26.1.09

Ach so ist das

Wir hatten uns ja immer schon gefragt, wie sie es schaffen, dass unser Lieblingshotel immer gleich (und vor allem immer gleich frisch) aussieht. Und dieses Mal hat uns Herr Zollner dann erzählt, woran das liegt: Er renoviert jedes Jahr. Teppich, Betten, alles. Irgendwie klar, ja. Und der Aufwand lohnt sich, denn wir sind ja nun wirklich nicht die einzigen Stammgäste, die er hat. Neben der excellenten Küche sind es eben die Zimmer und die familiäre Atmosphäre, die uns immer wieder kommen lassen...

Jedenfalls war es wieder wunderschön. Und meinen Schwiegereltern und unserem Au Pair bin ich sehr dankbar, dass ihr Geburtstagsgeschenk an mich war, dass sie unsere Rasselbande das ganze Wochenende übernehmen (und meiner Süßen, dass sie mir das Wochenende geschenkt hat). Und nach einem Tag voller Regen und Schneeregen kam am Sonntag auch sogar noch die Sonne raus.

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Wir sind übrigens nicht - wie eigentlich geplant - im Kempinski in Heiligendamm zum Tee trinken gewesen. Das Wetter war  zu schlecht, um beide Strecken zu laufen, so sind wir hin gefahren. Mit Molli. Und nur zurück gelaufen, was uns auch sehr nass gemacht hat. Aber die Sauna hat es wieder in Ordnung gebracht.

in der Molli.jpg

So ein schlaf- und seeluftreiches Wochenende ist was Feines zwischendurch. Danke dafür.

19.1.09

Ich finde Peter Scholl-Latour gefährlich

Das, was Peter Scholl-Latour seit Jahren zum Thema Islam sagt, halte ich für falsch, auch und gerade inhaltlich. Und dass er wesentlich das Islambild in diesem Land mitgeprägt hat, finde ich doof - aber da kann man nicht mehr viel dran ändern, so omnipräsent wie er in deutschen Medien ist.

Insofern ist es zwar nicht überraschend, aber dennoch beängstigend, wie sein peinlicher Ausraster am vergangenen Freitag in der Talkshow 3 nach 9 von Radio Bremen bisher aufgenommen wurde. Ich habe es nicht live gesehen - und ehrlich gesagt auch erst heute über meedia.de davon erfahren. Das, was Georg Altrogge dann da schrieb, hat mich allerdings so irritiert, dass ich mir den Ausschnitt angeguckt habe, Radio Bremen hat ihn glücklicherweise online.

Und danach wusste ich, warum ich irritiert war: Das, was Altrogge schreibt (und noch grotesker beispielsweise bei Reader's Edition, die keinen Link bekommen, so unterirdisch ist der Beitrag und sind die Kommentare), ist meines Erachtens einfach falsch. Dass Scholl-Latour mit seinem Gejammer ("in die Falle gelockt") auch noch die Interpretation seines Auftritts bestimmt, finde ich schlimm.

