehrerin (und ich kenne nun wirklich viele), die nicht zustimmte, dass Schule heute sehr viel mehr auf Mädchen zugeschnitten ist als auf Jungs. In den großen Doppeljahrgängen, die dieses Jahr in Hamburg Abitur gemacht haben, gab es an etlichen Schulen keinen einzigen Jungen, der es unter die ersten zehn, teilweise sogar unter die ersten fünfzehn geschafft hat. Das ist eine Tatsache. Und das hat - und hier irrt Frau Schröder - nichts mit Fußball oder Ponys zu tun, sondern damit, dass die Fähigkeiten, die in den letzten Jahren über Schulerfolg entschieden, ungleich verteilt sind. Offene Unterrichtsformen, die die Partei von Frau Schröder lange vehement bekämpft hat (in den 90ern, als diese Unterrichtsformen in Norddeutschland schon nahezu flächendeckend in den Grundschulen eingeführt wurden, hat es in Baden-Württemberg noch Verwarnungen gegeben, wenn jemand damit experimentierte), haben hier ein wenig Abhilfe geschaffen, aber zu leugnen, dass es unterschiedliche Lern- und Verhaltensweisen zwischen Jungs und Mädchen gibt, kam ja nun doch schon mit den Knöpfstiefeln aus der Mode.

Über einen Satz in Schröders Interview habe ich mich sehr gefreut, weil es meiner Wahrnehmung entspricht, der ich seit Jahren - wenn auch nicht so konsequent wie mein "role model" Mark Heising - versuche, gegen die zu kämpfen, die Leistung als "Arbeit mal Zeit" definieren und Sesselpupen für Engagement halten:
Für mich wäre der Mann ein Vorbild, der eine Führungsposition innehat und dabei den Mut besitzt zu sagen: Wir halten das Meeting um 16 statt um 19 Uhr ab, ich möchte nämlich gern meinen Sohn ins Bett bringen.
Edit:
An einem konkreten Beispiel diskutiere ich mit dem schlauen Thilo Specht, was ich an den Kritikerinnen von Frau Schröder kritisiere, nämlich das unterkomplexe Denken, das sie ihr vorwerfen ;)

9.11.10

Dekonstruktion

Das ist ein unglaublich inspirierendes Video über die faszinierende Künstlerin Kim Rugg. Gerade als jemand, der immer in oder mit Medien gearbeitet hat und Sprache und Worte liebt, sogar auf Papier, finde ich die Ergebnisse ihrer Dekonstruktion von Inhalten, ohne die Form zu verlassen, irrwitzig und - ja tatsächlich - inspirierend.
Der Nebenaspekt, den sie in einem kurzen Nebensatz auch selbst anspricht ("... which could be done in 2 seconds with photoshop, I don't use photoshop") und der für mich sehr viel an dieser Kunst ausmacht, ist, so denke ich, dass sie faktisch die alte Handwerkskunst des Setzens auf Produkte anwendet, die aus einem digitalen Satz produziert wurden. Und das auf eine ganz und gar nicht reaktionäre Art und Weise, also geradezu als Kritik an der - ich nenne es mal - "Manufaktum"-Welle.



(danke, @kosmar, für den Link und Hinweis auf Twitter)

5.11.10

Mit Verlaub, Herr Minister, Sie sind ein Arschloch

Politisch bin ich kein Freund von Herrn Schäuble. Aber ich hatte immer etwas übrig für seinen scharfen Verstand, für seine Haltung zu vielem (ja, ich weiß, ihr könnt das nicht verstehen), für seinen Versuch, seinen Glauben in der Politik nicht zu verstecken.

Gestern habe ich jeden Respekt (auch wenn ich das Wort nicht mag) vor ihm verloren.

Ja, er hat eine gesundheitlich extrem schwere Zeit hinter sich oder ist noch drin. Ich finde es fahrlässig, wie sie Kanzlerin ihn immer noch zwingt, im Amt zu bleiben (wenn es so ist) oder er nicht loslassen kann (falls das so sein sollte). Und jeder kann einen schlechten Tag haben. Und sein Sprecher Offer hat einen Fehler gemacht und macht auch wirklich keine gute Figur in diesem Filmausschnitt.

