
Patrick Breitenbach macht auf einen Fall aufmerksam, der mich kümmert. Und wenn es erstmal nur ist, genau das zu sagen.
Lesen und kümmern!

Patrick Breitenbach macht auf einen Fall aufmerksam, der mich kümmert. Und wenn es erstmal nur ist, genau das zu sagen.
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8:40 Scholl-Latour bemerkt, die Offensive Israels sei "ein Krieg gegen eine Bevölkerung, die praktisch doch keine Waffen hat." (Man hört quasi das Atemholen im Studio und Moderator di Lorenzo hakt nach: "Hamas hat keine Waffen, das haben Sie gerade gesagt?" - S.-L.: "was die haben sind n paar Katjuschas") BITTE?? Wie zynisch ist das denn?Krass wird es allerdings, wenn Scholl-Latour auf die Hamas zu sprechen kommt. Und erst da übrigens eskaliert ja auch das, was vorher beinahe noch ein Gespräch war. Schon ganz am Anfang hatte er voller Stolz erwähnt, dass in seinem jüngsten Buch, um das es eigentlich in diesem Auftritt hätte gehen sollen, ein Foto von ihm mit dem Hamas-Gründer abgebildet sei. Und dann legt er los:
9:20 spricht er von "israelischen Kolonisten", was immer er mit diesem Wort meint - dass es einen negativen Unterton hat, macht ja auch seine positive Bewertung der Schlussphase der Kolonialherrschaft in Afrika nicht besser, die er zu Beginn der Sendung vornimmt.
9:50 S.-L. kommt auf die Ursachen des Konflikts zu sprechen und bemerkt: "Wir haben grad über das Eingesperrt sein gesprochen in der DDR - und die Leute sind in Gaza ja auch eingesperrt wie in einer Sardinenbüchse, und das ist im Grunde eines der Probleme." Ah. Ja.
ca. 11:40 ist es, als er dann noch mal darauf zu sprechen kommt, was die Hamas aus seiner Sicht sei: "Natürlich", meint er, "sind da auch (holperige? Ich kann das Wort auch beim wiederholten Anhören nicht verstehen, sorry) Burschen da - aber es gibt auch den Ausdruck Widerstandskämpfer, die französische Resistance wurde auch als Terroristen bezeichnet."Und dann geht es rund. Interessanterweise versuchen die Moderatoren, die in so vielen Beiträgen und Kommentaren, die ich heute gelesen habe, so hart kritisiert werden (wie ich finde: völlig zu Unrecht!), Scholl-Latour immer wieder im Gespräch zu halten. Aber als die junge "Botschafterin" (jaja, das ist albern) dann von der realen Situation und den Ängsten und Gefühlen der Menschen spricht - was ich extrem wichtig finde (und weshalb ich auch immer und immer wieder Lilas großartiges Blog als Primärquelle empfehle) - verweigert sich der große "Welterklärer" der weiteren Diskussion. Die Realität ist offenbar, so scheint es mir, nichts, was seinem jahrzehntelang kultiviertem Weltbild auf die Pelle rücken darf. Nicht umsonst betont er immer wieder, dass er den Konflikt seit 1951 ganz genau kenne. Als er dann allerdings behauptet, die Grenzen von 1967 seien in diesem Konflikt das Ziel der Hamas, wird es dem Rest der Runde zu bunt. Zumal das auch einfach nicht wahr ist, da kann er sich auf den Kopf stellen und lachen. Die Charta der Hamas sagt ja ganz klar, dass es um die Auslöschung Israels gehe und darum, den Islam in die Weltherrschaft zu bringen, weil erst dann ein friedliches Zusammenleben der Religionen möglich würde.
Erst hiernach geht der Sturm los. Und nicht etwa nur die junge Münchnerin, die zurzeit in Israel lebt und diese TV-Show gewonnen hatte, sondern auch Cem Özdemir und andere greifen ein und versuchen, das Gespräch wieder in seriöse Bahnen zu führen.
12:35 Aber Scholl-Latour hat daran kein Interesse. Denn auf den Einwand, die Hamas wolle schließlich die Auslöschung Israels, blafft er: "Ach, Auslöschung Israels, das ham sie doch alle gesagt..." So reden Verharmloser des Terrors, tut mir leid.


Ich habe extra ein Hotel gewählt, von dem ich morgens durch den Parc Monceau laufen kann auf dem Weg in unser Pariser Büro. Und heute morgen auf den tiefroten Morgenhimmel über der Stadt zuzulaufen war wunderbar. Coldplay auf den Ohren, leichter Regen, aber der Himmel im Osten rot und blau.
Und dann standen da viele Eltern mit ihren Kindern direkt hinter dem Eingang zum Park und staunten in die andere Richtung. Als ich mich umdrehte, war es ein vollständiger Regenbogen, der sich über den Häusern spannte. Das macht gute Laune.
Wir hatten jetzt viele Jahre eine amerikanische Administration, die in Zentrallosungen der sogenannten Bush-Doktrin genau diese Elemente schlagwortartig zusammenband:Weitere Dokumente aus dieser Diskussion habe ich ebenfalls bei Scribd abgelegt, sowohl Kurts sehr lesenswerte Entgegnung auf Claudias Antwort als auch einen spannenden offenen Brief der Aleviten, die in einem Kölner Streit den gleichen blinden Fleck im schwarz-grün regierten Köln anprangern.
- Kampf von Freiheit und Demokratie gegen die Diktatur
- Islamismus als Hauptfeind der Menschheit
- "War on terror"
- Gegensatz von altem und neuem Europa
(....) Willst Du den Grünen jetzt tatsächlich den Rat geben, in der Nähe der Hauptslogans der Bush-Administration zu formulieren? Wenn ja, wie sollte dann die notwendige Abgrenzung aussehen - oder meinst du, so etwas sei nicht nötig?
(Claudia Roth, Bundesvorsitzende, an Kurt Edler in eine Email vom 16.12.2008)