25.11.08

What Would Jane Do? Don't Walk!

Warum nur? Das frage ich mich ja jedesmal, wenn jemand nicht an sich halten kann und in der großen Mittvierziger Mittleifkreisis mal eben so alles wegwirft, was bis dahin wichtig war. Im Wissen, dass Menschen sich verändern können, ist mir doch immer noch und immer mehr schleierhaft, was sie dazu treibt, allem dann auch nachzugeben.

Nein, ich will gar nicht religiös argumentieren. Oder damit, dass Vertrautheit und das Wissen, wie der oder die andere ist, nichts mit Langeweile zu tun hat. Auch nicht damit, dass ich es wichtig finde, um eine Beziehung zu kämpfen.

Sondern ich frage mich eher, warum so viele Geschlechtsgenossen so feige sind, sich um eine kritische Entscheidung herum zu drücken - und den Weg des scheinbar geringeren Widerstandes gehen. Und mal eben 15 Jahre Ehe und zwei pubertierende Kinder wegwerfen. Es macht mich zorning und traurig und es bleibt mir, wenn es im direkten Umfeld passiert, trotzdem unverständlich. Und zu sehen, wie es überall drum herum Verunsicherung auslöst bis hin zur Angst um die je eigene Beziehung, macht mich fast hilflos.

Passend dazu haben wir gestern mal wieder The Jane Austen Book Club gesehen, einen wunderbaren Film, der mit jedem Mal schöner wird und in dem ich jedes Mal neue Details entdecke (es hat lange gedauert, bis ich zum ersten Mal sah, dass Prudie in den Schlussszene schwanger ist). So wie den wahren und wunderbaren Satz, den Bernadette zu Jocelyn sagt, als sie im Starbucks den Chai Latte holen (der absurderweise mit "Sojacappuchino" übersetzt wird) und sich fragen, ob Daniel wohl Austen gelesen habe:

Kein Mann, der Jane Austen liest,
würde eine Frau abservieren,
nur weil es für die andere besser ist.

24.11.08

Offline tut gut (hin und wieder)

Auch, wenn der Schnee ausgeblieben ist (was mich nicht so traurig machte, da wir noch keine Winterreifen haben an unserem neueren Wagen), war es ein nahezu offline verbrachtes Wochenende - ohne Barcamp (nein, ich gehe da nicht hin, denn Wochenenden sind, wenn irgend möglich, Familienzeit. Und Arbeit für Kunden muss so schon oft genug an Wochenenden sein), dafür mit Freunden und mit Familie.

Wieder einmal habe ich gemerkt, dass Diskussionen, die offline stattfinden, nicht zwingend ergiebiger oder sinnvoller sind als online - und dass auch in persönlichen Gesprächen trollartiges Verhalten genau so nervt wie online. Nur dass es schwieriger ist, sich dem zu entziehen, weil ja eben alle in einem Raum sind. Und weil es mir "offline" noch weit schwerer fällt, Nicht-Argumente zu akzeptieren und unwidersprochen stehen zu lassen. Während ich online ja ein Verfechter dessen bin, dass kein Lesezwang besteht, ist eine "Diskussion" am Esstisch, in der argumentfrei nur aus einer Mischung aus Angst, Verachtung und Hass gesprochen wird, zumindest für mich nicht so leich zu ignorieren. Zumal ich traditionell gerne und auch zugespitzt diskutiere (Ich erinnere mich noch mit freudigem Schaudern an die jahrelangen Diskussionen mit meinem Großvater, der partout nicht einsehen wollte, dass er ein entfremdetes Mitglied der ausgebeuteten Klasse der Werktätigen ist).

Dass ich dann in einer Diskussion (offline) nicht mal eben schnell auf den guten Aufmacher der aktuellen Zeit verlinken kann, um kurz zu begründen, warum ich den Rechtsstaat nicht am Ende sehe, macht es noch mühsamer.
Wobei ironischerweise ein Teil der Tischgesellschaft ja sogar die Papiervariante der Zeit zu Hause rumliegen hat, ich dagegen nur die Audiovariante auf dem Weg zur Arbeit gehört hatte. Eine weitere Bestätigung meiner zynischen These, die Zeit sei die einzige Zeitung mit einer höheren verkauften als gelesenen Auflage.

Andere Teile des Wochenendes spüre ich noch (jaja, wieder einmal der Muskelkater nach dem Reiten). Oder sie hängen mir noch in Gedanken nach. Wie kibbelig beispielsweise Beziehungen sein können, wenn nicht beide achtsam damit umgehen oder einer zu feige ist. Oder wie es doch immer wieder erstaunlich ist, wie wenig ich aktuell von guten und sehr guten Freunden aus ihrem Leben weiß, wenn die nicht so online sind wie ich. Und wie viel mehr ich von Menschen weiß, denen ich - eigentlich - nicht so nahe stehe.

Ist Nähe neu zu denken? Ja, bestimmt. Und ich merke, dass ich bei manchen, die mir wichtig sind, in diese Nähe mehr investieren muss (und werde). Denn einerseits findet mich sehr viel. Andererseits muss ich bei anderen eben auch viel suchen. Auch dafür ist es gut und wichtig, zwischendurch dieses andere Leben mal wieder ungefiltert zu haben.

19.11.08

Das beste Phishing/ Spam Dingens seit Jahren

Ich liebe es, hin und wieder die Spam- oder Phishingmails zu lesen. Diese hier von heute um 4:30 Uhr ist doch großartig, oder?