Darum hab ich die wichtigsten Passagen und seine wichtigsten und schlimmsten Aussagen einmal zusammen getragen (die Zeiten beziehen sich dabei auf den oben verlinkten Film, den ich hier leider nicht einbinden kann):
8:40 Scholl-Latour bemerkt, die Offensive Israels sei "ein Krieg gegen eine Bevölkerung, die praktisch doch keine Waffen hat." (Man hört quasi das Atemholen im Studio und Moderator di Lorenzo hakt nach: "Hamas hat keine Waffen, das haben Sie gerade gesagt?" - S.-L.: "was die haben sind n paar Katjuschas") BITTE?? Wie zynisch ist das denn?
9:20 spricht er von "israelischen Kolonisten", was immer er mit diesem Wort meint - dass es einen negativen Unterton hat, macht ja auch seine positive Bewertung der Schlussphase der Kolonialherrschaft in Afrika nicht besser, die er zu Beginn der Sendung vornimmt.
9:50 S.-L. kommt auf die Ursachen des Konflikts zu sprechen und bemerkt: "Wir haben grad über das Eingesperrt sein gesprochen in der DDR - und die Leute sind in Gaza ja auch eingesperrt wie in einer Sardinenbüchse, und das ist im Grunde eines der Probleme." Ah. Ja.
Krass wird es allerdings, wenn Scholl-Latour auf die Hamas zu sprechen kommt. Und erst da übrigens eskaliert ja auch das, was vorher beinahe noch ein Gespräch war. Schon ganz am Anfang hatte er voller Stolz erwähnt, dass in seinem jüngsten Buch, um das es eigentlich in diesem Auftritt hätte gehen sollen, ein Foto von ihm mit dem Hamas-Gründer abgebildet sei. Und dann legt er los:
ca. 11:40 ist es, als er dann noch mal darauf zu sprechen kommt, was die Hamas aus seiner Sicht sei: "Natürlich", meint er, "sind da auch (holperige? Ich kann das Wort auch beim wiederholten Anhören nicht verstehen, sorry) Burschen da - aber es gibt auch den Ausdruck Widerstandskämpfer, die französische Resistance wurde auch als Terroristen bezeichnet."
Erst hiernach geht der Sturm los. Und nicht etwa nur die junge Münchnerin, die zurzeit in Israel lebt und diese TV-Show gewonnen hatte, sondern auch Cem Özdemir und andere greifen ein und versuchen, das Gespräch wieder in seriöse Bahnen zu führen.
12:35 Aber Scholl-Latour hat daran kein Interesse. Denn auf den Einwand, die Hamas wolle schließlich die Auslöschung Israels, blafft er: "Ach, Auslöschung Israels, das ham sie doch alle gesagt..." So reden Verharmloser des Terrors, tut mir leid.
Und dann geht es rund. Interessanterweise versuchen die Moderatoren, die in so vielen Beiträgen und Kommentaren, die ich heute gelesen habe, so hart kritisiert werden (wie ich finde: völlig zu Unrecht!), Scholl-Latour immer wieder im Gespräch zu halten. Aber als die junge "Botschafterin" (jaja, das ist albern) dann von der realen Situation und den Ängsten und Gefühlen der Menschen spricht - was ich extrem wichtig finde (und weshalb ich auch immer und immer wieder Lilas großartiges Blog als Primärquelle empfehle) - verweigert sich der große "Welterklärer" der weiteren Diskussion. Die Realität ist offenbar, so scheint es mir, nichts, was seinem jahrzehntelang kultiviertem Weltbild auf die Pelle rücken darf. Nicht umsonst betont er immer wieder, dass er den Konflikt seit 1951 ganz genau kenne. Als er dann allerdings behauptet, die Grenzen von 1967 seien in diesem Konflikt das Ziel der Hamas, wird es dem Rest der Runde zu bunt. Zumal das auch einfach nicht wahr ist, da kann er sich auf den Kopf stellen und lachen. Die Charta der Hamas sagt ja ganz klar, dass es um die Auslöschung Israels gehe und darum, den Islam in die Weltherrschaft zu bringen, weil erst dann ein friedliches Zusammenleben der Religionen möglich würde.

Auch einem Mann wie Scholl-Latour muss zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein, dass er sich selbst in eine Falle manöviert hat, dass er allzu offen seine geschichtsklitternden Weisheiten im falschen Forum verbreitet hat - und so verweigert er sich nun der weiteren Diskussion. Das ist erschütternd unsouverän und einem, der so austeilen kann wie er, unwürdig, finde ich. Aber es ist entlarvend.

Meine Meinung dazu ist, dass jemand wie Scholl-Latour mehr als nur mit dem Feuer spielt. Da kann er noch so sehr beklagen, er werde in eine radikale Ecke gedrängt - wer den Terrorismus verniedlicht ("kaum Waffen", "Widerstandskämpfer"), Israel mit den Sowjetmachthabern in der DDR gleichsetzt ("eingesperrt wie in der DDR") und die expliziten Ziele der Terroristen wegwischt ("Grenzen von 67"), ist brandgefährlich. Und sollte eigentlich das Bild dieses grauenvollen Krieges in der Öffentlichkeit nicht prägen dürfen.

Dass er es dennoch tut und weiterhin tun wird, macht mich wütend und traurig. Ebenso wie die Unterstützung, die er jetzt bekommt - und in die sich teilweise sogar antijüdische Ressentiments mischen (Fried habe ja einen jüdischen Vater, di Lorenzo sei schließlich Chef einer von Juden geführten Zeitung etc, einfach zu finden bei Reader's Digest, ich verlinke diesen Dreck nicht).

