24.11.08

Offline tut gut (hin und wieder)

Auch, wenn der Schnee ausgeblieben ist (was mich nicht so traurig machte, da wir noch keine Winterreifen haben an unserem neueren Wagen), war es ein nahezu offline verbrachtes Wochenende - ohne Barcamp (nein, ich gehe da nicht hin, denn Wochenenden sind, wenn irgend möglich, Familienzeit. Und Arbeit für Kunden muss so schon oft genug an Wochenenden sein), dafür mit Freunden und mit Familie.

Wieder einmal habe ich gemerkt, dass Diskussionen, die offline stattfinden, nicht zwingend ergiebiger oder sinnvoller sind als online - und dass auch in persönlichen Gesprächen trollartiges Verhalten genau so nervt wie online. Nur dass es schwieriger ist, sich dem zu entziehen, weil ja eben alle in einem Raum sind. Und weil es mir "offline" noch weit schwerer fällt, Nicht-Argumente zu akzeptieren und unwidersprochen stehen zu lassen. Während ich online ja ein Verfechter dessen bin, dass kein Lesezwang besteht, ist eine "Diskussion" am Esstisch, in der argumentfrei nur aus einer Mischung aus Angst, Verachtung und Hass gesprochen wird, zumindest für mich nicht so leich zu ignorieren. Zumal ich traditionell gerne und auch zugespitzt diskutiere (Ich erinnere mich noch mit freudigem Schaudern an die jahrelangen Diskussionen mit meinem Großvater, der partout nicht einsehen wollte, dass er ein entfremdetes Mitglied der ausgebeuteten Klasse der Werktätigen ist).

Dass ich dann in einer Diskussion (offline) nicht mal eben schnell auf den guten Aufmacher der aktuellen Zeit verlinken kann, um kurz zu begründen, warum ich den Rechtsstaat nicht am Ende sehe, macht es noch mühsamer.
Wobei ironischerweise ein Teil der Tischgesellschaft ja sogar die Papiervariante der Zeit zu Hause rumliegen hat, ich dagegen nur die Audiovariante auf dem Weg zur Arbeit gehört hatte. Eine weitere Bestätigung meiner zynischen These, die Zeit sei die einzige Zeitung mit einer höheren verkauften als gelesenen Auflage.

Andere Teile des Wochenendes spüre ich noch (jaja, wieder einmal der Muskelkater nach dem Reiten). Oder sie hängen mir noch in Gedanken nach. Wie kibbelig beispielsweise Beziehungen sein können, wenn nicht beide achtsam damit umgehen oder einer zu feige ist. Oder wie es doch immer wieder erstaunlich ist, wie wenig ich aktuell von guten und sehr guten Freunden aus ihrem Leben weiß, wenn die nicht so online sind wie ich. Und wie viel mehr ich von Menschen weiß, denen ich - eigentlich - nicht so nahe stehe.

Ist Nähe neu zu denken? Ja, bestimmt. Und ich merke, dass ich bei manchen, die mir wichtig sind, in diese Nähe mehr investieren muss (und werde). Denn einerseits findet mich sehr viel. Andererseits muss ich bei anderen eben auch viel suchen. Auch dafür ist es gut und wichtig, zwischendurch dieses andere Leben mal wieder ungefiltert zu haben.

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