Aber einem Mann von Format und Erfahrung und Haltung eines Schäuble darf das trotzdem nicht passieren. Das ist nur noch arschlochig. Das "macht man nicht" - schon gar nicht, wenn man eigentlich ja so etwas wie eine Kinderstube genossen hat, was ich bei Schäubles Herkunft und Alter unterstelle. Da würde ich bei einigen jüngeren Proleten nicht den gleichen Maßstab anlegen.

Schäubles Verhalten und - fast mehr noch - das anbiedernd beifällige Gemurmel der Journalisten im Hintergrund sind eine Grenzüberschreitung, die nicht sein darf. Die einen grotesken und sehr gefährlichen Mangel an Haltung offenbart. Die zeigt, dass da einer ganzen Reihe von Leuten der Kompass abhanden gekommen ist.

Ich denke, man darf mit harten Bandagen streiten. Mache ich auch. Und wenn man dazu neigt, Menschen, die langsamer sind oder langsamer denken als man selbst, schwer ertragen zu können (und das geht mir auch oft so), wird es immer mal wieder vorkommen, dass man sich arrogant im Ton vergreift. Doof, aber das passiert.

Aber Mitarbeiter vor anderen zur Schnecke zu machen, ist selbst für etablierte Arschlöcher ein Schritt zu viel. Jemand, der so etwas macht, verliert meinen Respekt für immer (kleine Reminiszenz an Mr Darcy). So geht es mir nicht nur bei Schäuble jetzt gerade, so ging es mir vor langer Zeit schon mit einem der in unserer Szene bekannten und beklatschten Kommunikationschefs, den ich als Gast einmal erleben "durfte", wie er eine Mitarbeiterin im All-Staff-Meeting und vor uns Gästen rund gemacht hat.

So etwas ist stil- und würdelos. Und im Fall von Schäuble kratzt es zusätzlich an seinem selbstgebastelten Teflon-Image.

Mit Verlaub, Herr Minister, Sie sind ein Arschloch.



Mit dem einen oder anderen Kollegen habe ich (auf Twitter) andiskutiert, was die Konsequenz für Herrn Offen sein müsste. Ich denke, dass ich an seiner Stelle kündigen würde. Nach allem, was man hört, sollte er einen guten alternativen Job finden können. Meine Selbstachtung würde das zumindest verlangen. Und ich hätte auch keine Lust, für ein Arschloch zu arbeiten.

Update 9.11., 10:25 Uhr
Herr Offer hat genau diese Konsequenz nun gezogen. Mein Respekt! Edit: Djure hat Recht, Respekt ist zu viel. Aber gut und richtig ist es. Und verständlich in der Form.

3.11.10

Schlauer mitm Interweb

Endlich mal wieder ne Blogparade. Jochen Mai von der Karrierebibel ruft sie aus. Da will ich doch gerne folgen. Thema diesen Monat: Skurrile und/oder seltene Fragen, die Leserinnen in dieses Blog spülen, meistens über Google. Und die ich bisher nicht beantwortet habe. Einmal schummle ich, denn das kommt oft als Frage in den letzten Monaten. Aber sonst. Hier meine zehn Lieblinge.

Wie gewinnt man eine Frau zurück?
Lustige Frage an jemanden, der glücklicherweise für ein ganzes Leben mit der gleichen Frau verheiratet ist. Aber der Klassiker. War noch nie in der Situation. Aber ich denke, dass es mit ganz, ganz, ganz viel Nachlaufen und Liebe gehen könnte. Oder?

Haltungsturnen mit Kindern
Ach ja. Der andere Klassiker unter den Fragen, die mein Blog nicht befriedigend beantwortet. Tut mir leid. Ich kenne noch ein paar Übungen von früher, als ich Kind war und zum Haltungsturnen geschleppt wurde. Die Katze beispielsweise. Hier ist mit Haltungsturnen eher das Einüben einer Haltung gemeint.