17.1.09

Glocal Surprise

Claudia Sommer "folge" ich schon etwas länger auf Twitter. Vor allem, weil sie immer gute Links weitergibt. Und weil sie irgendwas mit Kommunikation bei Greenpeace macht, wodurch sie sozusagen quasi doppelte Vorschusslorbeeren bekommt bei mir oder so ähnlich.

Heute hab ich dann aus dem Augenwinkel dem Streit ihrer Nachbarn zugehört. Eben auf Twitter. Bis ich einen Schreck bekommen habe.


Denn auf einmal ein sehr vertrautes Wort so aus dem Off zu hören (#Duvenstedt), war in diesem Zusammenhang irgendwie verstörend. Ich hatte mir nicht mal Gedanken darüber gemacht, dass ich ja im Prinzip wusste, dass Claudia in oder um Hamburg lebt. Und auf einmal rückte das Gezwitscher ganz nah. Immerhin betrifft es niemanden, den ich persönlich kenne, was ja nach gut sechs Jahren recht intensivem Familien-, Kirchen- und Vereinsleben in dem Dorf durchaus hätte sein können.

Ebenso wie ich twittert Claudia normalerweise oft auf englisch, so dass sie in meiner Wahrnehmung eher in die globale Ecke meines Twitterlebens gehörte. Das hat sich jetzt schockartig geändert.

13.1.09

Morgens durch den Park



Ich habe extra ein Hotel gewählt, von dem ich morgens durch den Parc Monceau laufen kann auf dem Weg in unser Pariser Büro. Und heute morgen auf den tiefroten Morgenhimmel über der Stadt zuzulaufen war wunderbar. Coldplay auf den Ohren, leichter Regen, aber der Himmel im Osten rot und blau.

Und dann standen da viele Eltern mit ihren Kindern direkt hinter dem Eingang zum Park und staunten in die andere Richtung. Als ich mich umdrehte, war es ein vollständiger Regenbogen, der sich über den Häusern spannte. Das macht gute Laune.

10.1.09

Der blinde Fleck

So lange ich denken kann, hat meine latente Außenseiterposition in den meisten politischen Organisationen auch daran gelegen, dass ich blinde Flecke nicht mag (auch wenn ich weiß, dass ich mit Sicherheit auch welche habe). Die Balance zu finden zwischen politischer Solidarität und dem klaren Benennen von solchen blinden Flecken auch bei Menschen, mit denen ich im Prinzip einer Meinung bin, ist nicht einfach.

Was ich an der Diskussionskultur bei den Grünen, bei denen ich Mitglied bin, seit kein Linker in der SPD bereit war, gegen Schröder für den Parteivorsitz zu kandidieren, mag, ist, dass es möglich ist, (halb-) öffentlich hart in der Sache zu reden.

Der Hamburger Parteifreund Kurt Edler hat Ende letzten Jahres rund um den auch aus meiner Sicht nicht überzeugenden Entwurf des Europawahlprogramms einen wichtigen "Streit" begonnen, für den er mehr und mehr Unterstützung in der Partei bekommt. Es geht vor allem um den Punkt, dass bei den Fragen der Menschen- und Frauenrechte aus Gründen der politischen Opportunität klare Aussagen fehlen - und die Grünen mit diesem Entwurf drohen, ihre immer mutige Position in Demokratie- und Menschenrechtsfragen aufzugeben. Und das aus der vielleicht verständlichen aber doch absurden Angst, den islamophoben Idioten in einzelnen Punkte zu nahe zu kommen. Aber lest Kurts wirklich überzeugende Kritik selbst: 

Kurt Edler: Kritik am Programmentwurf der Grünen zur Europawahl

Claudia Roth hat Kurt noch im Dezember auf diesen Text geantwortet - wie ich finde, eher schwach. Besonders deutlich wird das an dieser Passage in ihrer in der Partei zirkulierten Email:
Wir hatten jetzt viele Jahre eine amerikanische Administration, die in Zentrallosungen der sogenannten Bush-Doktrin genau diese Elemente schlagwortartig zusammenband:
- Kampf von Freiheit und Demokratie gegen die Diktatur
- Islamismus als Hauptfeind der Menschheit
- "War on terror"
- Gegensatz von altem und neuem Europa

(....) Willst Du den Grünen jetzt tatsächlich den Rat geben, in der Nähe der Hauptslogans der Bush-Administration zu formulieren? Wenn ja, wie sollte dann die notwendige Abgrenzung aussehen - oder meinst du, so etwas sei nicht nötig?

