27.6.09

Das ist der Gartensommer

Mehr noch als das Grillen (ja, das ist auch wichtig im Gartensommer) ist es das Obst, das den Sommer im Garten so schön sein lässt. Heute nun ist endlich der erste Tag, an dem unsere Kirsche geerntet werden können - zumindest die ersten, die schon dunkelrot sind. Und nachdem heute früh die Kinder im Baum waren, habe ich einen Eimer voll gemacht...



Die Walderdbeeren an der Seite sind schon aufgegessen, die paar Himbeeren, die wir dieses Jahr haben, auch. Die Stachelbeeren mag kaum einer, da bleiben also noch welche für mich. Und die Johannesbeeren sind alt, die tragen nicht mehr viel. Gespannt bin ich auf die ebenfalls uralte Pflaume. Eigentlich müsste die dieses Jahr noch mal wieder ein bisschen was für uns haben....

Bis zu den Äpfeln ist es noch weit. Aber wenn es mit den Kirschen losgeht, immer am letzten Juniwochenende, ist für mich der Sommer da. Egal wie das Wetter dann ist.

23.6.09

Von Piraten und anderen Freibeutern

Ich kann diejenigen verstehen, die mehr als enttäuscht sind, wie sich insbesondere die SPD-Abgeordneten und auch die 15 Grünen, die sich enthalten haben, in der Frage der Einführung von Zensur unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Kinderpornographie verhalten haben. Obwohl ich mit der professionellen Brille des PR-Menschen den Schachzug brillant finde (allerdings nicht sicher bin, ob er vom BKA oder vom Ministerium ausgeheckt wurde), den Zensurwunsch mit dem Kampf gegen Kinderpornographie zu verbrämen, ist dies auch aus meiner Sicht einer der größten Skandale meiner bewusst erlebten politischen Zeit - vielleicht nur noch übertroffen von den seinerzeitigen Petersberger Beschlüssen der SPD unter Engholm.

Ich kann diejenigen verstehen, die sich nun auf die Suche nach einer Alternative machen und die Piratenpartei für sich entdecken.

Ich kann das verstehen und halte es für falsch.

Das hängt mit zwei wesentlichen Punkten zusammen:
  1. Ich bin skeptisch bei monothematischen Parteien. Das Leben und die Themen sind vielfältiger. Die Grundgefahr monothematischer Gruppen zeigt sich bei einem Blick in die Kommunalpolitik, die oft von solchen bunten und heterogenen Gruppen geprägt ist, die über ein Thema - sei es die Umgehungsstraße oder die Müllverbrennungsanlage - in die Gemeinderäte kommen und an allen anderen Themen scheitern oder populistischen Müll produzieren. Ein Thema ist mir zu dünn. Faktisch sind die Piraten meiner Meinung nach unpolitisch.
  2. Ich halte es für falsch, das freiheitliche Lager zu spalten und damit weiter zu schwächen. Es ist schon kompliziert genug, dass es nicht mehr nur rechts und links gibt, sondern quer dazu auch noch gemeinschafts- und freiheitsorientierte Parteien. Dass sich politische Richtungen im zweidimensionalen Feld bewegen und nicht mehr nur an einer Linie (auch wenn das neue Koalitionsoptionen öffnet).
Darum kämpfe ich innerhalb der Grünen um das Thema. Darum kann ich sogar verstehen, falls Sozis in der Partei bleiben oder sie wählen (auch wenn für mich da die Schmerzgrenze erreicht wäre). Das mag mühsam sein, das mag auch nicht überall erfolgreich sein, aber es lohnt sich, wenn es mir wirklich um die Sache geht und nicht nur um das Prizip der weißen Weste. Es ist eine Frage der Reife und der politischen Erwachsenseins, so empfinde ich es.

Was mich unsicher macht, ist, dass ich in den 80ern und frühen 90ern so auch über die Grünen gedacht habe.

19.6.09

Zensur

Nur immer frisch verboten,
nur immer konfisziert!
Und ging' es auch nach Noten,
ihr weckt doch nicht die Toten,
das Leben triumphiert!

Ihr traurigen Kapuzen,
ihr aller Wahrheit Feind,
ihr wollt den Adler stutzen,
die Sonne wollt ihr putzen,
weil sie zu hell euch scheint?!

Umsonst! Ihr könnt nicht hindern,
auch nicht das kleinste Wort!
Ihr könnt den Haß nicht mindern,
ihr könnt die Glut nicht lindern,
die grimmig euch verdorrt!

Gebt acht, die Stunden schleichen,
die Morgensonne strahlt:
Gebt acht, ich seh' ein Zeichen,
da werden noch mit Streichen
die Striche euch bezahlt!

So nährt ihr selbst die Flamme,
die selber euch verzehrt:
Schon knistert es am Stamme -
O daß euch Gott verdamme!
Ihr seid kein Mitleid wert.