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13.11.08

Das mag ich hier

Ungefähr hundert Bakfiets kamen mir entgegen mit den Kindern vorne drin im Korb, auf dem Weg in die Schule. Und dann dieses Schild. Ich war ja das letzte Mal vor zwanzig Jahren in Amsterdam, aber hier könnte ich leben, glaube ich.

OK, es stellt sich heraus, dass die Gegend, durch die ich vom Hotel ins Büro gelaufen bin, so ziemlich die beste und teuerste der Stadt zu sein scheint.


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Kein Wunder also, dass sie wunderschön ist mit ihren Backsteinhäusern aus den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts...

Aber überzeugt war ich, als ich an diesem Verkehrsschild vorbei lief. Das ist doch mal was für uns Radfahrer....



11.11.08

Leben

Es ist wunderschön, wenn die Erleichterung Platz greift, dass alle wieder auf dem Damm sind. Denn es ist ja nicht nur die Anstrengung, sondern auch die Sorge und das Mitleiden, das so schlaucht. Ich kann mich nicht erinnern, was es uns als Familie das letzte Mal so komplett erwischt hat.

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Meine erste Reaktion, als die Lehrerin von Tertius uns eröffnete, dass sie den Leselernkurs Fu und Fara für die Klasse nutzen wird, war ja, dass schon meine Grundschullehrerin 1976 nicht diese Fiebel genommen hat, weil sie sie für veraltet hielt. Ich hab das nach einem strengen Blick meiner Süßen nicht laut auf dem Elternabend gesagt, was völlig richtig war, denn prinzipisch wird der Kurs ja immer wieder upgedatet. Aber jetzt zu erleben, wie grausam dieses Buch ist (dauernd "rufen" die sich was zu und Fara und Fu müssen überall hin mit einem Ballon fahren, damit sie eben rufen können), und zu sehen, wie es der nur bedingt ausgeprägten Neigung zur Binnendifferenzierung in die Hände spielt, frustriert etwas. Einziger Trost: Ein normal begabtes Kind lernt lesen, egal wie. Und ihm macht es Spaß.

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Irgendwie ist es Europa in fünf Tagen vom Gefühl her. Denn in diesen Wochen leite ich in unseren (Edelman) europäischen Büros die große digitale Fortbildungwelle, was mich jeweils für zwei bis drei Tage in tolle Städte führt, die ich dann aus der Perspektive von Konferenzräumen erlebe. Drei Tage am Stück ist einerseits sinnvoll, sicher. Aber es ist eben auch doppelt anstrengend - und die Familie ist alles andere als zufrieden damit. Und es schadet ziemlich der Work-Life-Balance, die ich gerade letzte Woche im Interview mit Jochen von der Karrierebibel als mein Kriterium für Erfolg bezeichnet hatte:

Link: Wolfgang Luenenbuerger Reidenbach über Erfolg



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In dem Zusammenhang: Warum hat eigentlich Sevenload mal wieder so eine grottige Performance? Ich mag den Service, mag ihn viel lieber als MyVideo - aber so geht das gar nicht.

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Dass es keine St. Martin Tradition im Norden gibt, ist schade. Als wir in Duvenstedt wohnten, hat die Gemeinde dort immerhin einen Martinszug gemacht, mit Martin auf Pferd an der Spitze und so. Aber immerhin versucht Djure, mir Weckmänner (oder Stutenkerle) mitzubringen, wenn ich ihn nachher sehe. Denn nichtmal die kann man hier kaufen. Buuuuhhhh.

Dafür fahren wir am Sonnabend zum Martinsgansessen an die See.

9.11.08

Lazarett

Zu behaupten, ein Wochenende, an dem ich der einzige Überlebende in einem virenverseuchten Lazarett @ luebue's house bin, sei ein Spaß, wäre gelogen. Langsam wird es besser.

3.11.08

Ein Schrecken ohne Ende


(Bild von Die Welt ist gar nicht so via Julia Seeliger)

Ich leide. Immer noch nahc so vielen Jahren. Denn ich hänge emotional immer noch an der alten Tante. Und einige meiner besten Freunde sind (immer noch) Sozialdemokraten. Aber in der Selbstdemontage haben sie es zur Perfektion gebracht. Erst Simonis. Dann Müntefehring. Dann Beck. Dann die gesamte Partei heute in Wiesbaden.

Das hat keinen Stil. Und es wogt eine Welle des Fremdschämens durch mich. Das hat auch keine Würde. Heute in einem großen Businessmeeting mit Menschen, die nicht alle verdächtig sind, links von der Mitte beheimatet zu sein, war es ein einziges Kopfschütteln, als es durchsickerte.

Ja, Schwarz-Grün ist alles andere als toll gerade, und ich könnte brechen bei dem, was jetzt gerade aus der Schulbehörde in Hamburg kommt. Aber diese Hinterfotzigkeit, die die SPDisten unter einander an den tag legen, ist unübertreffbar. Und da lobe ich mir die Zuverlässigkeit der CDU. Und sogar der Grünen.

Ich könnte knurren und heulen - und muss doch irgendwie beinahe lachen, wenn ich mir ansehe, wie der letzte Funken Anstand aus einigen entweicht. Und wie die anderen hilflos durch die Welt stolpern.

Verdammt! Dieses Land bräuchte eine SPD. Und hat keine mehr.

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