(Claudia Roth, Bundesvorsitzende, an Kurt Edler in eine Email vom 16.12.2008)
Weitere Dokumente aus dieser Diskussion habe ich ebenfalls bei Scribd abgelegt, sowohl Kurts sehr lesenswerte Entgegnung auf Claudias Antwort als auch einen spannenden offenen Brief der Aleviten, die in einem Kölner Streit den gleichen blinden Fleck im schwarz-grün regierten Köln anprangern.

Meine Meinung in dieser Frage ist:

Ich teile Kurts Kritik und bin sehr enttäuscht, dass die menschen- und frauenverachtenden Radikalen innerhalb des Islam nicht beim Namen genannt werden. Menschenrechte und das freiheitliche Verständnis von Demokratie sind nicht teilbar und müssen, wenn wir politische dafür arbeiten wollen, auch dann gegenüber Menschen und Organisationen fest und deutlich vertreten werden, die das anders sehen, wenn diese zu Minderheiten gehören, die beispielsweise von Islamophoben oder anderen Rechtsradikalen aus anderen Gründen abgelehnt werden. Allein die Angst, dass wir (aus völlig unterschiedlichen Gründen und in völlig anderen Zusammenhängen) in der harten Kritik an den Positionen mancher islamischen Gruppen die gleichen "Gegner" identifizieren wie Neokonservative und Islamophobe - und so verstehe ich Claudias Antwort -, kann doch nicht dazu führen, dass wir es aufgeben, eine Bürgerrechts- und Demokratiepartei zu sein.

Das gleiche blinde-Fleck-Muster finde ich übrigens auch bei einem erklecklichen Teil meiner Kirche vor. Und da kritisiere ich es ebenso.

4.1.09

Ein gutes Herz und eine gute Idee

Einen Tag vor Silvester ist im Nachbardorf eine Familie mit fünf Kindern vollständig abgebrannt, mitsamt der Werkstatt der Firma, die sie führt. Die Familie war im Urlaub, so dass glücklicherweise niemand persönlich zu Schaden kam, aber wie grausam ist es, alles zu verlieren - in Dänemark zu sitzen und nichts, buchstäblich gar nichts mehr zu haben. Leider ist ihr jüngstes Kind älter als Quarta, sonst hätten wir wenigstens für den Übergang mit Kleidung und Spielzeug helfen können. Denn dass so viele Leute sagen, dass das ja alles die Versicherung bezahlt (hoffentlich), ist ja nur ein schwacher Trost.

Wir kommen jedesmal, wenn wir zum Reiten auf den Hof fahren, an der Ruine vorbei. Und Quarta ist jedesmal erschüttert. "Ein Haus darf aber nicht abbrennen", sagte sie beim ersten Mal - und will es doch immer wieder sehen und daran vorbei fahren, es lässt ihr keine Ruhe, dass da einmal eine Familie "mit vielen Kindern" gewohnt hat.

Heute früh hatte sie eine "gute Idee", denn wir haben gestern ihr Zimmer ausgemistet und umgeräumt, so dass sie wieder Platz auf dem Fußboden hat: "Die könnten doch bei uns wohnen. Wir legen Matratzen auf den Boden in meinem Zimmer und dann haben wir hier noch mehr Kinder und Eltern. Die Mutter und der Vater können doch bei euch im Schlafzimmer schlafen. Haben wir so viele Matratzen, Papa?"

Ich liebe die Gespräche am frühen Sonntagmorgen, wenn alle anderen noch schlafen und Quarta ohne Unterbrechung redet. Sie macht sich mit ihren drei Jahren so viele Gedanken. Und ist überzeugt, dass ihr kleinster großer Bruder lügt, wenn er sagt, es gebe Monster.

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