1842
Robert Eduard Prutz (1816-1872)


(via Lyrikmail #2003)

Vom Abstimmungsverhalten eines Drittels der Abgeordneten meiner Partei bin ich sehr, sehr enttäuscht und halte es für einen Skandal. Wie sehr direkte und unmittelbare Gespräche etwas ändern können (und dass es sich auch jetzt noch lohnt, die Kärrnerarbeit auf sich zu nehmen anstatt die Flinte ins Korn zu werden), zeigt übrigens das Abstimmungsverhalten in der CDU.

6.6.09

Wer hat uns verraten, vol. 2

Wieder einmal. Schon am 9.11.2007 waren es Sozialdemokraten, die uns (da bei der Vorratsdatenspeicherung) verraten haben. Immerhin sind sie aber nicht so glatt gebügelt, dass sie einfach nur den kommunikativ brillanten Coup mit der Kinderpornographie landen, um das durchzusetzen, was sie wirklich wollen. Ja, ich denke auch, dass die CDU wenig erfreut sein wird, dass Wiefelspütz wieder einmal nicht die Klappe halten kann. Aber wer auch nur entfernt mit dem Gedanken gespielt haben sollte, morgen oder im September die SPD zu wählen, sollte sich dessen Äußerungen gegenüber der Berliner Zeitung einmal ansehen. Und wird dann sicher Ralf Bendrath zustimmen:
Wir sollen auch umstrittene Inhalte im Netz nicht mehr zur Kenntnis nehmen dürfen, weil unsere geliebte Bundesregierung besser weiss, was ihre Bürger lesen und worüber sie sich eine eigene Meinung bilden dürfen.

Die einzige Schlussfolgerung kann sein: Jegliche Zensur ist vollständig abzulehnen.

Dieter Wiefelspütz macht klar, dass es um Zensur geht : netzpolitik.org
Nur eines stimmt nicht: Das ist nicht die einzige Schlussfolderung. Die andere ist: Wenn die SPD ihrem Innenexperten nicht aus- und nachdrücklich widerspricht, ist sie nicht wählbar. Egal, was sie ansonsten an guten Ideen haben möge.

Im Grunde aber bin ich Wiefelspütz dankbar. Denn in den letzten Wochen bin ich bei Freunden und Verwandten aus dem sozialdemokratischen Umfeld oft auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen, wenn ich in der Debatte um Netzsperren auf den Einstieg in die Zensur hingewiesen habe. Das wurde oft als Panikmache und Übertreibung angesehen. Damit dürfte nun Schluss sein.

(Dass ich empfehle, morgen die Grünen zu wählen, dürfte ja kaum jemanden überraschen, der dieses Blog schon mal gelesen hat.)

Krebskanon visualisiert

Mehr oder weniger durch Zufall bin ich zum ersten Mal seit Jahren wieder bei Jörg Kantel im Blog gewesen und auf diese großartige Visualisierung eines der faszinierendsten Stücke der Musikgeschichte gestoßen:



via Gödel, Escher, Bach revisited – Der Schockwellenreiter

Un dabei ist mir angesichts der Überschrift wieder aufgefallen, dass ich Gödel, Escher, Bach immer noch nicht gelesen habe, ja es noch nicht mal besitze....

Muss ich irgendwann ändern. Unbedingt.

3.6.09

Back To The Future

Wie der eine oder die andere weiß, stamme ich ja aus der Bewegung. Also meine Eltern hatten damals einen der ersten Dritte-Welt-Läden (hieß damals so) gegründet, ich bin quasi mit den Demos gegen Gorleben und Pershings und Perschau groß geworden. Und zu den beglückenden Erlebnissen meiner Kindheit und Jugend gehören die friedens- und umweltbewegten Happenings in der Bramfelder Osterkirche oder dem Haus am Schüberg in Hoisbüttel (vor allem, als ich da zu Füßen des großen Erich Fried gesessen und seinem für das Friedensfest in Hoisbüttel live vor Ort gedichteten Werks lauschte. Oder als wir das riesige Friedensnetz knüpften, das dann in der achteckigen Kirche in Bramfeld unter die Empore gezogen wurde. Oder die Erzählungen von den Überlebenden des Hamburger Kessels und der Brokdorfdemos. Oder oder oder).

Aus dieser Zeit mag ich den Sozialpädagogenjargon nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Aber was ich aus dem eff-eff gelernt hab, das sind die Methoden der Kreativität und der Moderation und der offenen Diskussionen und der Metaplandingensarbeit. Alter Hut, dachte ich, als ich in die Agentur kam. Und gaaanz alter Hut, als ich erstmals von Open Spaces hörte.

Jedenfalls, und darum geht es ja eigentlich, bin ich immer wieder überrascht, wie diese historischen Methoden auf fruchtbaren Boden fallen bei Menschen (jungen Menschen und solchen in meinem Alter, die aber nicht so asynchron sozialisiert wurden), die sie nicht aus der guten alten Zeit kennen. Inklusive dem Piep-Piep-Piep, Wirhamunsallelieb, Jargon (siehe oben).

Es ist wie Heimkommen. Irgendwie. Fühlt sich so wohlig an. Irgendwie. Kuschelig. Und trotzdem effektiv (manchmal jedenfalls). Wenn die nur wüssten, woher das alles kommt, aber das werde ich ihnen nicht erzählen...

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