Anschreiben für eine Pressemitteilung Elternfortbildung
Puh, da würde ich ja mal die PR-Kollegen in der Firma fragen, in der ich arbeite. Und überhaupt, was ist das für eine Frage? Aber ich hab eine Elternfortbildung im Angebot, hier sind die Folien dazu, unter einer Creative Commons Lizenz.

Sex mit Pferden
Igitt, was für ein Schweinkram, kann ich nur von abraten. Was ihr auch immer fragt, ey. Aber ich weiß, wie das kommt, dass man mich damit findet. Früher war der Titel, der da oben in der Browserdingens, ganz oben, angezeigt wurde: "Mit Männern ist das wie mit Pferden". Nur wieso das Wort Sex vorkommt, weiß ich nicht. Pferde sind toll übrigens, wir haben ja auch welche. Und Sex ist auch toll.

Ausmalbilder Eragon
Weiß ich echt nicht, wo man die bekommt. Überhaupt finde ich es lustig, dass so viele Referenzen auf meine Literaturliste per Suche hier reinkommen. Damit hätte ich auch nicht gerechnet, als ich damals damit angefangen hab, aufzuschreiben, was ich gerade lese, da drüben, links, in der Seitenleiste.

Damixa Wasserhahn tropft
Ja, das Problem kenne ich. Und die Lösung auch. Kann ich nur empfehlen. Wir haben aber jetzt keine Damixa Armaturen mehr.

Richtspruch
Da kann ich helfen. Der Klassiker unter den Richtsprüchen. Wie gut, dass mein Schwiegervater Bergmann war, die haben ja oft gerichtet und der kannte den.

Social Media Berater oder wahlweise auch feuern sie ihren social-media-berater
Damit hab ich ja was angerichtet. Mit dieser Suche sind ganz oft Leute mit IP-Adressen von Agenturen und Großunternehmen hier. Und aus einem Chemieunternehmen kommt jemand mindestens einmal die Woche mit dieser Frage. Und neuerdings jemand von einer Münchner Multimediaagentur, die sich offenbar unsicher ist, ob sie den externen Social-Media-Dingens wirklich weiter haben sollte, den sie beim Kunden reingebracht hat. Naja. Hab ich eine Meinung zu (also zu der zweiten Formulierung der Frage da): Ja, machen Sie's.

es kommt nich darauf ob man gewinnt, sondern das man gewinnt
Kinners, so geht das nicht. Ja, Google ist das größte Rechtschreibhilfeprogramm der Welt, aber da kräuseln sich doch die Fußnägel. Aber im Prinzip habt ihr Recht. Denn, die inzwischen im title-Tag dieses Blogs steht (und also ganz oben, da in der - bei mir - grauen Zeile über den Bedienelementen des Browsers): "Wichtig ist nicht, ob man gewinnt, sondern dass man gewinnt" Der Spruch soll übrigens von Helge Schneider (für die jüngeren von euch, falls ihr den nicht mehr kenn, hier ist der Wikipediaeintrag zu ihm) sein, passen könnte es. Ich hab aber nie gegoogelt, ob das stimmt. Könnte ich ja mal machen.

meisterdetektiv agaton sax inhaltsangabe
Oha. Das liest jemand in der Schule? Oder warum sollte sonst jemand danach googlen? Vor allem aber: Warum landet dann so jemand ausgerechnet auf meinem Eintrag, in dem ich erkläre, warum die Grünen die andere Volkspartei neben der CDU sind. So oder so aber ist das Buch Agaton Sax der Meisterdetektiv (das ich in exakt der verlinkten Ausgabe habe, ha!) eines meiner aller, aller, aller liebsten Bücher, mit denen ich jedes meiner Kinder mehrfach gequält habe und weiter quäle, weil sie ertragen müssen, dass ich es ihnen komplett vorlese. Größtartigst.
Kurzzusammenfassung: Der Chef der kleinsten Zeitung Schwedens (er ist der einzige Redakteur und Setzer etc) erlebt skurrile Abenteuer, in denen er zeigen kann, dass er nicht nur ein Spießer, sondern auch ein Sprach- und Kampfkünstler ist und so weiter. Die Bösen haben immer so spitze Hüte mit Doppelspitze auf. Und Sax gewinnt immer. Klar.

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